Doping (nicht nur) im Radsport

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hanseat
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Beitragvon hanseat » 29.01.2013, 14:32

Angelboot hat geschrieben:Segen: Auch den letzten Idioten, die meinten es könne immer so weitergemacht werden, ist klar geworden, es muss ein anderer Weg gegangen werden. Der Radsport muss eine Vorbildfunktion auf diesen Weg einnehmen.
Nach Festina, Fuentes und Landis fand auch kein Umdenken statt! Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich was ändert, so lange die großen Helden wie Coppi, Mercx und Hinault noch die Leitbilder des Radsports sind. Die Tour und Co. waren schon immer schmutzig. Man müsste vielleicht all die Offiziellen bei den Veranstaltungen und die Teamchefs auswechseln. Sie sind allesamt zu sehr behaftet mit der dunklen Historie des Radsports und führen und praktizieren aus Gewohnheit. Es war ja eigentlich nie anders...

Aber wie schon oft durchgekaut, müsste die Säuberung aus der Gesellschaft kommen. Zweifelslos ist der Radsport auch der Sündenbock für viele Ausdauersportarten.

Ich finde, wenn man seine Kinder mit Prinzipen und Integrität erzieht, dann ist vielleicht ein Grundstein zum sauberen Leben gesetzt. Wichtig ist, dass man Charakter zeigt und sich von Dummheiten nicht anstecken lässt. Das ist wegen des Leistungsdrucks unseres gesellschaftlichen Systems sicher sehr schwer durchzuhalten. Viele Menschen scheinen so abgestumpft, dass sie nicht mehr in der Lage sind sich selbst zu reflektieren.

Vielleicht können wir uns als Radsport-Hobby-Basis von den Betrügern abgrenzen und uns deutlich zu unserem "glücklichen Radsport ohne Doping" positionieren? Ist vielleicht nicht Jedermanns Ding, ich persönlich fände aber ein ähnliches Bekenntnis auf einem HFS-Trikot sehr gut! Wenn man hier die leidenschaftlichen Berichte liest, ist Radsport doch soviel mehr als das, was gerad in den Medien verbreitet wird. Was uns generell antreibt, sind doch sportliche Herausforderungen und Glückshormone, die wir bei Ausfahrten allein oder mit Gleichgesinnten durch schöne Landschaften über spannende Streckenabschnitten erfahren.
Angelboot hat geschrieben:Wer zerrt endlich mal die Veranstalter der grossen Rundfahrten auf die Anklagebank. Sie sind es, die eigentlich unerfüllbare Anforderungen, an die Fahrer gestellt haben. Wissentlich. Nur um das Spektakel noch auszuweiten. Gierig um ihre Taschen zu füllen.
So ist es leider. Bei der diesjährigen Vuelta wird es 11 Bergankünfte geben! Es geht immer noch in die falsche Richtung! Länger, höher, steiler! Wenn schon spektakuläre Bilder an steilsten Rampen, dann sollten die Veranstalter wenigstens die Streckenlängen deutlich reduzieren, damit die saubere Machbarkeit der Etappe gewährleistet wird. Die Tour zeigte zuletzt, dass auch 100 km kurze Bergetappen sehr spannend sein können.

Es ist ein sehr schwieriger und weiter Weg von innen heraus. Die Tage, an denen ich vorbehaltslos sauberen professionellen Leistungssport im TV entgegen gefiebert habe, sind schon länger vorbei.
Zuletzt geändert von hanseat am 29.01.2013, 16:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Angelboot » 29.01.2013, 16:37

@stolk, der Film ist bekannt. Aber die Einstellung hier im Forum verdient den Bambi.

Weitere Worte sind eigentlich überflüssig.

@Hanseat, Danke für den sachlichen Beitrag. Kann deine Ausführungen nur unterstützen.
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hanseat
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Beitragvon hanseat » 29.01.2013, 21:42

Der Film ist glaub ich aus 2007, wir haben 2013 und noch immer wurden keine Namen hinsichtlich der Fuentes-Blutbeutel genannt. Die Politik zoegert hin bis die Angelegenheit verjaehrt ist. Was fuer ne Sauerei vor allem an uns Sportfans!

Es kommt bald der Fruehling, dann koennen wir uns wieder mit eigenen Touren den Frust ueber diese Verarsche von der Brust fahren.
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Irrtum!

Beitragvon Harterbrocken » 29.01.2013, 22:41

Hanseat hat geschrieben:Nach Festina, Fuentes und Landis fand auch kein Umdenken statt! Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich was ändert, so lange die großen Helden wie Coppi, Mercx und Hinault noch die Leitbilder des Radsports sind. Die Tour und Co. waren schon immer schmutzig. Man müsste vielleicht all die Offiziellen bei den Veranstaltungen und die Teamchefs auswechseln. Sie sind allesamt zu sehr behaftet mit der dunklen Historie des Radsports und führen und praktizieren aus Gewohnheit. Es war ja eigentlich nie anders...
Du triffst den Nagel auf den Kopf: kein Umdenken nach Festina, Fuentes, Landis. Warum also nach Armstrong? Riis? Noch immer Teamchef. Zabel? Schirmherr bei dies und das, sportlicher Leiter bei Jedermannrennen. Aldag? Voll drin im Profizirkus. Udo Bölts? Hält vielbesuchte Vorträge und Buchlesungen. Contador? Ißt das falsche Fleisch. Merckx? Eine unantastbare Ikone. Also: Umdenken ist das nicht gerade. Den alten Recken sollte man verzeihen und ihnen nicht die Sünden von gestern auftischen. Trotzdem scheint der gesamte Apparat noch ziemlich vergiftet zu sein, um im Bild zu bleiben. Was wir sehen, ist nur die Spitze. Noch mehr schmutzige Geheimnisse sind in der zweiten und dritten Reihe zu erwarten.
Angelboot hat geschrieben:Diese einseitige Berichterstattung, auch von vermeintlich seriösen Medien, ist der eigentliche Skandal.
Nein, hier sollte jeder, dem Artikel 5 unseres Grundgesetzes heilig ist, laut aufschreien. Die Pressefreiheit so in Frage zu stellen, empört mich. Die freie Meinungsäußerung ist ein extrem hohes Gut und darf nicht durch so unbedachte Äußerungen in Frage gestellt werden. Schließlich ermöglicht dieses Recht auch Dir, hier im Forum Deine Ansichten zu vertreten. Selbst dann, wenn es eine eiserne Einzelmeinung zu sein scheint. Die Menschen in China haben diese Möglichkeit beispielsweise nicht.

Du irrst mit dieser undemokratischen Auffassung gewaltig. Der Skandal ist und bleiben die kriminellen Machenschaften des Profi-Pelotons, der Teams, der UCI, der Ärzte usw., nicht die Berichterstattung darüber. ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt zum Beispiel sollte einen Preis für seine unermüdlichen Recherchen und Kommentare bekommen. Der Mann versteht wirklich was von der Thematik und den Hintergründen. Er berichtet alles andere als einseitig, wägt ab und ordnet ein. Gilt auch für viele andere Berichterstatter. Was sie tun, nennt sich journalistische Sorgfaltspflicht. Das verdient Respekt und keine abfälligen Bemerkungen.

Tagesschau und Handelblatt sowie andere Qualitätsmedien als "vermeintlich seriös" zu bezeichnen, kann ich nur unter der Rubrik Realitätsverlust einordnen. Beispiel Wulff-Rücktritt: Zum Glück hat unsere Presse nach Legeslative, Judikative und Exekutive eine Wächterfunktion. Ohne diese wären Hauskredite und Vorteilsnahme des Ex-Präsidenten nicht ans Licht gekommen. Ich bin froh, dass genau hingeschaut wird. Und das, bitteschön, auch im Radsport.
Angelboot hat geschrieben:Fair wäre es, den gesamten Hochleistungssport in seinen Auswüchsen zu hinterfragen. Auch die Dopingfälle in diesen Sportarten publik zu machen, genauso.
Stimmt genau und wird auch gemacht. Vielleicht noch nicht genug. Aber die jahrelange Berichterstattung über zum Beispiel Eisschnellläuferin Claudia Pechstein ist dafür ein guter Beweis. Wer hier Zeilen zählen würde, wäre überrascht. Dieser Fall war oftmals deutlich präsenter, als das Radsportdoping. Wer sich nur für eine Sportart interessiert, entwickelt gerne eine selektive Wahrnehmung. Also: Einfach mehrere Zeitungen lesen. Und nicht nur den Sportteil. Doping schafft es gerne auch mal ins Feuilleton oder die Politik. Immer informativ ist z. B die Rubrik Daily Dope in der TAZ. Oder ist dieses Blatt auch nicht "seriös"?

Du solltest Dich mal fragen, welches Interesse Redakteure, Rechercheure und Reporter quer durch die Medienlandschaft an der von Dir unterstellten einseitigen Berichterstattung haben sollten. Alle gegen die armen Radsportler oder was? Nee, so einfach ist das nicht. Es geht ums Geschäft, das große Geld, Betrug, Bestechung in einer Sportart, die mit Steuergeld und GEZ-Gebühren gefördert wurde und wird. Ist doch klar, das hier das Umrechtsbeusstsein aktiviert wird. Wer soll da noch an einen ehrlichen Rundfahrtsieg glauben?
Angelboot hat geschrieben:Und sind wir es nicht auch? Die immer noch mehr "Leiden" sehen wollten.
Nein, ich jedenfalls möchte keine Leiden sehen. Keine gedopten Helden, die am Mount Ventoux mit verklumpten Blut tot vom Rad zu fallen drohen. Ich möchte fairen Sport sehen, gerne packende Mann-gegen-Mann-Duelle am Berg, spannende Sprintankünfte und faszinierende Einzelzeitfahren. Nein, Leiden hat für mich nur sehr bedingt mit echtem Wettkampf zu tun. Damit Radsport spannend ist, braucht es keinen 45er-Schnitt des Pelotons auf einer Flachetappe und neue Rekorde in Alpe D'Huez.

All das ist aber momentan noch systemimmanent im Profiradsport tief verankert, eben so tief wie in keiner anderen Sportart. Darum die hohe Aufmerksamkeit der Medien. Erst wenn die Wurzeln des Übels entfernt sind, besteht die Chance für einen Neuanfang. Den sehe ich momentan nicht. Im Gegenteil: Der Profiradsport wird diese Saison wohl einen neuen Tiefpunkt erleben. Ich wünschte, dass ich mich täusche. Doch die Zeichen stehen auf neue Skandale ohne Ende. Das zeigt ja auch die Einrichtung immer neuer Doping-Freds in diesem Forum.

Und Übrigens: Die aktuelle Ausgabe des Magazins Procycling, das nicht unbedingt im Verdacht steht eine Anti-Radsport-Publikation zu sein, hat einen fast monothematischen Titel: Change Cycling now, der Fall Armstrong, Doping bei Rabobank, Fuentes... usw., usw. Ziemlich einseitig oder?

Selbst die größten Insidermedien und Schönredner haben die Tragweite des Betruges und medizinischen Gefahren offenbar erkannt. Es geht ums Überleben. Noch atmet der Patient, noch ist der Profiradsport nicht tot. Aber die Reha dürfte lange dauern. Und die schafft man nur durch größtmögliche Transparenz, Offenheit und Fairness. Totschweigen des Skandals und zu versuchen ihn mit Erfolgen junger Hoffnungsträger zu übertönen, wird das schlimme Leiden des extrem kranken Patienten Profiradsport nur in die Länge ziehen.
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Re: Irrtum!

Beitragvon Grotefend » 30.01.2013, 13:54

Harterbrocken hat geschrieben:
Angelboot hat geschrieben:Diese einseitige Berichterstattung, auch von vermeintlich seriösen Medien, ist der eigentliche Skandal.
Nein, hier sollte jeder, dem Artikel 5 unseres Grundgesetzes heilig ist, laut aufschreien. Die Pressefreiheit so in Frage zu stellen, empört mich. Die freie Meinungsäußerung ist ein extrem hohes Gut und darf nicht durch so unbedachte Äußerungen in Frage gestellt werden. Schließlich ermöglicht dieses Recht auch Dir, hier im Forum Deine Ansichten zu vertreten. Selbst dann, wenn es eine eiserne Einzelmeinung zu sein scheint. Die Menschen in China haben diese Möglichkeit beispielsweise nicht.

Du irrst mit dieser undemokratischen Auffassung gewaltig.
Dies fordert nun wiederum mich zum Protest heraus. Die Pressefreiheit ist ohne Zweifel ein hohes Gut. Sie aber so apodiktisch zu verteidigen, sie quasi sakrosankt zu stellen, ist zwar angesichts deiner beruflichen Bindung verständlich und verdient Respekt, geht aber dennoch zu weit. Ich will mir versagen, Beispiele zweifelhafter journalistischer Kampagnen aufzuzählen.

Und nicht bestreitbar scheint mir, dass auch in den Medien - und zwar elektronischen wie auf Papier gedruckten - zunehmend wirtschaftliche Zwänge die Inhalte mitbestimmen. M. E. ist es im Jounalismus wie überall im Leben: Es gibt so'ne und solche.

Zwar ist auch Angelboots Formulierung in ihrer absoluten Aussage ein wenig unglücklich geraten, doch ihm dafür gleich mangelndes Demokratieverhalten zu bescheinigen, schießt genauso übers Ziel hinaus.
Zuletzt geändert von Grotefend am 03.02.2013, 14:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Irrtum!

Beitragvon Harterbrocken » 30.01.2013, 16:10

Grotefend hat geschrieben:Die Pressefreiheit ist ohne Zweifel ein hohes Gut. Sie aber so apodiktisch zu verteidigen, sie quasi sakrosankt zu stellen, ist zwar angesichts deiner beruflichen Bindung verständlich und verdient Respekt, geht aber dennoch zu weit. Ich will mir versagen, Beispiele zweifelhafter journalistischer Kampangen aufzuzählen.
Und nicht bestreitbar scheint mir, dass auch in den Medien - und zwar elektronischen wie auf Papier gedruckten - zunehmend wirtschaftliche Zwänge die Inhalte mitbestimmen. M.E. ist es im Jounalismus wie überall im Leben: Es gibt so'ne und solche.
Okay, Einspruch akzeptiert. Natürlich gibt es solche und solche. Und dann auch noch solche. Die Medienvielfalt ist ja auch gerade das Gute. Zunehmende wirtschaftliche Zwänge machen die Sache in der Tat aber nicht einfacher; da hast Du völlig recht.

Nach meiner Beobachtung herrscht in der Doping-Berichterstattung ein ziemlich breiter Konsens. Ich kann zumindest da keine Kampagne entdecken. Es geht aus meiner Sicht einfach nicht an, die Schuld bei den Medien zu suchen, statt Ursachenforschung zu betreiben. Können wir uns darauf einigen, dass nicht die Presse Ursache des Übels ist, sondern der Profisport? Sorry, aber bei Angriffen auf freiheitliche Grundrechte, auch wenn sie hoffentlich nicht so gemeint und unglücklich geraten sind, werde ich nervös. Ich vermisse hier einfach die gebotene Sachlichkeit. Zensur ist nun wirklich das Letzte was wir gebrauchen können. Die lehne ich in der Tat apodiktisch ab.
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Beitragvon Konkursus » 30.01.2013, 16:22

welch schöne Diskussion, nur können wir die im Grunde sein lassen.

Es geht hier schlichtweg um Wirtschaftskriminalität und ich behaupte mal, dass wir die Hintergründe noch nicht einmal ansatzweise kennen. Auch geht mir die Doppelzüngigkeit ganz gefährlich auf´n Keks.

Stellt Euch mal vor, in den USA würden die bestmöglich Dopingtests durchgeführt mit konsequenter Veröffentlichung der Ergebnisse. Keine Stars mehr oder erheblich weniger, Einschaltquoten gehen zurück, die Werbebranche erleidet Einbußen. Nee, lieber nicht, es strahlt dort alles so schön, kann ja nicht sein. Ab und zu mal ein Blöder oder eine Blöde, die auffällt, ist ja auch nicht schlecht, so als Alibikandidat.

Auch komisch finde ich, dass immer nur aus Trainingsgruppen, aus dem Umfeld etc. von U. Bolt welche geschnappt werden. Der Chef ist natürlich sauber.

Nee, Leute, die Creme de la Creme halte ich alle weitestgehend für gedopt. Und was schlimm ist, die Sportler halte ich gar nicht für die schlimmen Beteiligten dabei. Trainer, Ärzte und das ganze Pack, das da was vorgibt und alles regelt (Erwerb, Einstellung etc.).

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Beitragvon Harterbrocken » 30.01.2013, 16:28

Konkursus hat geschrieben:Es geht hier schlichtweg um Wirtschaftskriminalität und ich behaupte mal, dass wir die Hintergründe noch nicht einmal ansatzweise kennen. Auch geht mir die Doppelzüngigkeit ganz gefährlich auf´n Keks.
So wird es sein. Leider! Aber da muss doch was gegen zu machen sein. Lässt sich dieses System nicht ändern?
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Beitragvon Speedmanager » 30.01.2013, 21:53

Angelboot hat geschrieben:Wer zerrt endlich mal die Veranstalter der grossen Rundfahrten auf die Anklagebank. Sie sind es, die eigentlich unerfüllbare Anforderungen, an die Fahrer gestellt haben.
War auch einmal kurzzeitig meine Ansicht. Ist aber letztendlich nicht des Pudels Kern. Es sind weniger die Anforderungen der Strecke, als vielmehr die Konkurrenz, die ein immer schnelleres Befahren dieser Strecke verlangt.

Bei der Verfügbarkeit geeigneter Dopingmittel wird es immer auch Athleten geben, die sich auf diese Weise einen Vorteil verschaffen wollen.
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Beitragvon Angelboot » 31.01.2013, 12:01

Hallo Grotefend,

meine Person als undemokratisch zu bezeichnen, ohne jemals mit mir persönlich gesprochen zu haben, möchte ich nicht weiter kommentieren. Vielleicht wird darüber ja einmal nachgedacht, und es erfolgt eine anständige Reaktion.

Es geht wohl auch nicht mehr um die Sache, es geht gegen meine Person. Aber mit dieser Sprachweise bin ja nicht nur ich konfrontiert.

Wer alle Beiträge zum Thema genau gelesen hat, konnte oft nur mit dem Kopf schütteln. Da war "Der korrupte ARD Mann Jürgen Ehmig". Der "Verlogene Hagen Boßdorf" IM-Spitzel. In meiner Sprachweise als Demokrat sind das zwei vorbestrafte Sportjournalisten. Und wenn sie ihre Strafe bekommen haben, gesühnt haben dafür, wieder vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft.

Zurück zum Thema. Der Hochleistungssport sollte jetzt die Chance nutzen, sich zu regenerieren. Die Internationalen Sportverbände, das IOC müssen Maßnahmen ergreifen. Sicherlich in einer von Geld und Profit bestimmten Gesellschaft ein langer Weg. Der Druck muss von der Basis kommen, auch von uns.

Ich hoffe der Vorschlag von Hanseat wird umgesetzt. Auf jedem Trikot. Vorschlag: Kein Doping, in keiner Sportart" Wer hat bessere Vorschläge? Sollte doch wohl auch ein Sponsor dafür gefunden werden.

Immer nur anklagen, immer nur meckern, hat ja nicht geholfen. Und sich gegenseitig zu beschimpfen und zu verunglimpfen, damit sollten wir aufhören. Alle!! Ich bin dazu bereit.

Ich hoffe das auch der Fuentes Prozess in Madrid etwas dazu beiträgt. Das Namen auch von Dopern anderer Sportarten veröffentlich werden. Nur so geraten auch diese Verbände unter Druck.
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Beitragvon Harterbrocken » 31.01.2013, 13:09

Ja, wäre schön, wenn wir alle auf dem Teppich bleiben. Ich hatte ihn eigentlich nicht verlassen. Aber vielleicht täusche ich mich.

Zur Sache: Der Fuentes-Prozeß bringt ja leider keine guten Nachrichten. Ausgerechnet ein besonders aktiver Doper war später mit der Jugendarbeit betraut. Was soll man dazu sagen? Kann man dann von einer Säuberung des Sports ausgehen? Dass Fränk Schleck nach seinem positiven Dopingbefund bei der Tour de France 2012 gestern von der luxemburgischen Anti-Doping-Agentur ALAD für zwölf Monate rückwirkend vom 14. Juli 2012 an gesperrt wurde, macht auch eher weniger Hoffnung. Bitte das soll kein Meckern sein, aber wo, bitteschön, soll man hier mit der Aufräumarbeit anfangen, wenn der Profibetrieb nahtlos weiter geht?

Schlecks Antwort: Er habe sich nichts vorzuwerfen und nie betrogen. Ein Reflex wie immer. Wie oft konnten wir das hören? Hat sich wirklich was geändert?

Gefunden in der "Welt":

Der berüchtigte Dopingarzt Eufemiano Fuentes geht zum Gegenangriff über: Der von einer zweijährigen Haftstrafe bedrohte Mediziner hat im Prozess um die "Operación Puerto" am Mittwoch in Madrid den Namen eines seiner früheren Kunden enthüllt.

Der von Fuentes öffentlich bezichtigte frühere Radprofi Javier Gómez stellte daraufhin seinen Posten als Generaldirektor der Jugendstiftung der obersten Sportbehörde CSD zur Verfügung. Der heute 38-jährige Gómez trat lange Zeit für das Team Kelme in die Pedale. Als Präsident des spanischen Verbandes der Profi-Radsportler (ACP) hatte er sich zuletzt mehrfach gegen Doping ausgesprochen. Der vielfach ausgezeichnete Funktionär war erst im Dezember zum Generaldirektor der Jugendstiftung der CSD ernannt worden. Gómez habe sich bei ihm "ohne jeden Einwand" wiederholt Bluttransfusionen unterzogen, sagte Fuentes jetzt vor Gericht.

<b>Rund 200 Sportler müssen zittern</b>

Die rund 200 Sportler, die Fuentes allein zwischen 2003 und 2006 betreut haben soll, müssen nun befürchten, dass sie öffentlich an den Pranger gestellt werden. Der gelernte Gynäkologe sagte, er habe ein Notizbuch mit den Namen all seiner Ex-Kunden in einem Safe gut verschlossen, "damit es mir niemand klaut". Er sei wenn nötig bereit, die Namen preiszugeben.

"Wenn man wissen will, wer diese Sportler waren, kein Problem", sagte er, betonte aber auch: "Ich glaube, hier wird über eine wichtigere Sache verhandelt, und zwar ob das, was gemacht wurde, gut war oder nicht."

<b>Richterin will Fuentes nicht zwingen</b>

Die Vorsitzende Richterin Julia Patricia Santamaría ließ allerdings wissen, sie werde Fuentes nicht zur Herausgabe von Namen auffordern. Sie hatte zuvor am Dienstag auch entschieden, dass die Justiz die Daten aus dem persönlichen Computer des Mediziners nicht preisgeben wird. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hatte als Nebenkläger einen entsprechenden Antrag gestellt.

Einer freiwilligen Enthüllung von Namen durch Fuentes werde sie sich aber nicht widersetzen, so Santamaría. Im Verfahren hatte Fuentes eingeräumt, er habe nicht nur Radprofis, sondern auch Boxer, Fußballer, Tennisspieler und Leichtathleten betreut.

Derweil meldete sich auch der gefallene Radsport-Superstar Lance Armstrong wieder zu Wort. Er fordert eine komplette Amnestie für geständige Doper und bezichtigte vergangene Rad-Größen des Dopings.

<b>"Keine Generation war sauber"</b>

"Keine Generation war eine Ausnahme, keine war sauber: Nicht Merckx, nicht Hinault, nicht LeMond, nicht Coppi, nicht Gimondi, nicht Indurain, nicht Anquetil, nicht Bartali, und meine auch nicht", sagte der Texaner dem Internetportal cyclingnews.com. Im Rahmen einer Wahrheits- und Schlichtungs-Kommission (TRC) hält Armstrong eine Amnestie für die einzige Möglichkeit, mit der Vergangenheit aufzuräumen. "Ansonsten wird sich niemand offenbaren, niemand", erklärte der 41-Jährige. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) sollte diesen Prozess anführen. "Es geht um den Radsport und um ehrlich zu sein, es geht um den gesamten Ausdauersport. Einen und sein Team öffentlich zu lynchen, wird das Problem nicht lösen."

<b>Schleck beteuert Unschuld</b>

Dennoch werden Vergehen nun einmal bestraft. Am Mittwochabend ist Radprofi Fränk Schleck nach seinem positiven Dopingbefund bei der Tour de France 2012 von der luxemburgischen Anti-Doping-Agentur ALAD für zwölf Monate rückwirkend vom 14. Juli 2012 an gesperrt worden. Damit verpasst der 32-jährige Profi des Teams RadioShack-Nissan die Hälfte der Saison 2013, einschließlich der Frankreich-Rundfahrt.

Schleck sagte bei der Anhörung, er habe sich nichts vorzuwerfen und nie betrogen. "Natürlich bin ich enttäuscht", betonte der Bruder der Tour-Siegers von 2010, Andy Schleck. "Ich halte das Urteil für zu streng, wenn man bedenkt, dass die Kommission anerkannt hatte, dass ich unabsichtlich ein verunreinigtes Produkt konsumiert habe." Ihm war bei der Tour das Diuretikum Xipamid nachgewiesen worden, das auch zur Verschleierung von Dopingmitteln eingesetzt werden kann. Neben der Sperre verfügte die ALAD eine Streichung aller Resultate Schlecks aus dem Vorjahr. Um eine Geldstrafe kommt der Profi herum, muss aber die Gerichtskosten tragen.
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Beitragvon Tribelix » 31.01.2013, 18:20

Boring Boring Boring
Ich schalte mal die Benachrichtigung für dieses Thema aus.

Einer will es besser wissen als der andere und ändern könnt ihr doch nichts.
:Clown:
HFS Jedermann Reporter 2010 "Triathlon"
HFS Jedermann Reporter 2011 "Multi-Sport"
Grinsekasper = Cyclocross Fahrer
IRONMAN
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Beitragvon Harterbrocken » 02.02.2013, 01:32

Tribelix hat geschrieben:Boring Boring Boring
Na ja, mag sein. Ändern kann man vielleicht wirklich nichts. Beim Rumstöbern im Netz stoße ich heute auf eine spannend zu lesende Fundsache über den ehemaligen hessischen Rad-Nationalfahrer und Mitglied im A- und B-Kader Peter Becker. Das mit "Wir waren die Deppen" überschriebene Interview ist zwar schon älter, aber spannend zu lesen.

http://www.mittelhessen.de/sport/sports ... ,6438.html
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Beitragvon Helmut » 02.02.2013, 03:00

Mir fällt da noch eine andere Geschichte ein, weil ja immer - scheinbar zu recht - berichtet wird, der nun immer mehr zu Tage tretende Dopingskandal im Radsport wäre der größte aller Zeiten.

Was ist eigentlich mit dem staatlich (!) geförderten Doping zu Zeiten des "Kalten Sport-Krieges"? Das wurde bekanntlich in großen Stil z. B. auf Seiten der DDR betrieben, und das in allen Sportarten, in denen Doping die Leistungsfähigkeit steigern kann - also in sehr vielen. Es möge doch bitte niemand glauben, das hätte es - wenn auch vielleicht nicht in dem Umfang - auf Seiten der BRD nicht gegeben. Vielleicht ja - wie Peter Becker berichtet - nicht im Radsport.

Stürzten mit der Mauer auch die staatlich gestützten Dopingsysteme gänzlich ein? Oder wird da mit Blick auf den Medaillenspiegel noch immer hier und da ein Auge zugedrückt?
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
Angelboot

Beitragvon Angelboot » 02.02.2013, 09:44

Badische Zeitung am Do., 14. Mai 2009: Das System Keul

Joseph Keul, der im Jahr 2000 verstorbene Chef der Sportmedizin an der Freiburger Universitätsklinik, hat Doping über Jahrzehnte erforscht und verharmlost.


Der Redner hat Rang und Namen, er kommt aus der Hauptstadt. Er besucht Freiburg, und er bringt einen Wunsch mit. Gerhard Groß, Ministerialrat im Bundesministerium des Inneren, wünscht sich den Einsatz von Medikamenten im Sport. Er bittet Freiburger Sportmediziner, sich mit Mitteln zu beschäftigen, die die Leistung fördern. Nur mit ihrer Hilfe könnten die Athletinnen und Athleten aus Westdeutschland überhaupt noch mithalten im weltweiten Konkurrenzkampf. Es ist das Jahr 1976.

Groß spricht vor laufenden Kameras. Der Südwestfunk zeichnet seine Rede auf. Bei der Einweihungsfeier der neuen Abteilung Sportmedizin an der Freiburger Universitätsklinik am Donnerstag, dem 21. Oktober 1976, sind Medikamente sogar das Top-Thema. Es geht darum, wie sie zum Wohle des Sports zu gebrauchen seien. Groß bittet darum, und er behauptet, sich darin einig zu sein mit Werner Maihofer, dem Bundesinnenminister in Bonn.

In seiner Rede wendet er sich gezielt an den Freiburger Sportmediziner Professor Joseph Keul. Er kommt auf den Einsatz von Medikamenten zu sprechen. Er sagt: "Mir ist bekannt, dass sich auch Freiburg, wenn ich einmal Ihre Person, lieber Herr Professor Joseph Keul, mit Freiburg identifizieren darf, hierzu mehrfach geäußert hat. Wenn keine Gefährdung oder Schädigung der Gesundheit herbeigeführt wird, halten Sie leistungsfördernde Mittel für vertretbar. Der Bundesminister des Inneren teilt grundsätzlich diese Auffassung. Was in anderen Staaten erfolgreich als Trainings- und Wettkampfhilfe erprobt worden ist und sich in jahrelanger Praxis ohne Gefährdung der Gesundheit der Athleten bewährt hat, kann auch unseren Athleten nicht vorenthalten werden. Diese Einschätzung ergibt sich zwangsläufig, wenn wir mit der Weltspitze der Sportbewegung Schritt halten wollen, und dies wollen wir."

Ministerialrat Groß vermeidet das Wort Doping, aber er verlangt nichts anderes, und die einzige Bedingung für ihn ist, dass die Athleten dabei gesund bleiben. Seine Rede ist nicht die Geburtsstunde des Dopings in Freiburg. Leistungssteigernde Medikamente werden dort schon seit langem erprobt, zum Beispiel an Gewichthebern. Aber in diesem Augenblick erhält die pharmakologische Offensive des Sportstandorts ihre höchsten Weihen. Der Staat erbittet sie, und jeder kann es hören.

War Joseph Keul der geistige Urheber dessen, was die Untersuchungskommission der Universitätsklinik gestern im Detail für das Radsportteam Telekom/T-Mobile beschrieb? Seine Assistenzärzte Andreas Schmid und Lothar Heinrich sind überführt, aber was ist mit ihrem einstigen Chef? Schon 1976 führt er die Sportmedizin der Klinik an. Ministerialrat Groß weist ihm am 21. Oktober eine Schlüsselrolle zu, und jeder kann es hören. Im Raum sitzt an jenem Tag nicht nur Keul. Spitzenfunktionäre sind zugegen. Vor allem aber hat sich die politische Elite Freiburgs versammelt, darunter der junge CDU-Landtagsabgeordnete Gundolf Fleischer. Er sitzt, das zeigen die Fernsehbilder, schon damals weit vorn. Wenn Fleischer, der spätere Staatssekretär der CDU in Stuttgart und Präsident des Badischen Sportbunds, bei dem Festakt vor drei Jahrzehnten aufmerksam zugehört hat: Wie kann der nun wichtigste Mann des Sports in Südbaden und schärfste Verteidiger der Freiburger Sportmedizin dann bis heute behaupten, er habe von Doping in Freiburg nie etwas gewusst?

Er selbst lässt zu der Frage, was genau das Bundesinnenministerium in jenen Jahren von Freiburg gefordert habe, nur ganz allgemein erklären: "Herrn Fleischer wurde von Dritten berichtet, dass das Bundesinnenministerium Professor Keul und der Freiburger Sportmedizin einen Forschungsauftrag erteilt haben soll, zu untersuchen, ob und inwieweit medizinische beziehungsweise medikamentöse Behandlungen mit dem Ziel der Leistungssteigerung bei Sportlern zulässig sind, ohne dass diese unzulässiges Doping darstellen. Dies wurde ihm zum Beleg dafür angeführt, dass es der Sportmedizin um die Erforschung legaler Leistungssteigerungsmöglichkeiten im Sport ging, entsprechend dem damaligen Zeitgeist und Verständnis."

Aber was war der damalige Zeitgeist? Der Einsatz der Anabolika zum Beispiel, also Präparaten zum Aufbau der Muskulatur, muss in den 1970er Jahren nahezu flächendeckend erfolgt sein im Spitzensport. Ministerialrat Groß lässt offen, worauf er abzielt. Er spricht von "leistungsfördernden Mitteln". Er meint damit allerdings eindeutig Medikamente. Keul bestätigt das. Der Südwestfunk führt mit ihm noch ein Interview. Keul sagt: "Im Besonderen wollen wir dabei in den nächsten Jahren unser Hauptaugenmerk auf die Möglichkeiten einer medikamentösen Beeinflussung der Leistungsfähigkeit beim Menschen richten. Was möglich ist, was eingesetzt werden kann, was dem Sportler, ohne ihm zu schaden, nützt."

Keul spricht nicht etwa von den Verboten, die sich der internationale Sport bei einzelnen Medikamenten längst selber auferlegt hat. Anabolika zum Beispiel stehen seit 1974 auf der Dopingliste des Internationalen Olympischen Komitees. Keul spricht nur über die Frage, welche Medikamente die Leistung des Sportlers steigern können, ohne ihn krank zu machen. Dieses verbale Verwirrspiel wird sein ganzes berufliches Wirken kennzeichnen. Keul wird bis zu seinem Tod im Jahr 2000 immer wieder für Schlagzeilen sorgen, weil er sich wiederholt an der Grenze zwischen dem Erlaubten und dem Verbotenen bewegt – zum Beispiel 1987 in einer Testosteronstudie.

In den 1970er Jahren spricht er noch recht offen über den Einsatz der Pharmaka im Sport. Geradezu legendär wird sein Satz: ""Jeder, der einen muskulösen Körper haben und einfach männlicher wirken möchte, kann Anabolika einnehmen." Keul trete als "großer Verharmloser" auf, schreibt Peter Danckert, der Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag. Später wird Keul vorsichtiger mit öffentlichen Äußerungen und gibt sich immer mehr als energischer Doping-Bekämpfer. Der Staat und zuletzt auch der Telekom-Konzern werden sich stets auf die angeblich absolute Integrität der Koryphäe berufen, wenn sie sportmedizinische Leistungen in Freiburg bestellen. Kritik an Keul läuft ins Leere, der Staat ermittelt nie. "Keul wusste, dass Staatsanwälte bei ihm nicht reinkommen", sagt Doping-Bekämpfer Werner Franke.

Welche Geschichte verbirgt sich hinter dem Namen des großen Joseph Keul? War der einstige Chef der nun schwer belasteten Mediziner Schmid, Heinrich und Georg Huber eine Schlüsselfigur in der geheimen Dopingoffensive Westdeutschlands? Bot Keul zusammen mit Armin Klümper, dem zweiten sportmedizinischen Weltstar aus Freiburg, dem DDR-Staatsdoping seit den Olympischen Sommerspielen von München 1972 Paroli? Keul und Klümper betreuten bis zu 80 Prozent aller westdeutschen Sportstars in Freiburg: Fußballer, Leichtathleten, Wintersportler, Radrennfahrer, Tennisspieler, Ruderer. Wie viele von ihnen auch in Fragen des Dopings? "Keinen einzigen", hätte Keul geantwortet. Doch es führen erdrückend viele Spuren in Keuls Wirkungsstätte, in die Sportmedizin der Universitätsklinik, in die Hugstetter Straße 55. "Nach meinem Eindruck wurde Keul mit Doping groß", sagt Professor Gerhard Treutlein, der renommierte Dopingforscher und Autor des Buchs "Doping im Spitzensport" aus Heidelberg. Der Staat habe "Freiburg und Keul geschützt, um ein westdeutsches Dopingsystem zu etablieren", erklärt Werner Franke. Ralf Meutgens, der Autor des Buchs "Doping im Radsport", schreibt Keuls Abteilung eine Schlüsselrolle zu. "Er ist eindeutig der geistige Urheber des Dopings im Breisgau."

Werner Franke, Dopingexperte: Wer war Keul wirklich? Der Charmeur und blitzgescheite Strahlemann aus dem Rheinland schuf sich in Freiburg ein sportmedizinisches Imperium. Er vernetzte sich mit den führenden Kräften aus Politik und Sport, knüpfte aber auch heimliche Kontakte zu Sportärzten der DDR. Im Westen wusste man, dass in Erich Honeckers Reich von Staats wegen gedopt wurde. Vor allem konservative Politiker litten unter der Medailleneinbuße und der vermeintlichen Blamage im Kampf der Systeme. Der junge Wolfgang Schäuble, 1977 sportpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion in Bonn, plädierte offen für einen Gegenschlag mit Medikamenten. Im Bundestag warb der gebürtige Freiburger Seite an Seite mit Keul bei einer Anhörung für den Einsatz von Medikamenten auch im Westen "unter der absolut verantwortlichen Kontrolle der Sportmediziner".

Gehörte Keul zu den Ärzten, die diese Verantwortung übernahmen? Er war Chefarzt der Olympiamannschaften, die für Deutschland antraten und wurde weltweit als Experte gehört und geachtet. Ihm wurden höchste Ehrungen zuteil. 1990 erhielt er das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Gerhard Mayer-Vorfelder, der Landesminister für Kultus und Sport und zugleich Präsident des VfB Stuttgart, überreichte es ihm. Mayer-Vorfelder rühmte in seiner Festrede Keuls Wirken: "Es ist wesentlich Ihr Verdienst, dass die Freiburger Sportmedizin über die Landesgrenzen hinaus anerkannt ist und heute Weltruf genießt." Zusätzlich berühmt wurde Keul durch seine öffentlichen Auftritte an der Seite von Boris Becker und Steffi Graf. Er betreute die deutschen Daviscup-Mannschaften im Tennis und rückte zur Hoch-Zeit dieses Sports bei Live-Übertragungen der einstigen Seriensieger ins Rampenlicht. Später war er Becker und Graf auch ein väterlicher Freund. Immer wieder beschönigte er das Dopingproblem. Als der Spiegel 1990 systematische Manipulation bei westdeutschen Sprinterinnen aufdeckte, kommentierte Keul treuherzig: "Ich wüsste nicht, wo hier systematisch gedopt wird. Aber Einzelne werden das immer wieder tun."

Beweise für eine aktive Beteiligung Keuls am Doping beim Team Telekom fand die Untersuchungskommission nicht. Sie macht ihn aber für finanzielle "Unkorrektheiten" verantwortlich. Er sei außerdem "stets zur Stelle gewesen, wenn es galt, den Einsatz sowie die Wirkungen und Nebenwirkungen von Dopingmitteln zu bestreiten oder zu verharmlosen".

Viele Menschen haben Joseph Keul geachtet und geschätzt, und sie tun das noch immer. CDU-Staatssekretär Fleischer schrieb nach Keuls Tod: "Jupp war ein Freund." Kritik an Keul ist bis heute tabu. Man bewahrt ihm ein ehrendes Andenken. Der Konferenzraum des Olympiastützpunkts Freiburg/Schwarzwald trägt den Namen "Joseph-Keul-Raum".

Doping-Bekämpfer Franke will Keuls Vergangenheit auf keinen Fall ruhen lassen. Sein Urteil über den Doyen der Sportmedizin und über das "System Keul" steht fest: "Schmid und Heinrich waren Keuls Assistenten", sagt Franke. "Er ist eindeutig der geistige Urheber und einer der kriminellen Köpfe des Dopings im Breisgau. Aber auch Armin Klümper darf man in dieser Hinsicht nicht vergessen."
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Beitragvon Helmut » 07.02.2013, 23:18

Gefunden im Pressespiegel des BDR:

"Richard Pound, langjähriger Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, erklärte im Interview mit der britischen Zeitung Evening Standard: "Wenn die Tennis-Verbände noch immer glauben, dass EPO und HGH nicht verwendet werden, haben sie nicht aufgepasst." Siehe

http://www.spox.com/de/sport/mehrsport/ ... kovic.html

Die Dopingspur im Profifußball führt bis in die Spitze des spanischen Fußballverbandes. Liga-Präsident José Luis Astiazarán soll in seiner Zeit als Präsident von Real Sociedad San Sebastian Dopingmittel gekauft haben. Auch Weltstar Xabi Alonso spielte zu dieser Zeit dort. Siehe

http://www.derwesten.de/sport/fussball/ ... 77535.html
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Beitragvon Helmut » 11.02.2013, 23:28

Gefunden im Pressespiegel des BDR:

Jaksche belastet Fuentes schwer. Zudem unterstellt Jaksche, Justiz und Sportverbänden in Spanien hätten mangelndes Interesse daran, weitere Sportarten zu belangen. "Dass der Fußball tief mit drinsteckt, aber gedeckt wird, sollte jedem klar sein", sagte er, und: "Manche Sportarten wie Tennis, Schwimmen und Fußball haben Dopingtests, die eher an einen Schulaufsatz der ersten Klasse erinnern."

Siehe

http://www.spiegel.de/sport/sonst/opera ... 82671.html
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Beitragvon Helmut » 14.02.2013, 00:43

Gefunden im Pressespiegel der BDR:

Wer hätte das gedacht? Nun gibt es auch einen Dopingfall in der NBA und ein dem Spiegel hart erscheindes Durchgreifen des Verbandes. Siehe

http://www.spiegel.de/sport/sonst/nba-t ... 83258.html

Auch bemerkenswert: Die FAZ meldet, dass jeder fünfte Student Hirn-Doping betreiben würde. Hier werden Koffein-Tabletten als Doping gewertet. Dope ich dann auch, wenn ich im Büro einen Kaffee trinke? Siehe

http://www.faz.net/aktuell/wissen/mediz ... 45969.html
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Beitragvon Helmut » 17.02.2013, 00:29

Gefunden im Pressespiegel der BDR:

<b>Vorbild Radsport - Doping-Warnsystem auf Eis?</b>
IOC-Mitglied Hein Verbruggen und zwei Ärzte erheben Doping-Vorwürfe gegen den Eisschnelllauf-Verband. Die WADA will Erklärungen.

http://www.sport1.de/de/wintersport/win ... 76704.html
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Beitragvon Helmut » 18.02.2013, 01:37

Gefunden im Pressespiegel des BDR:

Den Verdacht gibt es schon länger, jetzt scheinen neue Beweise aufgetaucht zu sein: Spaniens Leichtathletikstar Marta Domínguez wird erneut mit Dopingvorwürfen konfrontiert. Die Weltmeisterin von 2009 soll die Dienste des Dopingarztes Eufemiano Fuentes genutzt haben. Domínguez gehört als Abgeordnete der konservativen Volkspartei dem Senat (Oberhaus des spanischen Parlaments) an. Sie war Ende 2010 mit einer anderen Dopingaffäre in Verbindung gebracht und kurzzeitig festgenommen worden. Die Justiz stellte die Ermittlungen jedoch im April 2011 ein und legte den Fall zu den Akten. Siehe

http://www.spiegel.de/sport/sonst/dopin ... 83926.html
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Beitragvon Indorain » 18.02.2013, 17:10

Helmut hat geschrieben:... Dienste des Dopingarztes Eufemiano Fuentes...
Dopingarztes, der Beruf hat Zukunft! Gibt es so eine Facharztausbildung?
Vorschlag: Facharzt für Sportmedizin und Leistungsoptimierung. :?
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Beitragvon crumble » 18.02.2013, 22:49

Indorain hat geschrieben:Dopingarztes, der Beruf hat Zukunft! Gibt es so eine Facharztausbildung?
Vorschlag: Facharzt für Sportmedizin und Leistungsoptimierung. :?
Ach, Medizin, das ist viel zu einseitig gesehen. Haette ich in der Schule Mechanik kapiert, haette ich Bio & Physik studiert, um damit Sportler zu optimieren. Da betrachtet man ja nur einen Teil des Gesamtsystems. Man sollte die Sportgeraete/-tiere nicht aus den Augen verlieren.

Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass schlechten Schulnoten mir meine Moral gerettet haben. Zumindest in diesem Bereich.

Die moderne Technik sollte man auch nicht ausser acht lassen. Rundumkameras im Helm, die das Renngeschehen beobachten und der Elektrostimulationshose rechtzeitig mitteilen, wann sie einen oekonomischen Antritt einzuleiten hat, um rechtzeitig im Windschatten des Ausreisser zu sein. Pah, Aerzte, Stuemper :)

Und wenn die UCI das verbietet, erfolgt die Verkabelung halt intern. Es wird sich schon ein Arzt finden, der bestaetigt, dass der Fahrer das fuer einen Lebenserhalt braucht und die Facettenaugen ein ganz normaler Gendeffekt sind.

Peter
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Beitragvon Helmut » 19.02.2013, 01:55

Kugelstoß-Olympiasieger Udo Beyer aus Potsdam hat erstmals die Einnahme verbotener Substanzen in seiner erfolgreichen Karriere eingeräumt. Im Dokumentarfilm "Einzelkämpfer", der auf der Berlinale seine Premiere feiert, gab der 57-Jährige an, stets selbst über die Einnahme der Mittel entschieden zu haben. Siehe

http://sport.t-online.de/spaetes-doping ... 8456/index

Einerseits zu Recht sagt Beyer, "Doping oder unterstützende Mittel machen vielleicht zwei oder drei Prozent der Leistung aus - alles andere ist harte Arbeit. Und wenn Du nicht richtig trainiert bist, dann können sie Dir so viel Pillen geben wie Du willst - dann wirst Du höchstens ein Schwamm oder irgend so etwas, aber nie ein guter Leistungssportler". Und er fügte seine Sicht der Dinge hinzu: "Einem Ackergaul kannst Du so viel Dopingmittel geben wie Du willst, er wird nie ein Rennen in Hoppegarten gewinnen." Er "vergisst" dabei andererseits, dass er seine Olympia-Goldmedaille nicht gegen "Ackergäule", sondern gegen "Rennpferde" gewann, weil er sich zwei oder drei Prozent mehr Leistungsvermögen ermogelte.
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Beitragvon Helmut » 20.02.2013, 00:03

Gefunden im Pressespiegel des BDR:

Die FIFA hat auf die Diskussionen um Doping-Arzt Fuentes reagiert. Mit einem Pressetermin, der aufwärmt, was längst bekannt war. Die WADA lobt die FIFA. Dabei hat deren Anti-Doping-Kampf große Lücken. Siehe

http://www.derwesten-recherche.org/2013 ... -als-sein/

Was ist dran an den Vorwürfen gegen den Super-Sportler Oscar Pistorius? Funde am Tatort deuten darauf hin, dass der „Blade-Runner“ seine Freundin nach einem unkontrollierten Wutausbruch erschossen hat – verursacht durch die Einnahme von Steroiden. Siehe

http://www.focus.de/panorama/welt/mord- ... 21950.html
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Beitragvon Helmut » 03.03.2013, 04:22

Gefunden im Pressespiegel des BDR:

Der DFB will nun doch auch den Blutpass einführen, damit sicherstellen, dass der Fußball sauber ist/wird. Das war zumindest nicht immer so, selbst Monumente des Fußballs, wie die "Helden von Bern" 1954 und Maradona 1994, haben gedopt. Siehe

http://www.zeit.de/sport/2013-02/fussba ... b-blutpass
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