„Radrüpel“ von Fahrradstaffel der Polizei Hamburg gejagt

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Helmut
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„Radrüpel“ von Fahrradstaffel der Polizei Hamburg gejagt

Beitragvon Helmut » 28.08.2014, 01:38

Gefunden im Pressespiegel des BDR:

Fahrradstaffel der Polizei Hamburg macht Jagd auf „Radrüpel“ – 80 Rotlichtsünder erwischt

http://www.mopo.de/nachrichten/hey--es- ... 80394.html

Da frage ich mich, ob ein bei rot über eine Ampel gehender Fussgänger auch gleich als "Rüpel-Fussgänger" verunglimpft wird? Und wie erklären sich bitte die in dem Zusammenhang genannten Unfallzahlen? 2.429 Unfälle mit Radfahrern, 755 von ihnen hatten die Crashs selbst verursacht. Zwei Radler verunglückten tödlich. Wie viele von denen waren Rotlicht-Sünder?

Dies ist kein Plädoyer von mir für freie Fahrt über rote Ampeln, aber diese Hysterie gegen Radfahrer, die bei rot über eine Ampel fahren, geht mir auf den Keks. Ein sich vor einem Übergang umschauender Radler, der dann bei rot losfährt, unterscheidet sich nicht wesentlich von einem bei rot losgehenden Fussgänger. Und - seien wir bitte mal ehrlich - bei rot gehen wir doch fast alle hin und wieder über eine Straße. Mir kommt das alles vor wie eine "Neid-Debatte" der Autofahrer.

Übrigens: Ein Arbeitskollege von mir geriet in eine regelrechte Rotlichtfalle der ansonsten von mir hochgeschätzten Fahrradstaffel der Polizei Hamburg. Eine Ampel für Radfahrer hat kein Gelblicht. Wenn die auf "Rot" umspringt, kann man keine Vollbremsung erwarten. Trotzdem erhielt er ein Strafmandat, weil er eine Sekunde zu spät über die Ampel fuhr. Nach seinem Einspruch dagegen hat er nie wieder davon gehört.

Tja, Berlin weiß mit seiner Fahrrad-Staffel auch nichts besseres anzufangen, als die angeblich so gefährlichen Rotlichtsünder zu jagen.

https://www.taz.de/Berlins-Polizei-faeh ... d/!144658/
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Heimfelder Dirk
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Re: „Radrüpel“ von Fahrradstaffel der Polizei Hamburg gejagt

Beitragvon Heimfelder Dirk » 29.08.2014, 17:04

Helmut hat geschrieben:Dies ist kein Plädoyer von mir für freie Fahrt über rote Ampeln, aber diese Hysterie gegen Radfahrer, die bei rot über eine Ampel fahren, geht mir auf den Keks. Ein sich vor einem Übergang umschauender Radler, der dann bei rot losfährt, unterscheidet sich nicht wesentlich von einem bei rot losgehenden Fussgänger. Und - seien wir bitte mal ehrlich - bei rot gehen wir doch fast alle hin und wieder über eine Straße. Mir kommt das alles vor wie eine "Neid-Debatte" der Autofahrer.
:GrosseZustimmung: :GrosseZustimmung: :GrosseZustimmung:

Wenn die Obrigkeit mit dem gleichen Einsatz gegen motorisierte Fahrtrichtungsanzeigernichtbenutzer, Telefonierer, SMS-Sschreiber und ähnliche KFZ-Rüpel vorgehen würde, wäre es der Verkehrssicherheit dienlicher.

Ein einzelner Radfahrer, der ohne sich oder andere zu gefährden bei Rot rüberrollt, ist mit einfachen Mitteln zu drangsalieren. Einen 40 Tonner aus dem Verkehr zu ziehen, der rücksichtslos andere Menschenleben gefährdet, ist da schon aufwändiger.
krmueller
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Re: „Radrüpel“ von Fahrradstaffel der Polizei Hamburg gejagt

Beitragvon krmueller » 29.08.2014, 19:06

Helmut hat geschrieben:Fahrradstaffel der Polizei Hamburg macht Jagd auf „Radrüpel“ – 80 Rotlichtsünder erwischt
Erinnert mich an einen Beitrag des NDR-Fernsehens vor längerer Zeit. Da konnte man die Radcops hinter einer Ecke lauern sehen. Wenn dann ein Radler bei rot rüberfuhr, sprinteten sie los. Dass jemand durch den Radler behindert, geschädigt oder zu Tode gebracht wurde, war nicht zu sehen. Also reine Schikane!

Vor vielen Jahren habe ich mal erlebt, dass ein Polizist in New York bei rot rüberging. Ging erst nicht in meinen deutschen Kopf rein! - Aber eine Ampel ist dazu da, den kreuzenden Verkehr zu regeln! Wenn nichts kreuzt, hat sie ihre Funktion verloren ...
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VeloC
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Beitragvon VeloC » 29.08.2014, 20:25

Vollste Zustimmung, Helmut!

Es ist mir auch noch nie gelungen, das Überqueren roter Fußgängerampeln bei freier Straße und in Abwesenheit von Kindern im Verkehrserziehungsalter als Kapitalverbrechen zu empfinden. Gelegentlich ist es pure Notwehr, wenn man als Radfahrer wie so oft mit den Fußgängern zusammen gezwungen wird, einen normalen Linksabbiegevorgang oder eine schlichte Straßenquerung in drei lange Ampelphasen unterteilt vorzunehmen. Es ist nicht immer möglich, stattdessen auf der Straße zu fahren, auch wenn ich die Methode natürlich bevorzuge.

Aber vielen Autofahrern eröffnet eine solche Beobachtung offenbar die Möglichkeit, ihren Hass mit hehrer moralischer Entrüstung kaschiert, ungeniert auszuleben. Siehe als eins von ungezählten hässlichen Beispielen Kommentator "Sven" hier. Wenn die Polizei eine solche Mentalität dann auch noch mit entsprechenden Aktionen fördert, braucht sich keiner wundern über die zunehmende "Selbstjustiz" von Autofahrern ggü. Radfahrern im Straßenverkehr.

:mad:
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Re: „Radrüpel“ von Fahrradstaffel der Polizei Hamburg gejagt

Beitragvon Grotefend » 30.08.2014, 17:31

Helmut hat geschrieben:Da frage ich mich, ob ein bei rot über eine Ampel gehender Fussgänger auch gleich als "Rüpel-Fussgänger" verunglimpft wird?

Dies ist kein Plädoyer von mir für freie Fahrt über rote Ampeln, aber diese Hysterie gegen Radfahrer, die bei rot über eine Ampel fahren, geht mir auf den Keks. Ein sich vor einem Übergang umschauender Radler, der dann bei rot losfährt, unterscheidet sich nicht wesentlich von einem bei rot losgehenden Fussgänger. Und - seien wir bitte mal ehrlich - bei rot gehen wir doch fast alle hin und wieder über eine Straße. Mir kommt das alles vor wie eine "Neid-Debatte" der Autofahrer.
In meinem "früheren" Leben - vor dem Ruhestand - war ich selbst Polizist. Aus diesem Grunde ärgert es mich gewaltig, wenn die Polizei im Zusammenhang mit einem mittelschweren Verkehrsverstoß (Nichtbeachten des Rotlichts) von Rüpeln gesprochen hat oder haben sollte.

Im Übrigen habe ich eine gewisse Sympathie für Helmuts Einstellung, Verkehrsvorschriften mehr als unverbindliche Vorschläge zu behandeln, sie im Einzelfall aber nach eigenem Gutdünken auszulegen. Dann allerdings müsste dies nach dem Gleichheitsprinzip für alle gelten.
Wer hat nicht schon Mal bei Nacht mit dem Auto vor einer roten Ampel gestanden, von links, rechts, vorn und hinten niemand zu sehen. Was tun? Das Rotlicht als unverbindlichen Vorschlag betrachten?

Oder: Weit und breit ist kein Parkplatz zu finden. Nur ein Radweg liegt verlockend leer neben der Fahrbahn. Was tun? Zum Parkplatz umdeuten?
Sonne in den Speichen sieht nur, wer sein Rad bewegt.
krmueller
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Re: „Radrüpel“ von Fahrradstaffel der Polizei Hamburg gejagt

Beitragvon krmueller » 30.08.2014, 17:57

Grotefend hat geschrieben:Wer hat nicht schon Mal bei Nacht mit dem Auto vor einer roten Ampel gestanden, von links, rechts, vorn und hinten niemand zu sehen. Was tun? Das Rotlicht als unverbindlichen Vorschlag betrachten?
Oder: Weit und breit ist kein Parkplatz zu finden. Nur ein Radweg liegt verlockend leer neben der Fahrbahn. Was tun? Zum Parkplatz umdeuten?
Und das macht den Unterschied: Wenn es keinen kreuzenden Verkehr gibt, dann ist es ein unverbindlicher Vorschlag.

Der "umgedeutete Parkplatz" ist keiner mehr, wenn ein Radfahrer ankommt ...
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Re: „Radrüpel“ von Fahrradstaffel der Polizei Hamburg gejagt

Beitragvon Helmut » 30.08.2014, 18:09

Grotefend hat geschrieben:
Helmut hat geschrieben:Da frage ich mich, ob ein bei rot über eine Ampel gehender Fussgänger auch gleich als "Rüpel-Fussgänger" verunglimpft wird?
In meinem "früheren" Leben - vor dem Ruhestand - war ich selbst Polizist. Aus diesem Grunde ärgert es mich gewaltig, wenn die Polizei im Zusammenhang mit einem mittelschweren Verkehrsverstoß (Nichtbeachten des Rotlichts) von Rüpeln gesprochen hat oder haben sollte.
Keine Sorge, das hat sie nicht. Das hat nur die MoPo geschrieben, weil viele über bei rot über Ampel fahrende Radfahrer so denken.

Ich bin übrigens auch schon als bei rot über Ampeln gehender Fussgänger wüst beschimpft worden, von hyperventilierenden Vätern mit und ohne Kinder dabei.
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon VeloC » 30.08.2014, 23:11

Vor einer roten Fußgängerampel bei ausbleibendem Querverkehr kann man in Deutschland gar nichts richtig machen:
  • Bleibt man stehen und wartet auf Grün, ist man der treudoofe obrigkeitshörige Michel, das Sinnbild des verpennten Trottels schlechthin.

    Geht/Fährt man rüber, ist man ein gefährlicher, egoistischer Verkehrsrowdy.
Erinnert mich immer an die großartige Wahlfreiheit bzgl. Berufstätigkeit der Frauen, die im grob geschätzten Zeitraum zwischen Mitte der 70er und Ende der 90er Jahre Mutter wurden: Möchte ich in Zukunft lieber ein verblödetes Hausmütterchen oder eine eiskalte Rabenmutter sein?

:Weissnicht:

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