Rennradfahren im Meraner Land (Bericht + Bilder)

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michel66
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Rennradfahren im Meraner Land (Bericht + Bilder)

Beitragvon michel66 » 12.06.2012, 20:55

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<b>Rennradfahren im Meraner Land
Mein erster echter Pass :D</b>

Auch im diesem Jahr absolvierten zu Saisonbeginn einige unserer Radler und Radlerinnen vom RSC Hamburg-City ihre individuellen Traininglager. Wie immer waren die Reiseziele Italien (Abruzzen) und die Radfahrerinsel Nr. 1 Mallorca ganz vorne mit dabei. Mich zog es nach sozusagen „heimischem“ Traininglager im April (als Grundlage dienten die Tipps und Trainingspläne der Zeitschrift „Tour“, Ausgabe 04/2012) und kurzem zeitlichen Abstand für weitere Grundlagenkilometer, in die Bergwelt, genauer gesagt nach Südtirol in die Gegend um Meran. Im Mai eine mit ihren frühsommerlichen Temperaturen und generell mediterranem Klima hervorragende Urlaubsregion, nicht nur zum Radfahren. Dicke Beine und mit Muskelkater befallene Körperteile finden bei ausgleichenden Wanderungen auf und in den umliegenden Bergen schnell Erholung. Den Rest erledigen die gut gemeinten Portionen der Südtiroler Küche und genussvolle Weine aus örtlichem Anbau in unzähligen Gasthöfen.

Wer nicht gerne in einsamen Berggasthöfen seinen Urlaub verbringen möchte, ist um die Stadt Meran herum gut aufgehoben. Mit dem Ort Lana und umliegenden Dörfern (ca. 7 km von Meran entfernt) steht ein kleiner, netter Ort mit ca. 10.000 Einwohnern und entsprechender Infrastruktur zur Verfügung. Rennradhotels oder Rennverleihanbieter stehen in dieser Gegend allerdings kaum bis gar nicht zur Verfügung, so dass man den beschwerlichen Weg über ca. 1.150 km von Hamburg aus mit dem Auto und eigenem Rad in Kauf nehmen muss. Man ist dort eher auf Mountainbiker ausgerichtet. Von meinem Startort Lana bastelte ich drei Touren auf Basis des Artikels „Rennradfahren im Vinschgau“ aus der Tour 09/2011 und örtlichen Tipps zusammen.

Zum Einfahren ging es den Etsch-Radweg entlang (der dortige Klassiker für Flachetappen). Der Einstieg erfolgte gleich in Lana am zweitlängsten Fluss Italiens flussaufwärts Richtung Meran. Der Etsch-Radweg ist bis auf ein Stück bei Schlanders ein asphaltierter Radweg, der immer entlang des wilden Flusses Etsch entlang führt. Wirklich schön! Zwischen Meran und Töll gilt es rund 150 Höhenmeter zu überwinden. Was der Fluss mit einer Staustufe erledigt, muss der Radfahrer über angelegte, sogar nummerierte sieben Kehren absolvieren. Für Rennradler eine nette Abwechselung, für Tourenfahrer mit Packtaschen eine echte Herausforderung.

Ist man erst einmal oben (so von ca. 250 m auf 400 m) geht es erst einige Kilometer stetig leicht bergauf, bevor dann ein ca. 20 Kilometer langer flacher Abschnitt auf rund 550 Metern folgt. Ab dem Örtchen Latsch klettert man dann wieder stetig viele Kilometer bergan auf ca. 750 Meter Höhe. Bei insgesamt rund 50 Kilometern ein perfektes Kraftausdauertraining. Dies ist wohl auch der Grund, warum fast alle Radfahrer mir entgegen kommen. Die sind nämlich mit dem Zug nach Mals gefahren und rollten gemütlich bergab.

Hinter Schlanders folgt der nicht asphaltierte Abschnitt des Radwegs Richtung Mals. Somit bekam ich den Reschensee nicht zu Gesicht, nahm noch ein paar Höhenmeter auf Straßen durch Koetsch mit, bevor ich den Radweg einfach schlicht zurückfuhr. Die viel befahrenen wenigen Hauptstraßen sind fürs Rad fahren aus meiner Sicht nur bedingt zu empfehlen. So gibt es kaum Alternativen an dieser Strecke. Was bleibt sind, Stiche nach links und rechts in die Bergwände. So wie der Mörderberg in Höhe Latsch etwa. Der hieß nicht nur so, sondern war auch einer. Ich gab nach einigen Hundert Metern auf… Nach 110 Kilometern, 950 Höhenmetern und gelegentlichen kalten Duschen (die Bewässerungsanlagen der riesigen Obstanbauplantagen machen mitunter auch vor Radfahrern nicht halt), war ich dann auch erst einmal gut bedient.

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Als nächstes Ziel wartete der Gampenpass in einer Höhe von 1.518 Metern. Im Tal um Lana und Nals bei rund 21° C ein wenig warm gefahren und schon ging`s hinauf. Der Anstieg beginnt direkt am Ortsausgang von Lana und ist 18 Kilometer lang. Mit seiner moderaten Steigung zwischen 6 und 8 % lässt er sich aber gut bezwingen und eignet sich daher auch für nicht Bergspezialisten oder für den Trainingsbeginn im Frühjahr. Nach etwas weniger als der Hälfte der Strecke besteht die Möglichkeit an einer Tankstelle oder dem Cafe nebenan noch einmal Getränke nachzutanken. Nach knapp 2 Stunden war ich dann auch „schon“ oben. Die Kette hat das rechte Kettenblatt nur aus der Ferne gesehen. Bei nur 11 ° auf der Passhöhe habe ich mich (als lausiger Abfahrer obendrein) bequem ins warme Auto gesetzt. Das hatte ich mir zwei Tage vorher bei anderen Radhelden schon mal abgeschaut. ;) Allerdings, sooo langsam war ich offensichtlich doch nicht: Andere haben bis zu 2,5 Stunden für die 18 km benötigt.

Der Tourenvorschlag Nr. 4 aus der Tour 09/2011 verläuft nach dem Gampenpass noch über zwei weitere Pässe und macht aus dem Auto heraus einen interessanten, aber auch schwierigen Eindruck. Die Strecke fährt man aber besser nicht alleine, weil im weiteren Verlauf weitaus weniger Radler unterwegs sind und dadurch die Strecke einen eher einsamen Eindruck hinterließ.

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Die dritte Tour führte mich nach einem Ratschlag unserer Pensionswirtin auf das schöne Hochplateau zwischen Verschneid und Hafling, quasi gegenüber vom Gampenpass: Die Strecke Lana - Nals - Tölden - Verschneid - Mölten - Vöran - Hafling - Meran - Lana erfordert schon ein bisschen mehr Durchhaltevermögen. Die Auffahrt von Tölden nach Verschneid ist ungefähr 9 Kilometer lang, aber mit wesentlich mehr Steigungsprozenten ausgestattet als der Gampenpass, nämlich durchgängig zwischen 8 bis 12 %. Da sank die Tachoanzeige gerne mal gen 5 Stundenkilometer. Einige Stücke konnte ich nur stehend bewältigt werden. Immerhin konnte ich einen Mountainbiker einholen, um mein Leid bergauf zu teilen. Als ich dann in rund 1.150 Metern Höhe schon an einen Cappuccino dachte, zermürbten mich die vielen aneinander gereihten kleinen, oft bissigen Anstiege auf der Hochebene bis mein Tacho absolvierte 1.600 Höhenmeter anzeigte. Der Dorfbrunnen von Hafling versorgte mich ein letztes Mal mit Wasser bevor, ich mich wieder durch mehrere dunkle Tunnel ins Tal bremste.

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Nach 80 Kilometern sank ich für einen Kaffee in den Liegestuhl. Die Nachfrage der Wirtin, ob ich denn auch die vielen schönen Ausblicke genossen hätte, konnte ich nur eingeschränkt beantworten und beschloss, mir am nächsten Tag mit dem Auto unter entspannter Bedingung einen wirklichen Eindruck zu verschaffen: Er war wirklich schön!

Außerhalb der Saison von April bis Mitte Juni findet man in der Gegend um Lana problemlos auch noch vor Ort Pensionen und Gästehäuser mit freien Zimmern oder Appartements. Ich kann die Pension Friedheim in Lana empfehlen: Sehr nette und hilfsbereite Wirtin, gutes Frühstück, Garten mit Pool, kleiner Radkeller, Gasthöfe und Supermarkt sind fußläufig zu erreichen. Hier war ich nicht das letzte Mal! // Christoph

Informationen zum Meraner Land und Radfahren gibt es u. a. hier:

http://www.rennradler.it/rennradnews/re ... tirol.html
http://www.meranerland.com/de.html
http://www.tour-magazin.de/touren/revie ... 10443.html

Webside Pension Friedheim:
http://www.garnihotelfriedheim.com/
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Re: Rennradfahren im Meraner Land (Bericht + Bilder)

Beitragvon Heimfelder Dirk » 07.04.2013, 10:33

michel66 hat geschrieben:Rennradhotels oder Rennverleihanbieter stehen in dieser Gegend allerdings kaum bis gar nicht zur Verfügung, so dass man den beschwerlichen Weg über ca. 1.150 km von Hamburg aus mit dem Auto und eigenem Rad in Kauf nehmen muss. Man ist dort eher auf Mountainbiker ausgerichtet.
Diese Erfahrung habe ich in Südtirol auch gemacht. Eine Vielzahl von Hotels bieten hoch professionell organisierte MTB-Touren an. Geführte Rennrad-Touren werden kaum angeboten, die muss selbst planen. Dank GPS oder mit gutem Katenmaterial ist es aber auch kein Problem, aus dem umfangreichen Angebot von Tourenvorschlägen selbst etwas passendes zu finden.

Die MTB-Tourenvorschläge allein abzufahren, sollte man sich genau überlegen bzw. die Hoteliers vorher fragen: Oft geht es abschnittsweise über Privatgrundstücke. Die bei den Südtiroler Landwirten sehr beliebten, sehr großen Hunde neigen dazu, einen sich schnell annähernden MTB-Fahrer als unberechtigten Eindringling zu betrachten. Ein zotteliger, Schäferhund-ähnlicher Hofhund hat mir vor Jahren mal zu einen persönlichen Sprintrekord auf einem Fully verholfen. :) Das Monstrum hatte etwa die gleiche Körpermasse wie ich seinerzeit. :shock:

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@Michel66: Schön geschriebener, detaillierter Bericht, Klasse! :Hutab:

:gruss: Dirk
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Beitragvon michel66 » 07.04.2013, 22:46

Heimfelder Dirk hat geschrieben:Die bei den Südtiroler Landwirten sehr beliebten, sehr großen Hunde neigen dazu, einen sich schnell annähernden MTB-Fahrer als unberechtigten Eindringling zu betrachten. Ein zotteliger, Schäferhund-ähnlicher Hofhund hat mir vor Jahren mal zu einen persönlichen Sprintrekord auf einem Fully verholfen. :) Das Monstrum hatte etwa die gleiche Körpermasse wie ich seinerzeit. :shock:
Ha, ha! Ja, Begegnungen mit Hunden sind eine eigene Geschichte. :?
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Beitragvon Con-Rad » 08.04.2013, 09:55

Mensch Michel,

das war 10 Jahre lang meine 2. Heimat! In den 80ern habe ich hier Ski- und Musikfreizeiten (Melag, Langtauferstal) organisiert und mich als Ski-Lehrer betätigt. Nach 2 Wochen gab es immer ein Konzert in Mals oder Burgeis. Mals, Schlanders, Reschen, Nauders, Laatsch.... wecken bei mir wärmste Erinnerungen.

Was aus meiner Sicht in Deinem Bericht zu kurz kommt, ist die unglaubliche Dichte kultureller Sehenswürdigkeiten im Etschtal. Burgen, Klöster, Kapellen aus der Romanik, die ältesten Fresken im deutschen Sprachraum, die Orte mit Mittelalter-Charme..... umgeben von einer atemberaubenden Landschaft, die von lieblich (Palmen in Meran) bis alpinen Gletschergebieten alles bietet.

Mich juckt es jetzt, auf der Stelle wieder hin zu fahren, mit meinem alten, unschlagbaren Dumont Kunstreiseführer im Gepäck. Jaja, ich weiß, das interessiert nicht alle Radler, mehr die Höhenmeter, Prozente und Straßenbelag, aber davon gibt es ja auch satt.
Die ganze Warheit mit Bildern unter:
www.radsport-buchholz.de

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