3. 1000er Brevet Haid-Glockner-Haid (Bericht + Bilder)

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Helmut
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3. 1000er Brevet Haid-Glockner-Haid (Bericht + Bilder)

Beitragvon Helmut » 19.07.2014, 00:16

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"Angelboot" Hans-Hermann Wulff schrieb:

3. 1000er Brevet Haid-Glockner-Haid
11.-13.07.2014, Teil 1


So, nun sind die tauben Fingerkuppen wieder einigermaßen einsetzbar. Der Rasen ist gemäht und die Hecke geschnitten. Ich bin also wieder unten angekommen. Wie schon in der Vorankündigung geschrieben, werde ich über meine Fahrt durch Österreichs Bergwelt berichten.

Die Idee war mir schon Ende 2013 gekommen. Mir war damals schon klar, das wird wohl meine härteste Reise werden. Aber mit der richtigen Vorbereitung sollte es machbar sein. Aber wie so oft im Leben, es ist nicht immer alles planbar. Zwar konnte ich im Winter die nötigen Grundlagenkilometer fahren, aber so ab Ende März stand das Radtraining hinten an. Mit meiner Partnerin hatten wir uns ein neues Haus gekauft. Nun war vieles andere wichtiger. Erst mussten zwei Haushalte aufgelöst werden. Dann der Umzug. Mein Training bestand aus Möbel schleppen, Gardinen und Lampen anbringen, in Möbelhäusern rum rennen. Ich wurde zum Heimwerker. Radfahrtraining wurde zwischendurch gemacht, ohne System. Mal den Kniepenberg zwei-dreimal hoch. Am Fahrendorfer Berg Intervalle gefahren. Für das, was mich da in Österreich erwartete, einfach nur lächerlich.

Sonst habe ich meine Touren alle immer akribisch vorbereitet. Ich hatte aber einfach keine Zeit. Am Rad wurden nur alle Funktionen überprüft, ohne technische Details zu ändern. Und hier machte ich einen schweren Fehler. Vorne Compact und das Ritzelpaket mit 12/28. Damit kann man diese Steigungen aber nicht konstant fahren. Ich jedenfalls nicht, wie ich feststellen musste.

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Also Rad in diesem Zustand auf den Träger, und ab nach Haid bei Linz. Schon auf der Hinfahrt saß ich meist dösend auf dem Beifahrersitz. In all den Jahren im Extremsport lernt man in seinen Körper hineinzuhören. Ich merkte, da war etwas nicht in Ordnung. In unserem Hotel habe ich dann 8-10 Stunden in jeder Nacht geschlafen. Sonst schlafe ich nie so lange. Sonntag waren wir angereist. Am Dienstag bekam ich dann Probleme mit Magen und Darm. Mir war klar, in dem Zustand wird das nichts. Hoffen war angesagt. Es besserte sich dann wieder und am Donnerstag machte ich eine kleine Ausfahrt, auch über ein paar Hügel. Es lief erstaunlich gut. Also ging es Abends zur Fahrerbesprechung. 49 Fahrer wollten diesen 1000er in Angriff nehmen.

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Wir nahmen ein gemeinsames Essen ein. Klönten etwas, aber dann ging es zurück in unser Hotel. Am Abend wurde dann auf ORF eine Etappe der Österreich-Rundfahrt der Profis übertragen.Es war die Etappe über den Großglockner, zwar die noch schwierigere Auffahrt über Heiligenblut, bei unserem 1000er dann die Abfahrt vom Großglockner. Aber der Reporter nagte mit seinem Kommentar schon an meinem mentalen Gebälk. Dach der Tour. Österreichs höchster Berg. Mythos Großglockner. Den Schnee neben der Straße konnte man auch schon „bewundern“. Meine Freundin schüttelte angstvoll mit dem Kopf, ich ging ins Bett.

Am nächsten Morgen fuhr ich vom Hotel zum Startort. Der Veranstalter hatte ein üppiges Frühstück vorbereitet. An dieser Stelle großen Dank an Ferdinand Jung (Präsident Randonneurs Autriche), und seiner Frau Edith, Robert Jung und alle mir nicht namentlich bekannten Helfer. Eine gut organisierte Veranstaltung. Um kurz vor 5:00 Uhr versammelten sich alle Fahrer für ein Gemeinschaftsfoto. Dann ging es auf die Reise.

Auffallend war, dass viele österreichische Fahrer kein Gepäck am Fahrrad hatten. Sie nutzten wohl die Kontrollstellen, Begleitfahrzeuge waren erlaubt. Man konnte sie an den Kontrollstellen in Anspruch nehmen. Brevetfahren ist eben in jedem Land anders. Ich war mit Lenker- und Sattelstützentasche unterwegs, also mit meiner kompletten „Einbauküche“. Persönlich finde ich auch, so fährt man ein Brevet. Das Gewicht, was ich da über die Berge schleppe, beträgt auch locker 2-3 Kg mehr.

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Die ersten km hatte man schon einige „Schmierer“, wie die Einheimischen sagen, zu überwinden. Kleine „Schmierer“ sind etwa so wie der Kniepenberg. Große „Schmierer“ ähnlich, nur mit längerer Steigung. Nach 70 km erreichte ich den Attersee, fuhr mehrere km an seinem Ufer entlang. Dann ging es zur ersten Kontrolle oberhalb des Wolfgangsees, bis St. Gilgen. Wunderschöne Landschaften.

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Nun wurde es ernst. Bei Stobl begann der Aufstieg auf die Postalm. Ich fuhr locker in den Berg hinein. Meine zwei Begleiter konnten meinem Tempo nicht folgen. Ich denke, ich komme auch gut die Berge hoch. Aber ich merkte schnell, es läuft nicht rund. Die Magen und Darm-Sache hatte ihre Spuren hinterlassen, ich war nicht bei 100 %. Mir war klar, bei den hohen Anforderungen wird es eine schwierige Angelegenheit, bis ins Ziel durchzuhalten.

Oben angekommen, fing es an zu nieseln, die Sicht war schlecht. Auf der Abfahrt zur zweiten Kontrollstelle konnte ich wieder etwas Kraft sammeln. Ich konnte auch gut Essen und Trinken, immer in Maßen, damit mein Magen nicht zu sehr beansprucht wird. Die Fahrt ging weiter auf einer viel befahrenden Bundesstraße direkt durch Bischofshofen. Endlose Kilometer auf dieser Bundesstraße weiter, von PKWs und Lastwagen umgeben. Eine nervige Angelegenheit. Irgendwann ging es endlich auf einer Seitenstraße weiter. Nach 225 km erreichte ich die 3 Kontrolle am Fuß des Großglockner. Ein Kaiserschmarrngericht sollte für die richtige Stärkung sorgen. Bis zur Passhöhe waren jetzt 35 km zu fahren. Zur Mautstelle Ferleiten auf 1.142 Höhe kam ich einigermaßen voran. Dann begannen die schlimmsten 23 km meiner gesamten Radfahrerzeit.

Mein Körper wollte nicht, meine Beine schmerzten, die Übersetzung war nicht bergtauglich. Für diese 23 km habe ich 3 Std. gebraucht. Ich konnte nur in Schlangenlinien fahren, um nicht umzukippen. Das Schlimmste waren aber die Krämpfe die ich durch dieses Hochwürgen bekam. Mehrmals musste ich absteigen, um die Muskulatur zu dehnen und zu lockern. Um bei der Steilheit der Straße aber wieder anzufahren, in die Cleats zu kommen, musste ich quer zur Straße nach links fahren, den zweiten Schuh einklicken, um dann wieder sofort mit schnellen Tritten die rechte Fahrbahnseite zu erreichen.Und das alles zwischen dem noch vorhandenen Verkehr. Ich erspare Euch jetzt weitere Ausführungen meiner Leiden. Irgendwann fuhr ich über die Passhöhe in 2.564 Höhe. Um 19:30 Uhr erreichte ich das etwas tiefer gelegene „Wallackhaus“und bekam meinen 4. Stempel.

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Ich versuchte mich mental und körperlich zu sammeln. Wie schon so oft, half meine große Erfahrung. Es geht immer weiter, es gibt immer einen Weg. Man muss nur wollen. Ich vernaschte 2 Riegel und 2 Bifis. Mir war jämmerlich kalt. Also rauf aufs Rad. Eigentlich geht es jetzt 95 km stetig bergab, mit einigen „Schmierern“ natürlich. Rasende Abfahrt, Serpentinen, hohe Konzentration bei einbrechender Dunkelheit. Auf den ersten Kilometern zitterte ich, was sich auch aufs Rad übertrug. Aber nach einigen Kilometern merkte ich, es geht ein Ruck durch meinen Körper. Ich hatte mich überwunden, den inneren Schweinehund besiegt. Das musste belohnt werden. Ich war mir plötzlich sicher, auch diese Fahrt wird erfolgreich beendet. Die Freude kam zurück. Ich genoss die Kurverei bergabwärts. Um 22:45 Uhr sah ich das Ortsschild von Spittal an der Drau. Nach kurzem Suchen fand ich die Kontrollstelle, hier konnte auch etwas geschlafen werden. 358 km waren gefahren. Erstmal durchatmen.

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Zuletzt geändert von Helmut am 22.07.2014, 00:20, insgesamt 2-mal geändert.
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon Speedmanager » 20.07.2014, 22:21

Hans-Hermann, du hast nen Knall.

Und das ist auch gut so.

Bin mal gespannt auf den zweiten Teil.
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Beitragvon Heimfelder Dirk » 21.07.2014, 08:28

Speedmanager hat geschrieben:Bin mal gespannt auf den zweiten Teil.
Aber wie :GrosseZustimmung: Angelboot spannt uns ganz schön auf die Folter!
Weiß jemand, wo er jetzt wohnt? Ich würde dann mal hinfahren und ihm Rasenmäher und Heckenschere wegnehmen,
damit er weiter schreiben kann :zwinkern:
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Beitragvon Halbrenner » 21.07.2014, 09:27

Von mir aus könnte es auch mit dem zweiten Teil weitergehen. :) Glückwunsch zur bestandenen Prüfung in den Bergen und danke für den Bericht, Angelboot.
Altonaer Bicycle-Club von 1869/80.
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Helmut
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Beitragvon Helmut » 22.07.2014, 00:17

3. 1000er Brevet Haid-Glockner-Haid
11.-13.07.2014, Teil 2


Dringend nötig war es jetzt den Kalorienhaushalt wieder aufzufüllen. Der Veranstalter hatte vorgesorgt. Man konnte sich mit Nudeln stärken. Kette ölen, den Körper etwas reinigen, dann habe ich 2 Std. geschlafen. Um 3:00 Uhr war ich wieder bereit. Ich hatte mir vorgenommen, bis zum Abend bis km 684 zu fahren, all die Eindrücke dieser wunderschönen Landschaft aufzunehmen. Die Anforderungen würden hart werden, aber ich merkte, meine Beine wurden besser. Also gemeinsam mit zwei Österreichern rauf aufs Rad. Wir fuhren 2 Std. in der Dunkelheit Richtung Villach.

An einer Tanke wurde nochmal gefrühstückt, und ein Kaffee weckte die Lebensgeister. Jetzt waren 105 km bis zur nächsten Kontrolle durchzufahren. Es ging nach Rossegg, in der Nähe vom Wörtersee. Eine längere Steigung, die Straße war überall mit Namen und Anfeuerungsrufen beschriftet. Aber es waren leider nicht unsere. Wir fuhren auf der Radstrecke des Ironman Austria. Erinnerungen kamen auf. 2007 hatte ich noch selber den Ironman Austria erfolgreich gefinisht.

Inzwischen war es richtig warm geworden. Ich fuhr allein mein Tempo. Steigungen, Abfahrten, man war immer beschäftigt. Jetzt konnte ich auch alles gut fahren. Spaß an diesen Anstrengungen kam auf. Ziel war Lavamünd an der slowenischen Grenze, am Fuße vom Berg Soboth. In einem Gasthof habe ich mit anderen Fahrern eine warme, stärkende Mahlzeit eingenommen. Diese Stärkung war dringend nötig. Es geht auf eine Höhe von 1.047 Metern in engen Serpentinen hinauf. Der Anstieg hart und schwierig zu fahren, 10 km meist im zweistelligen Prozent Bereich, Spitzen bis 15 Prozent. Ich hatte endlich einigermaßen Bergbeine, konnte diese Hürde zwar nur mit großer Anstrengung, aber gut bewältigen. Aber diese Bergauf und-abfahrt wird auch von vielen Motorradfahrern als kleine Rennstrecke genutzt. In atemraubender Schräglage donnerten sie an uns vorbei.

Leider erwischte uns auf der Bergkuppe wieder ein Regenschauer. Dieser ständige Wetterwechsel machte einen schon zu schaffen. Aber die zweite große Hürde war geschafft. Entlang der slowenischen Grenze ging die Fahrt weiter. Immer bergauf und bergab. Inzwischen war wieder ein sehr warmer Tag angebrochen und ich fuhr durch wunderschöne Landschaft mit Weinbergen und riesigen Hopfenplantagen. Bei der nächsten Kontrolle war ich 607 km gefahren. Noch einmal eine warme Mahlzeit. Mein Radfreund Michael aus Bayern, der schon im Aufbruch begriffen war, empfahl Wiener Schnitzel mit Pommes. Also rein damit.

Die letzten 30 km hatte mein Rad knarrende Geräusche von sich gegeben. Nachdem alles durchgeölt war, entpuppte sich die linke Pedale als der Übeltäter. Bis zur nächsten Schlafmöglichkeit waren es noch 75 km. Wie anspruchsvoll diese Strecke war, kann man daran erkennen, dass ich fast Dreidreiviertel Stunden unterwegs war. Die Ortsschilder waren immer zweisprachig. Jetzt war die ungarische Grenze nicht weit. Um 21:45 erreichte ich bei km 684 die zweite Schlafmöglichkeit. Hier konnte man Duschen. Unter der Dusche fragte ich einen Mitfahrer, wo man sich den Kontrollstempel holen kann. „Den gibt es unten im Dorf in einem Gasthaus“. Selber Schuld, ich hatte das Roadbook nicht richtig gelesen. Also Radhose wieder an, Trikot über, rauf aufs Rad, runter zum Gasthof. Glück im Unglück: Der Wirt bot noch ein Nudelgericht an. Dazu gönnte ich mir dann ein schönes Weizenbier. Man muss die Feste feiern wie sie fallen. Essen ist bei diesen Anstrengungen eine wichtige Sache, sonst steht man diese Fahrten nicht durch. Weizenbier scheint auch gut zu sein. Am nächsten Tag rollte es gut.

Dann versuchte ich etwas Schlaf zu bekommen, aber der Schlaf war nur kurz, ich ruhte mehr. Der Körper war von den Anstrengungen einfach zu aufgedreht. Ich lag auf einer Liege und ließ die letzten zwei Tage Revue passieren. Ich musste schmunzeln. Kann ich über diese Fahrt überhaupt einen Bericht schreiben, einem Aussenstehenden diese Hochs und Tiefs verständlich zu machen? In all den Jahren, die ich nun schon unterwegs war, hatte ich auch still gelitten, auch geflucht, mentale Tiefen überwunden, körperliche Schmerzen ertragen, aber auch sehr schöne und emotionale Momente erlebt. Aber diese Fahrt war für mich schon etwas anderes, was Härte und Überwindung betraf. Trotzdem ein tolles Erlebnis.

Da ich nicht richtig Schlaf finden konnte, stand ich um 3:00 wieder auf und machte mich für die letzten 322 km fertig. Etwas Brot mit Honig, Kaffee, und zwei Stückchen einer cremigen Schokoladentorte waren das Frühstück. Ich hoffte, dass mein Magen diese Mischung meisterte.

Alleine machte ich mich noch in der Dunkelheit auf den Weg. Nach 50 km fuhren vier österreichische Fahrer zu mir auf. Nette Jungs. Gemeinsam fuhren wir den langen Anstieg auf den Berg Wechsel, auf 980 Meter. Ein Anstieg, der durch seine Länge sehr anstrengend zu fahren war. Dann folgte wieder eine rasende Abfahrt. Hier sind die Jungs aus den Bergen die besseren Leute, fahren mit mehr Risiko zu Tal. Ich verlor sie aus den Augen. Unten angekommen ging es sofort mit der Kletterei weiter.

Dann begann für mich einer der schönsten Teile der Strecke. Hinter Gloggnitz fuhr man im Tal der Schwarza gut 40 km stetig bergauf. Ein rauschender Gebirgsbach, tief im engen Tal gelegen. Raftingboote, Wildwasserkanuten. Wunderschöne Blicke konnte ich genießen. In diesen Momenten vergisst man alle Anstrengungen, obwohl das Tal auch Höllental genannt wird. Am Ende dieser Strecke befand sich die 10. Kontrolle. Ein uriges Wirtshaus, mit einem tollem, rustikalem Speiseangebot. Ein Gulasch mit Kasnudeln, und ein leckeres alkoholfreies Weizen habe ich hier genossen. 789 km waren zurückgelegt.

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Nun mussten nochmal zwei richtige Anstiege bis Mariazell hinauf bewältigt werden. Zwischen den beiden Anstiegen ging es dann wieder in eine schöne Serpentinenabfahrt. Es hätte alles so schön werden können. Aber so 20 km vor Mariazell erwischte uns ein Platzregen. Autos und Motorräder standen an der Seite. Aber zusammen mit einem anderen Fahrer trotzte ich diesem Unwetter. Selbst meine sonst so dichte, so gute Wetterjacke von Odlo war den Massen auch nicht gewachsen. Wir waren bis auf die Haut durchnässt und froren erbärmlich. Mit letzter Kraft erreichten wir Mariazell. In einem Hotel befand sich die 11. Kontrolle bei km 841. Mein Mitfahrer Michael aus Bayern war kurz vorher eingetroffen. Er saß frierend im Gastraum, um ihn herum wischte eine Bedienung das Wasser auf.

Wir beratschlagten, in welcher Kleidung wir weiterfahren sollten. Nach 30 Minuten schien draußen wieder die Sonne. So rustikal es sich vielleicht anhört. Wir entschieden uns, die Klamotten trockenzufahren. Das Wetter besserte sich zusehends. Es wurde ein schöner Sommernachmittag mit Sonnenschein bis zum Abend. Die nächsten 100 km waren auch wieder zum genießen. Es ging durch die sogenannten Wildalpen. Meist immer am Ufer der Salza entlang durch eine fantastische Landschaft. Nach fast 900 km meldete uns unserer Körper natürlich jede Anstrengung. Immer wieder waren kleine und große Rampen zu überwinden. Die Straßentunneldurchfahrten waren für Radfahrer oft gesperrt. An den Seiten führten Radwege vorbei. Auf manchmal sehr schlechtem Straßenbelag wurden wir kräftig durchgeschüttelt. Nach 60 Stunden Fahrt war das nicht immer eine Freude. Aber das Ziel rückte ja mit jedem Tritt näher. Die 12. und letzte Kontrolle bei km 950. Noch einmal Flaschen auffüllen, eine Kleinigkeit essen.

Die Fahrt ging am Ufer der Enns weiter. Alles jetzt schön flach. Ein traumhafter Abend kündigte sich an. Aber bei km 970 wurde es noch einmal ernst. Ein Höhenzug mit richtigen Rampen musste überquert werden. Jetzt hieß es noch einmal alles geben. Dem Körper wurde noch einmal alles abverlangt. Aber irgendwann war auch das vorbei. Jetzt ging es überwiegend abwärts, dem Ziel entgegen.

Nach 1.006 km war ich im Ziel. Reine Fahrzeit waren 46:47:00 Stunden. 64:35:00 Stunden war ich insgesamt unterwegs. Im Ziel wurde ich von meiner Freundin in den Arm genommen, ein schöner Moment. Vom Veranstalter, Ferdinand Jung, gab es Glückwünsche und einen wunderschönen glasartigen Pokal zur Erinnerung.

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Ich war für einen Flachländer mit diesen Höhenmetern einen guten Brevet gefahren. Es war für mich anstrengend. Durch die nicht so gute Vorbereitung und meinen Magen-Darm Problemen, die mich zwei Tage nach der Fahrt noch einmal voll erwischten, war ich nicht so ganz im vollen Besitz meiner Kräfte. Trotzdem.Ich bin stolz darauf, auch diese Herausforderung gemeistert zu haben. Danke Ferdinand, allen Helfern und Mitfahrern. Alle haben großartiges geleistet.

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Hier kommen meine
 
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Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon Helmut » 22.07.2014, 00:24

Helmut hat geschrieben:Mit letzter Kraft erreichten wir Mariazell. In einem Hotel befand sich die 11. Kontrolle bei km 841. Mein Mitfahrer Michael aus Bayern war kurz vorher eingetroffen. Er saß frierend im Gastraum, um ihn herum wischte eine Bedienung das Wasser auf.
:Tanzen:

Auch der Google-Bot ist von Angelboots Bericht hier anscheinend begeistert.

https://www.google.de/webhp?sourceid=ch ... ckner-Haid+
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon Heimfelder Dirk » 22.07.2014, 07:10

:Kopfüberklatschen: :Kopfüberklatschen: :Kopfüberklatschen:
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Beitragvon Skaterwaage » 22.07.2014, 07:30

:GrosseZustimmung: :GrosseZustimmung: :GrosseZustimmung:

Pokalhoch Pokalhoch Pokalhoch

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Beitragvon Johanna » 22.07.2014, 08:49

Immer wenn ich eure Langstreckenberichte so lese, denke ich, dass die Qual zum Genuss dazugehört?

Schön geschriebener Bericht, Angelboot. Danke fürs Mitnehmen durch landschaftliche und mentale Höhen und Tiefen.

Und Glückwunsch zur bestandenen Prüfung. ;)

Anneke
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Beitragvon mad.mat » 22.07.2014, 21:22

Skaterwaage hat geschrieben::GrosseZustimmung: :GrosseZustimmung: :GrosseZustimmung:

Pokalhoch Pokalhoch Pokalhoch
JO!
Wir sehen uns da oben, Tschüss Helmut
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