Rundfahrt durchs Ruhrgebiet - Jan. im Emschertal '13 (B.+B.)

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Con-Rad
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Rundfahrt durchs Ruhrgebiet - Jan. im Emschertal '13 (B.+B.)

Beitragvon Con-Rad » 12.03.2013, 10:02

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<b>Januar im Emschertal
Radrunde durch das Ruhrgebiet</b>


Emschertal? Emschergebiet, so müsste das Ruhrgebiet eigentlich heißen, denn begrenzt wird der einstige Kohlenpott im Süden von der Ruhr als einstige Keimzelle und im Norden von der Lippe. Mitten hindurch fließt die Emscher, massakriert und kanalisiert von der umgebenden Industrie. Januar, Nieselregen, der Himmel bleiern, kontrastlos grau., Herne, geometrischer Mittelpunkt des Ruhrgebiets. Im Auto ein Cross-Rad. Was tun? In der Nähe verläuft der Rhein-Herne Kanal. Ein wenig am Ufer entlang radeln? Einen Versuch könnte es wert sein.

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Also, warm einpacken und losrollen. Über eine Bahnlinie und eine Autobahn, bezeichnenderweise Emscher Schnellweg genannt. Der Weg zum Kanal führt gleich an Schloss Bladenhorst vorbei, mitten in einem Sumpfgebiet, direkt am Kanal. Im dichten, nebligen Wald scheint die Backsteinburg inmitten ihrer breiten Wassergräben geheimnisvoll, verwunschen. Besonders das alte gotische Torhaus versetzt in eine Sagenwelt. Wo bin ich? In einer Industrie-Zone?

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Ich überquere eine Kanalbrücke und folge dem Weg direkt am Kanal entlang nach Osten. Leider geht das nicht lange so, dann versperrt eine Baustelle die Weiterfahrt. Das heißt zurück und nach Norden ans Ufer der Emscher wechseln. Die Emscher ist ein sehr unromantischer Wasserlauf mit hohen, kanalartigen Böschungen der weitgehend parallel zum Kanal verläuft. Der einstmals fischreichste Fluss Deutschlands wurde mit der Industrialisierung zum stinkenden Abwasserkanal umgebaut. Heute stinkt er nicht mehr, aber der kanalartige Ausbau steht in krassem Widerspruch zur bäuerlichen Landschaft um mich herum.

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Langsam begreife ich die Ausschilderungen. Es gibt eine Route der Kultur als Radweg und einen Inselwanderweg. Beide leiten mich ostwärts zu einem Industriedenkmal der besonderen Art, dem alten Schiffshebewerk in Henrichenburg. Das Technikwunderwerk aus Wilhelminischer Zeit (1914) konnte ein ganzes Wasserbecken mitsamt einem Frachtschiff von dem niedrigen Niveau des Rhein-Herne-Kanals auf höhere des Dortmund-Seiten-Kanals heben. Da die mächtigen Schwimmer unter den Stelzen die gewaltige Masse des Wasserbeckens im Gleichgewicht hielten und die transportieren Kähne aufgrund der Gesetze der Verdrängung keinen Gewichtsunterschied darstellten, konnte die gigantische Konstruktion von relativ kleinen Maschinen getrieben auf und ab schwimmen.

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Dadurch wurde die Höhe, die sonst mehrere Schleusen erfordert hätte, in einem Schwubs überwunden. In der Umgebung gibt es noch ein neues Schiffshebewerk, da später die Schiffe größer wurden nebst mehreren alten und neuen Schleusen. Sie stammen aus einer Zeit, als der Kanal die Hauptschlagader des Ruhrgebietes war. Davon ist heute nur noch eine in Schleuse in Betrieb, weil der Verkehr Richtung Dortmund stark geschrumpft ist. Im Sommer scheint das eine Attraktion zu sein, wie sich aus Shop, Führungen und Eintrittspreisen schließen lässt.

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Aber mich zieht es zurück, um den Kanal westwärts zu erkunden. Das rollt jetzt richtig flott, weil alles flach und menschenleer ist. Vorbei an Industrieanlagen und offener Natur. Neben einer Brücke bemerke ich einige verschlungene Buchenhecken. Ein Labyrinth? Später lese ich, dass hier einst Schloss Henrichenburg stand. Für einige Abschnitte begleitet man Frachtschiffe, die in der gleichen Richtung unterwegs sind. Oft aus Dortrecht oder Nimwegen, meist mit Autos mit gelben oder polnischen Nummernschildern huckepack.

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An der Schleuse Herne empfehlen die Wegweiser die andere Kanalseite. Immer wieder versperren Industrieanlagen, Jachthäfen oder auch Ruderklubs das Weiterkommen und zwingen zum Wechsel ans andere Ufer. Aber es ist alles gut ausgeschildert. Andere Radwegweiser locken mit Zielen der näheren Umgebung. Zum Beispiel Schloss Strünkede, eine der vielen schönen Wasserburgen an der Grenz zum Münsterland. Hier beginnt ein Abschnitt mit Industrie und Kraftwerken, die sich am Kanal aneinanderreihen. Es wird tatsächlich noch Kohle (aus Australien oder Süd-Afrika?) für das riesige Kraftwerk verladen. Am Ufer kommt man problemlos unter Autobahn und Bahngleisen hindurch. Einige Brücken weiter, muss ich wieder das Ufer wechseln.

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Die ausgeschilderte Route lenkt vom Kanal weg nach Norden, zur Halde Hohewart. Sie ist schon von weitem sehen. Ein breiter Tafelberg mit zwei gewaltigen, ineinander verschlungenen Fahrradfelgen obendrauf. Ich folge den Hinweisschildern und muss über eine Drachenbrücke. Man bewegt sich durch den Drachenlaib und passiert den langen Hals mit dem Feuer speienden Kopf. Ich kann sie ohne Kampf überwinden. Aber dann folgt die Herausforderung. Gepflasterte Wege führen extrem steil bergauf. Die Steigung erfordert sehr die kleinste Übersetzung und die Spitzkehren sind fahrradfeindlich spitz. Nach 90 Höhenmetern gelangt man auf ein großes, kreisrundes Plateau mit einem von einer Kugel gekrönten Obelisken: Die größte Sonnenuhr de Welt, aber auch eine wunderbare Plattform um im Kreis zu fahren. Nur um mich zu überzeugen, dass alles funktioniert, lugt kurz die Sonne hervor und bestätigt die Winterzeit meiner Uhr nicht ganz. Es wird Ortszeit, nicht Mitteleuropäisch angezeigt.

Die Aussicht ist umwerfend. Unter mir liegt die Halde Hoppenbruch. Zusammen schaffen die beiden Halden einen weiteren Superlativ: Sie bilden das größte Landschaftsbauwerk der Welt. Weiter kurbele ich schnaufend steil bergauf. Vor mir ragen die beiden gigantischen Felgen in den Himmel. Diese Ebene ist nun 152 m hoch, nur knapp geschlagen vom Wilseder Berg, der aus 300 km Entfernung 10m herabschaut. Allerdings verhält sich die Höhe über Niveau etwa 100 m : 30 m. Aber da sind noch diese merkwürdigen Ringantennen, die sich über einem kreisförmigen Platz erheben und locker die 200m durchbrechen. Sie outen sich bei näherer Betrachtung als Observatorium. Die Plattform ist wegen Reparaturarbeiten abgesperrt, aber mit etwas Frechheit gelange ich hinein. In der Mitte der Ebene steht man etwas vertieft, also mit den Augen genau auf Höhe des Plateaus. Ein Rohr an den Schnittpunkten der Ringe hilft, die genaue Mitte zur Peilung zu finden. Der obere Ring verläuft über dem Längenmeridian, also genau in Nord-Süd Richtung. Der Liegende zeigt die Sonnenbahn bei Tag/ Nacht Gleiche, verläuft also parallel zum Äquator. Nachts helfen glimmende Punkte auf den Ringen bei der Zuordnung der Sterne. Verschieden Peilpunkte markieren Sonnenaufgang und Sonnenuntergang zu den Sonnenwenden und erzeugen bei freiem Himmel interessante Lichteffekte. Ich bin restlos begeistert. Das Stonehenge des Reviers sozusagen.

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Erst jetzt werde ich auf den riesigen Schornstein eines Kraftwerks im Osten aufmerksam. Mit Daumenpeilung schätze ich die Höhe auf 300 m. Unglaublich. Später lese ich nach: Schlot: 300 m, Kühlturm 130 m, Kesselhaus 110 m. Von hier oben wirkt das noch höher als von unten. Für die Abfahrt nehme ich die flachere Straße und kann bei der Runde um die Halde noch einmal die dramatische Aussicht genießen. Der Mont Ventoux des Ruhrgebiets! Unten treffe ich auf den Eingang zu einem Bahn-Tunnel mitten durch die Halde. Es wird noch daran gewerkelt, um ihn irgendwann für Besucher öffnen zu können.

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Ich folge unplanmäßig dem Hinweisschild „Schloss Herten“ und finde eine Wasserburg inmitten eines englischen Landschaftsparks. Mir war bisher nicht bewusst, wie viele romantische Wasserburgen das Ruhrgebiet bewahrt hat.

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Zurück zum Kanal? Das ist nicht so einfach, denn vorher passiere ich noch die Halde Hoppenbruch. Diese Halde ist als MTB-Revier ausgebaut.

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Es gibt Hindernisse und verschiedene Runden. Sie ist Schauplatz vieler Wettkämpfe und sogar einer Weltmeisterschaft gewesen. Da muss ich noch schnell rauf. Es wird wieder steil, aber diesmal sind die Wege unbefestigt. Neben der breiteren Straße sieht man unzählige abenteuerliche Trails mit Hindernissen, kleinen Sprungschanzen und halsbrecherischen steilen Abfahrten. Oben komme ich zuerst auf einem Nebengipfel an, der den Geländerädern vorbehalten scheint. Auf dem anderen Gipfel steht ein größeres Windrad und einige Skulpturen zum Thema Wind. Alles aus dem üblichen Edelstahl und wenig überzeugend.

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Die Rückfahrt zum Kanal ist besonders schön, da sie durch einen Naturschutzpark führt, mit Seen und Beobachtungsbalkons. Zurück am Kanal wechsele ich an der Schleuse Wanne-Eickel wieder ans Südufer und befinde mich auf dem Platz der Cranger Kirmes. Eins der größten Volksfeste Deutschlands. Am Ufer kommt man mit dem Rad hervorragend vorwärts, aber ein paar km weiter muss ich wegen einer Baustelle wieder über eine bunte Fußgängerbrücke ans andere Ufer. Die alte Zecke Unser Fritz, die hier erhalten blieb, wurde dank einer Stiftung schon 1964 zur Künstlerzeche, wo Künstler wohnen und arbeiten können.

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Einige Minuten weiter westlich gelange ich an eine abenteuerliche Brückenkonstruktion: Die Grimsberger Schwinge. Ein schräg stehender Mast hält in ausgefuchster Statik mit dünnen Stahlseilen die geschwungene, frei schwebende Brücke. Bei der Fahrt darüber vergisst man besser, wie das von unten aussieht.

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Jetzt steht eine Entscheidung an. Die ausgeschilderte Weiterfahrt entlang des Kanals zum Sternpark und zur Schurrenbachhalde würde die Fahrt zu einer Ganztagesunternehmung ausweiten. Die Abzweigung nordwärts über die Erzbahntrasse zur Jahrhunderthalle könnte mich termingerecht zurückbringen. Ein Griff zum Handy, alles klar, ich darf weiterfahren.

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Der Sternpark ist das ehemalige Gelände der Zeche Stern, das nach der Schließung zur Bundesgartenschau umgebaut wurde, wovon noch einige ungewöhnliche Brücken zeugen. Es gibt eine lange Mauer entlang des Kanalufers, als Freiluftgalerie umfunktioniert, einige kleine Halden und einen schönen Park um einige Gebäude herum. Direkt in das Kanalufer geschmiegt bietet ein Theater mit Inselbühne die Kulisse für ein jährliches Rock-Festival. Der Zechenturm wurde mit einigen gläsernen Etagen aufgestockt und der Herkules von Lüpperts draufgestellt. So erreicht man eine Höhe von über 100 Metern.

Ich wechsle auf das Südufer und werde wieder mit Alternativen gequält. Erst einmal muss ich auf die Schurrenbachhalde. Der Schurrenbach wurde in den 70ern einfach zugekippt und jetzt quäle ich mich dieses Monument hinauf. Oben findet man sich auf einer riesigen, leicht welligen, schwarzen Schlackefläche wieder. Im Gegensatz zu den bewaldeten Hängen wächst hier oben kein einziges grünes Hälmchen. Der bekannte amerikanische Bildhauer Richard Serra, rammte in die Mitte der einsamen Fläche seine gewaltige „Bramme“ aus Stahl in das Plateau. „Für das Ruhrgebiet“, fast 15 m hoch und 4 m breit. Was könnte dieses Industriegebiet besser symbolisieren? Dumm nur, dass so ein Koloss 1998 in Deutschland nicht mehr gewalzt werden konnte und so aus Frankreich geliefert wurde. Der Ort ist magisch, einsam, völlig der Welt enthoben. Von hier oben lassen sich besonders gut die anderen Halden entdecken und bestimmen. Im Nordwesten die Tetraeda-Halde, (in 10 km Entfernung für heute zu weit) dahinter die Halde Haniel, die Doppelspitze vom Rungenberg, im Süden der charakteristische Gipfel der Halde Rheinelbe. Auf der Abfahrt entdecke ich ein Biotop mit einem mondförmigen See, etwas für den Sommer.

Auf einer als Radweg ausgebauten Bahntrasse radelt man nun südwärts stetig bergauf zur Zeche Zollverein (Weltkulturerbe). Viele der Industriebauten und Zechen aus dem Anfang des 20. Jh. sind historisierend, also rittertümlich oder im Renaissance - Stil gebaut. Dagegen ist die Z. Zollverein eine echte Designerzeche aus den 30er Jahren. Klare Strukturen, beeindruckende Schlichtheit. Das Gelände mit Ausstellungen und Aktionen lohnt einen Besuch. Ich nutze den Kiosk im Innern zu einem kleinen Imbiss. Von einer vorbeiziehenden Führung schnappe ich auf, dass das gesamte Gelände durch den Bergbau um 20 m abgesackt ist. 20 m? Das entspricht etwa der Höhe des Gebäudes unter dem Förderturm. Unvorstellbar. Mit dem Rad an der Hand muss heute ein kurzer Eindruck reichen.

Also weiter Richtung Jahrhunderthalle. Allein der Name macht mich neugierig. Am Weg liegt vorher noch die Halde Rheinelbe. Insgesamt weniger beeindruckend, wenn nicht oben ein vulkanartiger Kegel mit einem großen Monument aus Zechentrümmern thronen würde.. Himmelstreppe nannte der Künstler Prigann sein Werk.. Aufgestockt wurde die Halde mit den Wurzeln von 1871 um 1999 anlässlich einer Industrieausstellung. Diesmal reicht ein Blick im Vorbeifahren. Sie gehört zu den ältesten Halden (1851). Und zu den warmen. Im Innern haben sich die Kohlereste entzündet und die Verbrennung erreicht 500°C.

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Die Trasse schwenkt Östlich und trifft auf die Erzbahntrasse , der ich nun wieder südwärts folge. Diese steigt wieder stetig an, schwingt sich an Halden und Wohngebieten vorbei über Eisenbahnen, Autobahnen, beschaulichen Tälern und Siedlungen. Es wechseln sich steile Dämme mit langen Stelzenbrücken ab. Weiter zur Jahrhunderthalle. In einem weiten Park gelegen, werde ich aus diesem Bauwerk zunächst nicht schlau. Einfach ein zur Veranstaltungszwecken umgebauter Industriebau? Aber warum Jahrhunderthalle? Später lese ich, dass diese Anlage anlässlich einer Industrieausstellung errichtet wurde. Weiter, weiter!

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Inzwischen wird die Trasse von Joggern, langsamen Radlern und Spaziergängern bevölkert. Außerdem wird das Vorwärtsstreben zu einem Hundeslalom. Die Leute sind alle sehr gemütlich und ich sehe mich als irren Hektiker aus Hamburg. Schließlich finde ich den Abzweig zum Emscherpark-Radweg. Die Wegführung irrt nun ostwärts, jeden Park ausnutzend und mit erstaunlich wenig Straßen und Ampeln. Richtig schön. Auf einer Abfahrt Wundere ich mich über ein mächtiges, Burgartiges Backsteingebäude. Es ist die Zeche Hannover.

Der Weg schlängelt sich weiter durch ein kleines Tal mit vielen Teichen, unterquert Bahngleise, überquert Autobahnen bevor nach einer Spitzkehre ein wirklich steiler Anstieg wartet. Ich muss noch einmal im kleinsten Gang Anlauf nehmen um das zu schaffen.
Nach einem Höhenzug, einem Ausläufer des Ardey– Gebirges, entdecke ich wieder die charakteristische Wölbung einer Halde. Nach einer kleinen Bergeinheit erreiche ich das Gipfelkreuz, ein liegendes, umgeben von einigen Informationstafeln mit Gucklöchern. Immerhin bin ich wieder 150 m hoch. Ein herrlicher Ausblick und am Horizont die mächtige Halde Hoheward auf Augenhöhe. Ich bin auf dem Tippelsberg. Von hier aus bewarf sich der Riese Tippulus mit dem Riesen Haardt bei Haltern mit Dreck und Steinen, bis diese Anhöhen entstanden. Hier kam in den 80ern noch der Abraum der U-Bahnlinie Herne-Bochum dazu.

Langsam muss ich ein Ende finden. Obwohl die Strecke gut ausgeschildert ist, weiß ich doch nie genau, wo ich eigentlich bin. Nach einigem hin und her lande ich wieder an einer Zeche. Wunderschön symmetrisch mit zwei Fördertürmen angelegt. Historischer Stil, beeindruckend gestaltet. Es gehört auch eine Zechensiedlung dazu und viele stilvolle Nebengebäude. Zechenneubauten am Beginn des 20. Jh. waren auch Prestigeprojekte, die soziale Einstellung und Fürsorge für die Arbeitskräfte zeigten. Es ist die Zeche Zollern, heute nur noch Museum.

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Wenige Kilometer weiter entdecke ich noch einen merkwürdigen Aussichtspunkt, hier auch Landmarken genannt. „Luftkurort Schwerin“ steht selbstironisch auf dem Ortsschild. Oben auf der Rampe ein großer, orangefarbener Ring mit unergründlicher künstlerischer Bedeutung.

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Der Wegweiser schlägt 16 km bis zum Schiffshebewerk vor, aber ich weiche von der Strecke ab, da ich schon in Dortmund Bodelschwing bin. Ich suche das gleichnamige Schloss. Dazu überquere ich die Autobahn 45 (Sauerlandlinie) und finde eine „Schlossstraße“. Alles Privat, Durchgang verboten! Ich will doch nur einen Blick auf das Schloss werfen, aber ein „Burgvogt“ verweigert eisern den Durchlass.

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Zurück zur Hauptstraße und hinten 'rum. So richtig kommt man aber nicht 'ran aber es reicht für Fotos über den See. Vorburg und Nebengebäude sind mit Wohnungen, Reitställen und Büros ausgebaut. Das Schloss steht seit dem 13. Jh. auf Eichenpfählen inmitten eines Sees und der liegt inmitten eines englischen Landschaftsparks aus dem 19. Jh. Wunderschön und unnahbar.

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Ich muss zurück, habe mir zuviel vorgenommen. Aber an der Halde Schwerin (ca. 150m) komme ich nicht so einfach vorbei. Auf dem Gipfel eine Sonnenuhr, diesmal mit Stahlstangen, Treppen, alles schön angelegt. Die Aussicht ist wieder super. Ich sehe vor mir den merkwürdigen Hammerkopfturm und in der Ferne wieder bereits vertraute Halden und Kraftwerke. Die Zeit drängt und die Abfahrt ist vereist.

Auf der Abfahrt nach Castrop herunter erreiche ich 70 km/h. Kurz bevor ich unten vor einer Ampel stoppen muß, erhasche ich noch einen Blick auf das Schloss Goldschmieding. Von der Ehemaligen Wasserburg ist nur noch ein Fragment übrig, umgeben von remisenartigen Hotelflügeln.

Nach passieren der Innenstadt gelange ich an der Grenze zu Herne wieder auf ein altes, kreuzförmig angelegtes Zechengelände von dem nur noch ein hoher Förderturm inmitten einiger Dämme und Stützen für die Lorenbahnen übrig ist. Ich bin fast wieder an meinem Ausgangspunkt und damit am Ende meiner Runde. Insgesamt bin ich beeindruckt von der Kulisse des Ruhrgebietes, das ich ja eigentlich gut kenne, aber als Rad-Revier bisher ausgeklammert hatte. Rennradrunden mit gleichmäßigem Tempo und ohne Ampeln sind hier schwierig zu finden, aber mit dem Cross-Rad eröffnen sich dem aufgeschlossenen Entdecker überraschende Möglichkeiten. Da ich des öfteren dorthin muss, werde ich auch weiterhin meinem Forscherdrang nachgeben. Die Fotos habe ich auf mehreren Touren an verschiedenen Tagen geschossen.

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Wer Lust verspürt und die Gelegenheit hat auch einmal hier zu radeln, sollte sich nicht zu viel vornehmen und sich auf einen Themenbereich beschränken. Schlösser, Zechen, Halden, Kanal. Jedes dieser Themen ist in der Lage völlig auszufüllen.
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Beitragvon Helmut » 31.03.2013, 01:40

So, nun hab ich mir die Mühe gemacht (es war wirklich eine, bei den verwirrenden Namen der Bilder und deren Bildfolge sowie einem laaangen Text), den Bericht mit Con-Rads Bildern zu illustrieren. Das war es mir wert.

@ Con-Rad: Danke für den Bericht und die Bilder.
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon Mirco » 31.03.2013, 10:27

Na, dass beweist doch mal wieder, dass das Ruhrgebiet auch schön sein kann und auch ist. Letzteres haben wir bei so einigen CTF auch feststellen können. Es gibt dort wirklich schöne Waldtrails, Wirtschaftswege und an den Halden kann man dann seine Kletterqualitäten testen. Teilweise geht es dort mit 10-12% zur Sache und hin und wieder mal ein Kohlekraftwerk als Hintergrundkulisse ist auch ganz nett anzusehen.

;-)
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Beitragvon michel66 » 05.04.2013, 23:23

Toller Bericht aus der Nähe meiner Heimat. ;-) Da bin auch schon überall gewesen. Am Niederrheinstadion von Oberhausen oder dem Gasometer bist du aber nicht vorbei gekommen? Die Strecke Richtung Rhein ist auch empfehlenswert. Am Emscherradweg gibt es eine Halde mit dem Tetraeder Aussichtsturm mit tollem Blick über die Gegend. Irgendein RTF führt dort auch längs. Habe mal Ausschilderungen gesehen.
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Tetraeder

Beitragvon Con-Rad » 06.04.2013, 13:20

Ja, Oberhausen ist für mich etwas weit, aber meine nächsten Fahrten werden auch dort hin führen, bis nach Ruhrort, wo Vorfahren Reeder waren. Die Thetraeder-Halde (Halde an der Beckstraße), wird mein nächstes Ziel. Dafür brauche ich aber mindestens 4 Std.
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Beitragvon olaf » 06.04.2013, 14:22

<a href="https://picasaweb.google.com/lh/photo/G ... site"><img src="https://lh6.googleusercontent.com/-PVl5 ... CT0026.JPG" height="480" width="640" /></a>

Abstecher in den Landschaftspark Duisburg-Nord nicht vergessen ;)
Das ist Industriekultur pur ;)

Viele Grüße aus dem Pott
Olaf

P.S. Wunderschöner Bericht (und schon mein Favorit für den nächsten HFS-Bambi) :P
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Beitragvon Con-Rad » 06.04.2013, 15:43

@Olaf: Super Foto! Wie bekommt Ihr die ohne Helmut's Hilfe nur auf die Seite? Bei mir klappt das nie.

Bambi: Bis zum Herbst ist das längst vergessen. Ich hatte zu dieser Zeit im letzten Jahr einen interessanten Beitrag, dachte, daran kommen sie nicht vorbei. Er wurde nicht mal vorgeschlagen. H's Bambi ist in dieser Hinsicht nicht besser zu bewerten, als das Vorbild.
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Beitragvon Helmut » 06.04.2013, 23:18

Con-Rad hat geschrieben:Ich hatte zu dieser Zeit im letzten Jahr einen interessanten Beitrag, dachte, daran kommen sie nicht vorbei. Er wurde nicht mal vorgeschlagen. H's Bambi ist in dieser Hinsicht nicht besser zu bewerten, als das Vorbild.
Ja, so kann es kommen. Jury-Entscheidungen sind immer nicht gerecht. Die Jury der HFS-Bambis hatte seine Wahl aus geschätzt 250 Beiträgen zu treffen. Nicht jedes Jury-Mitglied hatte alle Beiträge gelesen. Und nicht jeden gelesenen Beitrag hat man nach Monaten noch präsent.

Wer ursprünglich nominiert war, weiß nur die Jury. Als nominiert bekanntgegeben wurden nur die Beiträge, welche eines der Jury-Mitglieder als Gewinner-Kandidat angesehen hatte - das insgesamt nur ca. die Hälfte -, aus denen wir uns dann auf die Gewinner einigten. Ich hätte gern alle Nominierungen im Web veröffentlicht, wurde aber überstimmt.

Übrigens: Wir suchen noch Leute, die sich der Aufgabe und der ihr entgegen gebrachten Kritik gewachsen sehen.
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon Con-Rad » 07.04.2013, 09:21

Lieber Helmut,

Dein Bambi ist sicher außerordentlich verdienstvoll. Ich möchte auch keine Debatte darüber lostreten, am wenigsten an dieser Stelle. Ich habe unmittelbaren Einblick in andere solcher Gremien und es läuft meistens ähnlich. Daher darf sich niemand wundern, wenn ein eher schwacher Beitrag gewinnt, dessen Autor mit einem Jury-Mitglied befreundet ist. Meist ist es für die anderen Beisitzer unmöglich, das zu verhindern.

Deshalb kann es nur heißen: Den Anlaß genießen, sich feiern, das Ergebnis nicht zu ernst nehmen und sich mitfreuen. Weiter so!
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Re: Tetraeder

Beitragvon michel66 » 07.04.2013, 22:50

Con-Rad hat geschrieben:Ja, Oberhausen ist für mich etwas weit, aber meine nächsten Fahrten werden auch dort hin führen, bis nach Ruhrort, wo Vorfahren Reeder waren. Die Thetraeder-Halde (Halde an der Beckstraße), wird mein nächstes Ziel. Dafür brauche ich aber mindestens 4 Std.
Die Route von der "1000 Feuer Tour" eignet sich besonders gut dafür. Da kommst du an all den Sehenswürdigkeiten vorbei. Auch in Duisburg. Die bin ich vor zwei Jahren mal gefahren.
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Beitragvon Con-Rad » 08.04.2013, 00:36

Ja, teilweise bin ich auch diese Strecken ja schon gefahren und viele dieser Wege radeln sich erstaunlich flüssig und abgekoppelt vom Autoverkehr. Einen landschaftlich schönen Teil an der Ruhr entlang beschrieb ich ja bereits im Herbst, ich glaube im November. Besonders interessiert mich allerdings, dass im 4. Abschnitt erwähnte Binnenschifffahrtsmuseum Duisburg. In dem ehemaligen Schwimmbad hat meine Mutter (94) als Kind schwimmen gelernt.

Gewarnt wurde ich aber vor Wochenenden mit schönem Wetter. Dann sollen sich vor Brücken und Schleusen regelrechte Radler-Staus bilden. Dagegen sind aber sicher nicht alle so allergisch wie ich.
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Beitragvon olaf » 08.04.2013, 20:14

Con-Rad hat geschrieben:Gewarnt wurde ich aber vor Wochenenden mit schönem Wetter. Dann sollen sich vor Brücken und Schleusen regelrechte Radler-Staus bilden. Dagegen sind aber sicher nicht alle so allergisch wie ich.
Ganz so schlimm es ist dann doch nicht. NehNeh Klar sind so Ecken wie der Baldeneysee oder auch die Wege an der Ruhr recht voll. Aber Staus an Brücken und Schleusen habe ich noch nie erlebt. Selbst nicht an den Tagen, wo wirklich alles auf den Füssen, Rädern, Rollen unterwegs ist.

Da dürfte es in Hamburg an der Alster oder Elbe noch wesentlich extremer sein. Hier verläuft sich das halt etwas mehr durch die Größe NRWs. ;)

Gruß aus DU

Olaf

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