RAAM: Interview mit Kati von den German Frauleins + Bilder

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Harterbrocken
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RAAM: Interview mit Kati von den German Frauleins + Bilder

Beitragvon Harterbrocken » 06.10.2014, 12:39

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Interview mit Kati von den German Frauleins
RAAM-Finisher 2014


Lange hat es gedauert, doch nun hatte ich endlich Zeit mit den German Fräuleins über ihr RAAM zu sprechen. Mit Kati habe ich mich zu einem Interview verabredet. Bitte schön:

Wo hängt Deine RAAM-Trophäe?
Die habe ich nicht aufgehängt, weil mein Freund sie nicht mag. Wirklich schön ist das kitschige Stück Holz mit dem Umriss der USA ja auch wirklich nicht.

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Ein kitschiges Stück Holz als Siegertrophäe, war es die Mühen und das Geld wert?
Natürlich war es das wert. Nicht wegen der Trophäe, sondern wegen des gewaltigen Erlebnisses.

Was hat Euch das RAAM gekostet?
Rund 40.000 Euro.

Wie viel Zeit und Ausrüstung braucht man für so ein Unterfangen?
Der Aufwand ist schon gewaltig. Die Planung sollte mindestens eineinhalb Jahre, besser zwei Jahre vorher beginnen für die Zusammenstellung des Teams, Sponsorensuche, Planung und Training. Neben Rennrädern und Ersatzmaterial brauchen RAAM-Teams Pacecar und Wohnmobil.

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Welche Art von Rennrad ist für das RAAM am besten geeignet?
Für Teams ist ein normales Rennrad mit Aeroaufsatz am besten. Ein spezielles Langstreckenrad ist nicht nötig. Wegen des oft kräftigen Seitenwinds sollte man neben Hochprofilfelgen auch normale dabeihaben. Übrigens: Wir hatten auf den 4.860 Kilometern nicht einen Platten. Genau genommen sind es ja fast 20.000 Kilometer insgesamt bei vier Fahrerinnen. Komisch, dass unser Reifensponsor da nicht mehr draus macht.

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Wer war Euer Reifensponsor?
Conti.

Wie war Eure Rennstrategie?
Wir haben zwei Zweierteams gebildet: Je zwei Mädels haben sich während einer Schicht abgewechselt, die anderen beiden im Wohnmobil geruht. Nach acht bis neun Stunden haben wir jeweils die Schichten getauscht. Das hat sich für Viererteams beim RAAM bewährt.

Wie lange sitzt Du denn jeweils im Sattel?
Je nach Gelände 30 bis 90 Minuten. Dann wird gewechselt.

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Du bist das RAAM schon zwei Mal gefinisht: einmal in einem Mixed-Team, das zweite Mal in einem reinen Damenteam. Was macht den Unterschied?
Da Frauen im Radsport noch eher wenig vertreten sind, war es schon etwas Besonderes, als Damenteam anzutreten, noch dazu als das erste rein deutsche Damenteam, was dort je gestartet ist. Auch wurden wir vielleicht von manchen vorher nicht ernst genommen und als „Cappucino-Truppe“ angesehen. Ich denke, Frauen können sich die Strecke und ihre Kräfte besser einteilen. Bei den Männern kommt es schnell zu übermotiviertem Fahrverhalten. So hatte sich im Mixed-Team mein damaliger Partner einige Male zu schnell verausgabt und brauchte dann längere Regenerationsphasen als geplant. Ganz entscheidend ist schließlich, sich nicht zu zerschießen.

Jetzt reicht's! Jetzt geben wir auf. Gab es diesen berühmt-berüchtigten Moment?
Nein, nicht zu finishen war nie eine Option.

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Vier Rennfahrerinnen plus ein siebenköpfiges Team für mehr als zwei Wochen auf engstem Raum, wie geht das gut?
Das ist in der Tat eine der Herausforderungen. Wir haben aber schnell in einen guten Rhythmus gefunden. Klar, es gab auch mal Unstimmigkeiten, die wir aber immer schnell ausräumen konnten.

Wo war für Dich persönlich der Höhe-und Tiefpunkt?
Geographisch ist das bei einer so langen Strecken schwer zu sagen. In den grandiosen Landschaften Arizonas fragst Du Dich oft: Wow, ist das alles wirklich wahr? Andererseits habe ich bei brutaler Hitze, Regen und extremen Seitenwind auch echt gelitten. Leider hatten wir alle im ersten Drittel mit Sitzproblemen zu kämpfen. Die Schmerzen waren zum heulen. Da bist Du froh, nur noch ins Auto zu kommen.

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Wie wichtig war Euch der Wettbewerbsgedanke?
Ganz oben stand zunächst der Teamgedanke und der Wunsch, gemeinsam das Ziel zu erreichen. Dies wollten wir natürlich in einer möglichst guten Zeit zu schaffen. Als wir uns unterwegs ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem zweiten reinen Damenteam aus den USA geliefert haben, kamen auch der Ehrgeiz und das Ziel, zu gewinnen, hinzu, was wir ja auch geschafft haben.

Wann wusstet Ihr, dass Ihr die andere Vierer-Damelstaffel besiegt habt?
Eigentlich erst an der letzten Timestation, also rund 50 Meilen vor dem Ziel. Dort hatten wir rund zwei Stunden Vorsprung und wussten: Das reicht!

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Wie hast Du Deine Gegnerinnen und andere Teilnehmer erlebt?
Weniger als Konkurrenten, eher als Motivatoren. Wir haben uns gegenseitig angefeuert.

Lange war es ein Kopf-an-Kopf-Duell. Macht einen das nervös?
Na klar, wir haben uns ständig gegenseitig überholt, was die Spannung deutlich erhöht. Interessant war, dass die andere Damen-Crew zwei Pacecars einsetzte. Das hat den Vorteil, dass die nachts schneller wechseln konnten.

Warum?
Die Wechsel müssen im Lichtkegel des Pacecars statt finden. Mit nur einem musst Du darum anhalten und verlierst pro Wechsel mindestens drei Minuten. Mit zwei Pacecars indes kannst Du auch bei Dunkelheit fliegend wechseln, also quasi ohne Zeitverlust. Wenn Du das hochrechnest, kommen da schon ein paar Stunden zusammen.

Was nimmst Du mit für den Alltag?
So ein RAAM schult Dich ganz prima für Job und das normale Leben. Zum Beispiel wirst Du richtig gefordert was Projektmanagement angeht. Eigentlich sollte man dafür Bildungsurlaub bekommen (lacht). Von meinen sozialen Kontakten habe ich mich in der Planungsphase quasi verabschiedet. Da bist Du nonstop mit der Orga belegt. Und jeder Menge Höhen und noch mehr Tiefen, ein Rennen vor dem Rennen.

Nach Deinem ersten RAAM in einem Mixed-Team hast Du im Ziel gesagt: Das will ich nochmal. Wie war es dieses Mal?
Anders. Meine Motivation, so ein extremes Sportevent nochmals anzugehen, war auch wieder da. Allerdings darf es gern auch mal eine andere Herausforderung sein, nachdem ich das RAAM nun schon zweimal gemacht habe, da auch der Aufwand einfach riesig ist. Vielleicht später nochmal, denn es ist schon großartig und einzigartig.

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Als Einzelstarterin?
Nein, auf keinen Fall. Das ist nicht mein Ding. Mir ist das Teamerlebnis wichtig.

Kati, was soll nun noch kommen, nach zweimaliger Teilnahme am RAAM?
Och, mir fällt schon was ein.

Aber eine RTF in Winsen an der Luhe muss Dich doch nach diesen Erlebnisse langweilen.
Nee, warum? Kaum zurück aus den USA war ich beim Adler-Marathon in Goslar am Start. Radsport ist vielseitig. Und so eine RTF mit Freunden macht Spaß und kann auch extrem fordernd sein wie z. B. in Goslar oder beim Hattersheim-Marathon im Taunus.

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Helmut
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Beitragvon Helmut » 09.10.2014, 00:11

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Vielen Dank für das Interview Kati und Jörg. Nun sind auch ein paar Bilder zu den Texten zu sehen. Hier kommen von Kati alle ausgewählte

<a target="_blank" href="http://bilder.helmuts-fahrrad-seiten.de ... index.html">>>> 49 Bilder von den German Frauleins beim RAAM <<<</a>.

<img src="http://bilder.helmuts-fahrrad-seiten.de ... 201035.JPG">
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Re: RAAM: Interview mit Kati von den German Frauleins + Bild

Beitragvon Janibal » 09.10.2014, 09:29

Harterbrocken hat geschrieben:Welche Art von Rennrad ist für das RAAM am besten geeignet?
Für Teams ist ein normales Rennrad mit Aeroaufsatz am besten. Ein spezielles Langstreckenrad ist nicht nötig. Wegen des oft kräftigen Seitenwinds sollte man neben Hochprofilfelgen auch normale dabeihaben. Übrigens: Wir hatten auf den 4.860 Kilometern nicht einen Platten. Genau genommen sind es ja fast 20.000 Kilometer insgesamt bei vier Fahrerinnen. Komisch, dass unser Reifensponsor da nicht mehr draus macht.
Sehr gute Pressearbeit, es sind doch ganz normale Menschen die RAAM fahren. Nur bei der Übersetzung scheint der Fehlerteufel mitgemacht zu haben.

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Richtig schönes Bild, noch die Räder wechseln und wir feiern alle mit. Ein Hoch aufs Leben
St. Jan
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Beitragvon Helmut » 26.10.2014, 02:34

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Von den German Frauleins bekam ich ein kleines Bilderbuch von ihrem langen Ritt ins Haus geschickt. Sehr schön gemacht, allerdings hab ich als Admin von HFS so viel mit elektronisch vorliegenden Texte und Bilder zu tun, dass ich kaum dazu komme Bücher und Bildbände hinreichend zu würdigen. Ich werde das Büchlein der Zweiradperle zur Auslage überlassen, damit sich mehr Leute daran werden erfreuen können.
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.

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