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Berliner RV wählt IM und Wahlfälscher erneut zum Präsidenten

Verfasst: 15.12.2013, 02:41
von Helmut
Gefunden im Pressespiegel des BDR:

Zum zweiten Mal wurde Günter Polauke (65) zum Präsidenten des Berliner Radsport-Verbandes gewählt. Polauke wurde wegen Fälschung der DDR-Kommunalwahlen 1989 zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, hatte sich nach Unterlagen der Jahn-Behörde zweimal als Stasi-IM verpflichtet. Unüblich, aber m. E. mehr als gerechtfertigt erscheint mir, dass der Präsident des LV Hamburg und Neu-Berliner Marc Bator diese Wahl kritisierte.

http://www.bz-berlin.de/sport/wahlfaels ... 76681.html

http://www.bz-berlin.de/sport/wahlfaels ... 76260.html

Zudem frage ich mich, was im Berliner RV so toll läuft, dass es nur ein "Weiter so" geben konnte? Velothon, Eisenschweinkader, Radsportgruppe Berlin, Berliner Fahrradschau u. v. m. hat Berlin uns beschert, alles ohne Zutun des Berliner Radsportverbandes. Was aber bitte trägt dieser zu der m. E. dringend benötigten Auffrischung des Breitenradsports in Berlin bei? Z. B. finden im Raum Berlin RTF und CTF lediglich Teilnehmerzahlen, die man selbst in erheblich dünner besiedelten Gegenden in SH und NDS als ausbaufähig empfinden würde.

Verfasst: 19.12.2013, 20:41
von Angelboot
Lieber Helmut,

ich kenne Günter Polauke nicht persönlich. Deshalb möchte ich seine Person auch nicht aus der Ferne beurteilen. Wer sich nicht rechtmäßig verhält, muss mit einer Verurteilung rechnen. Die Lebenssituationen der DDR Bürger waren aber nicht immer mit normalen Maßstäben zu vergleichen.

Deshalb so pauschal den Berliner Radsportverband aber zu verurteilen, halte ich nicht für gerechtfertigt. Durch private Kontakte, war ich fast 15 Jahre sehr oft mit meinem Renner in Berlin unterwegs oder habe Radsportveranstaltungen in Berlin erleben dürfen.

Der BRV, Berliner Radsportvereine, engagierte und motivierte Einzelpersonen, haben sich in Berlin gleichermaßen enorme Verdienste um den Radsport erworben.

RTF und CTF Veranstaltungen werden in Berlin fast jedes Wochenende angeboten. Gewiss nicht immer mit sehr viel Teilnehmern. Aber ist das die alleinige Schuld des BRV? Es ist neben der Verkehrssituation, auch der Berliner Mensch. „Icke“ hat so seine eigene Lebensführung.

Ich kenne in Berlin viele Treffpunkte, wo sich am Wochenende Rennradfahrer, MTB-Leute, sonstige, zu vielseitigen Ausfahrten treffen. Einfach zu Hause auf das Rad steigen, zum Treff, manchmal auch mit den „Öffentlichen“, und losfahren. Und nicht wie sehr oft in SH und Hamburg mit dem Auto, tausende Kilometer, bei den oft sehr hohen Teilnehmerzahlen, zu fahren. Manchmal um nur 30-40 km bei einer CTF zu fahren. Ist diese CO 2 Belastung nicht auch einmal zu diskutieren? Wünschenswert? Hohe Teilnehmerzahlen sind immer auch eine hohe Umweltbelastung.

Der BRV hat im Schüler- und Nachwuchsbereich wertvolle Arbeit geleistet. Viele Fahrer der aktuellen Nationalmannschaften kommen aus Berlin.

Jedes Jahr ist der BRV Ausrichter vielseitiger Radsportveranstaltungen. Am kommenden Wochenende z. B., die Deutschen Omnium-Meisterschaften im Velodrom an der Landsberger Allee. Oder die Tour de Berlin, immer vier Etappen über Pfingsten für U 23 Fahrer. Ich könnte viele weitere tolle Angebote hinzufügen.

Das Problem in Berlin ist wohl immer noch das Zusammenwachsen der ehemals geteilten Stadt, auch im Radsport.

Verfasst: 19.12.2013, 20:51
von Querfeldein
Lieber Angelboot,

eine schöne Lanze brichst Du für den BRV, aber was hat das mit dem eingangs von Helmut erstellten Freds zu tun?

Erschließt sich mir nicht.

Verfasst: 19.12.2013, 21:00
von Angelboot
...schon sehr viel!

Und ick liebe Berlin, die Berliner. Dufte!

Verfasst: 19.12.2013, 21:48
von Fülle
Um das mal kurz auf das wesentliche zu reduzieren...

IM der Stasi = Abschaum.

Verfasst: 20.12.2013, 09:36
von Angelboot
Das Wort Abschaum gehört nicht zu meinem Vokabular. Menschen damit zu bezeichnen, ist unterste Schublade.

Zu deiner Erhellung: In Berlin hat eine demokratische Wahl zum Präsidenten
des Berliner Radsportverbandes stattgefunden.

2. Ich habe lediglich versucht die Leistungen des BRV auch etwas in einem positiven Licht zu rücken. Gegenrede nennt man das.
Oder Streitkultur. Gleichschaltung war vor 1989. :!:

Verfasst: 20.12.2013, 16:14
von radfreunde
Ich kenne ihn nicht und kann ihn daher nicht (be-)werten. Aber wenn ich lese
Wikipedia hat geschrieben:... Ende der 90er Jahre bewarb sich der unterdessen viele Jahre parteilose Polauke nach einem deutlichem Bruch mit seiner Vergangenheit (er ließ sich unter anderem christlich taufen) um eine Mitgliedschaft im SPD-Kreisverband Treptow, die aber dort aufgrund starker Vorbehalte wegen seiner Vergangenheit abgelehnt wurde. 2001 erfolgte doch eine Aufnahme in der SPD im Kreisverband Berlin - Treptow.

Von 1998 bis 2011 war Polauke Präsident des Sportvereins Berliner TSC bei dem er noch heute die Funktion des Ehrenpräsidenten innehat. ...
Er scheint einige Dinge danach gemacht zu haben, die bei Menschen angekommen sind, sonst hätten sie ihn nicht unterstützt.

Über die Arbeit des BRV sollte nicht nur nach der Homepage und den RTF's urteilen, wobei ich eine RTF im geschlossenen Verband durch die Berliner Innenstadt am Samstag morgen genossen habe und bin der Meinung, dass dies in HH niemand hinbekommt. ;-) Ansonsten scheinen sie im Leistungssportbereich einiges zu tun usw.

Ob die Wahl eine mediale Anerkennung erfährt, liegt eher an den Medien, die lassen in anderen Sportarten einiges durchgehen, was im Radsport mit "Skandal" und schlimmeren Titeln belegt wird.

Ansonsten - wie geschrieben - ist es eine demokratische Wahl von allen Mitgliedern bzw. Delegierten der Vereine. Die müssen damit glücklich werden.

Viele Grüße

wilf

Verfasst: 20.12.2013, 16:24
von Fülle
Angelboot hat geschrieben:Das Wort Abschaum gehört nicht zu meinem Vokabular. Menschen damit zu bezeichnen, ist unterste Schublade.

Zu deiner Erhellung: In Berlin hat eine demokratische Wahl zum Präsidenten des Berliner Radsportverbandes stattgefunden.
O.k., nochmal in der Langfassung zu deiner Erhellung....

IM der Staatsicherheit der DDR, Verrat von Menschen, die vielleicht dadurch ihren Job nicht ausüben durften, nicht studieren durften oder gar ins Gefängnis gekommen sind, vielleicht erschossen wurden. Ein Instrument einer menschenverachtenden Diktatur -> Abschaum. Das ist das wesentliche, alles andere ist Schönrederei, solche Leute haben in offiziellen Positionen nichts zu suchen, auch wenn Sie Reue gezeigt haben. Jetzt kannst du nochmal sagen, das wäre unterste Schublade, aber ich kenne die DDR noch, da ein Teil meiner Familie dort lebte und ich vieles mitbekommen habe und brauche diesbezüglich keine Belehrungen. Der BRV ist mir dabei egal, da meine Meinung unabhängig davon ist, ob es um ein Amt in einem Verband oder in der Politik geht.

Im Übrigen war meine Antwort nicht mal eine Replik auf deinen Beitrag, den fand ich gar nicht so wichtig, sondern auf den Eingangspost von Helmut.

Verfasst: 21.12.2013, 12:46
von Harterbrocken
IM, die noch immer in offiziellen Funktionen arbeiten, widern mich an. Deren Tun kann man auch nicht oder nur sehr bedingt durch die besonderen Umstände, in denen DDR-Bürger lebten, rechtfertigen. Polauke hat sich nicht rechtmäßig verhalten, richtig. Hier geht es nicht um einen nicht bezahlten Strafzettel, sondern um Wahlfälschung und die zweimalige, nachgewiesene Verpflichtung als IM. Die Einschätzung ungesetzlich lässt sich daher auch mit menschenverachtend übersetzen. Wie müssen sich die Opfer von Günter Polauke fühlen wenn sie sehen, dass der Spitzel an die Spitze einer Organisation gewählt wird? Die Berliner sind zuweilen in der Tat wahrlich wunderliche Wesen.

Im Sport scheinen sich immer noch wieder Lücken aufzutun, über die die Rechercheure in der Stasi-Unterlagenbehörde um Herrn Jahn verzweifeln dürften. Aber es ist das Wesen der Demokratie, dass sie selbst so belasteten Persönlichkeiten wie Günter Polauke eine zweite, dritte oder vierte Chance offerieren. Möge er mit diesem Vertrauen besser umgehen als bis 1989.

Stasi, IM und Radsport sind ein sehr weites Feld. Ich könnte viel zum Fall des ehemaligen ARD-Sportkoordinators und Tour de France-Kommentators Hagen Bossdorf erzählen, der hartnäckig geleugnet hat, bis er doch als IM Florian Werfer überführt wurde. Ich habe damals über ihn recherchiert und geschrieben. Mich überkommt noch immer die Wut, wie der Mann anderen zum Nutzen der eigenen Karriere geschadet hat und bis heute extrem uneinsichtig ist. Ich führe das hier jetzt nicht weiter aus, weil es erfahrungsgemäß bei Themen wie diesen im Forum schnell unsachlich wird.

Außerdem gibt es viel bessere Zeitzeugen, die das DDR-Regime und vor allem die Überwachung und Bespitzelung durch IM erlebt haben. Beim Besuch von Wolfgang Lötzsch in Hamburg, haben einige von uns eine ungefähre Ahnung bekommen, wie es war als Radsportler in der DDR. Auch DDR-Staatsfeind Nummer eins Wolf Biermann, der mit uns überraschend im Publikum saß, hatte wie immer eine sehr dezidierte und kraftvolle Meinung zu dem Verbrecherstaat und obersten IM-Chef Mielke. Siehe:

http://forum.helmuts-fahrrad-seiten.de/ ... php?t=7416

Verfasst: 21.12.2013, 15:43
von mad.mat
Harterbrocken hat geschrieben:Ich könnte viel zum Fall des ehemaligen ARD-Sportkoordinators und Tour de France-Kommentators Hagen Bossdorf erzählen, der hartnäckig geleugnet hat, bis er doch als IM Florian Werfer überführt wurde. Ich habe damals über ihn recherchiert und geschrieben. Mich überkommt noch immer die Wut, wie der Mann anderen zum Nutzen der eigenen Karriere geschadet hat und bis heute extrem uneinsichtig ist. Ich führe das hier jetzt nicht weiter aus, weil es erfahrungsgemäß bei Themen wie diesen im Forum schnell unsachlich wird.
Mich würde die Geschichte von Hagen Bosdorf schon sehr interessieren!