Also haben wir zu Hause übernachtet und sind morgens früh aufgestanden. Ein Blick auf die DB App: Nach Bremen soll gegen 8:30 Uhr ein Zug fahren
Nun gut, eigentlich wollte ich ja von den Sixdays berichten – und nicht von der Deutschen Bahn… Naja, Bahn ist Bahn

Das sind die Schrittmacher. Sie fahren vor dem Sportler (jeder Radfahrer bekommt einen Schrittmacher) und geben Windschatten.

Gemeinsam fahren sie 40 Runden. Und wer als Erster im Ziel ist, hat gewonnen. Am Samstag Nachmittag war es so, daß man bei Nils Politt den Eindruck hatte, als wolle er gar nicht wirklich mitfahren. Er dümpelte immer hinten am Ende des Feldes rum. Ich dachte schon, daß es vielleicht nicht so seine Disziplin ist und er daher Kräfte sparen will. Auch die Sprecher sinnierten darüber, ob er das Rennen noch gewinnen kann

Und wie die beiden dann aufdrehten. Das war wirklich wahnsinnig toll. Sie holten einen Fahrer nach dem nächsten ein - und am Ende gewannen sie tatsächlich dieses Rennen
Den Abschluß des ersten Teils des Samstags bildete ein Madison-Rennen der Junioren.

Hier hatte ich ein besonderes Augenmerk auf Leo und Mats vom FC St. Pauli, die hier die Gelegenheit bekamen, sich zu präsentieren und Erfahrungen zu sammeln.

Apropos St. Pauli... Bei den Sixdays trifft man ja auch immer wieder auf bekannte Gesichter, die natürlich fleißig ihre Vereinskameraden angefeuert haben

Zurück zu Leo und Mats. Bei diesem Madison-Rennen fielen sie schon früh aus dem Feld heraus und kassierten dadurch auch in der Folge relativ viele Rundenverluste. Das lief am Abend deutlich besser. Leo und der Betreuer der beiden bestätigten mir später diesen Eindruck. Die beiden haben ein wenig gebraucht, um sich zu finden - teilweise wörtlich gemeint wie hier beim Schleudergriff.

Außerdem hatte Mats nach einem mehrmonatigen Auslandsaufenthalt ohne Rennen am Anfang mit dem Druck dieser stark überhöhten Bahn zu kämpfen. Bilder können diese Überhöhung nur schwer wiedergeben. Ich versuche es trotzdem mal mit diesem hier.

Mats mußte wegen der Übersetzungsbeschränkung auch mit einer höheren Trittfrequenz treten, als er es mag bzw. gewohnt ist, was ihn ebenfalls ein wenig irritierte. Alles in allem war es aber von beiden eine solide Leistung, auf die sie stolz sein können
Die Abend-Session am Samstag war vollgepackt mit vielen sehr spannenden Rennen, die ich hier aus Platzgründen nicht alle genau aufführe. Sonst wird der Bericht wirklich viel zu lang. Was mir an dieser Stelle aber positiv aufgefallen ist, ist das Publikum. Nach meinem Eindruck waren sehr viele Zuschauer da, die sich wirklich für den Sport und nicht nur für die Show und die Party interessierten. So fieberten die Zuschauer richtig mit und feuerten an

Großartig finde ich auch, daß die Sixdays auch den Parasportlern Gelegenheit geben, sich und ihre Leistung hier zu präsentieren. Schade nur, daß es dieses Jahr nur zwei Athleten waren, die in der Verfolgung gegeneinander angetreten sind.

Und dann auch noch Mann gegen Frau. Ist das nicht unfair?
Eine besondere Ehre an diesem Abend kam dem Bremer Pastor Pawel Nowak zu teil. Wer ihn nicht kennt, dem sei kurz erklärt, daß es sich um einen leicht fahrradverrückten Geistlichen handelt, der im vergangenen Jahr von Bremen in den Vatikan mit dem Rad

ein Derny-Rennen anschießen.
Der Sonntag begann erst einmal mit einer Übergabe von Bahnrädern, die in Hamburg dem Nachwuchs zur Verfügung gestellt werden sollen.

Hintergrund war, daß in der Vergangenheit im Rahmen der Sixdays auch die Veranstaltung „Dein Rennen“ für Jedermann-Fahrer zum Ausprobieren angeboten wurde. Hierfür hatte Stevens noch ein paar Bahnräder, die sie hatten, zur Verfügung gestellt, weil Stevens sich im Bahnbereich nicht so engagiert und insoweit dafür nicht so richtig Verwendung hatte. Gelagert wurden die Räder im Fahrradladen von Hans-Peter Jakst. Da Hans-Peter aber nun seinen Laden altersbedingt aufgegeben hat und somit die Lagermöglichkeiten fehlen, gehen die Räder (insgesamt 9 Stück) wieder zurück nach Hamburg und sollen für die Jugendarbeit zur Verfügung stehen

Fehlt nur noch eine funktionsfähige Radrennbahn…
Es folgte das Abschlußrennen des Andy-Kappes-Cup, dessen Verlauf ich nicht so beobachtet habe, weil ich irgendwie anderweitig beschäftigt war. Nach dem Rennen ist vor der Siegerehrung

Vielleicht sieht man den einen oder anderen Nachwuchsfahrer ja in einigen Jahren wieder in Bremen auf der Bahn…
Des weiteren griffen am Sonntag dann auch die Frauen in das Renngeschehen ein. Mit von der Partie war Marla – ebenfalls vom FC St. Pauli. Hamburg war aber wirklich gut vertreten

Beim Scratch-Rennen der Frauen mußte ich mich erst nochmal über die Regeln informieren. Bei Tim war ich in guten Händen. Er erklärte, daß es die langweiligste Disziplin auf der Bahn ist: Wer als Erster ankommt, hat gewonnen. Tims weitere Prognose: Bei dem Rennen über 30 Runden passiert 28 Runden lang nichts. Dann wird´s schnell und der bzw. die Schnellste gewinnt. Ok, sooo langweilig bzw. ereignisarm war das Rennen dann doch nicht

Dann attackierte eine andere Fahrerin. Hier reagierte niemand – warum auch immer
Ähnlich kurios war ein Derny-Rennen der Männer. Hier konnten sich Nils Politt und Roger Kluge Stück für Stück absetzen. Eigentlich sah es danach aus, als würden sie den Sieg unter sich ausmachen. Aber dann drehte ein weiterer Fahrer (ich meine, es war Moritz Malcharek) so richtig auf und war am Ende der lachende Dritte. Keine Ahnung, ob die beiden Streithähne nicht mitbekommen haben, daß da noch ein weiterer Fahrer im Anmarsch ist…
Tja, und dann war unsere Sixdays-Zeit auch schon wieder zu Ende. Gerne hätte ich noch von interessanten Institutionen, Vereinen oder Darstellungen außerhalb der Halle berichtet. Aber irgendwie war da dieses Jahr quasi nichts vorhanden
Und so geht auch dieser Bericht zu Ende. Danke an alle Leser, die bis hierhin durchgehalten haben. Zur Belohnung gibt es noch ein bemerkenswertes Bild vom Laola-Sprint, das zeigt, wieviel Spaß auch die Fahrer trotz der anstrengenden Rennen an diesen Tagen haben

Weitere Bilder von Michael findet ihr hier: https://helmuts-fahrrad-seiten.de/2026/ ... 1-01-2026/
Wir kommen gerne nächstes Jahr wieder.

