Tag der Meister 2014 beim Radsportverband Schleswig-Holstein

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radfreunde
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Tag der Meister 2014 beim Radsportverband Schleswig-Holstein

Beitragvon radfreunde » 09.02.2015, 23:13

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Es ist fast ein Tradition - der Tag der Meister beim Radsportverband Schleswig-Holstein.

Beim letzten Mal wurde Dirk Wenzel zum Radsportler des Jahres gewählt - ein verdienter RTF Meister.

http://www.radsport-sh.de/news/details/ ... ungen.html

In diesem Jahr wurde Manfred Bartsch gewählt, Lizenzfahrer der Klasse Sen4 mit Siegen auf der Straße und im Gelände. Außerdem gab es Ehrungen für ein Inklusions-Vorzeigeprojekt und RTF Organisatoren neben der Ehrung, man könnte fast sagen für sein Lebenswerk.

Bild: mr.colnago
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Helmut
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Beitragvon Helmut » 14.02.2015, 06:07

Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon sonja1 » 24.02.2015, 18:15

Ich muß mich jetzt doch noch einmal zu diesem Thema melden. Auf der Seite des Radsportverbandes S-H heißt es wörtlich:

"Mit den ersten Ehrennadeln wurden Gerd-Arthur Kaluschke-Peter und Stefan Landtau von der RSG Mittelpunkt geehrt, die in beeindruckender Weise das härteste Radrennen der Welt, das "Race across America" als 2er-Team absolviert haben. 4.860 km in 8 Tagen, 19 Stunden und 40 Minuten. Damit waren sie die ersten Mitglieder des Radsportverbandes, die an diesem Wahnsinns-Ritt teilgenommen haben. Die Ehrung erfolgte aber für das Vorzeigeprojekt "Race across SH". Inklusion im Sport ist in aller Munde. Inklusion im Radsport war schwer vorstellbar, bis die Bilder/Videos von dem Projekt im Internet und dem Fernsehnen veröffentlicht wurden."

Zunächst einmal freue ich mich für die RSG Mittelpunkt über die Auszeichnung. :Laola: Ihr habt sie euch verdient. Und ich hoffe, daß ich dieses Jahr auch mitfahren kann - grob eingeplant ist es schon.

Aber über die Bemerkung, daß Inklusion im Radsport bis zur Veröffentlichung der Bilder/Videos von dem Projekt nur schwer vorstellbar war, habe ich mich doch sehr gewundert und auch ein wenig geärgert. Immerhin gibt es bereits seit 9 Jahren in Norderstedt (in Schleswig-Holstein!) den Integrativen Sportverein Norderstedt, in dem behinderte und nichtbehinderte Sportler gemeinsam trainieren. Dort gibt es auch eine Radsportsparte. Außerdem gibt es seit mehreren Jahren das Unified-Paarzeitfahren in der City-Nord, über das auch schon in den Zeitungen und natürlich hier berichtet wurde. Nicht vergessen darf man natürlich die tolle Veranstaltung Rund Hamfelde, die auch schon mehrere Jahre existiert und über die schon mehrfach berichtet wurde. Es ist also keinesfalls so, daß es bis zum "Race Across SH" keine inklusiven Sport- und Rennangebote gab. Schade, daß dem Verband dieses bisher offensichtlich unbekannt gewesen ist.

Ich habe mich, nachdem ich das gelesen habe, auch direkt an den Verband gewendet und ihm das mitgeteilt, was ich jetzt hier veröffentliche. Leider habe ich auch nach über eine Woche keine Rückmeldung erhalten. Schade! Daher habe ich mich jetzt entschlossen, das hier zu veröffentlichen.
Sonja - die radelnde Anwältin

www.rechtsanwaeltin-richter.de
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Helmut
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Beitragvon Helmut » 25.02.2015, 00:51

sonja1 hat geschrieben:über die Bemerkung, daß Inklusion im Radsport bis zur Veröffentlichung der Bilder/Videos von dem Projekt nur schwer vorstellbar war, habe ich mich doch sehr gewundert und auch ein wenig geärgert.
Gewundert hat mich das auch. Es gibt ja auch noch das Radrennen der Behinderten bei den Cyclassics, betreut u. a. von Sonja1 und Mike667.

Bild

Und nicht zu vergessen, dass nicht nur die beiden Behinderte bei deren Teilnahme an den Staffeln beim Triathlon Hamburg unterstützen.

<IMG src="http://bilder.helmuts-fahrrad-seiten.de ... %20184.JPG">
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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radfreunde
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Beitragvon radfreunde » 25.02.2015, 11:29

Da möchte ich mich doch auch mal zu Wort melden, ich hätte es ohnehin bilateral gemacht.

Der Radsportsportverband Schleswig-Holstein ehrt jährlich Mitglieder, die sich durch besonderes Engagement ausgezeichnet haben. Morgens sind es die sportlichen Leistungen, während der Mitgliederversammlung werden Mitglieder für andere hervorzuhebende Leistungen gewürdigt. In diesem Jahr haben wir uns entschlossen, Gerd und Stefan für das Inklusionprojekt "Race across SH" auszuzeichnen. Es ist das erste Projekt, das ein Verbandsmitglied durchgeführt hat. Es ist uns sehr wohl bewusst, dass es seit Jahren Vereine und Projekte im Bereich Sport mit Menschen mit Behinderungen gibt. Neben den erwähnten gibt es auch z. B. die Weisse Speiche, Special Olympics usw., bei denen sich auch einige unserer Mitglieder engagieren. Dies sind aber alles Vereine/Institutionen/Projekte, die außerhalb des Verbandes bzw. seiner Mitgliedsvereine laufen.

Dies ist alles sehr ehrenhaft und hoch lobenswert. Aber Inklusion in unsere Vereine ist es m. E. nicht. Ich stehle mal die Definition von Aktion Mensch: "Inklusion heißt wörtlich übersetzt Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch – mit oder ohne Behinderung – überall dabei sein kann, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Wohnviertel, in der Freizeit, dann ist das gelungene Inklusion."

Damit meine ich ist gemeint, dass man in (ich möchte den Begriff nur einmal verwenden) "normalen" Vereinen gemeinsam Sport treibt, trainiert und ausführt. Im größten und meist diskutierten Inklusionsvorhaben - den Schulen - werden Förderschulen (oder wie man sie nennt) aufgelöst und die Kinder in die Regelschulen integriert. Auf beiden Seiten heiß diskutiert, aber auf jeden Fall mit mehr und anderem Personaleinsatz verbunden. Um es mal deutlich zu sagen: Ich glaube nicht, dass unsere Vereine die Arbeit der spezialisierten Vereine und Projekte übernehmen. Das ist der erste Teil meiner Einschätzung "nur sehr schwer vorstellbar". Wir haben in den Vereinen weder die Strukturen noch die Erfahrung, noch suchen sie nach Unterstützung. Dies lässt sich auch nicht so leicht ändern.

Unsere Sportler zeichnen sich aus, erste oder erster im Ziel sein zu wollen. Der Erfolg ist das Ziel. Wie viele neue Mitglieder beschweren sich, dass sie von Vereinskameraden beim Training oder der Ausfahrt "abgehängt" und vergessen werden. Wenn bei den Sportlern der Jagdtrieb durchbricht, haben viele einen "Tunnelblick". Wenn Vereine heute für ihren kleinen Sportbetrieb schon keine Helfer finden, wie sollen sie für die Herausforderung der Inklusion die Ressourcen finden? Das ist der nächste Punkt der Einschätzung "schwer vorstellbar".

Unser Sport im Landesverband SH findet auf der Straße im öffentlichen Raum statt. Wir haben im Training und bei Veranstaltungen häufig Stress mit anderen Verkehrsteilnehmern, jeder ist im Recht. In der Diskussion zur Kinder- und Jugendarbeit (auch gestern Abend wieder) wurde abgewogen, ab welchem Alter wir in den Vereinen mit Kindern Radfahren, Rennradfahren und Radrennfahren trainieren sollten. Viele Anwesende waren/sind der Meinung, Kinder unter 8 Jahre kann man nicht im Verein trainieren - zu gefährlich. Dass der ADAC Trainings im Motocross ab 5 Jahre anbietet - "das ist was anderes" (?). Abgesperrtes Gelände, ausgebildete Trainer etc. das alles sind Argumente, warum es nicht gehen soll. Das ist nicht anders bei Fahrten mit Menschen mit Behinderung. Eine Tour "Race across SH" geht über 80 km auf öffentlichen Straßen, nicht gesperrte überschaubare Strecken. Der letzte Punkt von "schwer vorstellbar".

Unsere Intention ist/war es, Inklusion in unsere Vereine zu bringen und daher haben wir das erste Projekt im Verband ausgezeichnet. Wir hoffen - und einige Gespräche nach der Mitgliederversammlung nährten die Hoffnung - , dass andere Vereine sich dem Beispiel anschließen oder eigene Projekte überlegen. Es wird aber etwas dauern, bis das in der Fläche angekommen ist.

Ich hoffe, dass die Arbeit der anderen Projekte in ihren Verbänden/Strukturen ebenso gewürdigt wird, wie es Helmut mit der Verleihung des Bambis an Hamfelde gemacht hat. Wir haben es bei Stefan und Gerd gemacht. Es sollen nicht die Verdienste anderer geschmälert oder herabgesetzt werden, in meinen Augen kein Grund, verärgert zu sein.

Ich hoffe, dass diese Darstellung ohne Emotionen verdeutlicht, dass wir uns um das Thema Inklusion bemühen. Es ist eine intensive Diskussion und Planungen wert, schauen wir mal, was wir draus machen können. Vielleicht auch mal verbandsübergreifend.

Viele Grüße

Wilfried Weitz
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Beitragvon Helmut » 25.02.2015, 23:43

Herzlichen Dank für Deine Erläuterungen, Wilfried. :wink:
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Beitragvon sonja1 » 26.02.2015, 16:48

Kleine Ergänzung von mir: Der Radsportverband Schleswig-Holstein hat sich inzwischen bei mir gemeldet. Wir führen die Korrespondenz jetzt intern und nicht mehr öffentlich.
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