Ein bißchen Giro 2020

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kocmonaut
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Ein bißchen Giro 2020

Beitragvon kocmonaut » 11.10.2020, 00:51

Herbsturlaub und Giro d‘Italia - das geht doch eigentlich gar nicht. Heuer ist aber alles anders - und der Giro findet Corona bedingt erst im Oktober statt. Und wir haben gerade Urlaub, insofern gibt es mal wieder die eine oder andere Erkundung und Entdeckung südlich der Alpen aus dem sonnigen Italien. Und wer Lust hat, der begibt sich wieder mit auf unsere Touren – mit oder ohne Giro.

Neapel/Ischia

Vorsicht Lebensgefahr. Irgendwie dachte ich, ich hätte schon alles erlebt, aber da war ich noch nicht in Neapel. Wir sind für ein paar Tage bei dem Cousin meines Schatzes und erkunden Neapel besser zu Fuß.

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Zwischen all den Pizzerien, Kirchen (unglaublich: wir haben einen Platz mit drei Kirchen gesehen) gibt es tatsächlich Häuser, in denen Menschen wohnen (wenn sie nicht grad die Straßen mit ihrer Vespa unsicher machen). Entsprechend traue ich mich nur ein einziges Mal aufs Rad, um den Hafen von Neapel für die Überfahrt nach Ischia zu erreichen.

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Ischia ist eine kleine Insel zum Liebhaben und Verweilen im Golf von Neapel und bietet dem Radfahrer einen rund 50 km langen Rundkurs an

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der an eine Achterbahnfahrt erinnert: ständig geht es rauf oder runter. Wohl deswegen liegt die Quote der gesichteten E-Bikes bei rund 90 Prozent. Daneben gibt es ein paar Stichstraßen

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von denen insbesondere die nach Sant Angelo

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und die zum Castello Aragonese

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zu erwähnen sind. Wer nur für eine Runde Zeit hat, der sollte diese links herum, also gegen den Uhrzeigersinn fahren. Unsere letzte Runde hingegen erfolgt mit dem Ape-Taxi, die uns fröhlich knatternd zurück zum Hafen bringt.

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A Tavola: In Neapel liegt einer Sage zufolge der Ursprung der Pizza. Fischer kamen frühmorgens hungrig von ihrer nächtlichen Fangtour zurück. Alles war geschlossen, nur die Bäcker bucken schon das Brot. Fischer und Bäcker kamen irgendwie ins Geschäft, und Sardellen und Kapern landeten eher improvisiert auf Teigfladen und fertig war die erste Pizza der Welt: die Pizza Marinara.

Dem Giro 2020 begegnen wir nicht in Neapel sondern später. Ich hoffe Ihr könnt damit leben. Buona note e a domani
Zuletzt geändert von kocmonaut am 14.10.2020, 13:25, insgesamt 2-mal geändert.
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Bully
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Re: Ein bißchen Giro 2020

Beitragvon Bully » 11.10.2020, 18:04

Danke für den schönen Bericht und die tollen Bilder. :GrosseZustimmung:
Gruß Bully
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mad.mat
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Re: Ein bißchen Giro 2020

Beitragvon mad.mat » 11.10.2020, 18:13

Grazie, ciao a domani...
Wir sehen uns da oben, Tschüss Helmut
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kocmonaut
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Re: Ein bißchen Giro 2020

Beitragvon kocmonaut » 11.10.2020, 21:55

Hallo Bully, Hallo mad.mat

auch danke und weiter gehts! Da sich der Giro 2020 an der Adriaküste nordwärts bewegt gibt es nur wenige Überschneidungen mit unserem Urlaub. Hier passt es aber!

Gargano sagt Euch eher nix, aber Eurer Auge hat es schon tausendmal gesehen, denn Gargano ist des Stiefels Sporn. Die Küste ist hier felsig und verklüftet und ab und an lädt eine versteckte Bucht oder ein Strand zum Baden ein.

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Die wenigen Orte, die quasi in die Felsen hinein oder aus diesen heraus wachsen

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sind voller enger Gassen mit verschachtelten Häusern und unzähligen Treppen. Radfahren fällt in den Gassen aus, schieben ist angesagt.

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Vieste ist die Spitze des Sporns und zudem Zielort der 8. Etappe des Giro 2020.

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In Vieste habe ich auch die ‚Lange Anna‘ entdeckt, die hier ‚Pizzomunno‘ heißt und im blassen Teint daherkommt:

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Die Giro-Etappe enthält zuvor einen für das Auge sichtbar giftigen Anstieg nach Monte Sant Angelo (schon wieder dieser Heilige)

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und es geht über unzählige Haarnadelkurven eher auf oder ab als vorwärts.

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Aber auch entlang der Küste sammeln sich reichlich eher unvermutete Höhenmeter an. Armer ich, doch die Ausblicke entschädigen, zudem habe ich es nicht so eilig wie das Fahrerfeld des Giro.

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A Tavola: Orechiette mit Cime di Rapa ist das typische Gericht aus Apulien. Cime di Rapa ist brokkoli-ähnlich und wird mit reichlich Olivenöl und Knobi in der Pfanne gebraten. Derweil wird eine Pasta namens Orechiette (kleine Ohren) gekocht und abschließend ‚durch die Pfanne gezogen‘, so dass sich beides gut vermengt und vermischt.


Heute ist nicht alle Tage. Nun heißt es weiter Eindrücke sammeln. Ich melde mich dann wieder ...
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Re: Ein bißchen Giro 2020

Beitragvon Besenwagenflüchtling » 13.10.2020, 09:55

Moin aus Hamburg,

ich würde gerne mit Dir tauschen ;-)

Schönen Urlaub

Gruß stephan der Besenwagenflüchtling
Wer langsam fährt hat mehr von der Strecke.

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kocmonaut
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Re: Ein bißchen Giro 2020

Beitragvon kocmonaut » 14.10.2020, 01:20

Siena / Strade Bianche

Heimspiel. Die Schotterpisten liegen vor unserer Haustür. In der Maremma tief im Süden der Toskana sind die Schotterpisten jedoch schroff und sind für das MTB oder für den Crosser besser geeignet. Ich steige in die heutige Tour mit dem Rennrad somit einige km nördlich in/bei Montalcino ein:

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Montalcino ist der südliche Punkt der L’Eroica, insofern kreuzen meine heutigen Wege immer wieder dessen Streckenverlauf und den des Weltcups Strade Bianche

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der in 2020 das erste Profirennen nach der Coronapause war und insofern doppelte bis dreifache Aufmerksamkeit erregte.

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Gleichzeitig haben die Profis meine Zweifel beseitigt mein Rad einfach wegzuwerfen: Auch sie sind in den giftigen Anstiegen nur im moderaten Tempo unterwegs.

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Das Ziel des World Cup Strade Bianche ist der Piazza del Campo in Siena. Dort steht ein Turm.

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Der ist schön anzuschauen, doch Türme sind dafür gebaut, von ihnen herunter zu schauen. Zum Beispiel wo die Feinde sind oder wann die Frau nach Hause kommt damit man schnell noch mal aufräumen kann. Anbei ein Archivfoto von ‚damals‘, denn inzwischen ist der Turm etwas baufällig und für Besuche gesperrt.

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Der Blick in die Landschaft ist immer wieder umwerfend, doch der nach oben verheißt langsam nix Gutes. Ich kürze etwas ab und stelle mich für morgen auf ‚Schlechtwetter‘ ein …

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A tavola: Die toskanische Küche gilt als Feinschmeckerküche, ist im Ursprung jedoch eine Arme-Leute-Küche. Per esempio: die ‚Ribollita‘ (die auch während der L’Eroica kredenzt wird). Man nehme eine Handvoll dicke und weitere Bohnen (und weiche diese 24 Stunden ein), Schwarzkohl (hilfsweise Grünkohl), Pilze, getrocknete Tomaten und was der Garten/Supermarkt sonst noch an deftigem Gemüse hergibt. Das Ganze immer wieder köcheln lassen und immer wieder genießen. Der letzte Rest wird bruschetta-mäßig auf mit Knobi und Olivenöl eingeriebenen Ciabatta serviert.
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San Gimignano

Beitragvon kocmonaut » 23.10.2020, 14:38

Am Tag als der Regen kam war der Giro in Regenatico, äh, in Cesenatico meine ich. Ich drehe an diesem Tag eine Mitleidtour und muss mir dafür von den Nachbarn komische Blicke gefallen lassen. Inzwischen ist der Giro im Norden angekommen und wird dort weiter fleißig durcheinander gewirbelt. Wir brechen erst in einer Woche in den Norden auf; mal sehen welche Touren dann dort möglich sind.

Noch sind wir also in der Toskana, waren aber für einige Tage auf Schusters Rappen unterwegs. Nun will ich die erwanderte Gegend vom Rad aus erkunden. Auf geht’s. Ich fahre zunächst mit dem Auto bis Monticiano und steige erst dort aufs Rad. Erster Stop: San Galgano

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San Galgano ist eine Kirchenruine. Nur das Dach fehlt. Das gab es zwar einmal, wurde aber in Zeiten knapper Rohstoffe wieder demontiert. Es gibt also auch in Italien Heiden …

Der lange Anstieg nach Montieri führt immer weiter hinauf, und da die Wolken tief hängen auch in diese hinein. Dabei wird es frisch und kalt und ich etwas pampig; hab ich mir die Tour doch anders vorgestellt! Doch kurze Zeit später ist der höchste Punkt der Runde erreicht und ich werde mit einer unendlich langen Abfahrt und wiederkehrendem Sonnenschein und schönen Aussichten belohnt.

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Ich sage es immer wieder bei Schlechtwetter: Die Sonne scheint! Wir sehen sie nur nicht weil die Wolken dazwischen sind.

Die unendlich lange Abfahrt endet dann doch in Colle Val d’Elsa. Hier schummele ich ein wenig mit den Höhenmetern, denn um das auf einem Felsvorsprung gelegene Centro storico zu erreichen nehme ich steile Treppen vermeidend den Fahrstuhl.

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Hinten raus flacht der Felsvorsprung ab, somit kann ich durch die schönen Gassen und durch das Stadttor hinaus weiter Richtung San Gimignano rollen. Auf dem Weg dahin begrüßt mich an einer Kreuzung/Einfahrt in eine Schotterpiste dieses freundliche Schild:

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Das sind doch mal gute Nachrichten: Die Unesco schützt die Strade Bianche! Ich nehme somit nicht die Teerstraße sondern schottere wenig später die letzten Kilometer auf der Via Vecchia nach San Gimignano hinein:

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Auch die Italiener können Türmen, und das gar nicht mal so schlecht. Wo sich Nachbarn sonst mit dem größten Auto vor oder mit dem größten Pool hinterm Haus übertreffen wollen, bauen die Bürger von San Gimignano einfach den größten Turm im/am Haus!

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Diese Vielzahl der s. g. ‚Geschlechtertürme‘ führte zur Bezeichnung ‚Manhattan des Mittelalters‘. Der Piazza della Cisterna

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ist der Wendepunkt meiner Tour. Den Schotter hinten aus dem Ort raus muss ich leider links liegen lassen, denn nun muss ich etwas flotter und flacher zurück zum Auto nach Monticiano, wo ich rechtzeitig vorm Dunkelwerden ankomme.

Vorher jedoch … A tavola: Gelati wird weltweit allzu gerne genascht. Und manch ein Don Vito setzt sich nur aufs Rad, wenn er dafür ein Eis bekommt. Das beste Eis der Welt kommt aus San Gimignano. Zumindest hat die Gelateria Dondoli auf dem Piazza Cisterna mit einer großen Auswahl leckerster Eissorten bereits einige Eisweltmeistertitel eingeheimst.

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Und auch ich bin begeistert. Delicissimo! @ Don Vito: wenn Du hier mal mit Deinen italienischen Signoras ausfahren möchtest, dann gebe ich Dir ein lecker Eis aus!

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