Int. 16 Talsperrren Rundfahrt '11, Gevelsberg (Ber.+Bilder)

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dirksen1
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Int. 16 Talsperrren Rundfahrt '11, Gevelsberg (Ber.+Bilder)

Beitragvon dirksen1 » 28.08.2011, 16:07

<b>17. Internationale 16 Talsperren-Rundfahrt, Radmarathon ab Gevelsberg 2011
Wie im Urlaub</b>


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Eine Genussrunde ohne Tempovorgabe, ging auch gar nicht anders…aber lest selbst. Nachdem ich mir vor 2 Monaten in den Kopf gesetzt hatte, das Ding zu fahren, half alles nichts, mich an Folgendem zu hindern:
  • - 2:15 Uhr Wecken
    - 274 km Autofahrt
    - 6:30 Uhr Start auf
    - 220 km mit
    - 3.000 Hm bei
    - angedrohtem und auf der Autobahn als Starkregen tatsächlich runterprasseldem Dauerniederschlag mit
    - Temperaturen um 12°C
OK, du bist Radsportler, wenn …

Am Start wurde ich in der für diese Gegend typischen Art und Weise begrüßt: Hart, aber herzlich und ohne Verständnis für norddeutschen Brachialhumor - kenne ich ja von meiner Zeit in Köln, macht nix und ich werde mich wohl nie daran gewöhnen, muss ich aber ja auch nicht.

Bei immer noch Dauerregen wurde von den ca. 10 (!) anwesenden Marathon-Aspiranten über Wind und Wetter sowie die Motivation diskutiert, die 220 km in Angriff zu nehmen, mein Kaffee und ein weiterer „nordisch betonter“ Spruch hat immerhin bei einem der Anwesenden den Gang zum Auto ausgelöst, Lemminge hinterher, so dass wir mit etwa 15 Startern bei Trockenheit (!!) pünktlich um 6:30 Uhr vom Veranstalter auf die Strecke geschickt wurden.

Das folgende Bild habe nach der Zieleinfahrt gemacht, morgens beim Start war es noch zu dunkel.

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Bereits die erste Rampe am Ortsausgang mit ca. 12 %, die die kalten Beine warm werden ließ, zeigte an, worauf es sich heute einzustellen gilt. Rampen, Steigungen, Alleinfahrt wegen der selektiven Streckenführung. Noch in einer Gruppe mit etwa 6 Fahrern ging es Rtg. Süden, leider gab es in einer der ersten Abfahrten bereits einen Sturz, von einem geprellten Jochbein war später zu hören.

In Abfahrten fahre ich am liebsten ganz vorn, vor allem, wenn diese durch einen Wald auf regennasser und von Schlaglöchern perforierten Straßen geht, die überdies mit reichlich Laub getarnt sind. So war ich nach 20 km allein, das sollte sich den Rest der Tour wenig ändern.

An der ersten Kontrolle ein Bild wie an allen übrigen auch: Ein durchaus übersichtliches Verpflegungsangebot, das aber dem Wetter gerecht wurde, denn lange verweilen hieß frieren und das wollte wohl niemand.

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Das Personal an den Ständen, gut gelaunt, lud zu einigen Sätzen Smalltalk ein, man machte gute Miene zum Regenspiel, der prompt beim Verlassen der Labestation einsetzte, und wie er einsetzte, 10 m Sicht nach vorn über den Brillenschlitz zw. Rahmen und Helm würde ich mal als Maximalwert bezeichnen, kein Wunder also, dass ich ein Schild übersah und einen kleinen Umweg fuhr.

Endlich riss nach etwa 2,5 Std. Fahrzeit der Himmel auf, Sonnenschein - das ist der große, gelbe Punkt am Himmel, den wir heuer irgendwie nie am Wochenende sehen konnten - setzte ein und trocknete die Kleidung, ich holte vorsichtig meinen Fotoapparat aus der Plastikhülle und hielt ab und zu an, um wenigstens ein paar Bilder der fantastischen Landschaft machen zu können. Wie sagte eine anfängliche Begleiterin aus dem Münsterland? „Das ist ja hier wie Urlaub, so toll ist die Gegend.“ Recht hat sie!

Über ungezählte, kurze, aber knackige Anstiege mit bis zu 17 % Steigung ging es durch/über das Ebbegebirge vorbei/über den angekündigten Talsperren. Eine Landschaft, die den Sonnenschein wahrlich verdiente, mehr „Toll“ geht wohl nicht.

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Weitere Bilder der 16 Talsperren gibt es auf der Seite des Veranstalters, ich habe nur einige fotografieren können, da ich sie manchmal gar nicht gesehen habe…

Hatte ich die Einstellung der Ureinwohner zu norddeutschem „Hau-drauf-Humor“ schon erwähnt? Hatte ich, gut. Dann könnt ich euch sicher vorstellen, wie an der Labestation auf mich reagiert wurde, als ich „nach 6 1/2 Stunden radeln endlich ein Nutellabrot“ bekam. Kurzfristig hatte ich Angst, mit einem Platzverweis oder gar Ausweisung belegt zu werden… :mad:

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Zwischenzeitlich sammelten sich auch wieder ein paar Fahrer zu kleinen Grüppchen, der „D-Zug Homberg“ spannte sich vor allem in den flachen Abschnitten (die rar gesät waren) vor die Marathonis, aber auch dann war das Tempo mit ca. 35 km/h eher moderat, wie gesagt, eine Genusstour, viel schauen, Landschaft genießen und dabei radeln, was will man/frau mehr. Auch diese Gruppe zerfiel, zu groß waren die Leistungsdifferenzen und die Ansprüche an die Runde.

An der letzten Kontrolle an der Ennepetalsperre konnte ich noch ein Gespräch über die Startgelder bei RTFs mithören, auch dort stören sich die Sportler an den inhomogenen, trotz Absprache und Vorgabe des Landesverbandes uneinheitlichen Preisen, zu Recht, wie ich finde.

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Im Ziel nach 8:28 h und einem 26er Schnitt für 221 km fand ich dann eine Enttäuschung vor:
  • - Es gab nichts Warmes zu essen…nach 220 km durch Regen, Sturm, Hagel bei 12°; kein Grill, man sagte mir in der typischen Freundlichkeit dort, „zu wenig Teilnehmer, lohnt sich nicht.“ Die Frage nach evtl. Bockwürstchen…lassen wir’s, ihr könnt euch die Antwort vorstellen.
    - Es gab auch keine Waffeln mehr (die morgens mittels 2 riesiger Schüsseln mit Teig angekündigt wurden), anscheinend waren es doch ein paar mehr RTF’ler, die den Marathonis, wie leider so oft, die guten Angebote wegfuttern
    - Für ein alkfreies Hefe hell musste der angegliederte Restaurationsbetrieb aufgesucht werden mit den entsprechenden Preisen halt.
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So nahm ich meine Urkunde, aß ein Stück Kuchen, trank noch einen abgestandenen Kaffee und ärgerte mich noch ein letztes Mal, nämlich darüber, dass eine Reisegruppe aus Schweden, die ohnehin in der Gegend waren, für deren RTF-Distanz den Pokal für die weiteste Anreise bekamen. Ich gebe zu, den hätte ich gern gehabt und auch verdient, finde ich mal ganz unbescheiden.

Das ist aber auch wirklich alles, was es an der Veranstaltung zu kritisieren gibt oder - Halt: Eins noch, die Ausschilderung würde ich als einzigen „wirklichen“ Kritikpunkt bezeichnen, waren doch selbst ortskundige Sportler des Öfteren im Unklaren, ob sie noch auf der richtigen Strecke sind, so lang waren die Abstände von Pfeil zu Pfeil durch manchmal mehrere (!!) Ortschaften.

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Insgesamt ein wahres Erlebnis, unter den Bedingungen ein wirklich wahrhaftiges Erlebnis, das besseres Wetter, mehr Teilnehmer und ein bisschen norddeutsche Herzlichkeit verdient. Ich werde es nächstes Jahr wohl ein zweites Mal versuchen, aber nur bei wirklich guter Wetterprognose, etwas davon in den märkischen Kreis zu exportieren.

An der M/RTF, die in einem Schwimm-Wellness-Spa-Irgendwas (genannt „Schwimm-in“) ihren Start- und Zielbereich hatte, nahmen trotz der Witterung insgesamt 204 Starter teil:
• RTF: 97 Trimmfahrer und 65 BDR-Teilnehmer
• Marathon: 22 Trimmfahrer und 20 BDR-Teilnehmer

Und warum ging es gar nicht anders, als die Tour als Genussrunde zu fahren? Weil die Straßenverhältnisse nichts anderes hergaben, aufgrund der massiven Frostschäden, die dank des nassen Laubs und den schlechten Sichtbedingungen das Ganze noch gefährlicher werden ließen. So bekam man für die Kraxeleien leider selten eine echte Belohnung und konnte die echt tollen Abfahrten nur mit beiden Händen voll auf der nassen Seilzugbremse fahren. Mein Vmax von knapp über 71 km/h zeigt, welche Möglichkeiten es bei trockenen Straßen gegeben hätte.

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Das gab es an der Warmverpflegung, hätte ich von der Pleite am Ziel gewusst, hätte ich wohl meine Bidons damit aufgefüllt…Na ja, Nudeln mit Pesto hatte Szilvia dann zubereitet, als ich auf dem Heimweg war, denn „etwas Warmes bricht der Mensch“! :trommel:

Hier sind weitere Bilder zu finden:

https://picasaweb.google.com/1100109047 ... directlink

Bis 2012 dann!
ES LIEGT NIE AM RAD!
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michel66
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Beitragvon michel66 » 29.08.2011, 14:09

Ein herrlicher Bericht :) Norddeutscher Humor trifft auf (Rand-) Sauerländer- kann ich mir so richtig vorstellen.

Ich habe mir warm und trocken die Vuelta im Fenrsehem angeschaut! :? Respekt!

Mit der Verpflegung ist das generell so eine Sache bei den RTF`s in NRW. Ich bin schon häufig dort gefahren und habe auch schon festgestellt, dass die Verpflegung meistens nicht an den Norddeutschen Standard heranreicht. Ausnahme war wirklich der Marathon und RTF des ASC Dortmund am 13.08.
Aber das im Ziel kein Grill- und Bierstand bereit steht, habe ich auch nicht erlebt! Das gehört zu einer Marathonveranstaltung, auch bei wenigen Teilnehmern, mindestens dazu!

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