Mitverschulden bei Unfall beim Fahren ohne Helm?

sonja1
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Mitverschulden bei Unfall beim Fahren ohne Helm?

Beitragvon sonja1 » 18.06.2013, 08:32

Das OLG Schleswig hat am 5.6.2013 (Az.: 7 U 11/12) ein interessantes Urteil gesprochen:

Eine Radfahrerin war ohne Helm unterwegs, als ein parkendes Auto neben ihr plötzlich die Autotür öffnete. Die Radfahrerin stürzte und erlitt Kopfverletzungen.

Auf den ersten Blick spricht hier alles für ein Alleinverschulden des Autofahrers. Das OLG Schleswig hat jedoch entschieden, daß die Radfahrerin ihren Schaden nur zu 80 % ersetzt hält, da ihr eine Mitschuld vorzuwerfen sei. Da sie keinen Helm getragen hat, hat sie Verletzungen erlitten, die mit Helm weniger schwerwiegend ausgefallen wären. Sie hat damit Schutzmaßnahmen zu ihrer eigenen Sicherheit unterlassen und damit ein sog. Verschulden gegen sich selbst, das das Gericht mit 20 % bewertet hat.

Obwohl es also in Deutschland keine Helmpflicht gibt, kann das Tragen oder Nichttragen eines Helms im Falle eines Unfalls Auswirkungen auf die eigenen Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche haben.

Hier findet ihr die Pressemitteilung: http://www.schleswig-holstein.de/OLG/DE ... dhelm.html
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Beitragvon Speedmanager » 18.06.2013, 19:41

Da du ja vom Fach bist, würde mich einmal deine Meinung zu dem Fall interessieren.

Ich halte es für ein Fehlurteil. Noch dazu von einem OLG, da wird es dann wohl auch Bestand haben?
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Heimfelder Dirk
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Beitragvon Heimfelder Dirk » 18.06.2013, 20:40

Speedmanager hat geschrieben:Ich halte es für ein Fehlurteil. Noch dazu von einem OLG, da wird es dann wohl auch Bestand haben?
Eine Revision ist zugelassen:

http://www.shz.de/nachrichten/top-thema ... rteil.html

:gruss: dirk
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Beitragvon Speedmanager » 18.06.2013, 21:34

Heimfelder Dirk hat geschrieben:
Speedmanager hat geschrieben:Ich halte es für ein Fehlurteil. Noch dazu von einem OLG, da wird es dann wohl auch Bestand haben?
Eine Revision ist zugelassen
... und dieser Weg wird wohl, wie ich hörte, auch beschritten. :OK:

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich trage (fast) immer einen Helm. Allerdings bin ich entschiedener Gegner einer Helmpflicht - auch einer Helmpflicht durch die Hintertür.
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Helmut
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Beitragvon Helmut » 18.06.2013, 21:37

Speedmanager hat geschrieben:Ich trage (fast) immer einen Helm. Allerdings bin ich entschiedener Gegner einer Helmpflicht - auch einer Helmpflicht durch die Hintertür.
:GrosseZustimmung:
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Beitragvon Reisender » 18.06.2013, 22:35

Hoffentlich wird das Urteil revidiert bzw kassiert. Nicht um einer Tragepflicht zu entgehen - auch ich trage meinen Helm -, sondern die Autofahrer könnten dadurch zu noch mehr Unvorsicht ermuntert werden. Will sagen, Autofahrer könnten in Zukunft annehmen, Radler ohne Helm sind Freiwild. :mad:
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Beitragvon sonja1 » 19.06.2013, 10:06

Da du ja vom Fach bist, würde mich einmal deine Meinung zu dem Fall interessieren.
Ich hatte jetzt Gelegenheit, die vollständige Entscheidung zu lesen. Wen es interessiert, ihr findet sie hier:

http://www.gesetze-rechtsprechung.sh.ju ... l&max=true

Das Gericht argumentiert im wesentlichen damit, daß es sich hier um eine Kopfverletzung handelt, die durch einen Helm abgemildert worden wäre. Bei anderen Verletzungen (z. B. Bein) hätte das Gericht daher mutmaßlich kein Mitverschulden angenommen.

Außerdem setzt es sich damit auseinander, daß der BGH in den 60er Jahren vor Einführung der Helmpflicht für Motorradfahrer auch ein Mitverschulden angenommen hat, wenn ein Motorradfahrer ohne Helm geschädigt wurde. Zudem gibt es Urteile, in denen z. B. Skifahrern Mitverschuldensvorwürfe gemacht werden, wenn sie keinen Helm tragen - auch wenn es keine Helmpflicht auf der Skipiste gibt. Das Gericht kann nicht erkennen, warum es bei Radfahrern anders sein sollte.

Zu guter letzt sagt das Gericht, daß nicht - wie es das OLG Düsseldorf vertritt - zwischen Rennrad- und Freizeitradfahrern unterschieden werden kann. Das OLG Düsseldorf ist der Meinung, daß nur Rennradfahrer einen Helm tragen müssen, Freizeitradfahrer nicht. Das OLG Schleswig sagt nun, daß diese Differenzierung wegen Abgrenzungsschwierigkeiten nicht nachvollziehbar sei. Daher müsse auch ein Freizeitradler einen Helm tragen, um Kopfverletzungen zu minimieren.

Ich glaube, daß das OLG Schleswig diesen Fall genutzt hat, um ihn zum BGH bringen zu können, damit die unterschiedliche Rechtsprechung der OLG´s zum Thema Helm und Mitverschulden höchstrichterlich geklärt werden kann. Das wird zwar noch etwas dauern, bis diese Entscheidung vorliegt, aber dann haben wir vielleicht auch Rechtssicherheit in dieser Frage.
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Beitragvon Stockumer Junge » 19.06.2013, 10:28

Finde ich gut, dass langsam mit der Diskriminierung von Sportradlern Schluß gemacht wird. Auch im Versicherungsjournal wird darüber berichtet:

http://www.versicherungsjournal.de/mark ... 115752.php

Die Auffassung des ADFC ist natürlich Schwachsinn. Marktwirtschaftliche bzw. ökonomische Anreize zum Helmtragen sind dort natürlich verpönt. Dort kennt man Verbote und Gebote.

Ich denke, dass hier die Sportradler und auch der Profiradsport eine Vorreiterrolle gespielt haben. Die durchschnittliche Helmtragequote bei den Sportradlern ist wesentlich höher als beim normalen "Freizeitfahrer".

Erst der tödliche Sturz von Andreji Kiwilew hat dafür gesorgt, dass es die Helmpflicht bei Profirennen gibt. Und dies nicht aus etwaigen Gutmenschentum der Profis, sondern weil die Versicherungsprämien nicht mehr zu zahlen bzw. kein Versicherungsschutz mehr bereit gestellt wurde.

Verhaltensänderungen kann man nicht durch Umerziehung erlangen, sondern nur übers Portemonnaie.
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Beitragvon Helmut » 20.06.2013, 01:46

Hier eine es genau nehmende Betrachtung von Schattenfell:

http://www.radverkehrspolitik.de/olg-sc ... m-urteils/
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon Stockumer Junge » 20.06.2013, 09:47

Jetzt mal abseits aller ordnungspolitischen oder juristischen Erwägungen: Das geschah gestern Abend bei uns in der Nachbarstadt:

http://westreporter-nachrichten.eu/?p=62961

Hier hätte ein Helm Schlimmeres verhütet. Aber Helmtragen hält ja angeblich die Leute vom Radfahren ab. Wenn ich den Bericht von Angelboot über die Sternfahrt in Hamburg lese, dass selbst Offizielle des ADFC ohne Helm fahren, scheint mir dort auch keine Bereitschaft zur Förderung des Helmtragens verbreitet zu sein.

Radfahren findet nun mal auf 2 Rädern statt und da gehören manchmal auch Stürze dazu. Das ist Lebensrisiko. Aber dieses Lebensrisiko hält meines Erachtens niemanden vom Radfahren ab. Sonst dürfte ja niemand mehr Autofahren. Dort gibt es die Gurtpflicht. Und da ist die Wahrscheinlichkeit noch wesentlich höher, einen tödlichen Unfall zu erleiden.
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Schein-Logik

Beitragvon schaengel » 20.06.2013, 10:00

Ich halte das für eine Abschiebung der Verantwortung auf den schwächeren Verkehrsteilnehmer, nämlich den Radfahrer. Hier, im Gegensatz zu vielen Skiunfällen, auf die Bezug genommen wird, liegt die Unfallursache offensichtlich bei einer zweiten Person (nämlich dem Autofahrer) und nicht beim Radfahrer. Und beim Motorradfahren sind viel größere Geschwindigkeiten und Massen im Spiel. Deswegen hinkt meiner Meinung nach der Vergleich.

Andererseits könnte man nun mit derselben Logik fordern, dass Fußgänger ebenfalls einen Helm zu tragen haben, damit die Verletzungsfolgen nicht so gravierend sind, wenn sie von einem Auto angefahren werden.

Grrrrrr!
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Beitragvon Stockumer Junge » 20.06.2013, 10:05

Bezieht sich das auf mein Beispiel?

Der Radfahrer ist alleine, ohne irgendeine Fremdeinwirkung, gestürzt und dann an den Kopfverletzungen gestorben.
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schaengel
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Beitragvon schaengel » 20.06.2013, 10:13

Stockumer Junge hat geschrieben:Bezieht sich das auf mein Beispiel?
Nein, sondern hierauf:
sonja1 hat geschrieben:Das OLG Schleswig hat am 5.6.2013 (Az.: 7 U 11/12) ein interessantes Urteil gesprochen: Eine Radfahrerin war ohne Helm unterwegs, als ein parkendes Auto neben ihr plötzlich die Autotür öffnete. Die Radfahrerin stürzte und erlitt Kopfverletzungen...
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Beitragvon Grotefend » 20.06.2013, 13:21

Helmut hat geschrieben:Hier eine es genau nehmende Betrachtung von Schattenfell.
Eine sehr abgewogene, sachliche Wertung. Dringend zur Lektüre empfohlen. Mancher hitzig geschriebene Beitrag hätte sich dann erübrigt.

Besonders zu betonen: Es geht nicht um Mitschuld am Zusammenprall, sondern um Mithaftung dafür, dass die Verletzungen so schwer waren! Und diese ist mit 20 % ja vergleichsweise niedrig angesetzt worden.

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Beitragvon crumble » 20.06.2013, 14:00

Stockumer Junge hat geschrieben:http://westreporter-nachrichten.eu/?p=62961

Hier hätte ein Helm Schlimmers verhütet.
Ein Helm vollbringt keine Wunder. Es sterben auch bei Alleinunfaellen Leute mit Helm. Grosse Teile des Kopfes sind nicht geschuetzt und der Helm kann auch nur eine bestimmte Menge Energie absorbieren. Einfach zu sagen mit/ohne Helm waere das nicht passiert, kann man leider nicht sagen.

Am besten man hat gelernt unter den meisten Umstaenden nicht mit dem Kopf auf den Boden zu knallen und mit anderen Koerperteilen zuerst irgendwo gegen zu deppern.

Wenn man mit 40 Km/h Kopf voran gegen eine Schilderpfosten/Kantstein knallt, haette man genausogut keinen Aufhaben koenen. Die 5 Km/h (Vorsicht, rein willkuerliche Zahl), die er da wegschlucken wird, machen es auch nicht besser. Da gibt einem die Abschottung durch Helm und Brille eine truegerische Sicherheit, wenn man bei einem Kriterium sich Kurve fuer Kurve naeher an die Grenzen seiner Bereifung heran tastet.

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Beitragvon crumble » 20.06.2013, 14:21

Grotefend hat geschrieben:Besonders zu betonen: Es geht nicht um Mitschuld am Zusammenprall, sondern um Mithaftung dafür, dass die Verletzungen so schwer waren! Und diese ist mit 20 % ja vergleichsweise niedrig angsetzt worden.
Und die empfinde ich als absolut unverschaemt. Das waere das gleiche, wenn ich an der Ampel bei Gelb langsam bremse und ich werde von hinten von jemanden abgeschossen, der Vollgas gibt und ich soll dann auf 20 % der Kosten haengen bleiben, weil 10 % der Leute noch durchgefahren waeren.

Wenn man gesagt haette, sie haette den Sicherheitsabstand zum Strassenrand beachtet und bekommt daher eine Teilschuld was zur Minderung der Zahlungen fuehrt, koennte ich das ja noch einsehen. Aber mit dieser Begruendung? Darf man dann nur noch mit Trial/Downhill-Sicherheitsausruestung das Haus verlassen, weil das Zeug dort von der Mehrheit getragen wird?

Es geht dort um jede Menge Geld. Es muessen zwei Monate Krankenhaus, noch etliche Monate Reha und eventuell eine lebenslange Rente gezahlt werden. Da wird die Versicherung jeden schmutzigen Trick anwenden, um sich so weit wie moeglich herauswinden zu koennen. Da ist es eine Schande fuer die Juristerei dort noch mitzuspielen.

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Beitragvon Helmut » 30.06.2013, 14:52

Gefunden im Pressespiegel des BDR:

Das Problem ist nicht die Pflicht als Radfahrer einen Helm zu tragen, sondern die, ihn in Restaurants, bei der Arbeit etc. absetzen zu müssen. Das bringt den Spiegel auf eine bestechende Idee: Den Perückenhelm, den man einfach aufbehalten kann. Siehe

http://www.spiegel.de/spam/a-906574.html
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Beitragvon kocmonaut » 30.06.2013, 21:28

Unabhängig von der Bewertung, ob die Mitschuld nun angemessen oder rechtens ist oder nicht hoffe ich, dass das Thema für eine Sensibilisierung für das Tragen des Helms sorgt.

Jeder von uns kennt "dafür" mindestens eine Geschichte. Komischerweise denken aber die Alltagsradfahrer, die Rennradfahrer tragen einen Helm, weil sie "Rennen" fahren. Nee, quatsch. Die Autos, die uns anfahren, fahren die Alltagsradfahrer genauso schnell an wie die Rennradfahrer.

Vielleicht sollte man - ähnlich wie auf der Kippenschachtel - auf jeden Vorbau ein Foto von einem kaputten Schädel aufdrucken. Vielleicht gibt es dann ja mehr freiwillige Helmträger.

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Beitragvon Helmut » 30.06.2013, 21:54

kocmonaut hat geschrieben:Unabhängig von der Bewertung, ob die Mitschuld nun angemessen oder rechtens ist oder nicht hoffe ich, dass das Thema für eine Sensibilisierung für das Tragen des Helms sorgt.
Für so eine "Sensibilisierung" bin ich auch, aber gegen eine Helmpflicht für Radfahrer, egal ob ausdrücklich oder so wie hier durch die kalte Küche.
kocmonaut hat geschrieben:Jeder von uns kennt "dafür" mindestens eine Geschichte.
Ja, sicherlich kennt zudem jeder von uns auch böse Geschichten von Unfällen im Haushalt. Treppensteigen ist besonders gefährlich. Angeblich sind 2010 in Deutschland "nur" 586 Motorradfahrer ums Leben gekommen, aber 1.134 Menschen an den Folgen eines Treppensturzes gestorben. Na klar, Motorradfahrer tragen einen Helm, Treppensteiger nicht.

http://www.safety-stripes.com/treppenunfaelle.html

Auch Fussgänger sind Verkehrsteilnehmer, sobald sie eine Straße queren. Und wenn sie dort von einem Auto erfasst werden, könnte ein Helm in dem ein oder anderen Fall schlimme Folgen verhindern. Niemand kommt auf die Idee, deshalb eine Helmpflicht für Fussgänger oder im Haushalt zu fordern. Statt dessen achtet man auf sichere Fussgängerüberwege. So sollte man es m. E. auch mit den Radwegen halten. Das Radfahren muss sicherer werden, nicht die Schutzausrüstung.
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Tagesschau: Helmpflicht durch die Hintertür...

Beitragvon Helmut » 10.07.2013, 20:15

Scotty62 hat geschrieben:Hier ein aktueller Artikel der Tageschau online

http://www.tagesschau.de/inland/radhelmpflicht100.html

bin gespannt was die obersten Richter dazu sagen !?
Interessanter Artikel.
Mike667 hat geschrieben:Das wird schon in diesen Fred diskutiert ...

http://forum.helmuts-fahrrad-seiten.de/ ... php?t=6929

@Helmut: bitte zusammenführen ...
Scotty62 hat geschrieben:der Helmut wirds schon richten.... Danke
Sorry, wegen eines Bugs in dem betreffen Mod der Forenssoftware ging das nur auf diesem Wege.
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Helmpflicht - weniger Radfahrer?

Beitragvon Knud » 14.07.2013, 22:10

Radfahren ist (meist) gesund. Das einzige Argument gegen eine Helmpflicht, das mich einigermaßen beeindruckt, ist etwas so: Eine Helmpflicht - besonders eine ernsthaft kontrollierte - hält viele "Alltagsfahrer" von Radfahren ab. Die negativen Gesundheitsfolgen für Herz- und Kreislauf usw. stehen gegen zusätzliche Kopfverletzungen.

Gbt es irgendwo belastbare Zahlen zu dieser These?

Echt kontraproduktiv war die ADFC-Tante, die im Fernsehen etwas von Freiheit laberte. Das hat weder der Sache, noch dem Verband genützt.

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Re: Helmpflicht - weniger Radfahrer?

Beitragvon Helmut » 14.07.2013, 23:24

Knud hat geschrieben:Gbt es irgendwo belastbare Zahlen zu dieser These?
Die könnten nur daher kommen, wo eine Helmpflicht für Radfahrer eingeführt und im Alltag durchgesetzt wurde. Gibt es solche Länder?
Knud hat geschrieben:Echt kontraproduktiv war die ADFC-Tante, die im Fernsehen etwas von Freiheit laberte. Das hat weder der Sache, noch dem Verband genützt.
Genau so ist es. Mit dem unsinnigen Slogan "Freie Fahrt für freie Bürger" hatte sich schon der ADAC ein Eigentor geschossen.
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Re: Helmpflicht - weniger Radfahrer?

Beitragvon Grotefend » 15.07.2013, 13:20

Helmut hat geschrieben:Mit dem unsinnigen Slogan "Freie Fahrt für freie Bürger" hatte sich schon der ADAC ein Eigentor geschossen.
Zwar wird der genannte Slogan immer mal wieder dem ADAC angehängt. Doch hat dieser ihn niemals "erfunden", noch jemals benutzt.
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Beitragvon Jacfm » 17.07.2013, 16:48

Wenn ich es richtig verstehe (mein Englisch ist grad nicht so gut) gab es den Effekt des Verringerten Radfahrens nach Einführung einer Helmpflicht in Australien, zumindest wurde es dort wohl untersucht.
http://www.sciencedirect.com/science/ar ... 7596000164

Weitere Infos kann man sich mit etwas Zeit hier anlesen, auch in den vielen Quellen unten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Helmpflicht
http://de.wikipedia.org/wiki/Fahrradhelm
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Beitragvon Harterbrocken » 24.04.2014, 09:46

Der Fall geht nun sogar vor den Bundesgerichtshof. Der will am 17. Juni entscheiden, ob Radfahrer ohne Helm eine Mitschuld tragen und die Versicherung darum nicht zahlen braucht. Geklagt hatte die Betroffene Radfahrerin aus Glücksburg. Bin gespannt, ob das bisherige Urteil Bestand hat.
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Beitragvon Helmut » 14.06.2014, 00:35

Hat Harterbrocken entdeckt - Die Deutsche Anwaltauskunftschrieb:

Vor dem BGH-Urteil: Tragen Radfahrer ohne Helm bei einem Unfall eine Mitschuld?

Erwachsene greifen beim Radfahren nur selten zum Schutzhelm. Rechtlich kann sich dann aber manchmal die Frage stellen, ob Radfahrer bei Unfällen eine Mitschuld an ihren Kopfverletzungen tragen. Kann ihnen der Schadensersatz gemindert werden? Nach Ansicht von Verkehrsrechtsexperten ist eine Mitschuld von Radfahrern ausgeschlossen, denn eine gesetzliche Helmpflicht gibt es nicht. Das erklärt die Deutsche Anwaltauskunft im Vorfeld der Entscheidung des Bundesgerichtshofs am 17. Juni 2014 (AZ: VI ZR 281/13) zur Frage der Mitschuld „unbehelmter“ Radfahrer bei Unfällen.

Insgesamt 15 Prozent aller Bundesbürger tragen beim Radeln einen Schutzhelm. Bei Kindern ist die Helmquote in den letzten Jahren stark gestiegen und liegt aktuell bei 75 Prozent. In Deutschland existiert keine gesetzliche Helmpflicht.

Tragen Radfahrer keinen Helm und verletzen sich bei einem Unfall am Kopf, kann sich die Frage nach der Mitschuld an den Verletzungen stellen und auch nach finanziellen Abstrichen beim Schadensersatz. „Ich bin zwar dafür, dass Radfahrer Helme tragen, aber ihre Mitschuld ist meiner Ansicht nach ausgeschlossen, wenn es keine gesetzliche Helmpflicht gibt und Helme auch noch nicht allgemein üblich sind“, erklärt Rechtsanwalt Jörg Elsner von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV). Eine Mitschuld bestehe bei Sport-Radfahrern.

Bei der Frage der Mitschuld bei Skifahrern, die in Unfälle verwickelt und ohne Helm unterwegs waren, sieht die Rechtslage demgegenüber anders aus. Demnach tragen „unbehelmte“ Skifahrer bei Unfällen eine Mitschuld. „Bei Skifahrern gibt es zwar wie bei Radfahrern keine Helmpflicht, aber beim Skifahren ist es inzwischen üblich, dass auf den Pisten Helme getragen werden“, sagt Verkehrsrechtsexperte Jörg Elsner. Für Skifahrer gebe es eine „quasi-Helmpflicht“.

Lesen Sie mehr zum Thema:

http://anwaltauskunft.de/magazin/mobili ... lm-tragen/
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Beitragvon Konkursus » 14.06.2014, 15:13

also, ich halte jeden Radfahrer für mehr als leichtsinnig, der ohne Helm Rad fährt.

Und wie abstrus die obige Einschätzung ist, zeigt doch folgendes:

Ein Sportradfahrer, der mit angenommenen 30 km/h in einen Unfall verwickelt wird, soll eine Mitschuld tragen. Ein Nichtsportler (was immer das ist), der bei gleicher Geschwindigkeit verunfallt, soll keine Mitschuld tragen. Oder ist jeder Radler, der 30 km/h erreicht, ein Sportler? Wohl kaum, denn es gibt auch noch Abfahrten.

Verunfallt ein Erwachsener keine Mitschuld, da nur 15% mit Helm fahren und damit unüblich? Verunfallt ein Kind, Mitschuld (der Eltern), da üblich?

Es wird wirklich Zeit, dass hier eine klare Entscheidung ergeht. Da wir ja quasi in der WM-Zeit zu Hellsehern geworden sind, mein Tip: der BGH bestätigt die Entscheidung des OLG Schleswig.

Und wenn ich mich jetzt tierisch in die Nesseln setze (und ich wahrlich kein Freund der Versicherungswirtschaft bin), ich find´s gut. Damit die Radler endlich einmal mehr oder weniger gezwungen werden, etwas für ihre Gesundheit zu tun. Denn mich stört so Einiges am Fahrverhalten der Radler und das Nichtbenutzen von Helmen gehört dazu.

Ko
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Beitragvon Helmut » 16.06.2014, 00:26

Spiegel Online hat sich ebenfalls des Themas angenommen, schreibt von immer mehr Helmträgern im Alltag.

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/fahr ... 75280.html
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Beitragvon duerckheimer » 16.06.2014, 09:06

Also ich schließe mich mehr oder weniger Konkursus an...
Ich hatte letztens schon auf Facebook nach dem "Warum" gefragt...

Ich fahre so oft und so lange wie möglich mit dem Rad zur Arbeit (je Strecke 26 km quer durch HH), mir begegnen viele andere Verkehrsteilnehmer. Bei den Radfahrern kann man grundsätzlich in 4 Gruppen unterscheiden:
- Alltagsradler (Einkaufen, Besuche) => max 18 km/h
- Fahrten zur Arbeit (Büromenschen) => max 25 km/h
- sportliche Fahrer => max 35 km/h
- Kuriere => nach oben offen, je nach Auftragslage ;)

Dass die Alltagsfahrer und Büromenschen keinen Helm tragen, kann ich ja noch "verstehen"... Bei Eltern stelle ich mir sehr oft die Frage (bei Familienausflügen mit dem Rad), was das für eine Vorbildfunktion sein soll... das Kind "muss" mit Helm fahren, weil es ja sicherer ist... die Eltern "brauchen" das aber nicht... :shock:

Viele Kuriere sind mit ihrer Fahrweise oftmals sowieso schon mit einem Fuß im Krankenhaus... ABER die sportlichen Fahrer mit Geschwindigkeiten zwischen 25 und 35 km/h, warum trägt nur die Hälfte (die mir begegnen) einen Helm??? Fahren mit einem teuren Markenfahrrad und in gepolsterter Hose, ABER OHNE Helm...

Warum ???

Ich trage auf allen Fahrten (ok, die 750 m durch die 30-Zone zum Einkaufen nicht unbedingt) einen Helm, egal ob ich mit Kind oder alleine unterwegs bin. Das hat für mich etwas mit Sicherheit, zumindest mit gefühlter Sicherheit, zu tun. Auch in gewisser Weise mit einer Vorbildfunktion (fahre an mehreren Schulen/Kindergärten vorbei) oder als Vorreiter...

Ich erhielt auf meine Frage einmal die Antwort: der Fahrtwind am Kopf ist sooo schön... :oops:

Eine grundsätzliche Helmpflicht würde ich nur bedingt begrüßen, schließlich muss das jeder selber wissen, aber einen Anstieg der Helmtragenden würde ich sehr begrüssen.
Gruß
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Beitragvon Heimfelder Dirk » 16.06.2014, 09:23

duerckheimer hat geschrieben:Fahren mit einem teuren Markenfahrrad und in gepolsterter Hose ABER OHNE Helm...

Warum ???
Über Fragen nach dem "warum" könnte man Doktorarbeiten schreiben. 3000Euro-RR, Klamotten für 500 Euro am Leib und in der Dämmerung oder im Nebel auf offener Landstraße wird ohne Licht gefahren. Mitgeführte Rücklichter werden nicht eingeschaltet: "Nö, is ja noch nicht ganz dunkel" :shock: . Für ca. 1,5 Cent anteilige Batteriekosteneinsparung kann man ja ruhig sein Leben (und das seiner Mitfahrer!) aufs Spiel setzten :mad: :mad:

Da frage die Leute noch mal nach dem "Warum".
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Beitragvon Knud » 16.06.2014, 23:05

Warum? Auch weil Menschen bequem sind.

Ein Kollegin hat mal gemeint, ihre Frisur würde unter dem Helm leiden. Mir haben am Rande von RTF durchaus schon Leute erklärt, dass sie keinen Helm tragen, wenn sie mit der Familie langsam fahren.

Ich fände mich unglaubwürdig, wen ich keinen Helm habe, aber meinen Kleinen zum Tragen anhalten will. Bei uns heißt es: "kein Meter ohne Helm". Dann muss auch damit rechnen, dass Kinder einem den Helm hinhalten. Gut so.

Was ich nicht so recht nachvollziehen kann, ist die Annahme, bis 25 km/h "Alltagsfahrer" ist der Helm weniger nötig. Und wer ist Sportfahrer? Bin ich Sportfahrer, wenn ich mit 22 km/h auf dem RR in Richtung Büro rolle?

Knud
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Beitragvon duerckheimer » 17.06.2014, 08:34

Ich habe schon ein gewisses "Verständnis" für Büromenschen, die zum Beispiel im Kleid(chen) auf dem MTB ins Büro fahren und dabei nicht ihre Frisur "ruinieren" wollen, oder der Anzugträger ...

Fährst du mit Anzug auf deinem RTF-RR? wohl kaum...

Heute morgen zum Beispiel:
Ich (mit Helm ;) ) habe einen andere Radfahrer (ohne Helm überholt) - am Flughafen lang - Tempo 33-37
der fühlte sich wohl animiert mir folgen zu müssen...
wenn man so "schnell" fahren will, warum trägt man dann nicht einen Helm?
Gruß
Björn
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Orakel
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Beitragvon Orakel » 17.06.2014, 11:53

Knud hat geschrieben: ... Warum? Auch weil Menschen bequem sind.

...Ein Kollegin hat mal gemeint, ihre Frisur würde unter dem Helm leiden.

Knud
Sehr richtig Knud, das sind die entscheidenden Punkte:
Bequemlichkeit und Eitelkeit, mehr nicht.

Sicherheit ist da erst einmal zweitrangig, denn die meisten Menschen verfahren nach dem Moto: Mir passiert das ja nicht...

Diese Diskussion gab es vor Jahren auch schon mal bei Motorradfahrern, Mofafahrern etc. alles nicht neu.
Jetzt sind die Radler halt dran.
Wer weiss vielleicht ja auch irgendwann mal die Fußgänger? :HaHa:

Zur Entscheidung heute orakle ich aber anders, als Konkursus.
Der BGH muss sich ja an die geltende Gesetzeslage halten, demnach wird das Urteil vom OLG Schleswig meiner Meinung nach kassiert, da es keine gesetzlich vorgeschriebene Helmpflicht für Radler gibt.
Ein BGH wäre aber kein BGH, wenn es dem Gesetzgeber nicht gleichzeitig Hausaufgaben für das Thema mitgeben würde.
Es kann ja nicht sein, dass ein Gericht der Politik die Arbeit abnimmt, hoffe ich zumindest.
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Beitragvon sonja1 » 17.06.2014, 12:22

Ich hab gerade gelesen, daß der BGH der Radfahrerin vollen Schadensersatz zugesprochen hat. Aus der Pressemitteilung des BGH:

"Der für das Schadensersatzrecht zuständige VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat das Berufungsurteil aufgehoben und der Klage in vollem Umfang stattgegeben. Das Nichttragen eines Fahrradhelms führt entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts nicht zu einer Anspruchskürzung wegen Mitverschuldens. Für Radfahrer ist das Tragen eines Schutzhelms nicht vorgeschrieben. Zwar kann einem Geschädigten auch ohne einen Verstoß gegen Vorschriften haftungsrechtlich ein Mitverschulden anzulasten sein, wenn er diejenige Sorgfalt außer acht lässt, die ein ordentlicher und verständiger Mensch zur Vermeidung eigenen Schadens anzuwenden pflegt. Dies wäre hier zu bejahen, wenn das Tragen von Schutzhelmen zur Unfallzeit nach allgemeinem Verkehrsbewusstsein zum eigenen Schutz erforderlich und zumutbar gewesen wäre. Ein solches Verkehrsbewusstsein hat es jedoch zum Zeitpunkt des Unfalls der Klägerin noch nicht gegeben. So trugen nach repräsentativen Verkehrsbeobachtungen der Bundesanstalt für Straßenwesen im Jahr 2011 innerorts nur elf Prozent der Fahrradfahrer einen Schutzhelm. Inwieweit in Fällen sportlicher Betätigung des Radfahrers das Nichtragen eines Schutzhelms ein Mitverschulden begründen kann, war nicht zu entscheiden. "
Sonja - die radelnde Anwältin

www.rechtsanwaeltin-richter.de
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Beitragvon Orakel » 17.06.2014, 12:40

So, ich habe jetzt meinen Forumsnamen geändert.
Früher Sieveeik, jetzt Orakel.

Ihr findet mich in der Matrix!
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Beitragvon olaf » 17.06.2014, 13:27

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Beitragvon radfreunde » 17.06.2014, 19:18

Das Urteil ist noch nicht veröffentlicht, hier nur die gekürzte Pressemitteilung des BGH:

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-b ... s=0&anz=95

Man beachte den letzten Satz:
BGH hat geschrieben:Inwieweit in Fällen sportlicher Betätigung des Radfahrers das Nichttragen eines Schutzhelms ein Mitverschulden begründen kann, war nicht zu entscheiden.
Also fahrt besser mit Helm, nur zum Brötchen holen nicht unbedingt...

Gruß

wilf

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