Doping (nicht nur) im Radsport

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Speedmanager
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Doping (nicht nur) im Radsport

Beitragvon Speedmanager » 21.09.2012, 23:49

hanseat hat geschrieben:Da flog ein Mexikanischer Dopingbaron auf, der Leichtatlethen, wie Marion Jones, etc. unterstützt hatte.
Ja, der SpOn-Artikel ist einer der ernüchternsten, die publik geworden sind.

Aber Doping war im Sport!! (nicht nur im Radsport) schon immer ein Thema - wenn auch für die Medien erst in der neueren Zeit. Das erste Dopinggeständnis (im Radsport) datiert schließlich nicht aus dem (TdF-)Skandaljahr 2006, auch nicht aus denen der Festina- und Cofidis-Skandalen, sondern bereits aus dem Jahr 1924.

Bei der Empörung der Öffentlichkeit wird dabei immer das vergessen, was Angel Heredia, der Drogenbeschaffer für Marion Jones et al. treffender wohl hätte nicht formulieren können:

das ist der Irrglaube: "Du wirfst heute etwas ein und morgen fliegst du." Im wahren Leben musst du unfassbar hart trainieren und sehr begabt sein und ein perfektes Team aus Trainern und Betreuern haben. Und dann machen die besten Drogen den Unterschied aus. Es ist alles eine große Komposition, eine Symphonie. Alles ist mit allem verbunden, verstehen Sie, und Drogen wirken dabei auf lange Sicht: Sie sorgen dafür, dass du dich erholen kannst, dass du die katabolischen Phasen vermeiden kannst. Volleyball am Strand mag gesund sein - Spitzensport ist nicht gesund. Du zerstörst deinen Körper.
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Helmut
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Beitragvon Helmut » 22.09.2012, 00:09

Dazu fällt mir mal wieder der schöne Satz ein:

Radsportler (und Schwimmer, Leichtathleten etc.) dopen, beim Fußball hingegen werden die Sportler "fit gesprizt". So war es jedenfalls früher immer in den Nachrichten zu hören - und die Nation freute sich mit, mit dem Fitgespritzen und seiner Mannschaft. Heute redet und schreibt da keiner mehr drüber.

Ich bin für fairen Sport. Das geht m. E. nur ohne Doping und gilt für alle Sportarten.
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Beitragvon Stockumer Junge » 22.09.2012, 11:24

Zitat Helmut: Ich bin für fairen Sport. Das geht m. E. nur ohne Doping und gilt für alle Sportarten.

Richtig, ansonsten ist es so eine Art Panoptikum. Ähnlich Bodybuilding und Wrestling
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Beitragvon Harterbrocken » 25.09.2012, 22:45

Kleiner Lesetipp: In der aktuellen TOUR-Ausgabe 10/2012 gibt es auf Seite 108 einen interessanten Artikel über das Hamilton-Buch "The Secret Race". Autor Sebastian Moll, selbst Berichterstatter in der Doping-Hochphase und bei Armstrongs sieben Tour-Siegen dabei, gibt sich bemerkenswert selbstkritisch. "Die Geschichte des wiederauferstandenen Krebspatienten, der nach dem Festina-Dopingskandal im Jahr zuvor der Tour wieder ihren Glanz zurück gibt, war einfach unwiderstehlich. So unwiderstehlich, dass man - rückblickend unentschuldbar - die journalistische Sorgfaltpflicht aus dem Auge verlor", schreibt Moll einsichtig.

So offen habe ich noch keinen Radsportjournalisten im Umgang mit seiner Rolle in dem ganzen Dopingsumpf erlebt, Respekt Herr Moll. Man denke nur an den korrupten TV-Journalisten Jürgen Emig (hat den HR mit betrügerischen Deals riesige Beträge aus der Kasse gezogen und wurde verurteilt) und dem verlogenen Hagen Bosdorf (Stasi-IM). Wie unreflektiert, einseitig und tendenziös haben diese Moderatoren gebührenfinanziert den verseuchten Profiradsport glorifiziert.

Zum Glück gab es aber ja auch echte Rechercheure wie den Briten David Walsh, der sich nicht hat einlullen lassen und stets weiter kritische Fragen stellte.

Übrigens: Die Rad-WM in Holland fand in deutschen Medien nur minimale Beachtung. Und der Hauptteil der Berichterstattung setzte sich mit der fragwürdigen Rolle der UCI und massiver Kritik an dessen Chef McQuaid und dessen Vorgänger Verbruggen auseinander. Der Sportteil unserer Zeitungen hat eigentliches Besseres verdient. Wer, bitte schön, setzt unsere schöne Sportart wieder auf null?
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Beitragvon Helmut » 26.09.2012, 01:34

Gefunden im Pressespiegel des BDR: Fuentes und Komplizen wird der Prozess gemacht. Und wieder wird nur über Radsportler als Dopingsünder geschrieben, hier durch die LVZ online. Siehe

http://www.lvz-online.de/sport/radsport ... 58500.html

Auch Wikipedia berichtet über den Dopingskandal Fuentes als "eine Dopingaffäre im internationalen Profi-Radsport", berichtet über gedopte Leichtathleten und Fußballspieler nur als Randthema. Gleichwohl (Zitat Wikipedia): "Im September 2006 klagte der UCI-Präsident Pat McQuaid über die Beschränkung des Dopingskandals auf den Radsport. Fuentes hatte bereits nach seiner Verhaftung bestätigt, dass die Mehrheit seiner Kunden in anderen Sportarten tätig war. Soweit es McQuaid bekannt war, kämen von den rund 200 betroffenen Sportlern nicht einmal 30 % aus dem Radsport." Nun mag man McQuaid als unglaubwürdig einstufen, warum aber sollte Fuentes dazu falsche Angaben gemacht haben? Siehe

http://de.wikipedia.org/wiki/Dopingskandal_Fuentes

http://de.wikipedia.org/wiki/Dopingskan ... _Radsports

Es geht dabei um Fussballspieler aus der spanischen Primera División. Man kann somit davon ausgehen, dass es auch in der Champions League gedopte Sportler gegeben hat. Aber das will in Deutschland niemand wissen.
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Beitragvon Harterbrocken » 12.10.2012, 21:32

Meine Güte, so ein Rauschen im Blätterwald zum Thema Doping wie heute habe ich selten erlebt: Vom Schwarzwälder Boten bis zur Süddeutschen Zeitung wird das Fall Armstrong beleuchtet. Tenor: Der größte Sportbetrug aller Zeiten. Armstrong hat nicht nur selber heftigst gedopt, sondern seine Teamkameraden animiert und sogar unter Druck gesetzt. Jemanden zum Drogenkonsum zu bringen, finde ich besonders verwerflich. Und nun ist auch amtlich, dass die UCI davon wusste, das alles billigte.

Der Antidopingkämpfer Prof. Franke stellt dazu fest: "Der Radsport ist in sich korrupt." Dem ist nichts hinzuzufügen. Ich wünschte, das alles wäre Vergangenheit. Aber an einen sauberen Neuanfang kann ich nicht glauben, denn viele der Hauptakteure sind noch aktiv - als Fahrer, Teamchefs oder UCI-Offizielle. Klar, auch in anderen Sportarten wird gedopt. Aber derart extrem und kriminell - das zeigt die Causa Armstrong nun sehr deutlich - geht es leider nur im Profi-Radsport zu.

Bemerkenswert ist, dass gleich 26 Zeugen gegen ihren Ex-Chef Armstrong aussagen, selbst treue Begleiter wie Hincapie. Bin gespannt, wie Armstrong damit umgehen will. Wie kann man mit so einer Lebenslüge und Last leben?

Hans-Michael Holczer ist übrigens gerade als Teammanager bei Katuscha zurück getreten.
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Beitragvon Grotefend » 13.10.2012, 14:00

Harterbrocken hat geschrieben:Aber derart extrem und kriminell - das zeigt die Causa Wie kann man mit so einer Lebenslüge und Last leben?
Hundert Millionen sind doch ein gut wirkendes Schmerzmittel. Ich weiß nicht einmal, ob ich bei dieser Summe nicht auch schwach würde.

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Beitragvon Harterbrocken » 13.10.2012, 19:12

100 Millionen sind wahrlich eine galaktische Summe. Und der Mann ist ja an ein Jet-Aet-Leben mit Privatflugzeug etc. gewöhnt. Er hatte ja sogar politische Ambitionen, wollte mal Gouverneur von Texas werden. Das kann er jetzt wohl vergessen. Da das Postal Team mit Steuergeldern finanziert wurde, kommen eventuell Schadenersatzforderungen auf ihn zu.

Das viele Geld wird wohl auch der Grund gewesen sein, warum Armstrong Druck auf Funktionäre, Politiker, Firmen usw. ausüben konnte.

Bei einem Angebot 100 Mio. zu kassieren, mögen tatsächlich manche schwach werden. Aber der Preis ist am Ende doch zu hoch.
Zuletzt geändert von Harterbrocken am 13.10.2012, 21:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon hanseat » 13.10.2012, 19:38

Grotefend hat geschrieben:Hundert Millionen sind doch ein gut wirkendes Schmerzmittel. Ich weiß nicht einmal, ob ich bei dieser Summe nicht auch schwach würde.
Nie im Leben!

Entweder man hat Prinzipien oder eben nicht.
"Mr. Nachkommastelle"
...wir sitzen alle in einem Boot, die einen rudern und die anderen genießen die Aussicht...
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Beitragvon Hendricks » 16.10.2012, 11:13

prinzipien hin oder her... nur durch "mal dopen" wird keiner reich....

aber jeder wie er will. gedopt wird auch hier im forum. hab genug leute im absolut unterem leistungsniveau (wird das so geschrieben?!) erlebt, die sich hier und da ne asperin reinziehen, damit später die knie nicht sooo weh tun oder weil man ja unbedingt 300 km fahren muss das ein oder andere schmerzmittel ala tabletten einwerfen...

wenn ich schmerzen habe, mach ich pause. wenn ich weiß es geht nicht, dann fahr ich es nicht und wenn die schmerzen dann unterwegs kommen, wir durchgebissen oder aufgehört.

ich leg nichtmal für meine "freunde" die hand ins feuer. alle wollen sie immer ganz toll darstehen und so eine kleine tablette macht ja wohl nichts... traurig, aber wahr...
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Beitragvon Harterbrocken » 18.10.2012, 15:03

Hendricks hat geschrieben:ich leg nichtmal für meine "freunde" die hand ins feuer. alle wollen sie immer ganz toll darstehen und so eine kleine tablette macht ja wohl nichts... traurig, aber wahr...
Ja,das ist wirklich traurig. Und ganz unschuldig an dieser gedankenlosen Haltung sind die großen Radsportheroen wie Armstrong und Co. bestimmt nicht. Dem geht es jetzt übrigens immer mehr an den Kragen. Gerade heute wurde bekannt, dass sein treuer Sponsor Nike sich von ihm trennt und hat sein Tun scharf kritisert.

Auch Ex-Teamgefährte van der Velde erhebt nun wie Tyler Hamliton schwerste Vorwürfe gegen Armstrong. Die Wand des Schweigens scheint immer mehr zu bröckeln. Der aktuelle "Stern" deutet bereits an, dass Jan Ulrich auspacken könnte und sollte.

Selbst das die richterlichen Ermitllungen gegen Armstrong, die im Frühjahr unter fragwürdigen Umständen eingestellt wurden, wieder aufgenommen werden, scheint nicht mehr unmöglich. Schließlich hat er mit seinem Team US Postal große Summen an Steuergeldern missbraucht. Und in den USA tobt ja momentan der Wahlkampf; da könnten Sport und Doping durchaus noch eine Rolle spielen.
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Schnuffi
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Beitragvon Schnuffi » 19.10.2012, 12:50

Plötzliche Erkenntnis bei Rabobank:
Wir sind nicht mehr überzeugt, dass der Profiradsport zu einem sauberen und fairen Sport werden kann. :HaHa: :HaHa: :HaHa:

siehe
http://www.spiegel.de/sport/sonst/te...-a-862192.html
Wenn Du schneller fährst brauchst Du Dich nicht so lange anzustrengen :mrgreen:
Angelboot

Beitragvon Angelboot » 22.10.2012, 19:43

In der letzten Woche sollte das WM-Qualifikationsspiel England und Polen stattfinden. Das Wetter war aber zu schlecht um das Spiel stattfinden zu lassen. Am nächsten Tag konnte dann gespielt werden. Das Spiel endete 1:1. In der Presse konnte man dann nachlesen: Die englischen Spieler hatten kurz vor der Absage Koffeeintabletten eingenommen. Um aber nach der Absage schlafen zu können, bekamen sie dann Schlaftabletten. Damit waren sie dann am Spieltag zu müde, um das Spiel zu gewinnen. :Totlach: :Totlach: :krankimbett: :Kuehlen:
Aber !!!!!! Es gibt ja auch Fußballspiele, da führt eine Mannschaft 4:0, trotzdem endet das Spiel 4:4. :Unentschlossen:

Das was Amstrong gemacht hat, ein Verbrechen. Was einige andere im Radsport für Schweinereien gemacht haben, dieser faszinierenden Sportart schwer geschadet haben, sollte gnadenlos aufgeklärt werden.

Was ich vermisse, ist allerdings die gnadenlose Aufklärung auch in anderen Sportarten, oder ?? Aber hier ist die Mauer des Schweigens wohl noch zu stabil.
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Harterbrocken
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Die Causa Armstrong

Beitragvon Harterbrocken » 22.10.2012, 21:58

Jetzt ist es amtlich: Lance Amstrong verliert alle seine Tour-Titel. Am Freitag werden möglicherweise Jan Ullrich und Andreas Klöden zu den neuen Siegern erklärt. Oder die Ergebnislisten bleiben weiß. Das ist wohl der bessere Weg, denn zumindest Ulrich hat ja bereits erklärt, dass er die Titel nicht will. Warum wohl?

Klar, auch in anderen Sportarten wird gedopt. Das kann und soll keiner schön reden. Das gehört ebenso ans Licht, wie Doping im Radsport. Und das muss ebenso gnadenlos aufgeklärt werden, wie die Armstrong-Affäre.

Aber Fakt ist auch: Der Fall Armstrong ist der größte Betrug der Sport-Geschichte. Nirgends sonst wurde so systematisch und kriminell agiert wie in seinen Teams. Dabei hat er sich nicht nur körperliche Vorteile verschafft, sondern als Anstifter und Kopf des Systems agiert.

Und jetzt geht es ihm völlig zu recht auch an seine Kohle. Sponsor Nike hat tief enttäuscht bereits alle Verträge gekündigt. Die Tour-Orga fordert die Siegprämien zurück. Der Mann fällt immer tiefer und endet vielleicht sogar im Knast.

Mann oh Mann, wie habe ich sein erstes Buch über den Kampf gegen den Krebs verschlungen. Nach der Lektüre war er für mich nicht nur ein Sportheld, sondern ein Gutmensch, der sich dem Kampf gegen den Krebs verschrieben hat - ein Mythos, fast ein Heilger. Und nun das.

Wen das alles näher interessiert, empfehle ich die Lektüre von Tyler Hamiltons "Secret Race". Alles was dieser Tage öffentlich wird, hat Hamilton dort in sehr persönlicher Weise beschrieben - ein echter Doping-Krimi. Auch die tausendseitigen (!) Amstrong-Ermittlungsakten soll online stehen. Weiß jemand wo?

Soll bitte keiner sagen, dass Doping nur Berufsfahrer betrifft. Die FAZ schreibt in ihrer Ausgabe vom 18.10.2012 sehr detailliert über die Professionalisierung der Hobby- und Jedermannszene am Beispiel des Teams von Merkur-Druck aus Norderstedt:

ttp://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/ra ... 23768.html

Aufwand, Ausrüstung und Training sind offenbar derart aufwendig, dass man hier wohl schon von Semi-Profis sprechen kann. Für mich eindeutig der falsche Weg. Ich hatte die Merkur-Mannschaft bei Rund um Köln gesehen und dachte, die starten bei den Profis. Der schicke Team-BMW parkte vorm Hotel direkt am Startbereich, Mechaniker kümmerten sich um die Karbon-Maschinen. Was, bitte schön, hat das mit Jedermann-Sport zu tun?

Der FAZ-Artikel endet mit der Feststellung, dass bei Jedermann-Rennen heute im Schnitt 42 km/h gefahren werden - ein wahres Profitempo. Damit würden die Jedermänner, so die Zeitung, in die falsche Richtung strampeln. Dem, finde ich, ist nichts hinzuzufügen!
stolk
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Beitragvon stolk » 23.10.2012, 19:21

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Janibal
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Verwackelt

Beitragvon Janibal » 24.10.2012, 07:29

Hab neulich den Heinz Bünger ( http://www.youtube.com/watch?v=rG0OWMJz-qI ) getroffen. Er macht freiwillig Drogenaufklärung an Schulen, weil er hat schon alle Drogen ausprobiert und saß 12 Jahre im Knast. Wenn der Mann vor dir steht, dann wackelt er. Nicht weil er friert, sondern weil er clean ist und die Drogen Spuren hinterlassen haben. Er selbst nennt Drogenkonsumenten "Verwackelte"

Um nicht zu den Verwackelten zu gehören, sollte man um die Gefahr von Drogen wissen.

Die meisten Drogen stimulieren, auch sexuell, was zu einer mentalen Abhängigkeit führt, weil ohne Drogen nix mehr geht. Die körperliche Abhängigkeit setzt bei Herion und Schmutz wie Crystal sofort ein. Bei körperlicher Abhängigkeit werden körpereignen Botenstoffe unersetzbar durch die Droge ersetzt. Nicht ganz so schlimm ist Cokain. Dafür am meisten verbreitet, fast jeder Dealer hat was dabei. Zum Schutz der Neugierigen (Jugend) werde ich hier mal texten, wie reines Cokain nachgewiesen werden kann. Denn wenn der Kunde gestrecktes von reinem Stoff unterscheiden kann, dann läßt der Dealer die Finger vom Kunden, es gibt genung reiche Kunden, die alles nehmen und immer mehr brauchen.

Cokain wird gestreckt mit Packpulver, Babyabführmittel, Coffein oder Traubenzucker.

Backpulver ist nachzuweisen durch:
Alufolie, Droge und Wasser. Wenn es zischt und brodelt, dann ist Backpulver im Spiel.

Babyabführmittel:
Droge auf Alufolie, Feuerzeug drunter. Hinterläßt eine andere Brennspur als Cokain.

Traubenzucker: Droge auf Alufolie, Feuerzeug drunter, riecht nach verbranten Zucker.

Kurz probieren mit der Zunge wie in Filmen (eigentlich schlecht). Cokain betäubt die Zunge nach kurzer Zeit langsam (so wie Zahnarzt, nur nicht so stark), schmeckt eigen, nicht nach Zucker oder Kuchen.

Wasserglas: reines Cokain geht unter und hinterläßt eine fadige Spur im Wasser, gestrecktes Cokain schwimmt. Versuch geht auch in der holen Hand oder Toliettenbecker, alles was in der Disco vorhanden ist...


Hätte der Pantani das gewusst, wäre er nicht so verwackelt gewesen. Wer Crystal oder anderen Schmutz nimmt, der wackelt nicht lange, sondern ist bald weg, von der schönen Erde.


Der Heinz hat mit dem Schneekönig zusammengearbeit, damals. Eine Doku um den Schneekönig kommt in der Nacht vom 6.11. auf den 7.11 um 0:00 Uhr. Ab 18 Jahre!

http://www.ndr.de/fernsehen/epg/epg1157 ... 60452.html


Alle Drogen sind Doping und wer hoch fliegt, fällt....
St. Jan
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Re: Die Causa Armstrong

Beitragvon bort » 24.10.2012, 09:12

Harterbrocken hat geschrieben:Auch die tausendseitigen (!) Amstrong-Ermittlungsakten soll online stehen. Weiß jemand wo?
ja, hier: http://cyclinginvestigation.usada.org/ und dann unter dem Reiter "Appendices and Supporting Materials"

In dem Zusammenhang ist auch das Buch "Vollblutrennfahrer" von David Millar zu empfehlen. Millar ist nach eigenen Angaben als Amateur und auch zu Beginn seiner Profikarriere clean gefahren, weil er immer strikt gegen Doping war. Aber auch bei ihm wirkte das System.

Nach seinen ersten Jahren bei Cofidis begann unter Einfluss eines Formitiefs, damit verbundenen schlechten Ergebnissen und dem Erfolgsdruck seitens der Teamleitung / Sponsoren schleichend seine Doper-Karriere (hier mal abends eine Vitamnispritze, dort ein paar Schlaftabletten, aber gemäß UCI alles noch legal) die dann ebenfalls in professioneller "Vorbereitung" mittels EPO gipfelte - Hauptaugenmerk war dann immer, vor einem Wettkampf den Hämokritwert wieder unterhalb des "offiziellen Grenzwerts" von 50% zu drücken.

2004 flog das Ganze auf, er wurde bis 2006 gesperrt. Seit seinem Comeback engagiert er sich wieder stark im Kampf gegen Doping... alles nur Show? Keine Ahnung, muss jeder für sich selber entscheiden, ich fand das Buch aufgrund seiner offenen Art trotzdem sehr gut.

Im Gegensatz zu Hamilton werden in Millars Buch aber Mitfahrer aus dem Peloton nicht offen als Doper benannt - auch Lance Armstrong nicht, das steht eher zwischen den Zeilen.

Gruß,
Dirk.
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Beitragvon Harterbrocken » 25.10.2012, 17:37

@bort: Danke für den Buchtipp. Über Millar habe ich bereits einiges gelesen, von ihm aber noch nicht.

Da dieser Fred ja Doping nicht nur im Radsport heißt, hier eine kleine Anmerkung: In der SZ stand gestern direkt unter einem Armstrong-Artikel was von einem Dopingfall in der Schachbundesliga. Dort wird offenbar nicht mit Medikamenten betrogen, sondern mit Handys. Darum nennen sich diese Vergehen auch E-Doping. Und das läuft so: Der Schachspieler geht immer wieder mal zur Toilette und lässt dann auf seinem Smartphone die Schachstellung von leistungsfähigen Rechenprogrammen analysieren, um sich so den besten Zug empfehlen zu lassen.

Wenigstens schadet E-Doping nicht der Gesundheit. Fieser Betrug ist es trotzdem.
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Beitragvon Indorain » 26.10.2012, 15:04

stolk hat geschrieben:Bild
Bobby Julich kannst Du auch streichen:
http://www.tour-magazin.de/profisport/n ... 21311.html
Aufwand, Ausrüstung und Training sind offenbar derart aufwendig, dass man hier wohl schon von Semi-Profis sprechen kann. Für mich eindeutig der falsche Weg
Wohl wahr! Die schnellsten bei den Cyclassics hatten z.b. einen höheren Schnitt als die Profis! Das da alle nur mit Wasser fahren darf bezweifelt werden (http://www.tri2b.com/triathlon-training ... tteln.html)...
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Buchtitel

Beitragvon Harterbrocken » 06.11.2012, 04:48

Schon erstaunlich, was deutsche Buchlektoren aus englischen Originaltiteln machen: Tyler Hamiltons Buch "The secret race" wird zu "Die Radsport-Mafia". Zu sehen ist die Neuerscheinung auf der HFS-Titelseite links. Warum macht man das? Nun, "Das geheime Rennen" war dem Malik-Verlag offenbar nicht reißerisch und verkäuferisch genug. Da musste offenbar die Allheilvokabel Mafia her. Mir ist das zu boulevardesk, auch wenn der Titel die Dopingaffäre um den "Paten" Lance Armstrong, seine "Familie" und die "Omerta" ja doch ganz gut trifft.
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TV-Tipp: Tyler Hamilton im ZDF

Beitragvon Harterbrocken » 22.11.2012, 07:35

Das könnte spannend werden: Samstag, 24.11., wird Tyler Hamilton als Interviewgast im ZDF-Sportstudio erwartet. Ich weiß: Einigen hängt die Doping-Diskussion zu den Ohren raus. Doch das Aufräumen hat wohl gerade erst begonnen. Was da alles ans Licht kommt, ist schockierender als ein Krimi. Nur das es sich hier um Nonfiction handelt.

Und Armstrong? Der twittert!

http://meedia.de/internet/lance-armstro ... dium=email

Der Mann hat Nerven. Der Skandal geht wohl immer weiter. Man beachte das Foto: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.
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Re: TV-Tipp: Tyler Hamilton im ZDF

Beitragvon bort » 25.11.2012, 13:08

Harterbrocken hat geschrieben:Das könnte spannend werden: Samstag, 24.11., wird Tyler Hamilton als Interviewgast im ZDF-Sportstudio erwartet.
war wirklich sehr informativ und Michael Steinbrecher hat das Interview wie ich finde gut und sachlich geführt. Am Ende kam auch noch die ehemalige BDR-Präsidentin Sylvia Schenk zu Wort (mittlerweile ist Sie im Vorstand von Transparency International)

Wer es nicht gesehen hat, hier der Link zum Interview in der ZDF Mediathek (knapp 42 Minuten lang)
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/ ... e-ein-Hund

Grüße,
Dirk.
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Re: TV-Tipp: Tyler Hamilton im ZDF

Beitragvon Harterbrocken » 25.11.2012, 22:16

bort hat geschrieben:...war wirklich sehr informativ und Michael Steinbrecher hat das Interview wie ich finde gut und sachlich geführt.
Wer es nicht gesehen hat, hier der Link zum Interview in der ZDF Mediathek (knapp 42 Minuten lang)
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/ ... e-ein-Hund
Ja, das sehe ich auch so. Die Fragen waren gut, das Interview lang, sachlich und aufschlussreich. Nach jahrelanger Jubelberichterstattung bringen die öffentlich-rechtlichen Sender nun endlich Radsportbeiträge mit der nötigen Distanz und journalistischen Professionalität.
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Beitragvon Helmut » 26.11.2012, 00:42

Was Hamilton im Interview auch sagte, worauf aber kein Presseorgan in Deutschland anspringt, ist, dass es Doping auch im Fußball und im Tennis gibt.

Das will halt bei uns keiner hören.
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Beitragvon bort » 26.11.2012, 08:16

Helmut hat geschrieben:Was Hamilton im Interview auch sagte, worauf aber kein Presseorgan in Deutschland anspringt, ist, dass es Doping auch im Fußball und im Tennis gibt.
jedenfalls nur eingeschränkt, die Rheinische Post hat zumindest eine Headline dazu:
http://www.rp-online.de/sport/hamilton- ... -1.3081968

wobei Hamilton sich da ja auch sichtlich unwohl fühlte bei der Frage, da hatte er wohl nicht mit gerechnet.

Grüße,
Dirk.
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