Helmpflicht: ja oder nein?

Wann trägst Du einen Helm?

Immer
23
42%
Nur beim Radsport
31
56%
Nie
1
2%
 
Abstimmungen insgesamt: 55
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Harterbrocken
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Helmpflicht: ja oder nein?

Beitragvon Harterbrocken » 16.01.2012, 15:41

Nun also droht unser Verkehrsminister mit einer Helmpflicht für Fahrradfahrer: http://www.abendblatt.de/politik/deutsc ... ahrer.html

Der ADAFC wiederum lehnt eine solche Vorschrift ab. Darum möchte ich zu dem Thema gerne eine Abstimmung starten. Ist die Helmpflicht sinnvoll oder nicht? Sollte man auf Freiwilligkeit setzen oder mit Bußgeldern drohen? Was meint Ihr?

Besonders interessant finde ich die Beantwortung folgender Fragen:

Ich trage immer Helm ◊Ja ◊Nein
Ich trage nur auf den Rennrad/MTB Helm ◊Ja ◊Nein
Ich trage nie Helm ◊Ja ◊Nein
Ich bin für die Helmpflicht ◊Ja ◊Nein

Bin gespannt.

@Helmut: Kannst Du das eigentlich in einen speziellen Umfrage-Fred bringen?
Zuletzt geändert von Harterbrocken am 18.01.2012, 18:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Grotefend
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Re: Helmpflicht ja oder nein?

Beitragvon Grotefend » 16.01.2012, 18:33

Harterbrocken hat geschrieben:Besonders interessant finde ich die Beantwortung folgender Fragen:

Ich trage immer Helm ◊Ja ◊Nein
Ich trage nur auf den Rennrad/MTB Helm ◊Ja ◊Nein
Ich trage nie Helm ◊Ja ◊Nein
Ich bin für die Helmpflicht ◊Ja ◊Nein
Zu Frage 1: JA
Zu Frage 2: Nein.
Zu Frage 3: Nein.
Zu Frage 4: NEIN!!!
Es gibt sowieso schon viel zu viele Vorschriften, die unser Leben bis in kleinste Kleinigkeiten regeln sollen.
Merke: Die Freiheit stirbt scheibchenweise.

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Re: Helmpflicht ja oder nein?

Beitragvon Helmut » 16.01.2012, 19:48

Harterbrocken hat geschrieben:Besonders interessant finde ich die Beantwortung folgender Fragen:

Ich trage immer Helm ◊Ja ◊Nein
Ich trage nur auf den Rennrad/MTB Helm ◊Ja ◊Nein
Ich trage nie Helm ◊Ja ◊Nein
Ich bin für die Helmpflicht ◊Ja ◊Nein

@Helmut: Kannst Du das eigentlich in einen speziellen Umfrage-Fred bringen?
Ja, aber immer nur zu einer Frage. Ich habe mich für erstere entschieden und die drei Antworten zur Auswahl gestellt.

Helmpflicht-Diskussionen hatten wir im HFS-Forum schon zwei Mal, glaub ich. Das für mich beste Statement zu dem Thema kam m. E. von Fülle. Stephan plädierte vorrangig für eine Helmpflicht im Haushalt, denn dort passieren bekanntlich die meisten Unfälle. Ich kenne aus dem eigenen Bekanntenkreis zwei Fälle, bei denen Männer eine Treppe runter fielen und mit dem Kopf hart aufgeschlugen. Die waren danach beide nie wieder wie früher.

Herr Rammsauer scheint mir von den wirklichen Problemen in seinem Ressort ablenken zu wollen.
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Re: Helmpflicht ja oder nein?

Beitragvon Bully » 16.01.2012, 23:00

Moin,

zu erst meine Antworten:

Ich trage immer Helm ◊Ja
Ich trage nur auf den Rennrad/MTB Helm ◊Nein
Ich trage nie Helm ◊Nein
Ich bin für die Helmpflicht ◊Nein

Auch wenn ich immer einen Helm trage bin ich gegen die generelle Helmpflicht. Ich bin der Meinung, dass die Gefährdung entscheiden ist. Leute die am Wochenende am Deich oder im Wald Radfahren sind meines Erachtens nicht so gefährdet. Warum dann eine Helmpflicht? Auch Leute mit niedriger Geschwindigkeit, viel Erfahrung und Fitness (z.B. Postboten) haben keine Unfälle mit Kopfverletzungen (ich kenne die Statistiken).

Für die Kinder halte ich den Helm auf dem Fahrrad für wichtig, weil Kinder die Gefahren leichter falsch einschätzen. Die Helmpflicht für Kinder bis ?? Jahre wäre vielleicht ein Weg um die Tragequote zu erhöhen. Auf jeden Fall hört dann das Mosern von Tochter/Sohn "Die Anderen Fahren ALLE ohne Helm" auf.
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Beitragvon snief » 17.01.2012, 10:10

Bevor man eine Helmpflicht für Kinder einführt, sollten aber erstmal alle Eltern geschult werden, ihren Kindern auch passende Helme zu kaufen und diese richtig aufzusetzen. Ich behaupte mal, dass heute ein großer Teil helmtragender Kinder nicht oder nicht wesentlich geschützt ist, weil der Helm nicht wie erforderlich sitzt oder nach diversen "nach der Schule in die Ecke werfen"-Aktionen seine Funktionsfähigkeit verloren hat...;)
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Beitragvon hutso » 17.01.2012, 11:50

ich trage helm - auch wenn ich mich lange dagegen gewehrt habe: sieht einfach doof aus und macht die frisur kaputt. na ja. was tut man nicht alles für seine sicherheit im straßenverkehr: helm, licht, reflektoren... und dennoch wird man von autofahrern, fussgängern, radfahrern gern übersehen :roll:

wenn jedoch eine generelle helmpflicht eingeführt werden soll, dann plädiere ich parallel für die einführung einer generellen lichtpflicht und vor allem einer generellen auf-der-richtigen-seite-fahrpflicht - denn auch in dieser hinsicht kann eine unterstützung der eigeninitiative von radfahrern nicht von nachteil sein

grundsätzlich bin ich natürlich idealist und glaube (immer noch!) an das gute und vor allem an die vernunft der menschen, nicht mit absicht sich selber oder anderen zu schaden :Keule:
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Re: Helmpflicht ja oder nein?

Beitragvon Fülle » 17.01.2012, 14:57

Helmut hat geschrieben:Helmpflicht-Diskussionen hatten wir im HFS-Forum schon zwei Mal, glaub ich. Das für mich beste Statement zu dem Thema kam m. E. von Fülle. Stephan plädierte vorrangig für eine Helmpflicht im Haushalt, denn dort passieren bekanntlich die meisten Unfälle.
Danke ;), ich hatte gestern schon eine ähnliche Antwort formuliert, dann es aber doch gelassen, hatte ja alles schon mal geschrieben. Ich trage immer einen Helm wenn ich sportlich fahre, fahre ich zum Einkaufen od. mache ähnliche Fahrten dann nicht.

Wenn man es auf die Spitze treibt, ist ein Helm eigentlich in jeder Lebenslage sicherer, beim Autofahren, beim Spazierengehen usw. ...und dann muß er auch noch genau bei DEM Unfall helfen. Also ich trag einen Helm meistens, aber nur wenn ich es für richtig halte und das würde ich gerne so beibehalten.
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Beitragvon Harterbrocken » 18.01.2012, 19:05

Also, die Tendenz ist eindeutig, vernünftig und deckt sich mit meiner Einstellung zu dem Thema. Ich habe dazu einen Kommentar verfasst, der am Freitag, 20. März 2012, in einem überregionalem Medium erscheint. Hier der Text:

Helmpflicht - eine Kopfentscheidung!
„Helm tragen kann Leben retten“, sagt Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und meint damit die Fahrradfahrer. Recht hat er. Mich hat der Helm bei einem Sturz mit dem Rennrad vor einer Gehirnerschütterung bewahrt. Seitdem trage ich den Kopfschutz mit voller Überzeugung. Zumindest auf Rennrad und Mountainbike. Bei der Sonntagstour auf dem Klapprad durch den Stadtpark lasse ich mir noch immer den Wind durch die Haare pusten. Das ist inkonsequent, aber eine Freiheit, die ich mir von keiner Vorschrift nehmen lassen möchte. Darum: Wer auf der Straße radelt, mit Kindern unterwegs ist oder auf sportlichen Rädern trainiert, sollte Helm tragen. Das sehen zum Glück immer mehr Radfahrer so, die Tragequote steigt. Wenn sie mehr als 50 Prozent erreicht, will Minister Ramsauer auf eine gesetzliche Helmpflicht verzichten. Staatlicher Zwang ist für eine intelligente Verkehrspolitik kontraproduktiv, denn bei einer Bußgeldandrohung würde mancher Radler seinen Drahtesel stehen lassen.
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Beitragvon Bagdad-Biker » 25.01.2012, 20:16

@ Brocken
Das einige das Rad stehen lassen würden, klingt nachvollziehbar. Was aber nehmen sie dann? Das Auto (Anschnallpflicht) oder das Moped (Helmpflicht)? ÖNV? Keine schlechte Wahl.
Wind im Haar? Hätte mancher beim Motorradfahren sicher auch....
Und es muss ja nicht immer Strafe sein, gelle? Denkbar wäre ein, wie auch immer geartetes Bonusprogramm. Krankenkassenrabatt, Vergüstigung beim Helmkauf etc.

@ all
Unsere Mofa aus Jugendtagen fuhr max. 25 Km/h. Oder sagen wir, sie hätte nur 25 Km/h fahren dürfen. Trotz dieser mickrigen Geschwindigkeit sieht der Gesetzgeber zu Recht einen (Motrrad-)Helm als unverzichtbar an.
Und über das Tragen einer leichte Styroporhalbschale wird ernsthaft diskutiert? Mit dem Rad sind die Meisten wohl teils deutlich schneller????

Ist das Gleiche wie mit der Anschnallpflicht. Sie ist unumstritten sinnvoll, aber sich drüber aufgeregt haben sich erstmal (fast) alle.

Ein Helm versaut die Frisur? Fahrtwind auch.

Dass der ADFC gege die Helmpflicht ist, lässt mich mit dem Kopf schütteln. Die Schutzwirkung dürfte unumstritten sein. Das Argument dem behelmten Radfahrer würde weniger Rücksichtnahme entgegengebracht ist absoluter Unsinn. Selbst wenn man den Spieß umdrehen und behaupten würde, behelmte Radfahrer würden enthemmter fahren, wird man schnell feststellen, dass dieses Argument nicht zieht.

Wer´s nicht glaubt, darf mal drei Stunden durch HH Innenstadt, Altona oder Pauli fahren. (Bin beruflich oft dort) Ganz gleich ob mit dem Rad oder dem Auto. Ihr werdet schnell feststellen, dass die Verkehrsregeln offenbar immer nur für die Anderen gelten. Die Radfahrer wechseln ohne Ankündigung die Spur, wechseln von Radweg auf die Straße und wieder zurück, überfahren rote Ampeln, fahren Passantenslalom und mogeln sich durch tote Winkel von Bussen und LKW. Die Kfz´ler rächen sich durch Hupkonzerte, dichtes Auffahren und Drängeln, Ausbremsen und touchieren.

Da schenken sich beide Seiten nix. Dass dies durch eine Helmpflicht schlimmer werden soll..... Lieber ADFC: Arsch hoch vom Bürostuhl und rauf auf den Sattel. Die Realität ist da draußen!
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Beitragvon Helmut » 25.01.2012, 23:57

Bagdad-Biker hat geschrieben:Lieber ADFC: Arsch hoch vom Bürostuhl und rauf auf den Sattel. Die Realität ist da draußen!
Nett formuliert, aber ich glaube, zumindest da täuscht Du Dich. Die Leute vom ADFC Hamburg, die ich kenne, sind alles ambitionierte Alltagsradler, ambitioniert in dem Sinne, als dass sie bei jeder Gelegenheit das Rad nutzen. "Schreibtischtäter" gibt es in deren Büros nicht.
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon Bagdad-Biker » 26.01.2012, 15:25

Realisten offenbar aber auch nicht!
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Beitragvon Helmut » 26.01.2012, 23:16

Bagdad-Biker hat geschrieben:Realisten offenbar aber auch nicht!
Mensch Olli,

ich glaube, da urteilst ein wenig voreilig und durch Deine Autofahrerbrille, mit der Du anscheinend durch die Stadt fährst. Ich finde es O.K., dass der ADFC sich nicht mit der Realität gefährlicher Radwege abfinden will und statt auf Armierung der Radfahrer auf Verbesserung der Wege drängt.

Ich frage mich auch, ob Du wirklich auch Dich selbst dazu verdonnern sehen willst, bei einer abendlichen Hausrunde mit Deinen Hunden einen Helm aufzusetzen.
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon Bagdad-Biker » 27.01.2012, 07:50

Helmut hat geschrieben:Ich finde es O.K., dass der ADFC sich nicht mit der Realität gefährlicher Radwege abfinden will und statt auf Armierung der Radfahrer auf Verbesserung der Wege drängt.
Das sich der ADFC für bessere Radwege einsetzt ist durchaus löblich und findet meine volle Unterstützung. Das eine Helmpflicht abgelehnt wird hingegen nicht. Insbesondere nicht, weil das Hauptargument eben ist, dass das Tragen von Helmen die Radfahrer zusätzlich gefärden würde. Das halte ich für totalen Unfug. Über die Schutzfunktion von Helmen brauchen wir sicherlich nicht zu diskutieren. Und das das Fahrverhalten von Verkehrsteilnehmern, ob nun motoriesiert oder nicht, rücksichtsloser wird wenn Radfahrer einen Helm tragen, ist kaum anzunehmen.
Helmut hat geschrieben:Ich frage mich auch, ob Du wirklich auch Dich selbst dazu verdonnern sehen willst, bei einer abendlichen Hausrunde mit Deinen Hunden einen Helm aufzusetzen.
Warum nicht? Das Einzge was daran stört sind die Blicke die Du erntest. Solange Du keine Radsportklamotten trägst passt ein Helm optisch (noch) nicht in das alltägliche Erscheinungsbild. Die Akzeptanz hierfür wird sich ändern. So wie es bei der Gurtpflicht im Auto auch war.
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Rheuma Kay
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Beitragvon Rheuma Kay » 02.02.2012, 21:21

1 ja
2+ 3 nein
4 jein

obwohl ich kein problem mit einer generellen helmpflicht hätte (siehe 1), glaube ich nicht, daß sie sinnvoll ist.
vielleicht sollte man das trennen. man könnte auf freiwilliger basis ein kennzeichen für radfahrer einführen. so wie bei einer mofa mit haftpflicht. die radfahrer mit kennzeichen hätten zwar helmpflicht, andererseits hätten sie aber auch das recht (auch bei vorhandenem radweg) auf der strasse zu fahren und wären gleichberechtigte teilnehmer am strassenverkehr.
die ohne kennzeichen müssen rad- und fußweg benutzen und sich fußgängern gegenüber passiv verhalten, wenn sie den fußweg benutzen. eine helmpflicht würde es für diese gruppe nicht geben.
diesen gedanken hatte ich letzt auf dem arbeitsweg mit dem rad. was haltet ihr davon?
Ich habe heut' morgen Pinguine in der U-Bahn gesehen und wenn man genau hinschaut, sieht man in den Pfützen die Pottwallarven zappeln
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Beitragvon Bagdad-Biker » 03.02.2012, 15:38

@ Mück

Gleichberechtigter Teilnehmer sollte ein Radfahrer doch ohnehin schon sein, oder?

Allerding klingt der Grundgedanke des ``freiwillig Tragens´´ nicht schlecht.
Statt zu zwingen, überrede/überzeuge ich die Menschen.
Statt einer Pflicht, die ja zwangsläufig bei Misachtung auch wieder eine Strafe vorsehen müsste, könnte man über eine Art Belohnung für das Tragen des Helmes nachdenken.

Das Bonusheft vom Zahnarzt, das bei regelmäßig durchgeführten Kontrolluntersuchungen für Rabatte bei größeren Behandlungen sorgt, kennt wohl jeder.
Eine Idee wäre also vielleicht, gestürzten/verunfallten Radfahrern, die nachweislich einen Helm trugen (meinetwegen in Form einer Gliedertaxe gestaffelt nach Verletzungsgrad), die Zuzahlungen für Medikamente und Heilbehandlungen (teilweise) zu erlassen. Da müssten die Krankenkassen mal den Rechenschieber auspacken um zu ermitteln, wie viel Geld sich bei der Behandlung durch nicht erfolgte Kopfverletzungen sparen ließe und was der Erlass der Zuzahlung kostet. Und wenn der Staat für eine Pflicht ist, dann soll er halt die Kassen zu dieser Handhabe verpflicheten.

Auch ein Zuschuss der Kassen zum Helmkauf wäre denkbar, wobei hier mit noch nicht garantiert wäre, dass dieser auch jemals getragen wurde.

Einige Gerichte haben übrigens bereits Radsportlern, die ohne Helm verunfallten eine Teilschuld zugesprochen, was dann Versicherungstechnisch aber auch bei den Schadensersatzforderungen problematisch ist. Warum dies allerdings nur für Radsportler, nicht aber für alle Radfahrer gelten soll will mir nicht in den Kopf.
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Beitragvon rozzzloeffel » 03.02.2012, 19:06

Ich selber sehe keine Diskussionsgrundlage bei der Helmpflicht, schließlich muss ich aufm Mopped/Motorrad auch Einen tragen - sind hier ja nicht in Barcelona etc.

Und wer selbst schon mal mit Helm stürzte, wird froh sein, einen gehabt zu haben.

Man kann aber natürlich auch auf eine gesetzliche Pflicht verzichten und, wie schon z. T. von B.Biker beschrieben, den Leuten eine Schubs zum Helmtragen geben; in dem beim Nichttragen und einem Unfall dem Radfahrer eine Teilschuld angerechnet wird bzw. die Versicherung Behandlungskosten nicht vollständig übernimmt wg. Fahrlässigkeit.

Halt so ähnlich wie früher die Sache mit Sommerreifen im Winter.

Eine Kostenübernahme (auch nur zum Teil) zum Helmkauf durch die Versicherungen sehe ich nicht gerechtfertigt, schließlich zahlt sie mir ja auch keinen Motorradhelm.

Aber wenn es eine gesetzliche Helmpflicht geben sollte, kann sie ja im öffentlichen Straßenverkehr gelten; nicht in Parks etc.
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Beitragvon olaf » 04.02.2012, 11:57

rozzzloeffel hat geschrieben:Aber wenn es eine gesetzliche Helmpflicht geben sollte, kann sie ja im öffentlichen Straßenverkehr gelten; nicht in Parks etc.
Frage: Wer soll das alles kontrollieren?

Akt. ist man ja noch nicht mal in der Lage die Verkehrskonzepte überhaupt sinnvoll zu gestalten und dann lenkt man mit einer Diskussion über die Helmpflicht für Radfahrer ab.

Ich finde die Diskussionen über so etwas dermaßen überflüssig und kontraproduktiv.

Viel besser wäre es hier wiklich erst mal über den Verkehr und neue Konzepte nachzudenken.
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Beitragvon Bagdad-Biker » 06.02.2012, 17:28

rozzzloeffel hat geschrieben:
Eine Kostenübernahme (auch nur zum Teil) zum Helmkauf durch die Versicherungen sehe ich nicht gerechtfertigt, schließlich zahlt sie mir ja auch keinen Motorradhelm.
Das wäre so als würde ich eine Kur für Übergewichtige oder Alkoholkranke als nicht gerechtfertigt erachten. Schließlich bin ich bin ich kein dicker Trinker. Trotzdem wird das auch von meinen Beiträgen finanziert.

Und eine Bezuschussung würde zumindest dann gerechtfertigt sein, wenn sich dadurch kostspielige Kopfverletzungen weitestgehend verhindern ließen.

Aber auch Dein Vorschlag mit dem Sommer/Winterreifenprinzipklingt recht vernünftig. Allerdings hat er wieder den Beigeschmack von Bestrafung.
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Beitragvon Harterbrocken » 07.02.2012, 18:46

Bagdad-Biker hat geschrieben:...Und es muss ja nicht immer Strafe sein, gelle? Denkbar wäre ein, wie auch immer geartetes Bonusprogramm. Krankenkassenrabatt, Vergüstigung beim Helmkauf etc.
Interessanter Gedanke. Wäre vielleicht einen Versuch wert. Alles zur Pflicht machen ist irgendwie blöd. In dieser Sache auf Einsicht und Akzeptanz zu setzen wohl ein (zu) langer Weg.

Das Rauchverbot in Kneipen war anfänglich ja auch heiß umstritten. Und nun? Ich denke die meisten Zeitgenossen empfinden es als Seegen. Trotzdem bleibt meine Hoffnung, dass die Zahl der Verletzungen rückläufig ist, die Zahl der Helmträger steigt und wir um eine Kopfschutzpflicht herum kommen.
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Beitragvon radfreunde » 07.02.2012, 21:36

Ich trage immer Helm x Nein
Ich trage nur auf den Rennrad/MTB Helm x Ja
Ich trage nie Helm x Nein
Ich bin für die Helmpflicht x Ja

Ich trage nie Helm im BMW, den ich benutze, wenn ich nicht Rennrad oder Crosser fahre.

Ich bin für die Helmpflicht für alle - nicht son Quark ab 14 oder vielleicht doch 14 Jahre und 6 Monate - ausgenommen vielleicht Politiker, bei denen beim Sturz ohne Helm nichts wichtiges kaputt gehen kann. Die Angst um ihre Birne haben, sollten einen Helm tragen. Oder es gibt generell keine Helmpflicht.

Macht bitte kein Trainingslager auf Mallorca, Spanien hat eine Helmpflicht.

Noch was. Ich fahre auch selten auf einem Fahrradweg, obwohl er benutzungspflichtig ist.

Wir sehen uns

wilf
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Beitragvon Con-Rad » 09.02.2012, 17:53

Gegen generelle Helmpflicht
aber für das Tragen eines Helms.
Gerade für kurze Fahrten ist das Rad schon umständlich genug. Für den kurzen Weg vorm Frühstück zum Bäcker tüddel ich mich vollständig an, wo beim Auto der Schlafanzug reichen würde. Im Auto ist alles da, Airbag, Gurt, Licht.... Beim Rad wird jedes zusätzliche Teil lästig, und finde ich etwas nicht gleich, fahre ich dann doch mit dem Auto?
Und dann nervt mich beim Bäcker der Helm und die Handschuhe und....das mAbschließen.
In Schweden staunte ich Anfang der Achtziger, das fast alle mit Helm fuhren. Fand ich damal lustig. Heute fahr ich fast immer mit einem Helm. Außer auf dem Radweg zum Bäcker, und das ist eigentlich am gefährlichsten.
Auch wenn die "Leute" in der Masse zu blöd sind, lasst Ihnen die eigene Entscheidung!
Die ganze Warheit mit Bildern unter:
www.radsport-buchholz.de
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Wieder was im SPIEGEL

Beitragvon Harterbrocken » 21.02.2012, 16:42

Die aktuelle Spiegel-Ausgabe nimmt sich ausführlich der Helmpflicht-Diskussion an - sehr interessant. Artikel gibt es nur gegen Bezahlung (gut so!) oder in der gedruckten Ausgabe. Es stehen viele Zahlen und Fakten drin, z.B.
-Nur noch 9 Prozent aller Radfahrer trugen 2010 einen Helm, 2009 waren es noch 11 Prozent
-14000 Radfahrer werden jährlich in Deutschland schwer verletzt, im Schnitt 450 getötet
-in Australien erstickte die Einführung der Helmpflicht den gerade beginnenden Fahrradboom Die Zahl der Kopfverletzungen sank dabei nicht so wie die Zahl der Radfahrer.
-Deutschland hat 70 Millionen Räder, 43 Millionen Autos.
- Pro Jahr werden in Deutschland 1,5 Millionen Fahrradhelme verkauft


Wen das Thema interessiert, sollte den Artikel lesen; er ist ziemlich erhellend.
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Beitragvon Technobull » 18.03.2012, 09:19

rozzzloeffel hat geschrieben:Und wer selbst schon mal mit Helm stürzte, wird froh sein, einen gehabt zu haben.
Also ich finde die Helmpflichtdiskussion genauso albern wie damals bei der Einführung der Gurtpflicht und bei der Helmpflicht für Motorräder.

Eltern haften für ihre Kinder, heißt es, und die Polizei auf den Schulwegen tut meist nichts zu Beleuchtung und Helmpflicht.


Kinder und alte Menschen sind besonders gefährdet, letztere tragen aber grundsätzlich keinen Helm, da kann nur die Polizei helfen.

Ich war gerade 16 Jahre alt und kaufte mir von meinem Zeitungsträgergeld meine Kreidler 50 cm³ Kl.5, damals noch keine Helmpflicht.

Da kam an einem nieseligen Morgen ein Auto rückwärts quer aus einer Einfahrt, ich hatte 55 km/h laut Tacho, nach links auf die nassen Straßenbahnschienen ging nicht, nach rechts in die Alleebäume auch nicht - also Gas weg und voll drauf - drüberweggeflogen, abgerollt - es knallte laut am Helm den ich mir an dem Tag geliehen hatte weil es so naß-kalt war. Moped kaputt, ich heil.

Gerade habe ich einen neuen Helm gekauft, der alte hatte so kleine Risse, öfter mal runtergefallen - einmal Drauftreten und er krachte zusammen.

Immer mal wieder kommt es vor daß einem ein PKW die Vorfahrt nimmt weil die ja eingebaut ist oder weil für die ein Radfahrer nicht > 15 km/h drauf haben kann.

Unfälle passieren nunmal - neulich kam ein kleiner Hund an einer Langlaufleine in di9e Quere..
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Beitragvon Technobull » 18.03.2012, 09:29

Con-Rad hat geschrieben:Gegen generelle Helmpflicht
aber für das Tragen eines Helms.... gelöscht..

Auch wenn die "Leute" in der Masse zu blöd sind, lasst Ihnen die eigene Entscheidung!
Na das ist ja nun gerade für einen Radsportler und wohl Schnell- und Vielfahrer eine klar falsche Sichtweise, abgesehen von den vermeidbaren Tragödien die mit einer Hirnverletzung einhergehen. Über die Krankenkassenbeiträge zahlen wir ja alle für diese Leute mit.

Ok, ich bin da vielleicht etwas neurotisch, auch weil ich vor kurzem bei Schneeregen ca 80 km/h auf der Autobahn trotz fast neuer Winterreifen und nach großer Inspektion einen Dreher hatte, kam entgegen der Fahrtrichtung auf dem Standstreifen an.

Unfälle haben es ja an sich daß sie immer genau dann passieren wenn man am wenigsten damit rechnet.
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Beitragvon Technobull » 18.03.2012, 09:40

radfreunde hat geschrieben:Noch was. Ich fahre auch selten auf einem Fahrradweg, obwohl er benutzungspflichtig ist.
Das wäre ein anderes Thema wert, denn viele Radwege, gerade da wo sie am meisten gebraucht werden, sind Schlaglochpisten mit Glasscherben garniert, Slalom um Laternenpfähle, Reserveparkplätze die straflos zugeparkt werden dürfen oder Lagerplätze für Baustellen.

Da ist man auf der Straße allemal sicherer und schont sein Gesäß und das Rad.

Offenbar gibt es keine haftungsrechtliche Grundlage für den Radwegebau gerade an Hauptverkehrsstraßen, auch keine Streu-und Räumpflicht, das ist eine Sache von Lust und Laune je nach Budgetüberbleibseln der Baubehörden wie es scheint. Man schaue sich nur z.B. Tangstedter Landstraße, Segeberger Chaussee, Alsterdorfer Chaussee an.

Radwege müssen Teil der Fahrbahn sein.
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Beitragvon mischakugelrund » 18.03.2012, 13:38

ch trage immer Helm -> Ja. Nun ja, zumindest beim Radfahren, nicht im Büro
Ich trage nur auf den Rennrad/MTB Helm -> Ja
Ich trage nie Helm -> Nein
Ich bin für die Helmpflicht -> Nein

Ich trage beim Radfahren immer einen Helm, besonders aber auf den kurzen Strecken (z.B. zum Bäcker). Grund hierfür ist, dass ein guter Freund von mir beinahe an den Kopfverletzungen infolge eines Zusammenstoßes mit einem Mofa umgekommen ist.

Ich bin allerdings auch nicht für eine Helmpflicht, da jemand, der keinen Helm trägt keine _direkte_ Gefahr für andere darstellt und in diesem unserem Lande eh schon genug reglementiert ist. Manches Risiko muss man auch mal dem Individuum überlassen. Ggf. werden Versicherungen irgendwann die Kosten für Unfallfolgeschäden nicht mehr übernehmen...

Meine 2c.
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Re: Wieder was im SPIEGEL

Beitragvon Helmut » 18.03.2012, 13:53

Harterbrocken hat geschrieben:-14000 Radfahrer werden jährlich in Deutschland schwer verletzt, im Schnitt 450 getötet.
Wenn man z. B. mit dem Kopf unter einen LKW-Reifen gerät, nutzt ein Helm nichts. Die Annahme, dass die Zahl 450 dank einer Helmpflicht deutlich geringer ausgefallen wäre, ist nicht richtig, was folgende Aussage belegt.
Harterbrocken hat geschrieben:-in Australien erstickte die Einführung der Helmpflicht den gerade beginnenden Fahrradboom Die Zahl der Kopfverletzungen sank dabei nicht so wie die Zahl der Radfahrer.
Das führt statistisch gesehen zu einer Erhöhung der Anzahl von Herz-/Kreislauferkrankungen und davon getöteten.

Unterm Strich würde eine Helmpflicht also mehr Leuten den Tod bringen, als sie davor zu bewahren.
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Re: Wieder was im SPIEGEL

Beitragvon Technobull » 18.03.2012, 16:00

Helmut hat geschrieben:
Harterbrocken hat geschrieben:-14000 Radfahrer werden jährlich in Deutschland schwer verletzt, im Schnitt 450 getötet.
Harterbrocken hat geschrieben:-in Australien erstickte die Einführung der Helmpflicht den gerade beginnenden Fahrradboom Die Zahl der Kopfverletzungen sank dabei nicht so wie die Zahl der Radfahrer.
...

Wohl weil auch die verbliebenen Fahrer im Sonnenland ohne Helm waren ?

Wenn das stimmen würde daß die Leute deswegen nicht mehr Radfahren dann würden die tieffliegenden Organspender auf Motorrädern ja auch nicht unterwegs sein weil es ja eine Helmpflicht gibt, und das noch gar nicht soo lange.

Die Frage ist doch eher was ein gut passender Fahrradhelm (z.B. Abus ist stufenlos verstellbar) leisten kann und was nicht, da gibt es Stimmen die sagen daß er allenfalls bei geringen Geschwindigkeiten was nützt.

Aber was ist eine geringe Geschwindigkeit ? Es macht sich ja wohl kaum jemand klar daß bescheidene 25 km/h=25000m/Std ; 3600 Sekunden ~ 7m/Sekunde sind. Oder habe ich mich hier verrechnet, bin ich einfach nur vorurteilsbelastet weil ich schon einen Mopedunfall wegen eines Helms überlebt habe ?

Mir ist jedenfalls geringer Schutz lieber als gar keiner.
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Re: Wieder was im SPIEGEL

Beitragvon Helmut » 18.03.2012, 16:20

Technobull hat geschrieben:Wenn das stimmen würde daß die Leute deswegen nicht mehr Radfahren dann würden die tieffliegenden Organspender auf Motorrädern ja auch nicht unterwegs sein weil es ja eine Helmpflicht gibt, und das noch gar nicht soo lange.
Die Motivation Mottorad zu fahren, ist sicherlich i. d. R. eine ganz andere, als die auf's Rad zu steigen.

Man sollte bekanntlich Äpfel nicht mit Birnen vergleichen.
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Re: Wieder was im SPIEGEL

Beitragvon Technobull » 18.03.2012, 21:18

Harterbrocken hat geschrieben:Die aktuelle Spiegel-Ausgabe nimmt sich ausführlich der Helmpflicht-Diskussion an - sehr interessant. Artikel gibt es nur gegen Bezahlung (gut so!).
http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,15 ... 90,00.html

Bittschön, da steht doch alles ?

Also sinngemäß verstehe ich, dass so, dass Herr Ramsauer das Thema Helmpflicht angeht, weil es Stimmen macht und ihn nichts kostet, während der Ausbau der Fahrradinfrastruktur mit Radwegen, Abstellanlagen, Zugmitnahmekapazitäten, aber auch Verkehrserziehung aller Beteiligten und Altersklassen wichtiger und effektiver wäre.

London mußte ja erst im Verkehr ersticken, zudem täglicher Nahverkehrszusammenbruch mal hier mal da, dann kam die geschmähte Innenstadtmaut von 5 Pfund/Tag, siehe da es ist wieder Platz auf den Straßen, es ist eben jetzt so, es wird nicht mehr gemeckert, der Radverkehr hat dramatisch zugenommen, die Zeiten ändern sich.

"In 2007 there were more than 500,000 cycle journeys each day in the capital - a 91 per cent increase compared to 2000 - even though 2007 was England's wettest summer since 1912." (aus wiki Eintrag). In London, England, over the last ten years, Powered Two Wheelers (PTW's) have increased by 40%. (wikipedia)

Wer da pünktlich zur Arbeit kommen will, nimmt ein Zweirad mit oder ohne Motor und spart die saftigen U Bahnpreise.
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Re: Wieder was im SPIEGEL

Beitragvon Bagdad-Biker » 19.03.2012, 10:43

Helmut hat geschrieben:Unterm Strich würde eine Helmpflicht also mehr Leuten den Tod bringen, als sie davor zu bewahren.
:oops: :oops: :oops:
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Re: Wieder was im SPIEGEL

Beitragvon Helmut » 19.03.2012, 22:36

Bagdad-Biker hat geschrieben:
Helmut hat geschrieben:Unterm Strich würde eine Helmpflicht also mehr Leuten den Tod bringen, als sie davor zu bewahren.
:oops: :oops: :oops:
:Weissnicht:
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Re: Wieder was im SPIEGEL

Beitragvon Technobull » 20.03.2012, 19:04

Helmut hat geschrieben:
Bagdad-Biker hat geschrieben:
Helmut hat geschrieben:Unterm Strich würde eine Helmpflicht also mehr Leuten den Tod bringen, als sie davor zu bewahren.
:oops: :oops: :oops:
:Weissnicht:
Was Helmut sagt, ist statistisch gesehen recht eindeutig: Ca. 20-30 Minuten täglich bei erhöhtem Puls reduzieren die Herzinfarktrate erheblich, ich glaube sowas bei 20 %, abgesehen von den Auswirkungen auf die Psyche, die sich bessert und Diabeteswerte so ganz nebenbei.

Wenn es also stimmt, daß die Helmpflicht Leute vom Radfahren abschreckt, dann steigt als Resultat vorhersehbar die Herz-Kreislaufsterblichkeit. Statt Diabetespillen etc. für die Dicken, könnte man täglich 2 x 10 km Radfahren verschreiben.

So gesehen wäre die beste Verwendung der Krankenkassenüberschüsse die Radweginfrastruktur auf Kasse auszubauen, weil damit jede Menge Krankenhaustage und Medikamente eingespart werden würden, abgesehen von der Unfallvermeidung.

Das wäre nachweislich effektiver als die Helmpflicht.

Apropos: Wer ist wo mit welchem Budget für den Radwegebau zuständig?
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Re: Wieder was im SPIEGEL

Beitragvon Bagdad-Biker » 20.03.2012, 19:14

Technobull hat geschrieben:Wenn es also stimmt daß die Helmpflicht Leute vom Radfahren abschreckt.....
Eben, wenn es stimmt. Oder vielmehr stimmen würde. Kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Mich hält die Gurtpflicht auch nicht vom Autofahren ab, obwohl ich den nervig finde und völlig gurtfrei mit dem Bus fahren könnte. Es wird nur einige Zeit dauern, dann ist die Helmpflicht ebenso normal wie jetzt der Euro. Manch einer kennt die D Mark bereits gar nicht mehr.
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Re: Wieder was im SPIEGEL

Beitragvon Helmut » 20.03.2012, 22:50

Bagdad-Biker hat geschrieben:
Technobull hat geschrieben:Wenn es also stimmt daß die Helmpflicht Leute vom Radfahren abschreckt.....
Eben, wenn es stimmt. Oder vielmehr stimmen würde. Kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.
Der ADFC kann es sich nicht nur vorstellen, er geht gar fest davon aus, wohlwissend, dass Du und ich uns weiter auf den Sattel schwingen würden. Ich glaube schon, dass sich der ADFC für die Belange des Radfahrens und der Radfahrer einsetzt, auch für deren Gesundheit. Warum also sollte er so vehement gegen eine Helmpflicht einsetzen, wie er dies tut?

Beim Radsport wirkt ein Helm für mich nicht störend, aber z. B. bei Einkaufsfahrten - insbesondere an warmen Tagen -, und auf die zielt die Helmpflicht ab. Der Rückgang der Radfahrten dank Helmpflicht wäre sicherlich gering, die der schweren Verletzungen in Folge des Radfahrens aber vermutlich auch. Da ist es legitim deren Effekte gegeneinander aufzurechnen, direkte ebenso wie indirekte. Bei "nur" 450 toten Radfahrern lassen sich in absoluten Zahlen keine Wunder bewirken, bei der Anzahl der Toten infolge Bewegungsmangel lässt sich viel mehr Effekt erzielen.

Klar, jeder tote Radfahrer ist einer zu viel, jeder durch einen Infarkt Verstorbene auch.
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Re: Wieder was im SPIEGEL

Beitragvon Technobull » 21.03.2012, 00:40

Helmut hat geschrieben:
Bagdad-Biker hat geschrieben:
Technobull hat geschrieben:Wenn es also stimmt daß die Helmpflicht Leute vom Radfahren abschreckt.....
Eben, wenn es stimmt. Oder vielmehr stimmen würde. Kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.
Klar, jeder tote Radfahrer ist einer zu viel, jeder durch einen Infarkt Verstorbene auch.
In London, wo ich einige Zeit lebte, gibt es öfter Tote durch abbiegende LKW's, und angesichts dessen, daß innerstädtische Radwege schlicht unbekannt sind, fahren eine erstaunliche Zahl von Leuten auf Zweirädern. Ich habe mir in der Zeit Maguras und eine, wie sich herausstellte nutzlose, Airzound Hupe zugelegt. Nutzlos deswegen, weil ich nur Bremsen oder Hupen kann. Vergleichsweise ist Hamburg ein Paradies, wo alles ruhiger läuft, abgesehen von ein paar Leuten, bei denen die Idee von Partnerschaft noch nicht angekommen ist.

Im Grunde ist die ganze Diskussion um die Helmpflicht ein Ablenkungsmanöver der Autolobby und ihrer politischen Vertreter die darauf hinausläuft daß Radfahrer gefälligst Helme zu tragen haben, auf jeden Fall im Straßenraum nichts zu suchen haben und ja eigentlich Fußgänger sind obwohl man es in der Fahrschulprüfung und §1 STVZO ja anders lernt.
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Re: Wieder was im SPIEGEL

Beitragvon Helmut » 21.03.2012, 00:50

Technobull hat geschrieben:In London, wo ich einige Zeit lebte, gibt es öfter Tote durch abbiegende LKW's...
Die Firma ABUS bietet speziell für Stadtfahrten konzipierte Helme an. Das Modell <a href="http://www.amazon.de/gp/search?ie=UTF8& ... ative=6742" target="_blank">Abus Lane-U</a> oder <a href="http://www.amazon.de/gp/search?ie=UTF8& ... ative=6742" target="_blank">Abus Urban-I</a> gab es mal in einem extrem glitzernden Rot. Von ABUS erfuhr ich, dass das Modell in der Farbe speziell für die Wünsche der Kunden in London aufgelegt wurde.

Tolle Helme, aber kein Grund für eine Helmpflicht. Der Weg, den die Niederländer gehen, scheint mir der bessere zu sein. Keine Helmpflicht, dafür sicherere Radwege. Das schützt auch vor Verletzungen anderer Körperteile, nicht nur des Kopfes.
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Re: Wieder was im SPIEGEL

Beitragvon Technobull » 21.03.2012, 09:17

Helmut hat geschrieben:
Technobull hat geschrieben:In London, wo ich einige Zeit lebte, gibt es öfter Tote durch abbiegende LKW's...
Der Weg, den die Niederländer gehen, scheint mir der bessere zu sein. Keine Helmpflicht, dafür sicherere Radwege. Das schützt auch vor Verletzungen anderer Körperteile, nicht nur des Kopfes.
Völlig klar, abgesehen von weiteren vielfältigen wirtschaftlichen Effekten. Könntest Du nicht mal Interviews mit Herrn Ramsauer und Verkehrsplanern machen, mit der Frage, warum im kleinen Holland, das wohl eines der dichtestbesiedelten Länder Europas ist, geht, was in Deutschland nicht geht? In Holland gibt es, glaube ich eine Autoimportsteuer von 40, in Dänemark 100 %. Die müssen ja ihre Devisen zusammenhalten.
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Beitragvon Bagdad-Biker » 21.03.2012, 09:24

Auch auf einem "sicheren" Radweg schadet das Tragen eines Helmes sicherlich nicht.

Und wenn es um die Zahlen von Toten aufgrund Bewegungsmangels geht, so halte ich den Zusammenhang mit einer Helmpflicht als äußerst weit hergeholt. Wie Helmut ja bereits schrieb, werden die Radsportler, die ja ohnehin mit Masse bereits Helmträger sind, auch weiterhin Radfahren.

Ob derjenige, der sein Rad nur zum Einkaufen 3 x die Woche 800 m durch den Stadtverkehr bewegt nun aufgrund Bewegungsmangels früher sterben wird, wenn er aufgrund einer Helmpflicht diese Strecke nun mit dem HVV bewältigt, halte ich für sehr fragwürdig. Dazu müsste man auch erfassen welches Bewegungspensum diese Leute ansonsten abliefern, z. B. im Job oder beim Freizeitsport (Fußball, Joggen etc.). Zudem kann ich mir nicht vorstellen, dass eine Helmpflicht tatsächlich einen massiven Rückgang der Radfahrer bewirkt. Allenfalls kurz-, jedoch keinesfalls mittel- und langfristig. Untermauert wird meine Annahme nicht zuletzt auch durch die aktuellen Spritpreise.

P.S.: Ein weiterer Gedankenanstoß: Sicherlich auch schon häufig beobachtet. Radfahrende Eltern mit Kind(ern) im Schlepptau. Die Kiddy´s mit, die Alten ohne Helm. Den Nutzen eines Helmes haben die Eltern also offenbar durchaus erkannt und setzen sich für den Schutz der Kinder ein. Sie selbst tragen keinen Helm. Stellt sich die Frage nach dem Warum! Denn, dass eine alter Kopf genauso empfindlich ist wie ein junger, steht außer Frage. Ist es Eitelkeit? Gewohnheit oder Bequemlichkeit? Für die nachfolgende Generation wird es ganz normal sein, einen Helm zu tragen. Euro-Effekt!
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Beitragvon thomas-hh » 21.03.2012, 13:32

Ich habe schon früher geschrieben, dass ich die Argumentation des ADFC für fragwürdig halte. Andererseits halte ich aber auch eine HelmPFLICHT für überflüssig. Die Diskussion darüber ist so obsolet, wie die über die Helmpflicht bei Skisportlern.

Als ich mir meinen ersten Skihelm 2005 kaufte, gehörte ich zu den Wenigen, denen es egal war, ob man sie für verhinderte Rennfahrer hielt. Wie ich Anfang März in Hintertux feststellen konnte, sind inzwischen Nichthelmträger in der absoluten Minderheit. Sehr erfreulich. Und meine Kinder (14, 16, 20), die ich dabei hatte, sind auf ihren Snowboards immer nur mit Helm unterwegs gewesen. Komischerweise stellt sich der Älteste ausgerechnet beim Radfahren an. Bei dem nutzt auch das Argument "Was nutzt dir eine schöne Friseur, wenn du nach einem Sturz einen Hirnschaden hast" nichts. Die beiden Anderen sind da vernünftiger (ohne Helm würde ich sie auch nicht mitnehmen). Ein bisschen Intelligenz gehört wohl dazu.

Die von Bagdad-Biker beschrieben Eltern (ohne Helm), die mit ihren behelmten Kindern unterwegs sind, würde ich zu gern fragen, ob sie den Begriff Intelligenz wenigstens buchstabieren können, wenn sie sie schon nicht besitzen.

Also: Pflicht nein, da sich das zurecht rüttelt. Da bin ich ganz zuversichtlich. Vor allem, da diese Dinge inzwischen ganz modisch sind und nicht mehr so beschi..en aussehen, wie früher.

Gruß

Thomas
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Beitragvon Helmut » 21.03.2012, 23:48

Dazu was neues vom ADFC und aus der Hamburger Bürgerschaft:

Die SPD-Bürgerschaftsfraktion folgt in der Diskussion um eine Helmpflicht für Minderjährige den Argumenten des ADFC. Damit erteilt sie der CDU eine Abfuhr. Die mit viel Wirbel von der CDU geforderte Bundesratsinitiative ist damit vom Tisch. Statt dessen setzt die SPD auf mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr und Unfallvermeidungsstrategien.

Die SPD berücksichtigt damit, dass die Vermeidung von Unfällen der beste Schutz vor Verletzungen im Straßenverkehr ist. Daher ist ihre Aufforderung an den Senat folgerichtig, eine Kampagne zur Erhöhung der Verkehrssicherheit durchzuführen. Viele Unfälle ließen sich vermeiden, wenn die Verkehrsteilnehmer mit mehr Rücksicht auf die anderen unterwegs wären. Allein 17,5% der Unfälle in Hamburg geschehen wegen überhöhter Geschwindigkeiten und 25,2 % durch Fehler beim Einfahren und Abbiegen (Unfallstatistik Hamburg 2010).

Die CDU hatte vor einigen Wochen eine Bundesratsinitiative zur Helmpflicht für Minderjährige gefordert. Ein solches Vorgehen schiebt jedoch die Verantwortung leichtfertig auf die Radfahrer ab. Sie folgt dem Motto „Wenn der Radfahrer keinen Helm trägt und sich damit gefährdet, ist er selbst schuld“. Das unverantwortliche Fahrverhalten vieler Kfz-Fahrer auf Hamburgs Straßen wurde in dem Antrag gar nicht thematisiert. Dieses Spiel wollte die SPD nicht mitmachen. Die Regierung macht sich statt dessen stark für mehr Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer. Die SPD votiert für eine Verkehrsplanung, die konsequent darauf zielt, Unfälle zu vermeiden, z. B. durch die Verbesserung der Sichtbarkeit von Radfahrern.

„Nun kommt es darauf an, diese Maßnahmen mit dem richtigen Engagement umzusetzen“, so Merja Spott, Referentin für Verkehr vom ADFC Hamburg. „Eine solche Kampagne kann in einer Metropole nur erfolgreich sein, wenn die unterschiedlichen Akteure miteinbezogen werden, genügend Finanzmittel und Personalressourcen dafür zur Verfügung gestellt werden“. Bei Infrastrukturmaßnahmen ist zukünftig mehr Mut gefragt. Ohne den Kfz Platz „wegzunehmen“ ist eine bessere Sichtbarkeit von schwächeren Verkehrsteilnehmern nicht machbar. Weitere Unfallrisiken wie Geschwindigkeitsüberschreitungen, falsches Parken und falsches Fahrverhalten der Pkw-Fahrer können mit mehr Kontrollen reduziert werden. Hierbei geht es nicht um „Abzocke“ von Autofahrern, sondern um die Sicherheit im Straßenverkehr.
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Beitragvon radfreunde » 22.03.2012, 00:00

Naja unsere Feierabendpolitiker. Drehen sich doch immer im Wind, egal welche Farbe.

Was hat denn unser Senator für Verkehr, Herr Horch (lateinisch: Audi) denn so neues gebracht? Viel Wind wie Fahrradschutzstreifen auf der Elbchausee und dann wieder zurückgerudert. Der Ausbau der Velorouten, zumindest im Westen nichts neues.

Oder fällt euch was ein?

Gruß

wilf
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Beitragvon Bagdad-Biker » 22.03.2012, 10:28

Helmut hat geschrieben:Dazu was neues vom ADFC und aus der Hamburger Bürgerschaft:

Die SPD-Bürgerschaftsfraktion folgt in der Diskussion um eine Helmpflicht für Minderjährige den Argumenten des ADFC. Damit erteilt sie der CDU eine Abfuhr.
Fragt sich nur, wessen Interessen hier vorrangig berücksichtigt wurden. Die der Radfahrer, oder die der Politik.
Helmut hat geschrieben:Statt dessen setzt die SPD auf mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr ....
Da kann ich mir ein Lächeln nicht verkneifen und bin auf die Umsetzung aber mal gespannt.
Helmut hat geschrieben:Die SPD berücksichtigt damit, dass die Vermeidung von Unfällen der beste Schutz vor Verletzungen im Straßenverkehr ist.
Völlig richtig. Würde aber vorraussetzen, dass die SPD es schafft einen völlig unfallfreien Straßenverkehr zu gewärleisten.
Helmut hat geschrieben:Die Regierung macht sich statt dessen stark für mehr Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer.
Wie dieses Ziel erreicht werden soll bleibt ungeklärt!
Helmut hat geschrieben:„Eine solche Kampagne kann in einer Metropole nur erfolgreich sein, wenn die unterschiedlichen Akteure miteinbezogen werden, genügend Finanzmittel und Personalressourcen dafür zur Verfügung gestellt werden“.
Finanzmittel ist das Stichwort. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Somit erledigt sich das Ganze quasi von selbst.
Helmut hat geschrieben:Weitere Unfallrisiken wie Geschwindigkeitsüberschreitungen, falsches Parken und falsches Fahrverhalten der Pkw-Fahrer können mit mehr Kontrollen reduziert werden. Hierbei geht es nicht um „Abzocke“ von Autofahrern, sondern um die Sicherheit im Straßenverkehr.
In Punkto Geschwindigkeit und Fahrverhalten stimme ich ja durchaus noch zu. Aber falsches Parken? Obwohl dies vermutlich auch zu vielen Unfällen, zumindest aber zu einem für alle Teilnehmer unübersichtlichen Straßenverkehr beiträgt, lässt sich dieses Problem keinesfalls durch schärfere Kontrollen in den Griff bekommen. In Stadtteilen wie z.B. Winterhude, Eppendorf oder Altona existiert definitiv zu wenig Platz. Es gibt schlicht nicht genug Abstellflächen. Da bringt der x´te Strafzettel leider außer Verdruss rein gar nichts.
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Beitragvon Grotefend » 22.03.2012, 13:24

Helmut hat geschrieben:Die SPD-Bürgerschaftsfraktion ...(erteilt) ... der CDU eine Abfuhr. Die mit viel Wirbel von der CDU geforderte Bundesratsinitiative ist damit vom Tisch. Statt dessen setzt die SPD auf mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr und Unfallvermeidungsstrategien.

Die SPD berücksichtigt damit, dass die Vermeidung von Unfällen der beste Schutz vor Verletzungen im Straßenverkehr ist. Daher ist ihre Aufforderung an den Senat folgerichtig, eine Kampagne zur Erhöhung der Verkehrssicherheit durchzuführen.
Der Eiertanz, den die SPD in dieser Sache aufgeführt hat (Rin in de Kantüffel - rut ut de Kantüffel) ist mal wieder ein treffendes Beispiel dafür, dass es in der politischen Diskussion weniger um Problemlösungen geht, als darum, ein Thema nach Wind und Wellenschlag für eigene Zwecke zurechtzubiegen.

Und die Erkenntnis, dass das Verletzungsrisiko am geringsten ist, wenn man gar nicht erst einen Unfall erleidet, ist geradezu genial. Dass darauf bisher noch niemand gekommen ist ...

"Und wenn man nicht mehr weiter weiß, dann gründet man 'nen Arbeitskreis". Oder startet eine Kampagne. Alles ist doch nichts weiter als politische Masturbation. Das Problem bleibt ungelöst. Und die Diskussion dreht sich endlos im Kreise.

@ Bagdad-Biker:

Richtig ist, dass Parkplätze vielerorts knapp sind, jedenfalls direkt vorm Bäckerladen, Geldautomaten o. ä. Daraus ist aber doch nicht eine Befugnis abzuleiten, sein Auto z. B. auf den Radweg zu stellen. Oder würdest du demjenigen, der knapp bei Kasse ist, auch erlauben wollen, sich ungefragt aus deiner Geldbörse zu bedienen?

Grotefend

P.S. Ich bin übrigens nicht für eine Helmpflicht, sondern für die Freiheit, sich selbst zu entscheiden, ob man einen tragen will.
Sonne in den Speichen sieht nur, wer sein Rad bewegt.
Bagdad-Biker

Beitragvon Bagdad-Biker » 23.03.2012, 09:46

Grotefend hat geschrieben:@ Bagdad-Biker:

Richtig ist, dass Parkplätze vielerorts knapp sind, jedenfalls direkt vorm Bäckerladen, Geldautomaten o. ä. Daraus ist aber doch nicht eine Befugnis abzuleiten, sein Auto z. B. auf den Radweg zu stellen. Oder würdest du demjenigen, der knapp bei Kasse ist, auch erlauben wollen, sich ungefragt aus deiner Geldbörse zu bedienen?
Eine Befugnis oder Legitimation will ich ganz sicher nicht ableiten. Es geht mir vielmehr darum, zu verdeutlichen, dass zusätzliche oder schärfere Kontrollen nicht für weniger Parksünder sorgen können, weil die Leute schlichtweg keine Parkmöglichkeiten finden. Das Auto lässt sich nunmal schlecht im Hausflur abstellen. Fakt ist, dass Parkplätze nicht nur direkt vorm Bäcker knapp sind. Es geht hier weniger um "Durchreisende", sondern auch oder vielmehr um Anwohner solcher Stadtteile.
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Beitragvon Helmut » 29.03.2012, 21:59

Gefunden beim Pressedienst Fahrrad:

Eine knappe Mehrheit (58 Prozent) von Experten der deutschen Fahrradbranche spricht sich für eine Anpassung der aktuellen Gesetzgebung für Pedelecs und E-Bikes aus. Sie befürworten eine Helmpflicht für schnelle Pedelecs. Siehe

http://www.pd-f.de/2012/120328-Fahrrade ... elecs.html

Anmerkungen Admin: Ich bin bei den über 40 km/h schnellen Pedelecs und E-Bikes ebenfalls dafür. Bei normalen, nur bis 25 km/h schnellen Pedelecs bin ich dagegen. Die werden i. d. R. nicht schneller bewegt als jedes andere Alltagsrad.

Dass eine allgemeine Helmpflicht für Radfahrer zu weniger Radfahrten führen würde, hat mir grad das hervorragende Hamburger Radleihsystem "Stadtrad" gezeigt. Das ist sehr erfolgreich, wächst ständig, auch weil viele Touris spontan Räder mieten. Wenn das nur noch mit Helm möglich wäre, könnte man dieses System wohl bald wieder einstellen.
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Beitragvon Bagdad-Biker » 30.03.2012, 15:15

Hm, eine Mofa läuft (offiziell) ja auch nur 25 Km/h und da muss es sogar ein "richtiger" Helm sein. Rein theoretisch würde dies bedeuten: Entweder alle Pedelecs unter Helmpflicht zu stellen, oder aber die Helmpflicht für Mofas abschaffen. Andererseits schafft man es auf einem normalen RR ja auch zeitweise bis/über 40 Sachen.

Das Argument mit den Leihrädern muss selbst der ärgste Helmpflichtverfechter gelten lassen. Der zu betreibende Aufwand, nämlich zum Rad auch einen passenden Helm vermieten zu müssen ( Vorhaltung div. Größen, Reinigung, Herrausgabe, Anpassung), würde sich vermutlich finanziell nicht lohnen. Allerdings vertrete ich die Auffassung, dass wirtschaftliche Interessen der Gesundheit nachrangig zu stellen sind. Interessant wäre in diesem Zusammenhang zu wissen, wie hoch der Anteil der Radfahrer auf solchen Leihrädern in HH ist.

Auch interessant zu wissen wäre im Zusammenhang mit der Diskusion um die Helmpflicht, wie hoch der Anteil von Radfahrern ist, die bereits nach einem Unfall eine Kopfverletzung davontrugen und nun einen Helm tragen.

inzwischen helmtragenden Radfahrern ist, die bereits einmal nach einem Radunfall eine Kopfverletzug davontrugen.
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Beitragvon Helmut » 30.03.2012, 20:32

Bagdad-Biker hat geschrieben:Hm, eine Mofa läuft (offiziell) ja auch nur 25 Km/h und da muss es sogar ein "richtiger" Helm sein.
Pedelec zu Mofa verhält sich Apfel zu Birnen - man sollte sie nicht miteinander vergleichen.

Mofafahrer kennen i.d.R. nur zwei Schalterstellungen für den Gasgriff: Voll auf oder zu. Die Pedelec-Fahrer, die ich bisher erlebt habe, fuhren i.d.R. deutlich unterhalb 25 km/h und bedächtig.
Bagdad-Biker hat geschrieben:Der zu betreibende Aufwand, nämlich zum Rad auch einen passenden Helm vermieten zu müssen ( Vorhaltung div. Größen, Reinigung, Herrausgabe, Anpassung), würde sich vermutlich finanziell nicht lohnen. Allerdings vertrete ich die Auffassung, dass wirtschaftliche Interessen der Gesundheit nachrangig zu stellen sind.
Das Stadtrad-System wurde von der Stadt nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus Umwelt-Gründen eingeführt.
Bagdad-Biker hat geschrieben:Interessant wäre in diesem Zusammenhang zu wissen, wie hoch der Anteil der Radfahrer auf solchen Leihrädern in HH ist.
Finde ich nicht, denn es ist nur ein extremes Beispiel für eine der Effekte einer Helmpflicht.
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Beitragvon Bagdad-Biker » 31.03.2012, 14:58

Helmut hat geschrieben:
Bagdad-Biker hat geschrieben:Hm, eine Mofa läuft (offiziell) ja auch nur 25 Km/h und da muss es sogar ein "richtiger" Helm sein.
Pedelec zu Mofa verhält sich Apfel zu Birnen - man sollte sie nicht miteinander vergleichen.
Warum nicht?

Obst bleibt Obst. Ob rein motorgetrieben oder von motorenunterstützung beschleunigt, mag von der Umweltverträglichkeit einen Unterschied machen, das Verletzungsrisiko sinkt bei gleicher Geschwindigkeit nach meiner Einschätzung aber nicht. Letzlich ist es doch egal, ob ich bei 25 Km/h vom Fahrrad, Pedelec oder der Mofa falle.
Helmut hat geschrieben: Mofafahrer kennen i.d.R. nur zwei Schalterstellungen für den Gasgriff: Voll auf oder zu. Die Pedelec-Fahrer, die ich bisher erlebt habe, fuhren i.d.R. deutlich unterhalb 25 km/h und bedächtig.
Das mag sein. Wobei ich auch schon Radfahrer ohne Motor schneller als als 25 hab fahren sehen. Mir ging es auch eher darum, aufzuzeigen, dass es aus meiner Sicht ungerechtfertigt ist, eine Helmpflicht an der technisch bedingten Höchstgeschwindigkeit festzumachen, bzw. den einen eine solche Pflicht auf zu erlegen und den anderen nicht.
Helmut hat geschrieben: Das Stadtrad-System wurde von der Stadt nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus Umwelt-Gründen eingeführt.
Dessen bin ich mir durchaus bewusst. Eine reine Profitabsicht/aussicht hab ich auch nicht gemeint. Aber ein solches "Umweltprojekt" muss natürlich auch finanzierbar bleiben. Aus den bereits genannten Gründen sähe ich dies dann aber gefärdet. In diesem Punkt stimme ich dir also zu, wenn Du von einer möglicherweise negativen Auswirkung der Helmpflicht sprechen willst.
Bagdad-Biker hat geschrieben:Interessant wäre in diesem Zusammenhang zu wissen, wie hoch der Anteil der Radfahrer auf solchen Leihrädern in HH ist.
Helmut hat geschrieben: Finde ich nicht, denn es ist nur ein extremes Beispiel für eine der Effekte einer Helmpflicht.
Da sind wir wahrlich geteilter Meinung. Wenn durch die Einführung der Helmpflicht das Projekt Stadtrad tatsächlich zum Erliegen kommen und ein gewisser Prozentsatz der Radfahrer in HH wegfallen würde (was durchaus möglich wäre), wäre es für Gegner wie Anhänger der Helmpflicht, durchaus nicht unwichtig zu wissen, wie hoch dieser Anteil ist. Ist er immens hoch, oder so gering, dass er bei der Entscheidungsfindung vernachlässigt werden kann?
Im Übrigen ist Effekte ein gutes Stichwort. Bisher hast Du nur womögliche negative Begleiterscheinungen genannt. Ich bin mir sicher, bei objektiver Betrachtung fänden sich mehr Vor- als Nachteile.
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Was für Minimalisten :-)

Beitragvon heihu11 » 04.04.2012, 07:18

http://www.youtube.com/watch?v=aGElpAeO ... r_embedded#!

Wie ich finde eine gute Idee.
Könnte mir vorstellen das dann mehr Radfahrer einen Helm tragen würden wenn sie in besser verstauen können.
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Beitragvon Helmut » 04.04.2012, 19:21

Einen anderen, auf seine Art ebenfalls sehr interessanter Ansatz mehr Radfahrer freiwillig unter einen Helm zu bekommen, ist der von Helt-Pro. Mit so einem Helm fahre ich z. Z. nicht nur Arbeit, sondern sogar auch abends bei der Gassirunde. Siehe

http://www.youtube.com/watch?v=NM9lrlEsOOY

In einigen Tagen werde ich ausführlich über meine Erfahrungen mit diesem Helm berichten.
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Neues zu Helm

Beitragvon Harterbrocken » 19.05.2012, 13:54

Heute finde ich neue Details zum Thema Helm in der FAS vom 13. Mai. Dort wird u.a. eine Studie zitiert, nach der mit Helm das Kopfverletzungsrisiko um 90 Prozent sinkt. Ausgewertet wurden 235 Fahrradunfälle in Seattle, USA (New England Journal of Medicine, 1989).

Im Fachblatt Injury Prevention sinkt das Risiko dagegen nur um 30 Prozent. Datenbasis waren 14,000 Radfahrunfälle.

Amüsant: Ian Walker von der Uni im englischen Bath hat einen spannenden Selbstversuch gemacht und ist ohne und mit Helm geradelt sowie mit Damenperücke und hat dabei einen Ultraschall-Distanzmesser am Rad montiert. Ergebnis: Mit Helm auf dem Kopf hielten Autofahrer durchschnittlich acht Zentimeter weniger Abstand, als wenn Walker ohne Helm radelte. Den größten Abstand hielten die Autos, wenn sich der offenbar humorvolle Brite mit einer Perücke als Frau tarnte.

Ich behaupte mal: Speziell Rennradfahrer werden gerne sehr, sehr eng passiert. Mehr Abstand genießen Tourenradler etc.
Zuletzt geändert von Harterbrocken am 23.05.2012, 11:12, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Neues zu Helm

Beitragvon Helmut » 19.05.2012, 16:38

Harterbrocken hat geschrieben:Ergebnis: Mit Helm hielten Autofahrer durchschnittlich acht Zentimeter weniger Abstand, als wenn Walker mit Helm radelte.
Mit weniger als mit? Nix verstehn.

:Unentschlossen:
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Re: Neues zu Helm

Beitragvon Harterbrocken » 22.05.2012, 07:08

Helmut hat geschrieben:Mit weniger als mit?
Gemeint ist, dass sich die Distanz zwischen Auto und dem Radfahrer Walker um acht Zentimeter verringerte. Also ohne Helm z. B. 50 Zentimeter! Mit Helm 42 Zentimeter. Die absoluten Distanzwerte waren in dem Artikel leider nicht erwähnt.
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Beitragvon Bergwasserziegentraeger » 22.05.2012, 17:42

Dann ist der Nebensatz aber falsch und sollte lauten:
Ergebnis: Mit Helm hielten Autofahrer durchschnittlich acht Zentimeter weniger Abstand, als wenn Walker ohne Helm radelte.
Anmerkung Admin: So isses. Hab ich korrigiert.
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Beitragvon Harterbrocken » 23.05.2012, 11:10

Stimmt, war wohl übermüdet. Helmut hat den Fehler offenbar korrigiert.
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Beitragvon Schattenfell » 27.05.2012, 03:19

Bagdad-Biker hat geschrieben:Die Schutzwirkung dürfte unumstritten sein. (…) Über die Schutzfunktion von Helmen brauchen wir sicherlich nicht zu diskutieren.
Warum denn eigentlich nicht? Die Schutzfunktion des Sicherheitsgurtes hat sich ja durchaus als erwiesen herausgestellt, da gibt es genügend Untersuchungen zu, die das relativ eindeutig belegen.

Bei Fahrradhelmen scheint mir das aber längst nicht so deutlich, da muss ich gar nicht lange Google befragen, da findet man schnell deutliche Gegenargumente, zum Beispiel hier. Und momentan finde ich auch die physikalische Erklärung nicht ohne, nach der die Schutzwirkung eines Helmes jenseits einer bestimmten Geschwindigkeit kaum noch relevant ist.

Argumente für Fahrradhelme lese ich da vor allem von Ärzten, die dann die Leute wieder zusammenflicken müssen. Okay, deren Meinung vermag ich als Laie nicht so ganz beurteilen, aber in den meisten Diskussionen bestehen die sonstigen Argumente für die Schutzwirkung des Fahrradhelmes entweder in dem Melonentest, dem Bekannten oder Verwandten, der bei einem Unfall meterweit durch die Luft flog und mit dem Kopf direkt auf der Bordsteinkante landete, mit Helm aber ohne Probleme überlebt hätte, oder eben aus der Meinung, dass die Schutzwirkung eines Helmes offensichtlich sei und darüber nicht diskutiert werden müsse.

Das ist mir dann als Grundlage für eine Helmpflicht ehrlich gesagt zu wenig, gerade angesichts der Erfahrungen aus anderen Ländern — entweder Australien, die mit der Helmpflicht ja nicht sonderlich gute Erfahrungen gemacht haben zu scheinen, oder aus Dänemark oder den Niederlanden, die einen ansehnlichen Radverkehrsanteil beinahe vollkommen ohne Helmpflicht geregelt bekommen.
Hein Mück hat geschrieben:vielleicht sollte man das trennen. man könnte auf freiwilliger basis ein kennzeichen für radfahrer einführen. so wie bei einer mofa mit haftpflicht. die radfahrer mit kennzeichen hätten zwar helmpflicht, andererseits hätten sie aber auch das recht (auch bei vorhandenem radweg) auf der strasse zu fahren und wären gleichberechtigte teilnehmer am strassenverkehr. die ohne kennzeichen müssen rad- und fußweg benutzen und sich fußgängern gegenüber passiv verhalten, wenn sie den fußweg benutzen. eine helmpflicht würde es für diese gruppe nicht geben. diesen gedanken hatte ich letzt auf dem arbeitsweg mit dem rad. was haltet ihr davon?
Naja, eher weniger. Was soll denn das Kennzeichen überhaupt bringen?Wenn ich so an die momentane Hatz auf die so genannten Kampfradler ansehe, dann wird das Kennzeichen an meinem Rad vor allem dafür sorgen, dass ich pro Woche drei Anzeigen im Briefkasten habe, weil mich Autofahrer angezeigt haben, nachdem ich vollkommen legal auf der Fahrbahn neben einem angeblich bestens ausgebauten Radweg gefahren bin oder an einer größeren Kreuzung direktes Linksabbiegen praktiziert habe. Ich glaube nicht, dass das eine sinnvolle Maßnahme ist, vor allem würde sie für mehr Verwirrung sorgen als ohnehin schon im Straßenverkehr herrscht.
rozzzloeffel hat geschrieben:Man kann aber natürlich auch auf eine gesetzliche Pflicht verzichten und, wie schon z. T. von B.Biker beschrieben, den Leuten einen Schubs zum Helmtragen geben; in dem beim Nichttragen und einem Unfall dem Radfahrer eine Teilschuld angerechnet wird bzw. die Versicherung Behandlungskosten nicht vollständig übernimmt wg. Fahrlässigkeit.
Das halte ich aber für gesetzlich schwierig, weil das Radfahren ohne Helm eben keine Fahrlässigkeit darstellt. Der Gesetzgeber ist sich, soviel Mist er auch in Sachen Radverkehr bauen mag, im Gegensatz zu Peter Ramsauer durchaus bewusst, dass Radfahren eine durchaus ungefährlichere Angelegenheit ist als es beim Blick in die Medien scheinen mag. Man müsste die Fahrlässigkeit beim unbehelmten Radfahren erst konstruieren und das halte ich für außerordentlich schwierig, weil Fahrradfahren bezüglich der Gefährdung eben noch eine andere Größenordnung ist als Motorrad- oder Skifahren.

Wenn man über eine Fahrlässigkeit beim Radfahren ohne Helm diskutieren will, kommt man schon zwangsläufig irgendwann — womöglich auch berechtigt — beim Hausputz ohne Helm, beim Autofahren ohne Helm und beim Kindergarten ohne Helm an.

Müssten die Versicherungen in solchen Fällen nicht zahlen, wäre das eine mittelschwere Katastrophe. Die Sachbearbeiter dort sind auch nicht doof, die werden ziemlich schnell dahinter kommen, dass ein Helm sowieso nichts bringt, wenn man ihn falsch trägt. Schaue ich mir die Leute an, die beim Radeln einen Helm tragen, sitzt der Helm nicht richtig oder schief oder der Kinnriemen ist nicht so toll eingestellt, irgendwas wird auch eine Versicherung finden, um sich vor der Zahlung zu drücken.
Helmut hat geschrieben:Die SPD votiert für eine Verkehrsplanung, die konsequent darauf zielt, Unfälle zu vermeiden, z. B. durch die Verbesserung der Sichtbarkeit von Radfahrern.
Das halte ich auch für sehr vernünftig. Über die Schutzwirkung eines Helmes mag man lange streiten, noch besser ist es, wenn gar keine Unfallsituation entsteht. Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, in der ich auf einem Schulweg von vier Kilometern permanent dank Zeichen 240 und Zeichen 241 von der Fahrbahn ferngehalten wurde, packt mich das Grausen. Ich bin zum Glück mein ganzes Leben lang von ernsthafteren Unfällen verschont geblieben, aber es lag durchaus einmal im Monat ein Mitschüler auf der Motorhaube oder wurde wenigstens von einem Kraftfahrzeug vom Fahrrad geschubst.

Die Ursache sehe ich da auch vor allem in fehlenden Sichtbeziehungen, weil der Radweg hinter parkenden Autos verläuft und dank der dichten Bebauung aus den Seitenstraßen überhaupt nicht einsehbar ist, und in den öffnenden Autotüren, die direkt in den Radweg ragen. Das war eine saugefährliche Angelegenheit, der Radweg hat stellenweise vollkommen zu Recht sein blaues Schild verloren. Trotzdem gehen natürlich viele Eltern auf die Barrikaden, weil ein Teil des Radweges nach einer Sanierung der Straße künftig als Fahrradstreifen auf der Fahrbahn geführt werden soll und man glaubt, das sei für die Jugendlichen, die in der Regel mindestens zehn Jahre alt sind, viel gefährlicher als der Hindernisparkour zwischen Mülltonnen, Straßenlaternen, Autotüren und Einmündungen.

Aber Verkehrspolitik in einer Stadt, die unter Radverkehrsförderung die nachträgliche Auszeichnung aller möglichen und unmöglichen Gehwege mit Zeichen 240 versteht, die ist sowieso schwierig. Das Fahrbahnradeln ist dort verpönt, die Polizei hat wenigstens zu meiner Zeit damals die Nutzung des Gehweges empfohlen, wenn es keinen Radweg gibt, und an den wenigen Straßen außerhalb von Tempo-30-Zonen bastelt man wenigstens kurz vor den Kreuzungen noch ein Zeichen 240 an den rechten Gehweg. Das sorgt natürlich gleich wieder dafür, dass geradeausfahrende Radfahrer von rechtsabbiegenden Kraftfahrzeugführern übersehen werden können und keinen rechten Sicherheitsgewinn erfahren, aber dieser Gedankengang scheint der Verwaltung fremd zu sein.

Ich nehme an, es läuft im Bundesverkehrsministerium ähnlich: Weil die Steigerung der tatsächlichen Fahrradsicherheit nur mittelbar und mit hohem Aufwand möglich ist, sollen die Radfahrer lieber alle einen Helm tragen, damit die kaputten und teilweise maßlos gefährlichen Radwege nicht angefasst werden müssen.
Bagdad-Biker hat geschrieben:Das Argument mit den Leihrädern muss selbst der ärgste Helmpflichtverfechter gelten lassen. Der zu betreibende Aufwand, nämlich zum Rad auch einen passenden Helm vermieten zu müssen ( Vorhaltung div. Größen, Reinigung, Herrausgabe, Anpassung), würde sich vermutlich finanziell nicht lohnen.
Die Problematik mit den Leihrädern enttarnt die Helmpflicht sowieso als Farce: Nachdem in der Grundschule die behelmte Wassermelone von der Leiter geworfen wurde, predigt der Polizeibeamte, dass ein Helm, auch wenn er nur vom Lenker gefallen ist, sofort ersetzt werden müsse. Was kann ich da mit einem Helm anfangen, dessen Vorgeschichte ich nicht kenne? Und gerade bei solchen automatisierten Verleihvorgängen wie bei den Stadträdern erfolgte ja nicht einmal eine grobe Sichtkontrolle vom Verleiher, es ist ja sogar möglich, dass ein Kunde einen Helm mit Feindkontakt gar nicht erst meldet, genau wie Unfallschäden an den Rädern so gut wie nie gemeldet werden — unter anderem, weil man sich als Kunde natürlich vor den entstehenden Kosten drücken möchte. Es ist sicherlich eine gewisse Wahrscheinlichkeit gegeben, dass auch ein entliehener Helm noch nicht so sehr beschädigt ist, dass er bei einem Unfall überhaupt nicht mehr schützt, aber trotzdem kann ein Radfahrer mit einem geliehenen Helm einer eventuellen Helmpflicht, die ja wahrscheinlich einen „Helm mit geeigneter Schutzwirkung“ fordern wird, nicht nachkommen. Zumindest ich persönlich verließe mich nicht auf einen fremden Fahrradhelm, das wäre mir dann doch zu doof.
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Beitragvon Harterbrocken » 16.07.2013, 11:52

Heute steht ein interessanter Kommentar zum Thema Helmpflicht in der "Tageszeitung" (taz). Der Vorspann macht neugierig: Die Helmpflicht macht das Fahrradfahren nicht sicherer, sondern gefährlicher. Das mag überraschen - ist aber nachgewiesen und Konsens in der Unfallforschung.

Den ganzen Artikel gibt es sogar kostenlos online.
http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/arti ... 126d4240c8

Übrigens: 1,80 Euro für die taz sind in der Regel gut angelegtes Geld. Die Zeitung bringt Farbe in die Medienwelt. Sie präsentiert meist eine ungewöhnliche Sichtweise. Und hat überdurchschnittlich viele Fahrradberichte im Angebot.
Zuletzt geändert von Harterbrocken am 17.07.2013, 07:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon kocmonaut » 16.07.2013, 22:25

Vor fünf Jahren war ich radunfallbedingt rund ein Jahr lang außer Gefecht gesetzt. Das circa einzige Körperteil, das nicht verletzt war, war mein Kopf. Ich sage, "weil ich einen Helm trug". Mein KopfGeist gab mir somit die Kraft und den Willen wieder zu gesunden. Ich nutze seitdem so häufig wie möglich die Gelegenheit, ohne Helm Rad fahrende Kinder im Straßenverkehr auf das Tragen des Helms aufmerksam zu machen.

Die Differenzierung "Rad oder Rennrad" existiert für mich nicht, denn insbesondere im Stadtverkehr (Rad) steigt das Unfallrisiko durch ANDERE Verkehrsteilnehmer - egal auf welchem Rad ich sitze. Das Auto, das mich trifft, differenziert nicht und trifft mich mit derselben Geschwindigkeit - unabhängig davon, ob ich auf einem Rad oder einem Rennrad sitze. Auch das mache ich den Kindern, um die es mir geht, klar.

Die meisten Unfälle passieren im Haushalt. Ja. Aber wen will ich verklagen, wenn ich keinen Helm trage? Meine Frau - weil sie nicht aufgeräumt hat und ich deswegen gestolpert bin?

FazIt: Ich bin nicht für die Helmpflicht, sondern für das Helmtragen. ABER: Ich kann niemandem die Schuld geben, wenn ich schwere Unfallfolgen habe, weil ich keinen Helm getragen habe. Wenn es kalt ist, setze ich mir auch ne Mütze auf. Tu ich es nicht, habe ich SELBER SCHULD, wenn ich mich erkälte.

"Helmpflicht durch die Hintertür" (Titel alter Thread) trifft - so finde ich - dementsprechend den Nagel auf den Kopf (äh: Helm!!!!!!).

Lars
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Beitragvon Dreckschleuder » 23.07.2013, 21:23

Das ganze hat für mich mal wieder an Aktualität gewonnen. Ich komme gerade aus dem Krankenhaus, wo eine gute Freundin mit Schlüsselbeinbruch und frischen Kopfverletzungen liegt.

Sie war auf dem Radweg unterwegs und ist von einem rückwärts aus der Ausfahrt kommenden Fahrzeug vom Fahrrad geschupst worden und ist gestürzt.

Ich bin ebenfalls für Helmnutzung, wann immer man mit dem Rad unterwegs ist. Aufklärung vor Pflicht, aber schadet die?
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Beitragvon Speedmanager » 24.07.2013, 21:20

kocmonaut hat geschrieben:denn insbesondere im Stadtverkehr (Rad) steigt das Unfallrisiko durch ANDERE Verkehrsteilnehmer - egal auf welchem Rad ich sitze.
Das 2 to. schwere und meist etwas schneller als erlaubt bewegte Blech interessiert es auch nicht, ob ich überhaupt auf dem Rad sitze - es erwischt mich auch als Fussgänger. Deshalb Helmpflicht für alle Mitbürger?
Zudem ist ein Fahrradhelm auch gar nicht für diese Art Unfälle konstruiert (was der Tod einer guten Bekannten, behelmt unterwegs, vor einigen Jahren leider eindrucksvoll bewiesen hat. :()
Dreckschleuder hat geschrieben:Aufklärung vor Pflicht, aber schadet die?
Die Pflicht wird allerdings oftmals dazu führen, dass das Rad nicht mehr benutzt wird. Man kann darüber lächeln oder sich vor den Kopf schlagen, aber für einen Großteil der Alltagsradlerinnen ist es tatsächlich ein wirtschaftlicher Faktor angesichts der Summen, die die Mädels beim Frisör lassen. Kein Scherz, habe diese Diskussion schon oft genug geführt.

Ich bin froh und dankbar für jede nicht erlittene Gehirnerschütterung, vor der ein Helm mich bewahrt (was schon mehrmals der Fall war) und manches Mal ist der Schutz, den der Helm bietet, ein ausschlaggebender Faktor. Aber die lebensrettende Funktion wird ein Fahrradhelm wohl eher selten übernehmen.

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