Podiumsdiskussion 'Radverkehr in Hamburg', St. Georg (Vor.)

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Helmut
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Podiumsdiskussion 'Radverkehr in Hamburg', St. Georg (Vor.)

Beitragvon Helmut » 03.11.2014, 23:12

Der ADFC Hamburg schrieb:

"Wer traut sich was?!"
Diskussion zum Radverkehr in der Hamburger Verkehrspolitik am 10.11. um 19 Uhr


Am Montag, den 10. November 2014 um 19 Uhr, lädt der ADFC Hamburg zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion. Die verkehrspolitischen Sprecher der Bürgerschaftsfraktionen debattieren über „Radverkehr in der Hamburger Verkehrspolitik“. Die Veranstaltung findet im Georg-Asmussen-Haus, Böckmannstraße 3 in St. Georg statt.

Auf dem Podium diskutieren die verkehrspolitischen Sprecher der Bürgerschaftsfraktionen:
- Kurt Duwe, FDP
- Klaus-Peter Hesse; CDU
- Lars Pochnicht, SPD
- Till Steffen, Die Grünen
- Heike Sudmann, Die Linke
Moderation: Merja Spott, Referentin für Verkehr ADFC Hamburg

Das Fahrrad ist derzeit in Hamburg in aller Munde. In der politischen Diskussion möchte niemand mehr gegen den Radverkehr sein. Aber wie sieht es aus, wenn es konkret wird? Wo werden die Prioritäten gesetzt?

Wir wollen herausfinden, was sich jeweils konkret hinter dem Wort "Radverkehrsförderung" verbirgt. Geht es nur um die Sanierung der alten Radwege oder darum, den Straßenraum neu aufzuteilen? Wer ist bereit Kfz-Stellplätze zu reduzieren, um kostengünstig Platz für Radfahrstreifen zu schaffen? Wer nimmt auch Rückstau bei den Kfz im Kauf, um eine Kreuzung sicher und geradlinig für Radfahrer und Fußgänger umzubauen?

Der ADFC fragt nach, wie die jeweiligen Parteien in Zukunft den Radverkehr in Hamburg gestalten und welche Maßnahmen sie unternehmen wollen. Dabei sind die Hamburger Radfahrer herzlich eingeladen mitzudiskutieren.
Zuletzt geändert von Helmut am 14.11.2014, 08:33, insgesamt 1-mal geändert.
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Harterbrocken
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Beitragvon Harterbrocken » 07.11.2014, 01:40

Wer traut sich was?

Na, dann traue ich mich mal, dort hin zu gehen. Den Veranstaltungstitel finde ich gut. Das Thema sowieso. Sich mit Pro-Radfahrthemen im anstehenden Bürgerschaftswahlkampf zu positionieren, verlangt in der Logistik-Metropole Hamburg einigen Mut. Zumindest wenn man gewählt werden will, ist Klientel-Politik entscheidend. Sich für mehr Radwege und Radförderung einzusetzen, wird komischerweise immer damit gleich gesetzt, sich gegen Hafen und Wirtschaft zu positionieren. Ich meine, beides lässt sich vereinen. Da darf man auf die Aussagen der Politiker gespannt sein. SPD und Grüne machen bislang die meisten Vorschläge. Aber wie ernst sind die wirklich? Die Eröffnung der Oberhafen-Connection durch Bürgermeister und Wirtschaftssenator war zwar medienwirksam, aber ist dieser neue Kurs des noch regierenden SPD-Allein-Senats auch nachhaltig? Ich habe da meine Zweifel.

Wer plant von Euch noch, sich die Politiker-Parolen reinzuziehen?

Hier meine ganz persönliche Wunschliste:
- Durchgehender Rundum-Radweg um die Alster
- Sinnvolle Verlegung der Radfahrstreifen auf die Strasse
- Öffnung der Busspur samt Tunnel über die Elbbrücken für Radfahrer
- Einrichtung einer Radspur auf der A7-Autobahn-Elbbrücke
- Sperrung oder Einbahnregelung für Autos auf dem Elbdeich zwischen Tatenberg und Geestacht an bestimmten Tagen
- Wiederaufnahme des CM-Hinweises auf dem offiziellen Stadtportal www.hamburg.de (der ist seit den Ermittlungen gegen die CM Harburg dort verschwunden)
- Zwei weitere Radzähler wie der an der Alster
-Förderung von Lastenrädern für Paket-und Warenzustellungen
- Kostenlose zur Verfügungstellung einer Messehalle für einen Winter-Fahrradflohmarkt
- Und: Zuschuss aus der Staatskasse für http://st-pedali.blogspot.de/ damit ich endlich eine St-Pedali-Printausgabe veröffentlichen kann. :HaHa:

Ich weiß, viele Wünsche, aber ist ja bald Weihnachten.... Wie lauten Eure Wunschlisten?
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Helmut
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Beitragvon Helmut » 07.11.2014, 01:55

Harterbrocken hat geschrieben:- Und: Zuschuss aus der Staatskasse für http://st-pedali.blogspot.de/ damit ich endlich eine St-Pedali-Printausgabe veröffentlichen kann. :HaHa:
Was den Zuschuss betrifft, sehe ich schwarz, egal wer den neuen Senat bilden wird. Das mit der Print-Ausgabe halte ich für möglich, wenn auch nicht als eigenes Blatt. Ich bin schon lange der Meinung, die ADFC Zeitschrift sollte in jeder Ausgabe einen Beitrag aus Deinem Blog veröffentlichen. Wenn nicht die des Bundes, dann zumindest die des ADFC Hamburg.

Zurück zum eigentlichen Thema: Mich begeistert, dass der ADFC diese Idee des Gipfeltreffens der radpolitischen Sprecher hatte und nun umsetzt.

Ob ich da hingehe? Ich schlafe bekanntlich bei derartigen Veranstaltungen immer ein, was an mir liegt. Mal sehen, ob ich dort ne Mütze voll Schlaf nehmen werde.
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Beitragvon Harterbrocken » 07.11.2014, 02:33

Helmut hat geschrieben:
Harterbrocken hat geschrieben:- Und: Zuschuss aus der Staatskasse für http://st-pedali.blogspot.de/ damit ich endlich eine St-Pedali-Printausgabe veröffentlichen kann. :HaHa:
Was den Zuschuss betrifft, sehe ich schwarz, egal wer den neuen Senat bilden wird.
Och, ob schwarz, rot, grün oder gelb - sollte ich einen Zuschuss kriegen, bin ich bei der politischen Farbe nicht wählerisch. Eine große XL-Koalition ist vielleicht auch nicht schlecht.

Helmut, soll ich eine Thermoskanne mit Kaffee extra stark plus reinschmuggeln? Nach dem Zeug pennst Du nicht ein, sondern löcherst das Podium mit den aggressivsten Fragen.
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Heimfelder Dirk
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Beitragvon Heimfelder Dirk » 07.11.2014, 16:53

Harterbrocken hat geschrieben: Einrichtung einer Radspur auf der A7-Autobahn-Elbbrücke
Diese Brücke werde ich ab sofort für den täglichen Arbeitsweg nutzen.
Wo überquert eigentlich die A7 die Elbe :Weissnicht: ??
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Beitragvon Deichfahrer » 07.11.2014, 17:14

Ich würde gerne mir Ring 1 - 2 - 3 eine Radspur je Fahrtrichtungen wünschen. Von dort kommt man wunderbar in alle Stadtteile rein. So spart man die Sanierungen der Radwege am Fußweg.
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Harterbrocken
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Beitragvon Harterbrocken » 07.11.2014, 19:08

Heimfelder Dirk hat geschrieben: Diese Brücke werde ich ab sofort für den täglichen Arbeitsweg nutzen.
Wo überquert eigentlich die A7 die Elbe :Weissnicht: ??
Moin Dirk, Du hast ja recht. A7 und A1 bringe ich gerne mal durcheinander. Gemeint war natürlich die A1 zwischen Peute und Kaltehofe.
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Heimfelder Dirk
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Beitragvon Heimfelder Dirk » 07.11.2014, 19:19

Harterbrocken hat geschrieben:Moin Dirk, Du hast ja recht. A7 und A1 bringe ich gerne mal durcheinander. Gemeint war natürlich die A1 zwischen Peute und Kaltehofe.
Ich war mir auch ziemlich sicher, dass du da irgendwas durcheinander gebracht hast. Ich wohne seit 40 Jahren mit Haupt- oder Zweitwohnsitz in Heimfeld oder Eißendorf zwischen B73 und 75. Die beiden Bundestraßen bringe ich auch gern mal durcheinander :HaHa:
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Beitragvon Knud » 07.11.2014, 21:21

Harterbrocken hat geschrieben:Hier meine ganz persönliche Wunschliste:

- Öffnung der Busspur samt Tunnel über die Elbbrücken für Radfahrer
- Einrichtung einer Radspur auf der A7-Autobahn-Elbbrücke

Man wäre als Radfahrer für viele Autofahrer sichtbar. Aber ich fahre gar nicht so gerne an den großen Starßen lang.
- Sperrung vieler kleiner Straßen für den Durchgangsverkehr und Ausschilderung der Radwege
- Rundbrücke für Radfahrer am Bahnhof Dammtor

Harterbrocken hat geschrieben:- Sperrung oder Einbahnregelung für Autos auf dem Elbdeich zwischen Tatenberg und Geestacht an bestimmten Tagen

Wo willst Du die Autos dann fahren lassen?
Auch hier sind wir lieber etwas abseits der Elbe auf ruhigen Wegen gefahren. Allerdings nciht bis Geesthacht.

Knud
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Beitragvon Knud » 12.11.2014, 00:00

Dann mal als ingrid....

Ich war doch überrascht dass das gewählte Lokal am Ende gut gefüllt war.
Gut hundert Neugierige wollten sich zur Hamburger Fahrradpolitik informieren. Die fünf Bürgerschaftsfraktionen hatten ihre Vertreter geschickt. Wir haben doch nicht zufällig demnächst eine Wahl?

Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch die Landesvorsitzende des ADFC. Auf dem Podium moderierte die Verkehrsreferentin des ADFC (Merja Spott) recht souverän, wenn sie auch nicht neutral war (sein konnte und wolte.)

All zu viel Neues darf man nicht erwarten. Ein großer Teil wurde mit der Diskussion um die neue Alsterumrundung verbracht. Forderte Klaus Dieter Hesse für die CDU, dass dort weiter alle Autos fahren dürfen, wurde erst durch eine Frage aus dem Publikum klar, dass niemend wußte, ob hier wirklich mit "nur Anliegerverkehr" geplant wird. (Im übrigen ist der Unterschied nicht so groß, wenn ich doch ein Anliegen habe...)
Grundsätzlich strittig ist der Ausbau nicht, aber den Autoverkehr einschränken wollten dafür auch nicht alle.

Sehr veil Zeit wurde mit der Frage verbracht, ob Flächendeckend Tempo 30 eingeführt werden solle. Dieses würde bedeuten, dass die Hauptachsen (auf Antrag) mit 50er Schildern schneller gemacht würden. Da es sich hierbei um Bundesrecht handelt, hat Hamburg das eh nicht in der Hand. Aber im Prinzip konnte auch keiner klar machen, warum dann nicht fast überall 30 gilt.

Lars Pochnicht (SPD) hatte sich mit Zahlen bewaffnet. Schließlich mußte er ja auch erklären, wie toll die SPD in den letzten 3 Jahren erfolgreich gearbeitet hat. Ob 12 km Radstreifen da Maximun sind, wird jeder anders sehen. Wenn aber von 25 Straßenumbauten bei immerhin drei eine Radverkehrsplanung auf der gesamten Länge dabei war, ist auch klar, wieviel Luft da noch nach oben ist.

Kurt Duwe - als bekennender (fast) Nicht-Radfahrer - machte den Vorschlag, Parallelstraßen zu Hauptachsen für Fahrradfahrende auszuschildern. Das wurde leider nicht weiter aufgenommen. Heike Sudmann machte sich für Radspuren stark. Ohne Probleme sei das überall wo bei Bauarbeiten Fahrspuren gesperrt wurden, ohne das es zu Staus gekommen wäre. Till Steffen ist mir vor allem dadurch aufgefallen, dass er das Publikum direkt ansprach.

Erkennisse am Rande:
Die Stadt will den ruhenden Verkehr (Falschparker!), wenn überhaupt, nur in der Innenstadt überwachen. Dort geht der MIV übrigens zurück. In Hamburg ist anders als in anderen Bundesländern die Polizei die untere Verkehrsbehörde. Das führe dazu, dass Bechlüsse für 30er-Zonen von der Polizei mit "nein" gestoppt werden. Offenbar ist das nicht zu begründen und auch nicht anfechtbar. Nicht neu ist die Einstellung, dass erst mal der Verkehr (!!) rollen muss, bevor man Radwege vom Schnee räumen könne. Und auch das nur in der Innenstadt....
Es gibt kein Verkehrsmodell für die Stadt. Das heißt die Stadt weiß nicht, wer von wo nach wo will. Verkehrszählungen sagen, wer wo fährt, nicht warum genau dort und wie groß die Umwege sind. Man kann in Hamburg offenbar wilder parken als anderswo.

In der Fragerunde gab es neben "Co-Referaten" auch etliche Detailfragen, die mangels Ortskunde nicht geklärt wurden. Allerdings mochte Lars Pochnicht Busspuren nicht für Radfahrer freigeben, weil er eine Kontakarierung der Busbeschleunigung fürchtet. Andere plädierten für eine Einzelfallentscheidung.

Nach dem offizielen Ende, zerstreute sich das Publikum auch wieder erstaunlich schnell.

Ich hofe, ich habe hier niemandem fälschlich etwas in den Mund gelegt. Ich glaube, es wird noch sehr lang dauern, bis es in Hamburg flächendeckend besser wird. Ein Vision war nirgendwo zu erkennen. Man versucht bei ohnehin geplanten Straßenbaumaßnahmen nachzu bessern und einzelne Maßnahmen zu fördern. Wenn dann alle für Aufklärung, also Werbekampagnen sind, fragt man sich, warum die Verkehrsbehörden dafür werde einen Etat noch Personal haben. Aufbruchstimmung ist anders.

Knud

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