VeloTour Frankfurt '10 (Bericht + Bilder)

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hanseat
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VeloTour Frankfurt '10 (Bericht + Bilder)

Beitragvon hanseat » 02.05.2010, 11:36

Eine abwechslungsreiche und bergige Radsportwoche ist vorbei. Nach der Tour d'Energie in Göttingen und zwei bergigen Ausfahrten am Meißner und in der Rhön habe ich am 1. Mai erstmals an der VeloTour in Frankfurt teilgenommen. Nachdem die komplette Woche sonnig-warm ausfiel und das Radsport-Herz höher schlagen ließ, wurde die VeloTour zum absoluten Regenrennen.

Noch bei der Akkreditierung und der Pastaparty am Vortag war es bei 20 Grad und einem Beach-Club-Ambiente sehr chillig und relaxed. Pasta konnte man so oft wie möglich nachholen, ein Bier war ebenso inklusive und sorgte dafür, dass ich abends schnell in den Schlaf fand.

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Doch schon nach dem Aufstehen um 6.30 Uhr zeigte sich keine Sonne mehr, stattdessen Nieselregen. Nun machte sich erste Aufregung breit, denn ich bin noch nie im Regen bei einem Jedermannrennen gestartet und das gerade bei meiner Premiere in Frankfurt. Streckenkenntnis wäre bei glippschigen, rutschigen Bedingungen sicherlich hilfreich gewesen. Kurz vor dem Start habe ich mich noch mit meinem Arbeitskollegen und Kumpel Stephan getroffen, der ebenfalls zum ersten Mal die große 102er-Schleife in Angriff nehmen wollte.

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Zwischen 8 und 8:45 Uhr begaben sich dann sämtliche Rennfahrer in ihre Startblöcke auf dem Mann Mobilia-Parkplatz in einem riesigen Gewerbegebiet in Eschborn-Süd. Ich durfte erneut aus dem A-Startblock starten, hatte mir aber aufgrund der schwierigen Bedingungen vorgenommen, in erster Linie auf gesundes Ankommen zu fahren.

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Bei der Velotour werden drei Streckenlängen angeboten, 102, 70 und 42 km. Nur die 102er-Schleife führt quer durch den Taunus und weist topographische Schwierigkeiten auf. Um 9 Uhr wurden dann alle verschiedenen Blöcke mit gemischten Streckenlängen hintereinander aufgereiht von den Cheerleaders ins Rennen gestartet, gefolgt von den Skaterwettbewerben.

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Zuerst ging es leicht bergauf durch Eschborn und Steinbach, dann bei der Abfahrt nach Frankfurt nahm der Regen zu und schon rutschten die ersten Fahrer in den Kurven ohne Fremdeinwirkung einfach seitlich weg. Immer wieder gab es Stürze, die in meiner Umgebung allerdings glimpflich abliefen. Noch gefährlicher wurde es bei der Durchfahrung des Bankenzentrums von Frankfurt. Wir mussten drei oder vier problematische Baustellenabschnitte passieren, dann gab es einfach viel zu viele enge Kurven, die bei trockenen Verhältnissen sicher angenehmer gefahren werden konnten. Am riskantesten waren allerdings die vielen Straßenbahnschienen, die oft im spitzen Winkel liefen. Hier und auf den glatten Fahrbahnmakierungen packten sich viele Jedermänner z. T. wie im Dominoeffekt hin. Einmal musste ich mit viel Müh und Not und bremsenden Schuhplatten einem direkt vor mir passierenden Sturz ausweichen, konnte aber gerade noch mein Rad abfangen.
Immer wieder wurde das Feld durch Stürze ausgebremst, so dass man als vorsichtiger Fahrer erstmal noch nicht den Kontakt zur Spitze verlor.

Als die hektische Innenstadtpassage nach Norden Richtung Taunus verlassen wurde, kehrte mehr und mehr Ruhe ein und mit zähen 4-5 Prozent ging es erst durch Ortschaften, dann durch den Wald 600 Höhenmeter hinauf zum Sandplacken, dem kleinen Bruder vom Großen Feldberg. Es fand hier ein Ausscheidungsrennen bei widrigen Bedingungen mit auf der Kuppe unter 10 Grad statt. Durch die Brille konnte man aufgrund des Regens und des Beschlagens nicht mehr gucken und wenn man sie runter nahm, dann spritzte die ganze Zeit das Spritzwasser der Vordermänner in die brennenden Augen. Ich fand dennoch einen ganz guten Rhythmus und hielt bis zum Gipfel gut durch.

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Auf dem Plateau fiel einem Nachbarn die Radsportbrille aus dem Trikot. Ich dachte, es wäre meine und kehrte um, um sie zu holen. Als ich an meine Trikottasche fasste, merkte ich, dass sie noch da war. Ziemlich blöde Aktion. So habe ich eine super Gruppe ziehen lassen. Gerade auf den Abfahrten wurde ich dann stetig wieder von Heranrollenden überholt. Doch danach zog ich bei der nächsten Bergwertung wieder vorbei. Die Kittelhütte konnte gut bewältigt werden, schwieriger gestaltete sich die ungleichmäßige Auffahrt nach Glashütten. Hier merkte ich dann schon die vorangegangenen Anstrengungen. Der schwerste Berg für alle Jedermänner war aber sicher der Anstieg nach Ruppertshain. Hier mussten auf 1,5 km 8,5 % Steigung überwunden werden mit Spitzen von 13 %. Mit meiner Standardübersetzung konnte ich nur mit verbliebener Kraft drüberrollen und konnte dabei wieder einige Plätze gutmachen.

Danach kam eine lange Abfahrt, die ich wiederum vorsichtiger als andere anging. Dennoch konnte ich bei den Abfahrten beim Taunus keine vorangegangen Stürze feststellen. Nun ging es von Hofheim durch winklige Gassen nochmals bergauf, hier fielen auch einige Zuschauer auf, die uns motivierten. Bin zwar als zweites der Gruppe über die Kuppe rüber, verpasste dann aber leider den Anschluß an die Gruppe vor mir, die nicht mehr weit weg war. Stattdessen rollten auf dem ebenen Abschnitt gen Eschborn viele Fahrer von hinten wieder auf, so dass wir eine Gruppe von ca. 30 Fahrern bildeten. Leider durften wir nur zu viert die Führungsarbeit verrichten, immer wieder taten sich Löcher auf und der Rhythmus kam ins Stocken. Ich sprach Katharina Garus an, die sich mit dem 2. Platz das Führungstrikot im German Cycling Cup sichern konnte. Ich hatte sie bereits am Hohen Hagen in Göttingen bemerkt. Sie teilte mir mit, dass sie sich schon auf das Gelbe Trikot, das ihr bei der Siegerehrung übergeben wird, freue.

Nach 102 bergigen und verregneten Kilometern über 1.250 Höhenmeter ging es dann mit über 50 Sachen durch den Zielbogen, wo mich dann Jacky mit offenen Armen erwartete - obwohl mit gewisser Distanz. Das Wetter hatte seine Spuren hinterlassen, denn ich war dreckverschmiert. Das interessierte mich nun aber nicht die Bohne, ich hatte es geschafft! Ich bin erneut sturzfrei und gesund ins Ziel gekommen, vielleicht auch weil ich heute nicht 100 % gegeben habe!

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Nun habe ich noch den zufriedenen Zieleinlauf meines Freunds Stephan abgewartet. Danach haben wir noch lange und überschwänglich über unsere Rennen gefachsimpelt.

Insgesamt waren etwa 3.300 Teilnehmer (inkl. Skater) auf die Velotour gegangen. 2.855 Jedermann-Radfahrer kamen in die Wertung. Nicht wenige mussten auf der Langstrecke in den Besenwagen steigen.

Die Atmosphäre an der Strecke und im Start- und Zielbereich war nicht vergleichbar mit der in Göttingen. Das mag neben der Location in einem abseits liegenden Gewerbegebiet, aber auch am deutlich schlechteren Wetter gelegen haben. Positiv war allerdings der große, interessante Messebereich auf dem Parkplatz, der deutlich mehr zu bieten hatte als anderswo. Außerdem durfte sich jeder Finisher über eine Teilnehmermedaille freuen.

Später fuhren wir noch nach Mammolshain, wo wir uns an der 18%igen Steigung die Profis um Tony Martin und den späteren Sieger Fabian Wegmann angesehen haben. Beim Profirennen herrschte nun deutlich mehr Treiben und Atmosphäre als bei uns Jedermänner. Anschließend machten wir uns auf den langen Rückweg nach Hamburg.

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Noch bei der Autofahrt hatte mir Stephan mein Ergebnis rübergesimst. Schon im Vorfeld hatte ich die Hoffnung in beiden German-Cycling-Cup Rennen unter die besten 200 zu kommen. Göttingen: 174. und nun in Frankfurt hatte es trotz allem zur Punktlandung auf Platz 200 gereicht.

Eine tolle und erfolgreiche Radsportwoche mit vielen neuen Eindrücken geht zu Ende, die sicher Kraft für die kommenden Arbeitswochen gibt.

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Erstmal trete ich aber radfahrtechnisch kürzer... Jacky wird sich freuen... :wink:

Bild in der Mitte: www.rtf-fotos.de
"Mr. Nachkommastelle"
...wir sitzen alle in einem Boot, die einen rudern und die anderen genießen die Aussicht...
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Superflu
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Spannender Bericht

Beitragvon Superflu » 05.05.2010, 18:24

Hi Hanseat, ich gratuliere zu Deiner super Leistung. Die beschriebenen Wetterbedingungen mit den dazugehörigen Stürzen lassen einen natürlich ganz gemein gruseln. Ich bin gespannt auf weitere Berichte und wünsche viel Erfolg in Bad Schwartau.

Kette rechts,

Ulf alias superflu.
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Beitragvon Hanseaticer » 05.05.2010, 20:14

Da lese ich mit hungrigem Magen deinen Report und dann grinst mich ein Pasta-Teller an.Fiese Möp!!

Danke für den schönen Bericht & Gratulation zu deinen erfolgreichen Rennwochen 8)

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