Vierlanden: LKW fuhr in Rennrad-Gruppe - Toter, Verletzte...

Athen83

Gefühlter Freispruch erster Klasse

Beitragvon Athen83 » 14.08.2013, 19:48

Den Führerschein darf er behalten.

Unfaßbar.
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tierfreund23
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Beitragvon tierfreund23 » 14.08.2013, 20:33

Das Urteil ist echt ein Witz... :mad:
Wenn der weiter Auto fahren darf.... :mad:
Manchmal verstehe ich einfach die Deutsche Rechtssprechung nicht.
Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte,
drum gab er Säbel, Schwert und Spieß, dem Mann in seine Rechte,
drum gab er ihm den kühnen Mut, den Zorn der freien Rede...

Zitat: Ernst Moritz Arndt 1812
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thomas-hh
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Beitragvon thomas-hh » 14.08.2013, 22:51

Die Staatsanwaltschaft wird nicht in Berufung gehen, da der Richter deren Antrag gefolgt ist. Zudem hat die Staatsanwältin wohl in ihrem Plädoyer den Zeugen Absprachen unterstellt.

Mich plättet dieses Urteil.

Thomas
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Harterbrocken
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Beitragvon Harterbrocken » 14.08.2013, 23:46

Sonja1 hat den Prozessverlauf oben ja schon beschrieben. Wir beide haben den Plädoyers der Anwälte und der Urteilsverkündung mit großem Interesse zugehört. Es ging wieder um viele Details. Und es waren wieder viele Medienvertreter und Kamerateams vor Ort.

Wie soll man das Urteile bewerten? Es mag zunächst milde klingen. Geldstrafe und Führerscheinmassnahmen werden nicht verhängt. Sind 10 Monate Freiheitsstrafe, die auf zwei Jahre zu Bewährung ausgesetzt werden, gerecht? Schwer zu sagen. Gordian G. macht es nicht wieder lebendig, das wurde mehrfach von allen Seiten betont.

Entscheidender Umstand ist, dass das Gericht von fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung ausgeht und keine Rücksichtslosigkeit beim Lkw-Fahrer erkennt. Wäre das der Fall, hätte sich das strafverschärfend ausgewirkt. In den vergangenen Jahren ist der Lkw-Fahrer insgesamt durch drei Tempoübertretungen in der Verkehrssünderkartei in Flensburg aktenkundig geworden.

Bemerkenswert finde ich noch, das Verteidiger Rolf-Peter Rocke am 8. August auf der Unfallstrasse Videos von Trainingsgruppen, in der auch RG Uni Hamburg-Mitglieder mitfuhren, hat anfertigen lassen. Nach seinen Worten ist darauf zu sehen, dass die Gruppe nicht diszipliniert in Zweierreihe fährt, sondern eher unorganisiert in Dreierreihen. Das Video sollte seinen Mandaten entlasten. Doch weder die Staatsanwältin, noch der Richter wollten das Video sehen. Schade, mich hätte schon interessiert, was darauf zu sehen ist und an welcher Stelle das gedreht wurde.

Hoffentlich trägt das Urteil dazu bei, dass wir alle uns - egal ob Auto- oder Radfahrer - die permanente Gefahr beim Rennradfahren auf der Strasse immer wieder bewusst machen. Es gibt nach wie vor zu viel Unkenntnis und Unsicherheit über die Rechtslage, die zu gefährlichen Fahrmanövern und Aggressionen führt.

Die Wochen nach dem Unfall hatte ich den Eindruck, dass die meisten Autofahrer auf dem Deich besonders rücksichtsvoll fuhren. Doch inzwischen kommt es dort immer wieder zu engen Situationen und gefährlichen Begegnungen zwischen Rad- und Autofahrern. Problem sind meist parkende Autos und Radfahrer die überholt werden, während sich gleichzeitig auf der Gegenspur ebenfalls Radfahrer nähern. In diesem Fall ist die Strasse einfach zu schmal für alle.

Darum plädiere ich an dieser Stelle nochmals für eine Einbahnregelung oder sogar Sperrung für Autos zu bestimmten Stunden zwischen Tatenberg und Zollenspieker. Das sollte Radsportfunktionäre und Politiker vehement einfordern, damit es nie wieder zu einem so traurigen Unfall kommt.
Blueberry
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Beitragvon Blueberry » 15.08.2013, 09:20

Na ja, die Forderung im letzten Absatz ist ja wohl utopisch. Es handelt sich hier um eine öffentliche, stark befahrene Strasse und nicht um eine Spiel- oder Vergnügungsstrasse.

Nach welchen Kriterien sollte die gesperrt werden? Mal ehrlich, so tragisch der Unfall war und so oft es auch gefährliche Situationen im Verkehr dort gibt - wer sich als Radfahrer dort nicht mehr wohl und sicher fühlt, muss halt woanders seine Runden drehen.
Athen83

Beitragvon Athen83 » 15.08.2013, 09:36

Blueberry hat geschrieben:Na ja, die Forderung im letzten Absatz ist ja wohl utopisch. Es handelt sich hier um eine öffentliche, stark befahrene Strasse und nicht um eine Spiel- oder Vergnügungsstrasse.

Nach welchen Kriterien sollte die gesperrt werden? Mal ehrlich, so tragisch der Unfall war und so oft es auch gefährliche Situationen im Verkehr dort gibt - wer sich als Radfahrer dort nicht mehr wohl und sicher fühlt, muss halt woanders seine Runden drehen.
So sehe ich das auch.

Meiner Meinung nach würde solch eine Maßnahme die Abneigung ggü. Radlern noch steigern. Denn wenn der Autofahrer dann zu der Sperrzeit einen Umweg fahren muß, mäht er genervt an anderer Stelle die Radfahrer um.
Angelboot

Beitragvon Angelboot » 15.08.2013, 09:40

Ich stehe ja gewiss nicht im Verdacht radfahrerfeindlich zu sein. Jeder Todesfall im Radsport tut weh. Wir bewegen uns im Straßenverkehr in Konkurrenz mit dem Autoverkehr, dass sollte uns Radfahrern stets bewußt sein. Viele, die hier einen Kommentar abgegeben haben, waren bei der Unfallfahrt nicht dabei. Ich auch nicht. Deshalb sollten wir uns alle mit Schuldzuweisungen zurückhalten.

Ich beobachte bei meinen Touren sehr viel rücksichtsloses Verhalten von Autofahrern. Wir dürfen aber auch nicht auf einem Auge blind sein. Auch Rennradfahrer, besonders in Gruppen, sind oft für Autofahrer schlecht einzuschätzen. Sie fahren eine Art Rennen im öffentlichen Straßenverkehr. Und Zweierreihe hält keine Gruppe bei hohen Geschwindigkeiten dauernd ein.

Der zu Tode gekommende Rennradfahrer wird durch ein härteres Urteil nicht wieder lebendig. Der Autofahrer ist wohl auch seelisch gestraft genug, sein Leben lang.
Harterbrocken hat geschrieben:Darum plädiere ich an dieser Stelle nochmals für eine Einbahnregelung oder sogar Sperrung für Autos zu bestimmten Stunden zwischen Tatenberg und Zollenspieker. Das sollte Radsportfunktionäre und Politiker vehement einfordern, damit es nie wieder zu einem so traurigen Unfall kommt.
Entschuldigung Harterbrocken, aber so eine Forderung ist Blödsinn und nur populistisch. Die Autofahrerlobby würde weitere Gründe finden, uns zu diskriminieren. Präventive Maßnahmen, Großformatige Schilder, die auf Rennradtraining auf diesem Streckenabschnitt hinweisen, sind da hilfreicher.
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Fahrverbot?

Beitragvon axiom 1 » 15.08.2013, 12:40

Leider müssen wir akzeptieren, dass die Autos zuerst auf den Strassen waren und dazu in der überwältigenden Mehrheit sind. Wir können sie also nicht von hinten raus verdrängen.

Das erinnert mich an Leute, die an einer Bundesstrasse billig Bauland erwerben, sich ein schönes Nest bauen und dann Tempo 30 wegen der Kinder fordern, weil die Autos so gefährlich seien. Deutschland!

Wir können nur auf ein vernünftiges Miteinander setzen, so schwer das auch oft ist.

Selbst eigentlich aufgeklärte Vereinsradfahrer schaffen es nicht immer in Zweierreihe zu fahren und überholen trotz Gegenverkehrs gern noch jenseits der Mittellinie. Wenn wir Fahrverhalten nicht diszipliniert schaffen schwächen wir unsere Position bei Forderungen.

Da wir als Radfahrer der deutlich schwächere Verkehrspartner sind, gebührt allerdings immer noch uns der besondere Schutz.
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Beitragvon radfreunde » 15.08.2013, 13:29

Harterbrocken hat geschrieben:Darum plädiere ich an dieser Stelle nochmals für eine Einbahnregelung oder sogar Sperrung für Autos zu bestimmten Stunden zwischen Tatenberg und Zollenspieker. Das sollte Radsportfunktionäre und Politiker vehement einfordern, damit es nie wieder zu einem so traurigen Unfall kommt.
Eine Sperrung von Durchgangsstraßen für den Autoverkehr, der dann durch die Dörfer gezwungen wird, halte ich wie die anderen Kommentatoren für wenig aussichtsreich.

Nach meinen Beobachtungen während des Bundes Radsport Treffens in Cottbus beflügelt, sollten wir lieber eine andere Strategie verfolgen. Dort sind wir - außerhalb der Stadt - auf eine großen Zahl von Fahrradstraßen durch die Wälder und Landschaft rund um Cottbus gefahren. Bitte jetzt nicht das Argument "ist ja alles von unserem Soli bezahlt". Auch in unserer Region gibt es reichlich gute Wege in der Landschaft - Wirtschaftswege, Deichverteidigungsanlagen etc., die nicht für den Durchgangsverkehr gedacht sind.

Wenn man umwidmet in Fahrradstraßen, wäre viel gewonnen. Wir sind beim BRT mehrere Kilometer auf einer Fahrradstraße vor einem LKW hergefahren. Er hat erst gehupt, um zu zeigen, dass er vorbei wollte, als die Fahrradstraße beendet war. Hier muss man auf den Wirtschaftswegen zum Hechtsprung bereit sein, wenn sich ein Traktor nähert.

Vielleicht mal in diese Richtung denken?

Gruß

wilf
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Beitragvon Harterbrocken » 15.08.2013, 13:51

Angelboot hat geschrieben:Entschuldigung Harterbrocken, aber so eine Forderung ist Blödsinn und nur populistisch. Die Autofahrerlobby würde weitere Gründe finden, uns zu diskriminieren. Präventive Maßnahmen, Großformatige Schilder, die auf Rennradtraining auf diesem Streckenabschnitt hinweisen, sind da hilfreicher.
Klar ist meine Forderung weit gegriffen und meinetwagen auch populistisch, was ja aber leider als Schimpfwort gebraucht wird. Denn leider bewegt man nur dann etwas, wenn Forderungen weit reichen und scheinbar übers Ziel hinausschießen. Sollten am Ende wenigstens Schilder oder Warntafeln dabei rausspringen, wäre doch schon was gewonnen. Man kennt das doch von Tarifverhandlungen: Gewerkschaft fordert acht Prozent, Arbeitgeber sind für zwei Prozent. Was wird es nach Streik und Schlichtung? Richtig, fünf Prozent.

Zu dem Deichabschnitt gibt es für Autofahrer gut nutzbare Alternativrouten, in den Nachmittags- und Abendstunden ist der Verkehr eher mässig. Und was, bitteschön, wäre für die selbsterklärte Sportstadt Hamburg imagefördernder, als einen beliebten Straßenabschnitt für Radfahrer, Skater und Läufer zeitweillig für Autos zu sperren?

Übrigens: Vor Jahren gab es um die Binnenalster, Dienstags glaube ich, die sehr beliebte Skaternacht mit Sperrung einzelner Fahrspuren. Immerhin ist es damals offenbar gelungen, zur Feierabend-Rushhour an einem Verkehrsknotenpunkt den Sportlern Raum einzuräumen. Ich stand dann erst im Stau, ärgerte mich darüber und habe schließlich einfach mit dem Klapprad teilgenommen. Also, ich wünsche mir hier einfach mehr Engagement seitens Politik und Funktionären. Denn wie geschrieben empfinde ich die Sicherheitslage auf dem Deich mangelhaft.
Angelboot hat geschrieben:Auch Rennradfahrer, besonders in Gruppen, sind oft für Autofahrer schlecht einzuschätzen. Sie fahren eine Art Rennen im öffentlichen Straßenverkehr.
Stimmt, das ist so und ein Problem für unseren Sport. Im öffentlichen Verkehr ist ein Radrennen etwa so deplatziert wie eine Segelregatta im Hauptfahrwasser der Elbe. So gesehen fasse ich mir als Alleycat-Teilnehmer gleich mal an die eigene Nase, denn diese zügigen Schnitzeljagden finden auch im öffentlichen Verkehr statt.

Doch noch viel größer sind die Gefahren beim "Rennrad-Renntraining" auf dem Deich oder sonst wo. Denn wer mit 45 km/h und mehr in dichter Zweierreihe und größeren Gruppen über die Straßen brettert, hat weniger Konzentration für den Autoverkehr als bei 25 bis 30 km/h. Für Entgegenkommer wird es noch schwieriger, die relativ hohe Geschwindigkeit der Radfahrer einzuschätzen. Das Unfallrisiko steigt erheblich.

Im Prozess wurde immer wieder die Lenkerhaltung angesprochen. Alle Zeugen gaben zu Protokoll, dass sie zum Unfallzeitpunkt in Oberlenkerhaltung gefahren seien. Das bedeutet: Bei Unterlenkerhaltung hätten Gutachter und Gericht bei den Radfahrern wahrscheinlich ein Aufmerksamkeits-Defizit und damit eine Mitschuld erkannt. Bei Tempo 45 und mehr wird eher Unterlenker- als Oberlenkerhaltung gefahren. Will sagen, "eine Art Rennen im öffentlichen Straßenverkehr" hat dort eigentlich nichts zu suchen. Es sei denn, die Straße ist dafür gesperrt.
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Re: Fahrverbot?

Beitragvon schaengel » 15.08.2013, 15:28

axiom 1 hat geschrieben:Leider müssen wir akzeptieren, dass die Autos zuerst auf den Strassen waren und dazu in der überwältigenden Mehrheit sind
Aber zu allererst waren die Fußgänger da!

Davon abgesehen gibt es zum Glück Rechtsgüter (Unversehrtheit der Person oder so ähnlich), die nicht nach dem Prinzip "wer zuerst kommt..." verteilt werden!
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Beitragvon akardi » 15.08.2013, 16:02

Kann dieses Urteil nicht nachvollziehen. :roll:
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Beitragvon Gastfahrer » 15.08.2013, 17:12

Harterbrocken hat geschrieben:Bemerkenswert finde ich noch, das Verteidiger Rolf-Peter Rocke am 8. August auf der Unfallstrasse Videos von Trainingsgruppen, in der auch RG Uni Hamburg-Mitglieder mitfuhren, hat anfertigen lassen. Nach seinen Worten ist darauf zu sehen, dass die Gruppe nicht diszipliniert in Zweierreihe fährt, sondern eher unorganisiert in Dreierreihen. Das Video sollte seinen Mandaten entlasten. Doch weder die Staatsanwältin, noch der Richter wollten das Video sehen. Schade, mich hätte schon interessiert, was darauf zu sehen ist und an welcher Stelle das gedreht wurde.
Im Nachhinein bringt das aber auch nicht viel neue Erkenntnis. Auch bei Zweierreihe gibt es Überholvorgänge, Zurückfallen der vorderen beiden oder kurzzeitiges Verschieben der Position im Feld, um Bremsen zu vermeiden. Es gibt nunmal zuviele Kfz, die mit völlig unzureichendem Seitenabstand zu Radfahrern (auch entgegenkommenden) unterwegs sind. Selbst Motorräder, die Kurven bis an die äußere Markierung der Gegenfahrbahn schneiden.

Allerdings, gerade kürzlich wurde hier im Forum zur RTF Durch die Vogelpark-Region (http://forum.helmuts-fahrrad-seiten.de/ ... 7223#47223) ein kurzes Video veröffentlicht: http://www.youtube.com/watch?v=Id63eYiruqE

Dort mal ab Minute 1:10 einsteigen. Radfahrer breit aufgefächert bis in die markierte Gegenfahrbahn hinein, auf der es sogar Gegenverkehr gibt. So ein Bildmaterial ist natürlich nicht förderlich.
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Beitragvon Blueberry » 15.08.2013, 17:56

Wenn man hier so mitliest, kann man den Eindruck gewinnen, Radfahrer sind Jammerlappen! Immer haben die anderen Schuld, natürlich die Autofahrer! Oder die Fussgänger. Oder diejenigen, die es wagen, Schienen über die Fahrbahn zu verlegen und der arme Radfahrer fällt hin...

Natürlich gibt es den Staat (im allerweitesten Sinne), der sehr, sehr oft seinen Verantwortungen, die er allen Verkehrsteilnehmern gegenüber hat, nicht nachkommt. Ich denke da an Strassen, die in einem katastrophal gefährlichem Zustand sind, z. B. Aber sollten wir Radfahrer nicht uns auch einmal an die eigene Nase fassen? Nur wer auf einen Rennrad sitzt und Sport betreibt, ist nicht automatisch ein guter Radfahrer und besserer Verkehrsteilnehmer, als jemand, der in seinem Auto sitzt. Auch Radfahrer fahren anderen Radfahrer hinten 'rein, sorgen durch riskantes Fahren für Unfälle mit anderen Radfahrern, nur sind die Folgen meist nicht so gravierend, als wenn ein PKW oder LKW im Spiel ist. Jeder, der bei einer RTF mitfährt, kann doch selber sehen, was da oft für Chaoten unterwegs sind und wie dort riskant, verantwortungs- und ahnungslos gefahren wird. Wenn derselbe Fahrer so in seinem Auto sitzend fahren würde, würde das zwangsläufig zu einer Katastrophe führen!

Aber manche Rennradfahrer (gerade solche, die etwas schneller unterwegs sind) halten sich wohl für Quasi-Profis, die dann u. a. auch gern mal dort in Zweierreihen fahren, wo es nicht angebracht ist etc. Das ist denn das Rad fahrende Equivalent zum Jungspunt, der in seinem tiefer gelegten Golf oder was auch immer sich fühlt wie ein Rallye- oder F1-Fahrer... und wenns dann knallt, haben immer die anderen die Schuld.

Ich denke, wir müssen einfach damit leben und klarkommen: der Radfahrer und der Autofahrer werden nie Freunde werden! Jedenfalls nicht hier in Deutschland. In anderen Länder läufts sicherlich besser, aber das wir hier holländische, italienische oder französische Verhältnisse bekommen, das braucht wohl keiner zu hoffen. Auch nicht mit irgendwelchen neuen Verordnungen oder Appellen oder was auch immer. Und wenn wir begreifen, dass wir als Radfahrer den Autofahrer nicht ändern werden, müssen wir so schlau sein und für uns die notwendigen Konsequenzen ziehen.
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Beitragvon sonja1 » 15.08.2013, 18:27

Kann dieses Urteil nicht nachvollziehen.
Ich will versuchen, es Dir aus juristischer Sicht zu erklären: Strafrechtlich muß das Fehlverhalten des Angeklagten beurteilt werden. Dieses bestand hier nach Einschätzung des Gerichts in einer - wenn auch gravierenden - Fehleinschätzung der Fahrbahnbreite und seines LKW. Ich könnte mir auch vorstellen, daß er das Tempo der Rennradgruppe unterschätzt hat. Jedenfalls handelt es sich um eine Fehleinschätzung. Die Folgen dieser Fehleinschätzung sind katastrophal - keine Frage. Aber strafrechtlich ist im wesentlichen das Fehlverhalten zu bewerten. Und da paßt ganz gut das, was blueberry schrieb:
Auch Radfahrer fahren anderen Radfahrer hinten 'rein, sorgen durch riskantes Fahren für Unfälle mit anderen Radfahrern, nur sind die Folgen meist nicht so gravierend, als wenn ein PKW oder LKW im Spiel ist.
Das Gericht kommt also zu dem Schluß, daß das Fehlverhalten eine Fehleinschätzung war, die aufgrund des Aufeinandertreffens von LKW und Radfahrer tragisch endete. Die Fehleinschätzung ist allerdings auch nicht ganz gering zu bewerten, wie - ich meine, es war die Staatsanwältin - im Plädoyer sagte: "Zwei Radfahrer sind nicht breiter als ein Smart. Und wenn Ihnen 5 Smart entgegengekommen wären, hätten Sie vermutlich nicht überholt." ...

Im Rahmen der Strafzumessung ist dann u.a. noch zu berücksichtigen, welche persönlichen Folgen das für den Angeklagten hat. Hier wurde in das Urteil mit einbezogen, daß der Angeklagte selbst erheblich darunter leidet und nach wie vor in psychiatrischer (oder psychologischer (?)) Behandlung ist. Er wird sein Leben lang mit der Tatsache leben müssen, ein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben. Und das geht ihm auch nahe.

Das hat dann insgesamt zu der Verurteilung zu 10 Monaten auf Bewährung geführt.

Übirgens, das nur am Rande: Bei fahrlässiger Tötung sieht das Gesetz auch die Möglichkeit vor, nur eine Geldstrafe zu verhängen. Da wäre ein Menschenleben also noch nicht einmal eine Freiheitsstrafe "wert". Soweit wollte man hier aber nicht gehen.

Und noch was: Das Verfahren hat für den Angeklagten auch finanzielle Folgen, da er die Kosten des Verfahrens zu tragen hat. Das sind die Gerichts-, Anwalts-, Zeugen- und Sachverständigenkosten und schließt auch die Kosten des Anwalts der Nebenklage, also des Vaters ein. Da kommt schon einiges zusammen.
Sonja - die radelnde Anwältin

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Re: Fahrverbot?

Beitragvon Jacfm » 15.08.2013, 19:12

schaengel hat geschrieben:
axiom 1 hat geschrieben:Leider müssen wir akzeptieren, dass die Autos zuerst auf den Strassen waren und dazu in der überwältigenden Mehrheit sind
Aber zu allererst waren die Fußgänger da!
Wie sagte Michael Bloomberg (Bürgermeister von New York) doch so treffend, sich beziehend auf die Geschichte der Straßen: Straßen wurden gebaut, um Menschen zu transportieren, damit sie von A nach B kommen, auf Straßen wurde hauptsächlich gegangen. Straßen sind nicht für Autos.

Nätürlich stellen die Autos heute die überwiegende Mehrzahl der Straßenbenutzer dar, aber das heisst nicht, dass sie das alleinige Benutzungsrecht haben. Denn es gibt auch noch:
- Motorräder
- Radfahrer
- Kutschen & Fuhrwerke
- Krankenfahrstühle
- Baufahrzeuge
- Reiter und
- sogar Fußgänger mit Handfahrzeugen, wenn sie die anderen Fußgänger auf dem Fußweg damit behindern.
Kann auch noch mehr geben, habe aber auf die schnelle nur mal ein paar gängige sowie exotische Teilnehmer rausgesucht. Allerdings hat die Überpräsenz der Autofahrer eben dazu geführt, dass diese sich so verhalten, als wäre die Straße nur für sie (oder gleichschnelle) da. :(
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Beitragvon Gastfahrer » 15.08.2013, 20:31

Kiezkicker hat geschrieben:Der Lkw-Fahrer hat sich maximal rücksichtslos verhalten
Die Radfahrer in dem Video ebenso. Gut ausgegangen ist das dort nur, weil die Personen in den Pkws mitgedacht haben.
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Beitragvon Gastfahrer » 15.08.2013, 22:29

Kiezkicker hat geschrieben:Ja, und? Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Was ist damit gesagt? Dass es auch rücksichtslose Radfahrer geben könnte? Soll eine solche Binse die tödliche Rücksichtslosigkeit des Lkw-Fahrers in diesem Fall relativieren?
Das ist ein Fragenkatalog, der zu sehr in eine einzige Richtung zu drängen versucht.

Es dreht sich meiner Ansicht nach nicht nur um diesen einen Lkw-Fahrer. Und es würde sich im Straßenverkehr auch nichts spürbar ändern, wenn diesem einen der Führerschein entzogen oder eine Haftstrafe aufgebrummt worden wäre.

Da sind leider genug andere unterwegs, die sich in vergleichbaren oder völlig anderen Situationen ebenfalls rücksichtslos verhalten würden. Oder nötigend, manchmal gefährdend. Nur geht das viel öfter glimpflich aus, weil nicht jedes Fehlverhalten mit einem Unfall mit Todesfolge endet. Allerdings ist das Verhalten mancher vom Verhalten anderer beeinflußt. Und einige davon fühlen sich gar allzu leicht provoziert bzw. machen etwas als eine nicht hinnehmbare Behinderung aus (leider auch aus Unkenntnis; Stichworte Radwegebenutzungspflicht, Fahren im Verband) und starten eine Aktion als Gegenmaßnahme. Sei es etwa ein Überholmanöver, das aus unterschiedlichen Gründen riskant gerät. Solche Personen würde ein härteres Urteil nicht ändern, wenn sie davon hören würden.

Bereits Paragraph 1 der StVO ist mit einer Portion Idealismus versehen. Sollten dort denn stattdessen Strafen angedroht werden?
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Beitragvon Helmut » 16.08.2013, 10:45

Gefunden im Pressespiegel des BDR:

Die shz berichtet über das Urteil und seine Geschichte, zitiert dabei was Peer hier im Forum schrieb.

http://www.shz.de/artikel/artikel/hambu ... rteil.html
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon radlhans » 03.06.2014, 23:12

hallo,

es wurde schon alles gesagt, ich schreibe, da ich heute an dieser Stelle entlang fuhr, und ich wollte wissen, was aus der Sache wurde. So landete ich hier.

Einige LKWs donnern weiter dort, auch auf dem Weg von HH in die Vierlande, es hat sich nichts geändert. Ich schreckte damals auf, da mich einige Tage zuvor an derselben Stelle, also wirklich an derselben Stelle, ein gelber LKW mit lautem Motor aggressiv nahezu ohne Abstand überholte. Zuerst dachte ich "Jaja, Post", es war jedoch diese Art von LKW, und ich glaube nicht, daß es mehrere gelbe LKW dort gibt. Ich fiel fast vom Rad. Der letzte, der mich so überholte, hat mich auch wirklich vom Rad geholt. 1.200 Euro, einige Punkte und noch 350 Euro an mich :) für kleine Defekte.

Ich sehe es anders, als einige hier. Verkehrssituationen sind komplex, auch ich könnte jederzeit einen Unfall verursachen, ich erlebe jedoch viele Situationen, auch heute zweimal, in denen das Umnieten von mir in Kauf genommen wird, insbesondere, wenn es eng wird. Der Drang zum Überholen ist einfach größer, mir unverständlich. Wenn dazu noch ein kompletter Idiot als Fahrer hinzukommt, bin ich dran. Das ist rücksichtslos und sollte härter bestraft werden.

--------------------Entscheidender Umstand ist, dass das Gericht von fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung ausgeht und keine Rücksichtslosigkeit beim Lkw-Fahrer erkennt. -------------

Teil-Last trägt auch der Staat, der Autokauf und Autofahren als Optimum und mich Radler als kompletten Loser darstellt. Ich besitze übrigens auch ein KFZ.

Schließlich, ich habe es auch erlebt, wird erst geheizt, dann passiert etwas, oje-oje: och, ich fuhr nur 30, was kann ich dafür, wenn einer ausschert,--- oder in meinem Fall: Ich hatte sooo einen schlechten Tag, den Unfall habe ich gar nicht bemerkt, deswegen fuhr ich weiter, lüg, lüg, lüg ... , der Althaus-Effekt.

Aktuell gibt es den Fall mit Urlaubern, im Prinzip dasselbe:

http://fanforum-deutschland.de/threads/ ... gen.33944/

trotzdem nette Fahrt... :D

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