3. Bad Harzburger MTB-Marathon '11 (Bericht und Bilder)

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Ulrike
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3. Bad Harzburger MTB-Marathon '11 (Bericht und Bilder)

Beitragvon Ulrike » 27.04.2011, 23:40

<img src="http://wp.seniorensport-extrem.de/pic/bad harzburg bike marathon 02.jpg" alt="">

<b>3. Bad Harzburger MTB-Marathon 2011
Teil 1 der Mission erfüllt</b>


Am 16.04. sollte es soweit sein. Mit dem 3. Bad Harzburger MTB Marathon stand der erste Lauf des Harzer MTB-Cups an, den Konkursus und ich uns für dieses Jahr vorgenommen hatten. Kurz vorher nochmal einen Blick in die Ausschreibung:

"Eine 17 km und ca. 549 hm lange Runde mit Aussicht auf Bad Harzburg und dem Vorharz. Gespickt mit schönen Singletrails und schnellen, teils technischen Abfahrten."

Oh Schreck :geschockt: Das hatte ich wohl vorher nicht richtig gelesen. Das ist definitiv nichts für Schisser wie mich, die schon beim Wilseder Berg die Krise bekommen. In weiser Voraussicht hatte der Veranstalter jedoch schon mit solchen Problemfällen gerechnet und für den Vortag noch einen Fahrtechnik-Kurs arrangiert, für den wir uns natürlich gleich anmeldeten.

Sonja und Anja vom Team Power Flower http://www.power-flower.de, zwei Bikerinnen mit der Spezialität Downhill und Freeride, die schon in der deutschen Nationalmannschaft gestartet waren und Titel über Titel eingefahren hatten, unterwiesen uns einen Vormittag lang geduldig in den Feinheiten des Bremsens, der Kurventechnik und des Bergabfahrens. :OK:

<img src="http://wp.seniorensport-extrem.de/pic/bad harzburg bike marathon 01.jpg" alt="">

Inzwischen war auch die 17 km-Runde vollständig markiert und so beschlossen wir, die Strecke einmal abzufahren und das Gelernte dabei gleich umzusetzen. Die ersten 4 km ging es im Grunde nur bergauf von 260 auf 570 m, teilweise sehr steil auf schmalen Fußwegen. Ich versuchte, so wenig wie möglich zu Schieben, mit dem Ergebnis, dass ich fix und fertig war. Oben gab es ein moderates Auf und Ab abwechselnd auf Forstwegen und Trails und eine längere Abfahrt mit Gegenanstieg. Ca. 4 km vor Ende der Runde fing plötzlich meine Kette an fürchterlich zu scheppern und so hieß es schieben. Während Konkursus schon vorfuhr, um das Auto vom Hotel zum Festgelände zu bringen, konnte ich in Ruhe den Rest der Strecke inspizieren. Es ging nur noch bergab, erst auf einem Forstweg, dann mit einer scharfen Rechtskurve in einen recht steilen langen Singletrail mitten durch eine Baumanpflanzung, dann mit einer scharfen Linkskurve auf eine frostgeschädigte Forststraße schnurstraks zum Festgelände, wo gerade einige Stände aufgebaut wurden.

Ein netter Mensch von einem Bikestand sah sich das Rad an, schraubte das untere Schalträdchen ab und schüttelte den Kopf: "Lager hinüber, Mülltonne!" Er rief noch einen Bekannten aus dem örtlichen Bikeshop an, der nachsehen wollte, ob ein Ersatzteil da war und ggf. zum Rennen mitbringen wollte. Konkursus war inzwischen mit dem Auto angekommen und packte das unbrauchbare Rad ein. Da standen wir nun wie bestellt und nicht abgeholt. Was tun? Für Konkursus war die Sache sofort klar: "Wenn es kein Ersatzteil gibt, nimmst du mein Rad. Bei den wenigen gemeldeten Frauen kommst du automatisch in die Cup-Wertung, wenn du die drei Runden im Zeitlimit schaffst."

Drei von diesen Runden ?!?!? Wie soll das denn gehen ! Die eine war ja schon mehr als genug gewesen. In der Nacht schlief ich so schlecht wie lange nicht mehr, hatte Alpträume von einem vergeigten Triathlon und wachte vollkommen gerädert - was für ein passendes Wort - auf. Da half auch das Supersommerwetter nicht weiter. Und ein Ersatzteil gab es auch nicht. :Heul:

Konkursus blieb bei seiner Meinung und montierte kurzerhand meinen Sattel auf sein Rad: "Ich erwarte, dass du das Rennen durchziehst und heil wieder ankommst. Nur dafür geb' ich das Rad her!" Toll, dieser Stress am Sonntagmorgen. Da half nur noch tief durchatmen und die Taktik überlegen, und die hieß Sicherheit vor Tempo. Die schönen neuen MTB-Rennschuhe mit extrasteifer Sohle blieben im Auto, stattdessen Flatpedals und Aldi-Jogger, Trinkrucksack statt Rumfummeln an der Flasche und bergauf viel schieben, um Kraft für die Trailabfahrten zu behalten. Meine bisherige Angstvermeidungs-Methode, bergauf Zeit herauszufahren und die steilen Bergabpassagen zu schieben, konnte hier nicht funktionieren. Bergauf war definitiv zu steil und die Bergab-Trails zu lang und zu schmal, eben Singletrails.

Insgesamt gab es drei Teilnehmergruppen: Freizeitfahrer und jugendliche Sprinter mit einer Runde, ambitioniertere Hobbysportler wie wir mit drei Runden und die ganz Harten mit Profiqualitäten mit fünf Runden. Die Gruppen starteten zeitlich versetzt, die 5er zuerst, jeweils in einem hitzigen Massenstart, wobei der erste Teilnehmer schon nach ein paar hundert Metern bei der Einstiegsrunde um den Sportplatz von einem Krankenwagen abgeholt werden musste. Puuh, das ging gut los.

<img src="http://wp.seniorensport-extrem.de/pic/bad harzburg bike marathon 03.jpg" alt="">

Die Schiebefrage erledigte sich in der ersten Runde von selbst. Eine endlose Karawane schlich mit den Rädern in der Hand den Berg empor. Ein paar kraftstrotzende Nachzügler, die sich wohl in der Startaufstellung vertan hatten und vorbeifahren wollten, ernteten nur Hohn und Spott. "Was soll das! Du nervst! Wer hier fahren will, muss ganz vorne starten!"

Auf den Trails versuchte ich mich mit den Power Flower-Ansagen zu beruhigen: "Bremsen leicht schleifen lassen, bei Wurzeln und Steinen öffnen, Hintern hinter den Sattel und Ellbogen nach außen, dann passiert nichts." Das funktionierte sogar, bis die Überholer kamen. Am besten waren die mit lauten Rädern, die man schon von weitem hörte. Da konnte ich mir eine passende Stelle zum Ausweichen suchen und alles klappte wie am Schnürchen. Dann gab es die Braven, die wie vom Streckensprecher befohlen, rechtzeitig "rechts" oder "links" riefen. Auch das funktionierte ganz gut.

Leider war es damit nicht getan, sondern es gab noch die ganz besonders unangenehme Spezies der Kamikazefahrer, die erst im letzten Augenblick "Vorsicht!" schrien. :Spinnen: Da half es nur noch, an Ort und Stelle zu bleiben, den Kopf einzuziehen und zu beten, dass die Jungs ihr Rad besser im Griff hatten als ihren Verstand.

Aber das Glück war diesmal mit mir und mithilfe der bei den Rundendurchfahrten angereichten Verpflegung

<img src="http://wp.seniorensport-extrem.de/pic/bad harzburg bike marathon 04.jpg" alt="">

erreichte ich nach 4:12 Std. heil und unversehrt das Ziel. Nur die Nerven waren etwas angeschlagen. Aber was soll's. Die Mission war erfüllt und die ersten Punkte in der Cup-Wertung gesichert.

Für die diejenigen, die schnelle Bergab-Trails lieben und sich beim Wilseder Berg langweilen, ist diese sehr schön organisierte Veranstaltung ein absolutes Muss. Im nächsten Jahr findet der Marathon voraussichtlich am 29.04. statt.

Auf der Homepage zum Marathon finden sich noch einige sehr schöne Photos, besonders auch von der der Strecke: http://www.mtb-bad-harzburg.de/index.php/bilder :foto:
Das genaue Streckenprofil befindet sich bei <a href="http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ngummdwtetibhhlc" title="GPSies - 1.Bad Harzburger MTB Marathon"><img src="http://www.gpsies.com/images/linkus.png" border="0" alt="GPSies - 1.Bad Harzburger MTB Marathon" /></a>.

Ulrike
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Janibal
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Re: 3. Bad Harzburger MTB-Marathon '11 (Bericht und Bilder)

Beitragvon Janibal » 28.04.2011, 11:14

Ulrike hat geschrieben:und bergauf viel schieben, um Kraft für die Trailabfahrten zu behalten. Meine bisherige Angstvermeidungs-Methode, bergauf Zeit herauszufahren und die steilen Bergabpassagen zu schieben, konnte hier nicht funktionieren. Bergauf war definitiv zu steil und die Bergab-Trails zu lang und zu schmal
Mal ne Frage: Wieso haben die Menschen vor 6000 Jahren das Rad erfunden?
Ulrike hat geschrieben:"Bremsen leicht schleifen lassen, bei Wurzeln und Steinen öffnen, Hintern hinter den Sattel und Ellbogen nach außen, dann passiert nichts."
Sehr schön erklärt, MTB reiten ist ein Ganzkörpersport, nicht nur Beinarbeit. Vielleicht noch anzumerken, um Material zu schonen: Scharf bremsen, sonst rollen lassen, wobei sich die Frage von oben schon beantwortet hat.

Ulrike, du hast mich wieder mal am Spass auf Teer zweifel lassen.
St. Jan
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Beitragvon Helmut » 29.04.2011, 00:03

Der Veranstalter schrieb:

Wir von der Nordharzer RSG und dem Nordharzer Racing Team waren wieder überrascht, wie unsere Idee ein MTB Rennen in Bad Harzburg zu veranstalten, wohl genau den Nerv der MTB Fans trifft.

Wir bedanken uns bei 405 Teilnehmern, eine Anzahl, die wir nicht erwartet hatten. Wir hoffen dennoch jedem gerecht geworden zu sein. Wir werden uns weiter bemühen dieses Event noch zu verbessern. Ergebnisse und Bilder, siehe:

http://www.mtb-bad-harzburg.de/

Vielleicht ist es das: Wir fahren selber MTB-Rennen, wissen was wir gerne möchten und versuchen das bei uns umzusetzen.

Wir freuen uns auf das nächste Jahr, letztes Wochenende im April, wenn es heißen soll: 4. Bad Harzburger Bike Marathon.

Nächstes Rennen des Harzer Mountainbike Cups am 21. und 22. Mai 2011
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Dankeschön

Beitragvon Harzerbub » 06.05.2011, 16:32

Dankeschön für diesen schönen Bericht Deines Rennens in Bad Harzburg.
Schade, dass es mit dem Ersatzteil nicht funktioniert hat. Ich hoffe, dass Du im nächsten Jahr wieder dabei bist!!

Grüße aus dem Harz

Axel Bues
Nordharzer RSG

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