Wird und taugt das Fahrrad zum Spekulationsobjekt?

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Harterbrocken
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Wird und taugt das Fahrrad zum Spekulationsobjekt?

Beitragvon Harterbrocken » 21.05.2015, 09:53

Kann, darf, sollte ein Gebraucht-Fahrrad 30.000 Euro kosten? Diese und andere Fragen beantworte ich auf meinem Blog zum Thema "Fahrrad als Spekulationsobjekt". Anlass war die Versteigerung der legendären Embacher Collection in Wien. Auf eben der erzielte ein Moulton-Einzelstück mit Titanrahmen den Rekordpreis von 30.000 Euro. Der Startpreis lag bei 6.000 Euro.

Gleich mehere Herse-Räder aus Frankreich kamen ebenfalls unter den Hammer - zu stattlichen Preisen. Der Auktionsgesamterlös betrug knapp eine halbe Millionen Euro für rund 200 Fahrräder.

Bin gespannt, ob Fahrräder als Wertanlage taugen. Bei Auto-Oldtimern und seltenen Modellen ist da ja schon lange der Fall.

Wer sich für die Auktion interessiert, findet meinen Bericht hier:

http://st-pedali.blogspot.de/2015/05/ve ... rader.html
Zuletzt geändert von Harterbrocken am 23.05.2015, 23:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Helmut
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Beitragvon Helmut » 23.05.2015, 08:44

Nicht nur in Wien, vermutlich auch Pfingsten bei der Deutschen Rennradbörse in Rommerskirchen wird sich zeigen, dass alte Räder im Trend liegen, insbesondere solche, mit denen auf Klassiker-Veranstaltungen aller Art mitfahren kann. Schon die Bezeichnung "Börse" zeigt, wohin die Reise nach Ansicht der Händler gehen soll. Hier in Hamburg nennt man das noch defensiv "Flohmarkt".

http://deutsche-rennradboerse.blogspot.de/

Dass die teuersten Räder die größten Preissprünge machen, kann man ähnlich auch in der Kunst und am Immobilienmarkt beobachten. Es gibt immer mehr Leute, die aus Sicht von Otto-Normalverbraucher horrende Summen dafür aufbringen können und um die gleichen Vorzeige-Objekte bieten. Letzte Woche ging ein Picasso für 160 Mio. über den Tisch. Seine berühmtesten Werke dürften ein Vielfaches erbringen.

http://www.bild.de/unterhaltung/leute/p ... .bild.html

Ich würde gern das Bild "Drei Musikanten" erwerben, aber das wollen leider viele zahlungskräftigere Leute, wenn es denn verkäuflich wäre (hängt im Museum of Modern Art in New York). Zu sehen ist es hier und auch bei Wikipedia nicht (aber bei mir daheim als private Kopie), weil Picasos Erben dafür Abmahnungen verschicken ließen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Drei_Musikanten
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Heimfelder Dirk
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Beitragvon Heimfelder Dirk » 23.05.2015, 19:55

Helmut hat geschrieben:Dass die teuersten Räder die größten Preissprünge machen, kann man ähnlich auch in der Kunst und am Immobilienmarkt beobachten.
...oder bei Autos. Ein Mercedes der /8er Reihe kostete Anfang der 60er Jahre um die 25.000 DM. Heute kostet ein restauriertes Exemplar locker über 100.000 Euro. ;-)
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Hajobu
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Beitragvon Hajobu » 26.05.2015, 17:39

Klar, die Schere zwischen den Super-Reichen und dem Rest wird immer gigantischer. Und was sollen denn die armen Superreichen mit ihrem Geld?
Antwort:
Sich gegenseitig überbieten.
Na, wenn´s Spass macht…
Gott kennen ist Leben! (Tolstoi)
crumble
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Beitragvon crumble » 26.05.2015, 21:55

Heimfelder Dirk hat geschrieben:...oder bei Autos. Ein Mercedes der /8er Reihe kostete Anfang der 60er Jahre um die 25.000 DM. Heute kostet ein restauriertes Exemplar locker über 100.000 Euro. ;-)
Es gibt da nur einen entscheidenden Unterschied. Du kannst Dir fuer "wenig" Geld ein altes Rad originalgetreu nachbauen (lassen) und darfst es auf oeffenlichen Strassen fahren. Selbst wenn man mit einer Stempelbremse eine Gefahr fuer andere darstellt. Das einzig wirklich limitierende ist die Beleuchtung.

Bei einem PKW wird das von Jahr zu Jahr schwieriger werden. Wenn man lieber selber kontrollieren will, wohin man faehrt und nicht nur ein paar Steuerungswuensche an einem Rechner weiterleiten moechte, muss man bei den Oldtimerpreisen mithalten koennen.

Wenn sich SRAMs Funktechnik durchsetzt und ich in 20 Jahren noch halbwegs fit bin, moechte ich euch hiermit vorhersagen, dass ich der erste Ue 60 mit leichtem Uebergewicht sein werde, der bei der Tour ein Bergtrikot gewinnt. Zumindest, wenn mir keiner von Euch die Idee klaut, ein paar Freunde mit Jammern an die richtigen Orte zu stellen. ;)
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FS
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Beitragvon FS » 27.05.2015, 17:57

Naja, das mit dem Nachbauen (lassen) ist aber auch so eine Sache. Der Rahmen stellt hier sicherlich das geringere Übel dar. Das Problem ist eher die Beschaffung von (alten) Originalteilen. So eine Mittelzugbremse von z. B. Weinmann oder Motobecane mag man heute noch relativ einfach in annehmbaren Zustand irgendwo bekommen, aber mit der Zeit wird auch dies schwieriger werden und dann wird es eben nicht mehr so einfach mit dem Nachbauen. Zumal ein Nachbau eben auch nur ein Nachbau, ein Plagiat ist und kein Original, das vor zig Jahren irgendwo zusammengelötet wurde - für einen wahren Sammler ein gehöriger Unterschied, auch wenn's komisch klingt, ist aber denke ich so.

Ansonsten würde es mit den Oldtimer-Rädern wohl ähnlich laufen wie bei den Autos: Die werden wenn nur noch zu besonderen Anlässen mal bewegt und stehen ansonsten irgendwo dumm rum als Anschauungsobjekt. Die sind ja auch viel zu schade für mehr und haben meist schon zu viel auf dem Buckel und würden alsbald dann doch auseinanderbrechen. Naja, wer's mag. Ich könnte da nicht mit ruhigen Beinen daneben stehen, ich würde das Ding vermutlich fahren, bis nix mehr geht.

Dass es in Zukunft weniger Oldtimer, egal ob Auto oder Rad, geben wird, liegt auch auf der Hand. Kaum ein modernes Fahrzeug hat heute noch den Charakter und die Langlebigkeit dazu. Die Ingenieure werden ja auch nicht dafür bezahlt, Dinge mit besonderem Charakter oder von dauerhaftem Wert zu schaffen.
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Beitragvon crumble » 27.05.2015, 19:19

FS hat geschrieben:Dass es in Zukunft weniger Oldtimer, egal ob Auto oder Rad, geben wird, liegt auch auf der Hand. Kaum ein modernes Fahrzeug hat heute noch den Charakter und die Langlebigkeit dazu. Die Ingenieure werden ja auch nicht dafür bezahlt, Dinge mit besonderem Charakter oder von dauerhaftem Wert zu schaffen.
Auch die alten Fahrzeuge sind nicht fuer die Ewigkeit gegbaut. Einige Materialien altern nun mal. Mit 15 Jahre alten, ausgehaertetem Bremsbelegen bei einem Oldtimerrennen teilzunehmen, ist versuchte Koerperverletzung. Da bleibt einem nichts anderes uebrig, als Neuteile zu verwenden.

Genauso zerlegt es einem im Laufe der Zeit Teile, die nie als Verschleissmaterial gedacht waren. Zum Beispiel die Gummierung der Bremsgriffe. Mit viel Glueck bekommt man einen Kellerfund, der so gut wie nie Kontakt mit Licht und Schmiermitteln hatte und sich noch nicht einen klebrigen Brei verwandelt hat. Kleber und Schaumstoffe halten auch selten laenger als 10-20 Jahre.

Wenn man wirklich nur alte Teile verwenden moechte, kann man seinen Oldtimer eh nur als Museumsstueck irgendwo ausstellen und kann mit ihm nicht mehr fahren. Will man damit raus, kann es eh nur ein Kompromiss sein und dann kann man auch gleich einen guten Nachbau fahren.

Spaetestens bei den meisten Kleidungsstuecken ist man auf Neuware angewiesen. Wenn man noch fahrbare Schuhe und Hosen besitzt, die vor 1990 hergestellt wurden, hat man eindeutig zu wenig trainiert. ;)

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