II. Radkalte Nacht, Hamburg-Harburg (Berichte + Bilder)

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ducdich
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II. Radkalte Nacht, Hamburg-Harburg (Berichte + Bilder)

Beitragvon ducdich » 18.01.2015, 13:11

Als ich zum ersten Mal von dieser Veranstaltung hörte, dachte ich noch: "Was für eine bekloppte Idee." und "Wie verrückt muss man sein, knapp 80 km mit dem MTB durch die eiskalte Nacht und Schlamm zu fahren?!" Naja, wenn man sich so vorab seine Gedanken darüber macht, fallen einem tausend Dinge ein, die man lieber machen könnte... z. B. im warmen Wohnzimmer auf dem Sofa chillen oder ins Kino gehen usw. Aber ab und zu braucht man die Herausforderung und etwas Abenteuer.

Zusammen mit einem Freund meldete ich mich an und überlegte dann, wie ich mich am besten gegen Kälte und Dunkelheit vorbereiten könnte. Der Kampf gegen Kälte war einfach. Spezielle Schuhe von 45NRTH und Bergsteigerhandschuhe leisteten auch bei meinen Tagtouren unterhalb der 0°C Grenze gute Dienste. Für die Beleuchtung nahm ich meine Lupine Wilma und die Lupine Piko Taschenlampe mit Lenkerhalterung meiner Frau als Reserve mit. Mein Freund hatte die neue Lupine Betty mit. Wenn er diese auf volle Leistung stellte, fingen die Vögel an zu zwitschern, weil sie dachten die Sonne wäre aufgegangen. Mit sieben Leuten machten wir uns auf den Weg.

Der Veranstalter erzählte uns, er wolle nach der Tour noch im Biwakschlafsack übernachten. Es gab sogar noch zwei weitere Mitstreiter. Ich dachte, bei Nacht im Wald mit dem MTB sei bekloppt genug, aber man kann allem noch ein Sahnehäupchen aufsetzen.

Es ging vom einsamen Waldparkplatz aus los und recht schnell ging es auch schon auf den ersten schlammigen Pfad. Die Lampen leuchteten den Trail perfekt aus und man konnte so fahren wie am Tag. Aber es war ein ganz anderes Gefühl; ein herrliches entspannendes irgendwie. Man konzentrierte sich auf das Wesentliche: auf`s Fahren, den Vordermann, das was man im Lichtkegel sah und auf die herrliche Stille. Auf einmal kam mir das überhaupt nicht mehr bekloppt vor, sondern wunderschön. Ich überlegte, warum ich das nicht schon viel früher mal ausprobiert habe. Aufgrund meiner Bekleidungswahl fühlte ich mich pudelwohl, obwohl wir am Parkplatz eine dreiviertel Stunde auf einen Teilnehmer gewartet hatten und schon recht durchgekühlt waren. An den ersten Anstiegen im Wald kamen aber alle schnell wieder auf Betriebstemperatur.

Zwischendurch gab es immer mal wieder Schotterwege oder auch Teerstraßenstücke und so hatte man immer mal kurz Zeit nebeneinander zu fahren, sich zu unterhalten und von den Trailetappen zu erholen. Es ging durch Klecken und dann durch Handeloh. Nach 40 km war erstmal ein kleiner Zwischenstopp angesagt, um sich aufzuwärmen und Energie nachzutanken. Mitten im Wald steuerten wir einen offenen Pavillionunterstand an und machten es uns gemütlich. Es wurden Teelichter angezündet und es kamen Thermoskannen mit heißen Getränken und heißes Wasser für die mitgeführten Tütensuppen zum Vorschein. Auch andere Leckereien stapelten sich auf dem Tisch und fanden schnell dankbare Abnehmer.

Nachdem alles wieder verstaut war und wir sichergestellt hatten dass nichts liegengeblieben ist, ging es auf einen schönen Waldtrail. Das machte wieder ganz besonderen Spaß im Lichtschein diesen entlang zu surfen. Auf dem Brunsberg kam uns dann eine jugendliche Wandergruppe um 23:30 Uhr entgegen; im Stockdunkeln. Das sah aus wie eine Nachtwanderung einer Klassenfahrt. Wir waren nicht ganz allein in der Nacht.

Dann kam es auf einem Schotterweg zu einem folgenschweren Unfall mit Fahrerflucht. Ich sah im Lichtkegel etwas kleines aus der Grasnarbe huschen und dann lief es mir direkt vor`s Vorderrad. Ich hatte keine Chance mehr auszuweichen und schon war die kleine Maus unter meinem Vorderrad. Anhalten und Mund zu Mund Beatmung und sonstige Erste Hilfe Maßnahmen habe ich sträflich unterlassen und habe nun auch ein ganz schlechtes Gewissen. :sad:

Ab der Verpflegung bin ich schon etwas mit meinen Freund voraus gefahren, da dieser früh morgens zur Arbeit musste und nach und nach die wenigen Stunden Schlaf bis dahin schwinden sah. Ein weiterer Mitfahrer schloss sich uns an. Wie mit den übrigen verabredet, fuhren wir schon mal zum nächsten Verpflegungspunkt (Mc Doofnald in Dibbersen) vor. Auf dem Parkplatz angekommen, überlegten wir kurz nun rein zu gehen oder weiter zu fahren. Hunger hatten wir nicht und um meinen Freund nicht um weitere Stunden Schlaf zu bringen, fuhren wir weiter. Das letzte Stück ging dann nochmal schön durch die Harburger Berge (Paul-Roth-Stein) und war nochmal mit einigen Höhenmetern gespickt.

Am Auto angekommen waren wir uns einig: eine perfekt organisierte Tour mit riesigem Spaß- und Suchtpotenzial. Ich kam nur jedem empfehlen, mal bei Nacht eine Tour mit ein paar Leutchen zu machen. Mit guten Licht ist das eine wunderbare Erfahrung, bringt mindestens genauso viel Spaß wie am Tage. Wir hatten nun auch noch Glück mit dem Wetter (das war der Ausgleich für die Absage der Tour vor einer Woche durch den Orkan). Im Lichtschein glitzerte der Rauhreif auf den Autos oder anderen Stellen und sah richtig klasse aus.

http://youtu.be/oeUytVCWAUw

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RADKALTE Nacht

Beitragvon Gerald » 18.01.2015, 18:20

:D Ich kann mich dem Bericht von ducdich nur anschließen - eine ganz feine Tour.

An der Stelle nochmals vielen Dank an die beiden Veranstalter!!!
...ich kann auch ohne Profil ;-)
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+Paule+
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Beitragvon +Paule+ » 20.01.2015, 16:45

Danke für das Lob und den ausfühlichen Bericht. Schön das Gefallen an unserer Idee gefunden habt.

@ducdich: Dürfen wir Deinen Bericht für unseren Blog benutzen?
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Beitragvon ducdich » 20.01.2015, 20:51

@ducdich: Dürfen wir Deinen Bericht für unseren Blog benutzen?
Sehr gerne!
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