Vierlanden: LKW fuhr in Rennrad-Gruppe - Toter, Verletzte...

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Tribelix
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Vierlanden: LKW fuhr in Rennrad-Gruppe - Toter, Verletzte...

Beitragvon Tribelix » 09.08.2012, 20:37

<b>Lastwagen fährt in Rennradgruppe der RG Uni Hamburg
33-jähriger Radler tot, zwei Verletzte</b>


Schrecklicher Unfall am Spadenländer Hauptdeich
Ich will da gar nicht dran denken, mir wird schlecht

http://www.bergedorfer-zeitung.de/vier- ... etzte.html :mad:
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turbo32
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Beitragvon turbo32 » 09.08.2012, 20:58

Shit...Horror pur ...

Mein Beileid den Angehörigen
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Beitragvon hutso » 09.08.2012, 21:02

ich habe es auch grad gelesen...
:shock: ich bin schockiert!
turbo32
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Beitragvon turbo32 » 09.08.2012, 21:03

Auf mopo.de sind viele RG Uni Fahrer zu sehen .
Ich hasse solche Nachrichten und werde vermeiden ,dass meine Frau so etwas liest .
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Helmut
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Beitragvon Helmut » 09.08.2012, 23:13

Entsetzlich...

Der LKW fuhr anscheinend nur zufällig in die Gruppe Radfahrer. Er hat eine 25-köpfige Gruppe übersehen, hätte wohl auch locker einen entgegen kommenden SUV übersehen. Blickte der Fahrer auf sein Smartphone?

Mein Mitgefühl gehört den Angehörigen des Verstorbenen und nicht nur den körperlich Verletzten, auch all denen, die mit der schrecklichen Erinnerung an diesen grausamen Unfall werden Leben müssen.

Es ist zum Mit-Heulen...
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
5749Z

Beitragvon 5749Z » 09.08.2012, 23:26

so tragisch es ist, es ist kein einzelfall.

jeder von uns wird solche spinner kennen, die überholen, obwohl man ihnen entgegenkommt, die einen überholen mit einem abstand von ein wenig cm.

im grunde ist es sogar ein wunder, dass es nicht noch viel mehr tote gibt!
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Peer
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Beitragvon Peer » 09.08.2012, 23:28

Ich war dabei (wurde von dem LKW überholt, der dann in die Gruppe fuhr). Ganz furchtbar was da passiert ist, habe immer noch die schrecklichen Bilder vor Augen.

Da wird einem auf harte Weise bewusst, wie zerbrechlich das Leben ist und wie schnell man aus dem Leben gerissen werden kann. Egal, wie vorsichtig man fährt und wie sehr man auf den Verkehr achtet. Wenn Autos Fehler machen, hat ein Radfahrer keine Chance.

Auch von mir mein Beileid an die Angehörigen und die Radfreunde.

Peer
5749Z

Beitragvon 5749Z » 09.08.2012, 23:36

bei allem mitrgefühl....

das richtig perverse kommt noch. wartet mal seine "verurteilung" ab.

was wird er bekommen? sozialstunden? geldstrafe? so ein **** müßte in den bau, aber unsere gerichte lassen solche leute immer wieder davon kommen.

begründung: er ist vermindert schuldfähig
- weil war ja besoffen.
- war ja schon seit 35h hinter dem steuer
- etc.

oder immer wieder gern genommen
- eine schwere kindheit

da könnt ich kotzen, sie töten einen menschen und kommen "ungeschoren" davon. was ist eine geldstrafe dafür für eine strafe?

AUGE UM AUGE, ZAHN UM ZAHN wäre angebrachter!
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Beitragvon Peer » 09.08.2012, 23:48

@5749Z

So tragisch das Ganze ist und so sehr ich selber durch den Anblick des Unfalls schockiert war, muss ich sagen, dass es so wütend man auch sein möchte und so sehr man jemanden verfluchen will, für den Tod eines Radfahrers... es so wie es sich für mich abgespielt hat, einfach ein "Unfall" war.

Der LKW Fahrer ist nicht gerast oder gebrettert und wollte am Donnerstag Abend nur seine Gemüseladung wegfahren. Man kann nur mutmaßen, aber ein unachtsamer Augenblick beim Überholen und ein kleiner Schlenker und schon ist es passiert.

Nachdem der Radfahrer am Unfallort verstarb, was der Fahrer des LKW natürlich mitbekam (die Reanimation war nicht zu übersehen), war er unter Schock und noch eine Stunde später nicht vernehmungsfähig.

Egal wie das Urteil ausfällt, dieser Mensch wird sein Leben lang mit dieser Schuld leben müssen. Ich denke, das ist etwas, was man niemandem wünscht.

Gruss
Peer
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Helmut
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Beitragvon Helmut » 10.08.2012, 00:03

Peer hat geschrieben:Der LKW Fahrer ist nicht gerast oder gebrettert und wollte am Donnerstag Abend nur seine Gemüseladung wegfahren. Man kann nur mutmaßen, aber ein unachtsamer Augenblick beim Überholen und ein kleiner Schlenker und schon ist es passiert.

Nachdem der Radfahrer am Unfallort verstarb, was der Fahrer des LKW natürlich mitbekam (die Reanimation war nicht zu übersehen), war er unter Schock und noch eine Stunde später nicht vernehmungsfähig.

Egal wie das Urteil ausfällt, dieser Mensch wird sein Leben lang mit dieser Schuld leben müssen. Ich denke, das ist etwas, was man niemandem wünscht.
Herzlichen Dank für diese Erläuterungen. Die machen es auch mir leichter damit umzugehen. Ich habe folgerichtig den Titel dieses Freds geändert.

So gesehen, wird er nach seinem Strafprozess doppelt gestraft sein. Und dann fände ich es O.K., wenn die vom Gericht verhängte nicht zu hart ausfallen würde. Anders wäre es, wenn er keine Reue zeigen würde, wie der Epileptiker, der in Eppendorf bei einem seiner immer wieder auftretenden Anfälle ungebremst in eine Gruppe Fußgänger gefahren war.

Auge um Auge würde ja bedeuten, dass der LKW-Fahrer mit dem Tode bestraft werden müsste. Wir leben ja zum Glück nicht im Mittelalter...
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
5749Z

Beitragvon 5749Z » 10.08.2012, 00:07

Peer hat geschrieben:der Fahrer des LKW natürlich mitbekam (die Reanimation war nicht zu übersehen), war er unter Schock und noch eine Stunde später nicht vernehmungsfähig.

Egal wie das Urteil ausfällt, dieser Mensch wird sein Leben lang mit dieser Schuld leben müssen. Ich denke das ist etwas, was man niemandem wünscht.
na das tut mir ja leid. hoffentlich kann er gut schlafen.

deine sichtweise ist in meinen augen genau der fehler. da wird ein täter zum opfer gemacht.

ER HAT EINEN MENSCHEN GETÖTET! da ist er mir dann föllig egal, ob er nun ein schlechtes gewissen hat oder 12 wochen am stück nicht mehr schlafen kann.

und solange gerichte, wie du, täter leichtfertig zu opfer machen wird sich nichts ändern.

warum sollte jemand nicht mehr leichtfertig überholen und andere gefährden und ggf. töten wenn als "strafe" gerade mal geldstrafen oder max. bewährungsstrafen ausgesprochen werden?

in meinen augen hat dieser totfahrer nur eines verdient :PAM: bis zum ende!

aber ich will hier auch keinen streit vom zaun brechen. ich weiß, dass ich dazu eine extreme meinung habe, aber dazu stehe ich auch ohne wenn und aber.
Helmut hat geschrieben:Auge um Auge würde ja bedeuten, dass der LKW-Fahrer mit dem Tode bestraft werden müsste. Wir leben ja zum Glück nicht im Mittelalter...
in manchen anderen ländern werden für weit weniger hingerichtet.
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Beitragvon Helmut » 10.08.2012, 00:23

Wer das Hamburger Abendblatt abonniert hat oder bereit ist, um den folgenden Artikel zu lesen, mindestens 7,95 Euro für ein 1-Monats-Abo zu bezahlen, der kann den hier lesen:

http://www.abendblatt.de/hamburg/polize ... etzte.html

Gefunden im Pressespiegel des BDR.

Werd morgen in die Print-Ausgabe schauen...
5749Z hat geschrieben:
Helmut hat geschrieben:Auge um Auge würde ja bedeuten, dass der LKW-Fahrer mit dem Tode bestraft werden müsste. Wir leben ja zum Glück nicht im Mittelalter...
in manchen anderen ländern werden für weit weniger hingerichtet.
Das ist einer der Gründe dafür, weshalb ich in Europa leben mag.
Zuletzt geändert von Helmut am 10.08.2012, 00:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon sonja1 » 10.08.2012, 06:52

Helmut hat geschrieben:Wer das Hamburger Abendblatt abonniert hat oder bereit ist, um den folgenden Artikel zu lesen, mindestens 7,95 Euro für ein 1-Monats-Abo zu bezahlen, der kann den hier lesen:

http://www.abendblatt.de/hamburg/polize ... etzte.html
Das geht auch, ohne Geld zu bezahlen: Entweder unter mobil.abendblatt.de (ohne Bilder)

http://mobil.abendblatt.de/hamburg/poli ... Startseite

oder wenn man die Artikelüberschrift unter google bzw. google news suchen läßt. Dann bekommt man den Link und kann ihn, ohne zu bezahlen vollständig lesen.
Sonja - die radelnde Anwältin

www.rechtsanwaeltin-richter.de
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Beitragvon hutso » 10.08.2012, 06:59

ich bin froh, dass es menschen, wie peer gibt. ich neige auch dazu, wie 5749Z, extrem schnell vorzuverurteilen. aber bei mir kommen auch noch dinge an, wie ich immer wieder feststelle, und das ist auch gut so!

es war ein unfall. nur einen bruchteil einer sekunde nicht aufgepasst und schon kann ein leben in gefahr (oder wie im schlimmsten fall) zu ende sein.

mir haette das vielleicht auch passieren koennen. ich bin nicht nur rad-, ich bin auch autofahrer. und ein unfall passiert in den seltensten faellen mit absicht.

danke fuer deine worte, peer! und alles gute fuer dich! vor allem in den naechsten tagen. dass du diesen tragischen unfall moeglichst einigermassen verarbeiten kannst!

liebe gruesse,
sandra
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Beitragvon Deichfahrer » 10.08.2012, 07:20

Habe es in der Bergedorfer Zeitung gelesen, bin sehr erschrocken über diesen Vorfall. Ich selbst erlebe es sehr oft, das Überholen in cm. Deswegen fahre ich mittlerweile in der Mitte der Straße. Ist mir einfach zu gefährlich geworden am Rande der Straße zu fahren.

Zum Unfall hat jeder seine eigene Meinung und zum Ablauf des Unfalls ist bekanntlich verschiedene Aussagen der Zeugen. Also wird Gutachter bestellt, dieser erarbeitet den Ablauf des Unfalls.

Mein Mitgefühl gilt allen.
stolk
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Beitragvon stolk » 10.08.2012, 07:48

Ich hab es heute morgen in den Nachrichten gesehen und war auch geschockt. Dennoch kann und will ich 5749Z Meinung nicht teilen. Sicherlich gibt es viele rücksichtslose Autofahrer (genauso wie es rücksichtlose Radfahrer gibt), aber hier war es ganz offensichtlich ein tragischer Unfall. Unfälle passieren - diese Gefahr gehört leider mit zum Leben.

Ich möchte weder in der Haut des LKW fahrers stecken, noch in der der Familie des Verstorbenen. Das ist alles ganz, ganz, schrecklich! :(
5749Z

Beitragvon 5749Z » 10.08.2012, 08:34

es wird als tragischer unfall hingestellt.

es gibt zwei möglichkeiten.
1. er hat überholt, OBWOHL er die radler gesehen hat und hat es leichtsinnig in kauf genommen
2. er war abgelenkt und deshalb ist er in die gruppe gefahren.

ich tippe mal auf 1, weil das meistens der grund ist.

edit.: es gibt einen dritten grund. DIESEN SCHEIß RADFAHRER ZEIGE ICH ES UND FAHRE ABSICHTLICH GANZ DICHT DRAN VORBEI. oh schiefgegangen, war wohl zu dicht.

http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Regi ... -Radfahrer

das war ein unfall! hier konnte der autofahrer nichts dafür.
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Wurzelwegtreter
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Beitragvon Wurzelwegtreter » 10.08.2012, 08:57

Schrecklich , ich weiß schon warum ich auf der Strasse immer mit "Schiess in der Büxs" fahre.

Beileid

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Beitragvon Helmut » 10.08.2012, 09:15

Infos zu der Straße und einen Link zu Bildern von der Unglücksstelle gibt es auf den Seiten des Radsportverbandes. Siehe

http://www.radsport-hh.de/cms/index.php ... 26,0,0,1,0
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Beitragvon Mirco » 10.08.2012, 09:24

5749Z hat geschrieben:http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Regi ... -Radfahrer

das war ein unfall! hier konnte der autofahrer nichts dafür.
Ach ja? Allerdings hat der GTI-Fahrer offenbar vorsätzlich das Tempo 70 Schild mißachtet.

Und mal ganz ehrlich. Wer von uns fährt im Strassenverkehr, ob mit dem Auto, oder mit dem Rad immer vorschriftsmäßig?

Wie es nun wirklich zu dem tödlichen Unfall gekommen ist, wird letztendlich die Untersuchung ergeben.
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Beitragvon thomas-hh » 10.08.2012, 09:53

Ein schrecklicher Unfall, der jeden Tag passieren und uns alle treffen kann. Schlimm genug.
Ich halte es mit hutso und schließe mich ihren Wünschen und Hoffnungen an.

Extrem unsachlich und unangebracht finde ich die Beiträge von 5749Z, die sich in Schuldzuweisungen und Vorverurteilungen ergehen. Eine "Hängt ihn höher"-Mentalität, die mir zuwider ist. Die Ermittlungen abwarten und Nuhr zu Herzen nehmen: einfach mal die Fresse halten.

Thomas
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Tiefes Mitgefühl

Beitragvon mr.colnago » 10.08.2012, 10:00

Wir sollten am Wochenende eine Schweigeminute einlegen. Im stillen Gedenken an unseren Sportsfreund von Uni Hamburg. Aber auch an die anderen Beteiligten gehen meine Gedanken. Möchte nicht wissen was sie durchlebt haben. Mein tiefes Mitgefühl geht an die Familie des Opfers. Möge die Kraft des Glaubens ihnen helfen über das geschehene hinweg zu kommen.

In tiefer Betroffenheit

Dirk
Wer sein Colnago liebt, der schiebt es nicht, sondern fährt es.
Alles begann mit einem Peugeot Rennrad... im Jahre 1992 nach Christi Geburt
" Radsportler des Jahres 2013 " in Schleswig - Holstein
5749Z

Beitragvon 5749Z » 10.08.2012, 10:07

thomas-hh hat geschrieben:Extrem unsachlich und unangebracht finde ich die Beiträge von 5749Z, die sich in Schuldzuweisungen und Vorverurteilungen ergehen. Eine "Hängt ihn höher"-Mentalität, die mir zuwider ist. Die Ermittlungen abwarten und Nuhr zu Herzen nehmen: einfach mal die Fresse halten.
meine meinung hat einen hintergrund! ich wurde 2 x angefahren weil autofahrer "nicht aufgepasst" haben. 1 x gab es eine geldstrafe, das andere mal "garnichts". zudem hatte ich zig beinahe unfälle wo autofahrer mir die vorfahrt nahmen und ich nur um haaresbreite einen crash vermeiden konnte. letzten sonntag in st. andreasberg hat mich eine autofahrerin extrem geschnitten, hätte ich nicht links in eine seitestraße abbiegen können wäre ich ihr mit ~40 km/h in die seite geknallt. kurz davor hat unsere gruppe ein autofahrer dermaßen eng überholt das der eine den spiegel schon merkte, ihn wirklich gestreift hat!

solange es milde bis gar keine strafen gibt für solche menschen, die in kauf nehmen, andere zu töten, wird sich auch nichts ändern. Radfahrer, gerade rennradfahrer sind oft ein feindbild der autofahrer.

und dazu habe ich dann nunmal die meinung, wer andere MUTWILLIG, oder leichtfertig tötet, oder gefärdet, wie in diesem fall, der gehört richtig bestraft. was bringt eine geldstrafe? NICHTS. Manche TOTRASER, haben zig menschen getötet.. zahlen etwas geld, warten 2 jahre gehen zum idiotentest und dürfen dann wieder rasen. die menschen die er totgefahren hat...... tja die sind halt tot!!!!! da ist nicht nach 2 jahren alles wieder gut.

und zu dem gewissen, sorry aber das wird zu hoch gehängt. ein paar leute die plagt das schlechte gewissen evt. viele aber denen geht es am arsch vorbei! aber es macht sich natürlich vor gericht gut selber zu jammern, ein schlechtes gewissen vorzutäuschen, etc. nach dem motto: " ja ich hatte 4promille im kessel, es tut mir soooo leid das ich mit 120 in der stadt durch eine fußgängerzine gefahren bin, bla bla bla"

zu meinem link, ja war kein super beispiel. das mit der misachteten geschwindigkeit.... ich meinte auch eher, dass er ausweichen musste, weil ein anderer ihn geschnitten hat.

aber bitte lasst uns nicht streiten. jeder hat eine andere sichtweise und andere meinung. meine ist in diesem fall extrem, das weiß ich.
Zuletzt geändert von 5749Z am 10.08.2012, 10:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon ducdich » 10.08.2012, 10:14

Zuerst einmal möchte ich mein Mitgefühl allen Beteiligten zum Ausdruck bringen. Absolut schrecklich was da passiert ist!

Aber diese Vorverurteilungen hier finde ich schändlich. Jeder der sich im Strassenverkehr bewegt kann "Opfer oder Täter" werden, auch wenn man noch so umsichtig fährt. Ich bin auf einer vielbefahren Strasse extra auf dem Radweg gefahren und plötzlich springt mir ein Kind vor's Rad. Ging gerade nochmal gut, hätte aber auch anders enden können. Dann hätte es wahrscheinlich auch viele Eltern gegeben die mich am liebsten gelyncht hätten.

Manchmal ist man zur falschen Zeit am falschen Ort und muss das als gegeben hinnehmen. Auch 4759Z ist davon nicht ausgeschlossen und dann hoffen wir mal alle, dass über ihn nicht so geurteilt wird, wie er es über andere tut.
Von nix kommt nix!
5749Z

Beitragvon 5749Z » 10.08.2012, 10:19

ducdich hat geschrieben:Manchmal ist man zur falschen Zeit am falschen Ort und muss das als gegeben hinnehmen. Auch 4759Z ist davon nicht ausgeschlossen und dann hoffen wir mal alle, dass über ihn nicht so geurteilt wird, wie er es über andere tut.
klar kann jeder täter werden. ist halt nur die frage wie! springt dir ein kind vors auto bist du in meinen augen weniger täter als wenn du absichtlich bzw. leichtfertig einen tötest. du kannst eben nicht äpfel mit birnen vergleichen.

und jetzt enthalte ich mich hierzu besser, wünsche den familien alles erdenklich gute und dem täter EINE GERECHTE STRAFE!
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Beitragvon ottoerich » 10.08.2012, 10:22

Horror.

In der Rad-Gruppe fühle ich mich in der Regel sicher und geborgen gegenüber dem Autoverkehr, natürlich ein Trugschluss. Mehr Rücksicht und Verständnis in allen Lebenslagen täte allen gut. Oft liegt es m. M. n. am unbedingten Durchsetzen des "Ich habe Recht!".

[Nicht vergessen: Don't feed Trolls]
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Beitragvon thomas-hh » 10.08.2012, 10:24

Wir alle erleben Situationen, die uns das Blut in den Adern gefrieren lassen. Täglich. Gleichgültig, ob als Rad- oder Autofahrer. Gerade in den letzten Tagen sehe ich vermehrt Radfahrer, die bei Dunkelheit und ohne Beleuchtung bei Rot die Straße überqueren, teilweise direkt vor den anfahrenden PKW. Was bitte, nehmen sich diese Leute heraus? Sie gefährden nicht nur sich, sondern auch meine physische und psychische Unversehrtheit. Blech kann man ersetzen, aber die Bilder, die man nach so einem Unfall im Kopf hat, die behält man.

Was mich stört, ist, dass man diesem schrecklichen Unfall mit all dem Leid, das er den Hinterbliebenen, den Unfallzeugen und auch dem Fahrer brachte, bringt und noch bringen wird, nicht gerecht wird, indem man Urteile fällt, für die es bisher keine Berechtigungen gibt. Deine miesen Erfahrungen mögen Dich zu so einem Verhalten gebracht haben. Ich aber weiß, dass ich weder als Auto- noch als Radfahrer ein Engel und Unschuldslamm bin. Herzlichen Glückwunsch allen, die das für sich in Anspruch nehmen können....ich kann es nicht.

Darum: die Unfalluntersuchungen abwarten und dann urteilen. Den Radfahrern kann man wohl keinen Vorwurf machen, da sie anscheinend in geordneter Zweierreihe gefahren sind.

Thomas
crumble
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Beitragvon crumble » 10.08.2012, 11:01

Hallo,

erst einmal mein Beileid und der Wunsch, dass alle Beteiligten das Geschehene moeglichst gut und schnell verarbeiten.
5749Z hat geschrieben:in meinen augen hat dieser totfahrer nur eines verdient :PAM: bis zum ende!
Dann betet jede Nacht dafuer, dass Du nie jemanden erwischt. Ob direkt oder indirekt. Wenn Du glaubst mit einem Fahrrad kannst Du niemanden toeten, hast Du ein ziemlich verschrobenes Weltbild. Das geht schneller als man denkt.

Es reicht schon, dass sich jemand ueber deine Fahrweise erschrickt oder Du ein Signal in der Gruppe nicht weiter leitest und schon must Du mit der Schuld leben.

Peter
eggeling
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Was könnte ein winziges bißchen mehr Sicherheit erzeugen?

Beitragvon eggeling » 10.08.2012, 11:16

Bei allen berechtigten Meinungen zu Schuld und "Sühne" eines solchen tragischen Unfalls, stellt sich sicherlich nicht nur mir einmal mehr die Frage, was könnte vielleicht einen solchen Unfall vermeiden. Ich selber fahre bisher mit einem roten LED-Blinklicht an der Satteltasche, in der Hoffnung, es könnte einem Autofahrer helfen mich wahrzunehmen. Wäre es denkbar (und zulässig?) mit einem kleinen weißen "Blitz-Blinker" am Lenker den entgegenkommenden Verkehr aufmerksam zu machen?

Mit den LED´s müsste doch noch etwas mehr möglich sein, als bisher angeboten wird. Sicherlich hilft auch das nicht, wenn einer schlicht unaufmerksam ist, sein Handy bearbeitet oder den "Bollo" aus dem Fußraum klauben will. Übrigens kann ich mich nicht daran erinnern, dass bei der Führerscheinausbildung auch nur ansatzweise etwas zum Verhalten bei Begegnungen mit Radsportgruppen und deren Rechte gelehrt wurde. Ist zwar ewig her, aber da hat sich sicherlich bis heute nichts gebessert. Hier sollte man anfangen, Autofahrer zu sensibilisieren.
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Beitragvon michel66 » 10.08.2012, 11:28

Eine Katastrophe!

Mein Mitgefühl gilt allen Beteiligten und Angehörigen!

Es kommt leider sehr häufig vor, dass entgegenkommende Kraftfahrer trotz radfahrendem Gegenvekehr, egal ob schnell, langsam, alleine oder in der Gruppe, Überholvorgänge ausführen und dabei die Radfahrer in arge Bedrängnis bringen. Das liegt meiner Meinung nach nicht an falschen Einschätzungen oder am "Übersehen", sondern daran, dass Radfahrer oft nicht als gleichwertige Verkehrsteilnehmer angesehen werden.
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Beitragvon hutso » 10.08.2012, 12:01

michel66 hat geschrieben:dass Radfahrer oft nicht als gleichwertige Verkehrsteilnehmer angesehen werden.
ja, das denke ich auch. leider :(

weiterhin bin ich erschüttert über seitenweise sinnbefreite diskussionen auf den kommentarseiten der tagespresse, ob der gegenseitigen schuldzuweisung: die bösen rennradfahrer tun dies, die rücksichtslosen autofahrer tun jenes...

da könnten wir direkt zu meinem lieblingsthema überschwenken: unsere immer mehr verkommende und scheinheilige gesellschaft

wenn wir uns ALLE einmal an die eigene nase fassen würden. und vor unseren eigenen türe kehrten. dann kämen wir vielleicht eines tages wieder auf den nenner, daß wir einander achten. und respektvoll miteinander umgehen. bewußter dinge wahrnehmen - eben nicht mit kopfhörern radfahren. eben nicht telefonieren während des autofahrens (um hier nur zwei beispiele zu nennen)

denn dann könnten wir uns zur abwechslung mal wieder auf das wesentliche konzentrieren.
und erkennen und darauf achten, was um uns herum passiert.
daß wir nicht alleine sind auf dieser welt. die meinen im RECHT zu sein :!:

na ja, ist vermutlich mein ganz persönliches problem :sad:

erschüttert bin ich trotzdem!

sandra
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Re: Was könnte ein winziges bißchen mehr Sicherheit erzeugen

Beitragvon crumble » 10.08.2012, 12:14

eggeling hat geschrieben:Ich selber fahre bisher mit einem roten LED-Blinklicht an der Satteltasche, in der Hoffnung, es könnte einem Autofahrer helfen mich wahrzunehmen.
Fahre damit bitte nicht im Blinkmodus. Der ist in Deutschland nicht zugelassen. Aus gutem Grund. Er zieht die Aufmerksamkeit von anderen ab, die sie vielleicht gerade dringder brauchen. Was nuetzt es, wenn dich jemand in einem Kilometer sieht, dadurch aber den Radfahrer hunder Meter vor sich uebersieht. Gegen ein Dauerlicht spricht nichts, ausser dass Du dieses elendige Tagfahrlich foerderst, dass ueber die Jahre fuer etliche tote Radfahrer und Fussgaernger sorgen wird.

Tagsueber sieht man die kleinen LED-Lichter sowieso nicht. Die helfen Dir nur am Anfang von Waldgebieten und Unterfuehrungen.

Kontrastreiche Kleidung und passende Fahrweise hilft da mehr. Fahre gerade bei kurvenreichen Strecken und kurz vor Waldeinfahrten nach Moeglichkeit in der Mitte Mitte der Fahrbahn, damit man dich leichter sehen kann. Zu sehr am Rand verschwindet man schnell im Hintergrund und/oder Schatten.

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Beitragvon Konkursus » 10.08.2012, 12:29

ein trauriger Anlass für eine immer wiederkehrende Diskussion.

Auch mein Beileid gilt zunächst den Angehörigen und dem Fahrer wünsche ich, dass er irgendwie auf Dauer damit fertig wird, einen Menschen getötet zu haben.

Inhaltlich teile ich voll und ganz die Auffassungen von Peer und Sandra, von Kopf-ab-Parolen halte ich nun gar nichts, zumal die vorgebrachten Gründe eher von eigenen Erfahrungen geprägt sind, aber nicht ganz der tagtäglichen Praxis in den Gerichtssälen entsprechen.

Aber ich habe gerade vor wenigen Wochen ein Interview mit einem Polizeibeamten oder Mitarbeiter einer Verkehrsbehörde im Radio gehört, in dem es um Unfälle ging. Er antwortete sinngemäß "Unfälle passieren nicht einfach, Unfälle werden verursacht".

Und ich denke, da ist viel Wahres dran. Wir alle sollten uns einmal vor Augen führen, wie knapp es im Straßenverkehr zugeht und wir oft Glück hatten, keinen Unfall verursacht zu haben. Und wir sollten dabei nicht immer mit dem Finger auf andere zeigen, sondern auch erst einmal bei uns selbst anfangen.


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Beitragvon hanseat » 10.08.2012, 13:00

Ich habe meine Zeitfahrtrainingsstrecke immer für eine der sichersten Hamburger Streckenabschnitte gehalten. Gerade weil es von Tatenberg bis Zollenspieker so gut wie keine Straßeneinmündungen vom Deich her gibt. Habe mich dort bisher immer sicher gefühlt. Bin auch ab und zu mit der RG Uni Hamburg Gruppe gefahren, die gut organisiert und sicher fahren. Der Rennradfahrer war erst 33 und wenn man so will, unschuldig zur falschen Zeit am falschen Ort! Es tut mir sehr leid und ich bin sehr betroffen darüber! Die Diskussionen führen mir mal wieder vor Augen, wie gefährlich unser Sport ist, es kann überall und jederzeit etwas passieren und welch Risiko man eingeht, sich die Straße mit übermächtigen, motorisierten und z. T. rücksichtslosen Verkehrsteilnehmern zu teilen.

Vielleich ein genereller Ansatz (der beim Unfall aber womöglich keine Rolle gespielt hätte): Komisch, dass so wenige neonfarbene Trikots zu finden sind. Die meisten Anbieter setzen auf ein schickes Design. Aber als Baustein zur eigenen Sicherheit wäre vielleicht ein neon grünes/gelbes/rotes Trikot hilfreich, um mehr Aufmerksamkeit im Straßenverkehr zu erzeugen..? Man muss sich ja nicht gleich eine Warnweste anziehen, aber ein Mix aus radsportlichem Design und grellen Neonfarben wäre vielleicht ein Ansatz?
Zuletzt geändert von hanseat am 10.08.2012, 14:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Gastfahrer » 10.08.2012, 13:25

michel66 hat geschrieben:Es kommt leider sehr häufig vor, dass entgegenkommende Kraftfahrer trotz radfahrendem Gegenvekehr, egal ob schnell, langsam, alleine oder in der Gruppe, Überholvorgänge ausführen und dabei die Radfahrer in arge Bedrängnis bringen.
Das liegt meiner Meinung nach nicht an falschen Einschätzungen oder am "Übersehen", sondern daran, dass Radfahrer oft nicht als gleichwertige Verkehrsteilnehmer angesehen werden.
So ist es. Leider. Ich würde allerdings das "entgegenkommende" streichen, denn es wird auch von hinten gedrängelt und mit völlig unzureichendem Seitenabstand überholt (§ 5 StVO). Einige setzen ihr Kfz geradezu als Waffe ein, da sie die unterlegenen Verkehrsteilnehmer bedrohen. Es wird nicht bei jeder Trainingsfahrt über sowas gesprochen, aber viele Radfahrer (nicht nur Rennradfahrer) haben schon haarsträubende Erlebnisse im Straßenverkehr gemacht und könnten endlos davon erzählen. Weil irgendjemand sich schon nicht an den Anfang der StVO hält.

Straßenverkehrsordnung - § 1 Grundregeln

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

(2) Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, daß kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.


Wem das noch nicht reicht, der frische bitte seine Kenntnisse bzgl. des Überholvorgangs auf. Paragraph 5. Der gilt auch für Gemüselaster, und nein, die Grundregeln werden von § 5 nicht aufgehoben.

Ein bedauerlicher Anlaß, mich im Forum anzumelden, aber wenn ich einige der Kommentare lese, kommt mir sprichwörtlich die Galle hoch. Ich unternehme absichtlich keinen Versuch, Zitate zu kommentieren. Einige Äußerungen halte ich für unbedacht.
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Beitragvon Heimfelder Dirk » 10.08.2012, 14:55

in der Heute-Sendung von 14h gab es Filmaufnahmen, die noch während der Rettungsmaßnahmen gedreht wurden. http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag ... ute-100SEC (der Beitrag ist hier gekürzt).

Vor 2 Stunden bin ich auf meiner Trainingsrunde dort vorbeigekommen, die Unfallstelle bei Deich-km 28,5 ist im Moment nicht zu übersehen. Die Straße ist dort auf mehreren Hundert Metern Länge einwandfrei einzusehen, besonders für Fahrer von LKW mit Ihrer hohen Sitzposition. Auch wird die Sicht von keinerlei Bebauung eingeschränkt. Aus der 90° Kurve von der Elbe Richtung Tatenberger Schleuse habe ich einen PKW gute 15-20 Sekunden lang entgegen kommen sehen, obwohl es regnete und der dunkle Wagen kein Licht anhatte.

Ich teile die Auffassung, der zur Mäßigung mahnenden (Sonja, Thomas-hh, Konkursus..). Der Unfall kann jedoch m. E. unmöglich durch eine "Unaufmerksamkeit für den Bruchteil einer Sekunde" passiert sein.

Mein Mitgefühl gehört den Angehörigen des Getöteten und allen anderen, die unmittelbar beteiligt bzw. verletzt wurden.

Dirk
Zuletzt geändert von Heimfelder Dirk am 13.08.2012, 12:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon crumble » 10.08.2012, 15:43

Heimfelder Dirk hat geschrieben:in der Heute-Sendung von 14h gab es Filmaufnahmen, die noch während der Rettungsmaßnahmen gedreht wurden. http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag ... ute-100SEC (der Beitrag ist hier gekürzt).
Es gibt noch einen etwas laengeren Bericht von Reuters auf SPON

http://www.stern.de/panorama/hamburg-lk ... 75995.html

Der Fahrer des LKW scheint sich ueberhaupt nicht der Breite seines Fahrzeuges und/oder der Geschwindigkeiten von Radfahrern bewusst gewesen zu sein, wenn man die Aussagen des RG Uni Hamburg Fahres hoert.

Peter
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Beitragvon Biker » 10.08.2012, 16:01

Zunächst einmal mein allergrößtes Beileid den Angehörigen des Opfers und allen beteiligten Radsportlern.

Als Rennradfahrer mit einer vergleichsweise geringen Erfahrung (nach vielen Jahren MTB dieses Jahr auch auf die Straße gegangen) stellt sich nach diesem traurigen Geschehen natürlich auch die Frage, wie man als "Neuling" (oder auch als Erfahrener) mit solch vestörenden Geschichten umgeht: kann ich am Wochenende mit freiem Kopf aufs Rennrad steigen und mich wie gewohnt auf die Cyclassics vorbereiten? Mit anderen Worten: was geht euch durch den Kopf und wie verhaltet ihr euch, wenn ihr das erste Mal wieder auf die Straße geht, nachdem ihr diese schreckliche Geschichte gehört habt? Da ich persönlich denke, dass ich stets vorsichtig und umsichtig fahre, und ich nun merke, dass man selbst dann in bestimmten Situationen keine Chance hat, lässt mich derzeit recht ohnmächtig zurück.

Was sind eure Gedanken dazu?
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Beitragvon Thali » 10.08.2012, 16:02

Ich wünsche mir, dass wir zum Zeichen unserer Trauer am kommenden Wochenende und bei den Cyclassics schwarze Schleifenbänder an unseren Helmen befestigen.
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Beitragvon Deichfahrer » 10.08.2012, 16:32

Bin dabei.

Trauerflor werde ich zu den Cyclassics um den Arm binden.
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Beitragvon Angelboot » 10.08.2012, 16:48

Thali hat geschrieben:Ich wünsche mir, dass wir zum Zeichen unserer Trauer am kommenden Wochenende und bei den Cyclassics schwarze Schleifenbänder an unseren Helmen befestigen.
Das sollten wir machen. Es ist ein trauriger Grund. Aber, auch wenn es bitter ist, gibt es Aufmerksamkeit. Es wird dann nicht gleich wieder zur Tagesordnung übergegangen.

Ich fahre ab Montag einen 1200er Brevet "Die große Bayernrundfahrt". Weit weg vom Unfallort. Mit einem schwarzen Schleifenband.

Auch in unserer Szene hat es in diesem Jahr Tote und Verletzte gegeben. Wir bewegen uns im öffentlichen Straßenverkehr, ein Risiko fährt immer mit. Wir sollten uns dessen immer bewusst sein.

Und bitte immer sachlich argumentieren, alles andere ist nicht hilfreich.
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Beitragvon mad.mat » 10.08.2012, 19:07

Mein allergrößtes Beileid den Angehörigen des Opfers und allen beteiligten Radsportlern.
Thali hat geschrieben:Ich wünsche mir, dass wir zum Zeichen unserer Trauer am kommenden Wochenende und bei den Cyclassics schwarze Schleifenbänder an unseren Helmen befestigen.
Gute Idee!
Hab mir heute im Blumengeschäft um die Ecke bereits einen Meter Trauerflor besorgt. Werd ich schon morgen in Walsrode tragen.
Wir sehen uns da oben, Tschüss Helmut
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Beitragvon Superwosi » 10.08.2012, 19:54

Schrecklich. Mir läuft es kalt den Rücken runter.

Wenn ich an den Unfall vor einem Jahr in Walsrode denke, der Gott sei Dank ohne Todesfall, wird mir immer noch ganz anders. (Ein Riesenmaßband lag auf der Straße und brachte einige Radfreunde zu Fall.)

Ich wünsche allen die dabei waren, dass sie das Geschehene verarbeiten können. Dass jemand von einer Trainingsfahrt nicht mehr nach Hause kommt - unvorstellbar.

Trauerflor finde ich angemessen.
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Beitragvon Tom » 10.08.2012, 20:36

Ihr Lieben,

bin tief erschüttert und wollte eigentlich meine Klappe zu diesem tragischen Unfall halten. Dabei bin ich aber leider geneigt dieses einigen anderen empfohlen zu haben. Pauschale Verurteilungen helfen hier einfach nicht weiter. Bedrängnis und Nötigungen jeden Tag hin oder her. Wir sind auch sehr schnell unterwegs und werden von anderen Verkehrsteilnehmern leider häufig falsch eingeschätzt.

Mein Mitgefühl gilt allen Angehörigen des Opfers sowie dem LKW-Fahrer. Ich möchte nicht in seiner Haut stecken. Den Verletzten wünsche ich baldige Genesung.

Werde Sonntag in Malente ebenfalls ein Trauerflor am Helm tragen.

Over The Rainbow,
Tom
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Beitragvon Helmut » 10.08.2012, 22:48

<img src="http://bilder.helmuts-fahrrad-seiten.de ... C02686.JPG">

Heimfelder Dirk ist heute das Stück auf dem Ruschorter Hauptdeich fotografierend abgefahren. Erst durch seine Bilder wurde mir bewusst, wo genau das liegt, wie übersichtlich die Straße dort selbst in deren großen Kurve ist und dass auch wir mit unserer Gruppe dort jeden Mittwoch entlang fahren. Siehe

<a target="_blank" href="http://bilder.helmuts-fahrrad-seiten.de ... ml">Bilder vom Ruschorter Hauptdeich</a>.

Siehe auch

<a target="_blank" href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/n ... >Reportage im Hamburg Journal</a>.
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon UweK » 11.08.2012, 15:11

Einfach nur Furchtbar.

Meine Gedanken sind bei den Angehörigen und den RG Uni Fahrern.

Vor 3 Monaten etwa hatte mich an fast genau der gleichen Stelle ein LKW mit 1 m (oder weniger) Abstand überholt, obwohl man 2 km nach vorn kein Auto sehen konnte. Ich denke es liegt einfach an der fehlenden Rücksichtsnahme von Kraftfahrern -- nicht ohne Grund fahre ich seitdem in der Mitte der Spur seit dieser Geschichte, dann hab ich zumindest rechts noch Platz zum ausweichen

Eine Trauerschleife wird mich auch auf den Cyclassics dann begleiten!
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Beitragvon Con-Rad » 11.08.2012, 15:36

Ich versuche mir die Situation des LKW- Fahrers vorzustellen. Endlich eine übersichtliche Stelle zum Überholen und kein Gegenverkehr außer einer Rad- Gruppe weit entfernt. Beim Überholen ist der Radfahrer schneller als geschätzt, der LKW beladen träger als gedacht und plötzlich ist die entgegenkommende Radgruppe schon da. Die Erkenntnis, dass das Manöver nicht klappt, kam zu spät oder es war zu wenig Reaktionsvermögen vorhanden, das Manöver abzubrechen.

Es ist wohl so, dass der Umgang mit Radfahrern vielen Autofahrern nicht geläufig ist und die meisten die Regeln nicht kennen. So ist ein Motorradfahrer auf Facebook tatsächlich der Meinung, die Radfahrer müssten in einer Reihe hintereinander fahren. Wer würde denn von den Radfahrern eine mögliche Führerscheinfrage zum Überholen von Radfahrern richtig beantworten? Frage: Sie überholen auf einer Landstraße einen Radfahrer mit 70 Km/h. Wieviel Abstand haben sie zum Radfahrer einzuhalten? Antworten:
a: 50 cm
b: 1,0 m
c: 1,5 m
d: 2,0 m
Die ganze Warheit mit Bildern unter:
www.radsport-buchholz.de
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Beitragvon Gert » 11.08.2012, 16:30

Ich habe dieses entsetzliches Ereignis erst gestern Abend erfahren, da kann man nur geschockt sein!

Meine herzliche Anteilnahme gilt den Hinterbliebenen des Verstorbenen und ich hoffe, dass die Jungs die Bilder schnell verarbeiten, vergessen werden sie das Erreignis sicherlich nie.

Als Radfahrer werden wir in derartigen Verkehrssituationen wohl meistens die schlechteren Karten haben.

Freude und Leid stehen oftmals dicht beieinander.

Ich möchte wenigstens hoffen, dass sich einige Autofahrer dieses schlimme Ereignis zu Herzen nehmen. Was geschehen ist, kann keiner Rückgängig machen, leider. Wir müssen beim Fahren immer an die Dummheit Anderer denken!

Bleibt gesund!!!

Gert
nichts ist unmöglich!!!
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Beitragvon Deichfahrer » 11.08.2012, 19:19

Heute habe ich bei meiner Hausrunde eine Gedenkminute am Unfallort eingelegt. Auch andere RR-Fahrer sind angehalten um eine Schweigeminute abzuhalten. Am Km-Stein liegen Blumen und Kerzen.
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Der Hammer ist,

Beitragvon Pasom » 11.08.2012, 19:57

dass der LKW-Fahrer in der MOPO behauptet, dass er die Reanimation versucht hätte.

Als betroffenes Gruppenmitglied kann ich sagen, dass die Herz-Lungen-Wiederbelebung durch Gruppenmitglieder und einen dazukommenden Autofahrer aufrecht erhalten wurde, bis die Rettungskräfte eintrafen!

Mir fehlen die Worte.
Kette rechts!... das andere rechts!
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Beitragvon Tribelix » 11.08.2012, 21:41

Wenn man dann noch dieses dazu liest, dann fehlen mir nur noch die Worte

http://www.mopo.de/nachrichten/unfall-d ... 56498.html

Ein zweispurige Fahrbahn min 2 x 2,75 = 5,5 m Breit
Radfahrer > Bordstein 0,5 m
Radfahrer 0,6 m
Sicherheitsabstand ca. 1,5 m
LKW 2,5 m
Summe 5,1 m

Restbreite 0,4 m für 30 Radfahrer in Zweierreihe, da braucht keiner Ausscheren :mad:
Den Reporter würde ich gern mal kennen lernen :cry:
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Beitragvon Helmut » 11.08.2012, 21:50

Tribelix hat geschrieben:Restbreite 0,4 m für 30 Radfahrer in Zweierreihe, da braucht keiner Ausscheren :mad:
Den Reporter würde ich gern mal kennen lernen :cry:
Der Reporter hat nur wiedergegeben, was ihm der Fahrer erzählt hat. Kritische Fragen dazu wird der Fahrer vom Richter zu hören bekommen.

Vielleicht stimmt seine Aussage, vielleicht ist es eine gelogene Schutzbehauptung. Es ist auch möglich, dass der Fahrer das so erinnert, pbwohl es nicht so geschehen war. In extremen Situationen kann das Hirn einen selbst betrügen, weil es die Wahrheit nicht ertragen kann.

Es wird ein spannender Prozess...
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon Konkursus » 11.08.2012, 22:06

M i t s c h u l d?

Ohne Worte



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Beitragvon Peer » 11.08.2012, 22:31

Man weiss nicht, ob der Reporter etwas dazuerfunden hat, aber ich kann 100%ig bestätigen, dass der LKW-Fahrer keine Reanimation durchgeführt hat geschweige denn näher als 5 Meter an das Todesopfer herangekommen ist (ein Polizist führte ihn, als er sich nähern wollte, zurück zu seinem LKW).

Auch diese Stelle ist unwahr:
Etwa 30 km/h sei er gefahren, als er den Radler auf seiner Fahrspur überholte, sagt Thomas K.
Ich habe meine Trainingsfahrt mit dem Garmin-Trainingscenter noch am selben Abend ausgewertet, während des Überholvorgangs des LKW hatte ich 32 km/h auf der Geschwindigkeitsanzeige (GPS Abweichung möglich).

Hier der Screenshot: http://www.peerschmidt.com/temp/unfall.gif

Meiner Schätzung fuhr er ca. 50-60 km/h. Hier schient eine starke Verzerrung der Tatsachen stattgefunden zu haben.

Gruss
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Beitragvon Pasom » 11.08.2012, 22:48

Danke Peer für die Bestätigung bezgl. der HLW!
Kette rechts!... das andere rechts!
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Beitragvon Gastfahrer » 11.08.2012, 23:05

Con-Rad hat geschrieben:Ich versuche mir die Situation des LKW- Fahrers vorzustellen.
Bitte überlasse das den "Spezialisten", die sich laut diversen Presseartikeln mit der Sache befassen und das Szenario nachstellen wollen. Die werden sich auch die Geschwindigkeiten ansehen.
Endlich eine übersichtliche Stelle zum Überholen und kein Gegenverkehr außer einer Rad- Gruppe weit entfernt. Beim Überholen ist der Radfahrer schneller als geschätzt, der LKW beladen träger als gedacht und plötzlich ist die entgegenkommende Radgruppe schon da.
Soso, … und wie hätte das bei einem entgegenkommenden Auto ausgesehen? In etwa ähnlicher Entfernung wie die Radgruppe. Mit was für Geschwindigkeiten der Verkehrsteilnehmer hast Du in Deinen Überlegungen denn gearbeitet? Du gehst doch sicherlich nicht von einem langwierigen Wettrennen zwischen dem zu überholenden Radfahrer und dem Lkw aus.

StVO § 5 Überholen

(2) Überholen darf nur, wer übersehen kann, daß während des ganzen Überholvorgangs jede Behinderung des Gegenverkehrs ausgeschlossen ist. Überholen darf ferner nur, wer mit wesentlich höherer Geschwindigkeit als der zu Überholende fährt.

(6) Wer überholt wird, darf seine Geschwindigkeit nicht erhöhen.

Die Erkenntnis, dass das Manöver nicht klappt, kam zu spät oder es war zu wenig Reaktionsvermögen vorhanden, das Manöver abzubrechen.
Was bezweckst Du mit solchen Überlegungen? Es kommen doch viele Möglichkeiten für den Überholvorgang in Frage: Selbstüberschätzung, Anfängerfehler, fehlende Praxis, Handy gecheckt, von etwas abgelenkt gewesen, Ungeduld, Termindruck, genervt durch Radfahrer, Risiko in Kauf genommen, …
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Beitragvon hutso » 12.08.2012, 07:42

leute.... jetzt kommt mal wieder runter.
was wollt ihr machen? ihn teeren und federn? 

noch ein wenig weiter hochgeschaukelt... und ihr seid nicht besser als 5749Z :sad:

das war ein unfall. ein verdammt tragischer - aber ein unfall! ich glaube nicht, dass der lkw fahrer vor seinem riskanten ueberholmanoever einen toten radfahrer billigend in kauf genommen haette.

habt ihr denn noch nie etwas riskantes getan, bei dem ihr hinterher gedacht habt: puh... grad noch mal gutgegangen!!! glueck gehabt! ich bezweifle sehr stark, dass dies ein forum reiner engel ist.

im uebrigen weiss man nicht, was reporter in ihren artikel frei hinzu erfinden. ich bin nach wie vor der meinung: man sollte mit vorberurteilung sehr vorsichtig sein....

der lkw-fahrer muss den rest seines leben damit klar kommen, einen menschen auf dem gewissen zu haben. ich will ihn nicht in schutz nehmen.... versteht das bitte nicht falsch. ich finde das geschehene auch schrecklich! 

ich wuensche mir mehr ruecksichtnahme im strassenverkehr. von ALLEN beteiligten!

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Beitragvon Janibal » 12.08.2012, 09:38

Neulich Katja und jetzt einer von der RG Uni Hamburg. Es muss einen Himmel geben, sonst wäre der Tod so sinnlos.

Irgendwie häufen sich die tödlichen Kollisionen der Radfahrer in letzter Zeit. Ich finde, dass dem Verkehr nicht mehr die nötige Aufmerksamkeit geschenkt wird. Oft liegt zwischen A und B nur ein: Mal eben schnell.

Auf das die Schutzengel nicht überlastet werden, denn alles fliegt irgendwie schneller als die....
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Beitragvon Reisender » 12.08.2012, 10:34

R.I.P.

Das Statement in der MoPo geht gar nicht. :?
<< Foto by Helmut
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Beitragvon Gastfahrer » 12.08.2012, 11:09

Hmmm, … ich sollte mich nicht so leicht ködern lassen, aber es ist vollbracht:
hutso hat geschrieben:leute.... jetzt kommt mal wieder runter.
:roll: Schlechter Versuch, eine Diskussion hitziger erscheinen zu lassen, als sie in Wahrheit ist.
was wollt ihr machen? ihn teeren und federn? 
:roll: Wurde das zuletzt vorgeschlagen? Nein. Also wird auch keine Diskussion in die Richtung geführt. Danke sehr.
noch ein wenig weiter hochgeschaukelt... und ihr seid nicht besser als 5749Z :sad:
Ja, wenn ich Deine Zeilen hier so lese, wäre das tatsächlich etwas zum Hochschaukeln. :roll: Was in aller Welt hast Du Dir bei so einem Kommentar gedacht? Zu 5749Z: ist doch schon weg.
das war ein unfall. ein verdammt tragischer - aber ein unfall!
Für den Radfahrer, der aus dem Leben gerissen wurde. Und zu einem Unfall gehört eine Unfallursache. Sich zu der aus gegebenem Anlaß Gedanken zu machen, ist sehr sinnvoll. Das hilft all denen, die weiterhin Radsport betreiben wollen, die Sache zu verarbeiten. Würde ich mir keine Gedanken machen, würde ich beispielsweise manche Radwege nicht gemieden haben und wäre dort schon mehrfach umgenietet worden.
ich glaube nicht, dass der lkw fahrer vor seinem riskanten ueberholmanoever einen toten radfahrer billigend in kauf genommen haette.
So spitz formuliert wurde das nicht behauptet. Das ist eine ganz miese Art, in einem Forum ein Feuer anfachen zu wollen. Und in Bezug auf was Du glaubst, ich glaube schon, daß einige Kfz-Lenker unnötige Risiken eingehen, deren mögliche Folgen sie nicht bedenken oder falsch einschätzen. Falls sie die Risiken bewußt eingehen, wäre das nur viel schlimmer. Eine persönliche Fahrweise kann auch irgendwann zur Unfallursache werden.
habt ihr denn noch nie etwas riskantes getan, bei dem ihr hinterher gedacht habt: puh... grad noch mal gutgegangen!!! glueck gehabt!
Mehr Details, bitte! Andernfalls wird so ein Exkurs nichts. Denn falls Du auf den Straßenverkehr abzielst, möchte ich da schon eine längere Einleitung zu so einem Thema von Dir sehen. Und vielleicht ein paar Beispiele aus Deinem Leben.
ich bezweifle sehr stark, dass dies ein forum reiner engel ist.
Schnell mal ein Fenster öffnen. Hier weht mir plötzlich der Geruch von Trollen um die Nase.
im uebrigen weiss man nicht, was reporter in ihren artikel frei hinzu erfinden. 
Soll das ein Rundumschlag sein? Na gut. Vielleicht hast Du mehr als die paar gelesen, als ich. In einigen Artikeln steht, der Lkw sei in das Ende der Gruppe gefahren, das Opfer fuhr an hinterster Position. Irgendwo steht, der Lkw sei zum Überholen ausgeschert, als die Gruppe bereits nebenan auf der Gegenfahrbahn war. Ich möchte da schon gerne offene Fragen beantwortet sehen und hoffe, die Presse wird das Ergebnis der Untersuchungen auch wiedergeben.
ich bin nach wie vor der meinung: man sollte mit vorberurteilung sehr vorsichtig sein....
Soweit bin ich noch überhaupt nicht. Erstmal die Unfallursache kennenlernen. Schuldzuweisungen im Nachhinein sind im Fall eines Unfallopfers nicht hilfreich, wenn es nicht andere Verkehrsteilnehmer beeinflußt, die bisher mit rücksichtsloser und offensiver Fahrweise auffallen und sich nicht ändern werden/wollen.
ich wuensche mir mehr ruecksichtnahme im strassenverkehr. von ALLEN beteiligten!
Ich wünsche mir ein wenig mehr. Und zwar deutlich mehr Beachtung von StVO §1 und §5, insbesondere durch die motorisierten Verkehrsteilnehmer. Weil die als Unfallverursacher leichter jemanden schädigen oder gar ein Leben auslöschen, als Radler und Fußgänger.
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Beitragvon tribaer » 12.08.2012, 12:35

Mein allerherzlichstes Beileid den Angehörigen und hoffentlich genesen alle Anderen wieder.

Die kurze Berechnung von Tribelix ist voll auf den Punkt gebracht. Bei meiner Rechnung hätte der LKW eine Breite von ca. 1,00 m haben dürfen. Was aufs gleiche hinaus läuft.

Er hätte nicht überholen dürfen laut StVo. und ist damit der fahrlässigen Tötung schuldig. Er kann sich auch nicht rausreden mit "der scherte plötzlich aus" - bei den Sicherheitsabständen wäre der Mann noch am Leben.

Mich ärgert, das Tätern die Plattform geboten wird, schön auf'm Kinderspielplatz in Szene gesetzt, sein Leid zu klagen und anderen die Mitschuld einzureden, während die Opfer tot sind oder im Krankenhaus liegen. Wenn dieser Fahrer einen weichlichen, och du armer Mensch, Richter bekommt, passiert in Hamburg ja nicht so selten, kommt er mit einem Du Du Du davon.

Ich schließe mich natürlich an, einen Trauerflor zu tragen bei den Cyclassics.

Ach so, ein's noch: Diskussionen leben von verschiedenen Meinungen der Menschen. Sie sind Folgen aus Erfahrungen und Erlebnissen und somit sind extreme Meinungen völlig normal. Deswegen suchen einige nach dem warum und andere würden ihn an der nächsten Laterne aufhängen. Meine Meinung halte ich bedenkt, sonst hängt man an der Forumslaterne.

Ich wünsche mir und allen Anderen eine unfallfreie Fahrt.
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Beitragvon Don Vito Campagnolo » 12.08.2012, 14:51

Helmut hat geschrieben:...Der LKW fuhr anscheinend nur zufällig in die Gruppe Radfahrer. ...
Heute auf der Sonntags-Runde unseres Teams wurde auch mal wieder deutlich: "Ein Unfall ist kein Zufall."

Große Gruppe, unterwegs von Manhagen in Richtung Nusse, hinter uns ein LKW (7,5 Tonner, RZ-Kennzeichen, Aufschrift: Rennpferde).

Hinter dem Ortsausgang (Gefällstück, kerzengerade mit guter, weiter Sicht) überholt dieser *beep* trotz Gegenverkehr (Mercedes C-Klasse). Wenigstens der Fahrer des Mercedes ist geistesgegenwärtig und stoppt, so dass es gerade eben noch so passt. Beim Einscheren passt zwischen LKW und den 4 ersten Fahrers trotzdem gerade mal eine Trinkpulle. Für das, was passiert wäre, wenn der Gegenverkehr nicht gestoppt hätte, braucht man nur recht wenig Phantasie. Der Weg des LKW hätte dann sofort rüber zum rechten Fahrbahnrand geführt, egal wieviele Radsportler diesen Abschnitt der Straße bevölkert haben.

Da denkt man sich dann nur: "Fast jeder Brummi-Lenker ein echter Vollgas-Henker." Der *beep* hätte jedenfalls definitiv nicht im nächsten Ort stoppen dürften, denn dann hätte er sehr wahrscheinlich seinen Autoschlüssel im nächsten Getreidefeld suchen dürfen oder ähnliches.
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Beitragvon Gastfahrer » 12.08.2012, 18:43

Eben. Weil technische Defekte oder menschliche Fehler (Fehlverhalten dabei ausgenommen), die zu genau dem Zeitpunkt auftreten, sodaß sie zur Unfallursache werden, weitaus seltener sein sollten. Denn wenn man jegliches Restrisiko einkalkuliert, kann man auch beim Einkaufen im Supermarkt von einem zufällig gerade in der Zeit einstürzenden Dach erschlagen werden.

Meine Trainingsfahrt heute Nachmittag war eher erfreulich. Einem Lkw (habe selbst Lkw Führerschein) habe ich auf schmaler Straße Gelegenheit zum Vorbeifahren gegeben, indem ich an einer Art Ausbuchtung nach rechts unmißverständlich Platz gemacht hab. Gab Blinkerzeichen als Dankeschön. Etwas später am Klosterberg machte gerade eine Radlergruppe Halt und legte spontan eine Laola hin. :)
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Tomcat
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Beitragvon Tomcat » 12.08.2012, 20:10

Es wird wieder passieren. 99 mal wird es gut gehen und beim 100 mal passiert's wieder.

Bei der RTF in Hittfeld heute gab es wieder genügend Beispiele, wo es gerade noch gut gegangen ist.

Im Hamburger Abendblatt hat vor kurzem ein Leser geschrieben: "Wir sind eine Autofahrernation." Solange sich das Denken in den Köpfen der Menschen nicht ändert, wird sich auch an dieser Situation nichts ändern.

Gruß

Thomas
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Beitragvon m_arkus » 12.08.2012, 20:33

Mein Mitgefühl und herzliches Beileid an die Angehörigen des Opfers. Den Verletzten wünsche ich gute Genesung und allen Beteiligten eine schnelle Verarbeitung der Geschehnisse, wenn das überhaupt möglich ist.

Ich bin einen Tag vorher zur gleichen Zeit mit meinen St. Pauli Vereinskollegen dort gefahren.. Mir wird ganz mulmig, wenn ich darüber nachdenke..
Thali hat geschrieben:Ich wünsche mir, dass wir zum Zeichen unserer Trauer am kommenden Wochenende und bei den Cyclassics schwarze Schleifenbänder an unseren Helmen befestigen.
Eine schöne Idee und Möglichkeit, seine Anteilnahme zu zeigen.
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Beitragvon Ledersattel » 12.08.2012, 20:54

Thali hat geschrieben:Ich wünsche mir, dass wir zum Zeichen unserer Trauer am kommenden Wochenende und bei den Cyclassics schwarze Schleifenbänder an unseren Helmen befestigen.
Ich bin heute zwar nicht "offiziell" gefahren, sondern nur eine private Trainingsrund absolviert. In Ermangelung eines geeigneten Trauerflors bin ich eben ohne gestartet, mit dem Gedanken, dieses unterwegs bei der Gärtnerei Jenkel in Wilstedt zu erledigen. Auf der Fahrt dorthin kam ich mit einem Fahrer der BSG Beiersdorf-Mannschaft zusammen und erklärte ihm, warum ich kurz halten wollte. Er ist meinem Beispiel gefolgt, so daß wir dann unsere Fahrt anschließend gemeinsam UND mit Trauerflor fortsetzten.
Vielen Dank!

Ledersattel
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Beitragvon Ötzy » 12.08.2012, 22:33

Don Vito Campagnolo hat geschrieben:Hinter dem Ortsausgang (Gefällstück, kerzengerade mit guter, weiter Sicht) überholt dieser *beep* trotz Gegenverkehr (Mercedes C-Klasse). Wenigstens der Fahrer des Mercedes ist geistesgegenwärtig und stoppt, so dass es gerade eben noch so passt. Beim Einscheren passt zwischen LKW und den 4 ersten Fahrers trotzdem gerade mal eine Trinkpulle. Für das, was passiert wäre, wenn der Gegenverkehr nicht gestoppt hätte, braucht man nur recht wenig Phantasie...
Das war WAHNSINN. Genau diese Situation habe ich mir die letzten Tage mehrfach vorgestellt. Der Fahrer hatte sich mächtig verschätzt. Die 2er-Reihe wurde grad aufgelöst und die Gruppe nahm Fahrt auf. Als der LKW auf meiner höhe war, waren die vorderen Mitfahrer ca. 100 m weiter vorn. LKW beschleunigt weiter, PKW im Gegenverkehr, LKW-Fahrer hupt und zieht leicht nach rechts rüber. Der Abstand zwischen den Radfahrern und dem PKW im Gegenverkehr betrug nur noch so wenige Meter, dass es zur Kollision gekommen wäre, hätte der LKW-Fahrer nicht im letzten Moment rechts rüber gezogen.

Ich kann nicht sagen, wie viel Platz er den vorne fahrenden vom Team Hamfelder Hof gelassen hat, tippe aber auf maximal 2-3 m. Teuflische Szene!!!

Dass der PKW-Fahrer gestoppt hatte, konnte ich nicht wahrnehmen, war aber glücklich, dass niemand geschädigt wurde. Der Resthirnträger hätte in der folgenden Ortschaft nicht halten dürfen. Selbstjustiz ist ja nicht meins - Ausnahmen sicher manchmal angebracht...
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Beitragvon Hajobu » 13.08.2012, 21:57

crumble hat geschrieben:Dann betet jede Nacht dafuer, dass Du nie jemanden erwischt. Ob direkt oder indirekt. Wenn Du glaubst mit einem Fahrrad kannst Du niemanden toeten, hast Du ein ziemlich verschrobenes Weltbild. Das geht schneller als man denkt.

Es reicht schon, dass sich jemand ueber deine Fahrweise erschrickt oder Du ein Signal in der Gruppe nicht weiter leitest und schon must Du mit der Schuld leben.
Meine Mutter wurde von einem (unachtsamen) Radfahrer als über 70-Jährige auf einem Zebrastreifen fast vor unserer Haustür erfasst und schwer am Kopf verletzt. Ich war geschockt. Aber jetzt den Radfahrer verteufeln? Das hat er wohl fahrlässig, aber doch nicht mit Absicht gemacht!

Ich denke, dass die Aggression, die wir spüren, wenn wir so etwas erleben, immer ein Hinweis auf das Böse in uns, in mir selbst ist. Das Böse ausrotten ist ein frommer Wunsch, beginnt aber erst dann, wenn ich mich da auch selbst mit einbeziehe...

Wie gut ist es, dass es Vergebung und einen Neuanfang für uns alle gibt!
Gott kennen ist Leben! (Tolstoi)
Bagdad-Biker

Beitragvon Bagdad-Biker » 13.08.2012, 21:59

Mein Beleid allen Angehörigen und Freunden des Verstorbenen. Bleibt zu hoffen, dass sein Opfer wenigstens einigen Menschen die Augen öffnet.

Ich hörte bereits in den Radionachrichten von dem Unglück und war schockiert. Als die Nachricht aus dem Lautsprecher kam, fuhr ich meinen LKW erstmal rechts ran und nahm mir einige Minuten Zeit zur Besinnung. Wie schnell sowas gehen kann. Und jeden kann es treffen. Nicht nur als Opfer. Ich bin wahrlich kein sonderlich gläubiger Mensch, dankte dem Herrn dennoch in einem stillen Gebet, dass er nicht mich in diese Situation gebracht hatte.

Ich kann die Wut und den Zorn der hier in einigen Beiträgen mitschwingt gut verstehen. Und nachdem ich die Bilder von der Unfallstelle gesehen habe, frage ich mich ebenfalls, wie es an dieser Stelle zu einem solchen Unfall kommen konnte. Aber über die Ursache lässt sich unsererseits höchstenfalls mutmaßen.

Dennoch ist niemandem geholfen, wenn hier nun wieder die "wilden Autofahrer" an den Generalpranger gestellt werden. Hand auf´s Herz! Niemand von uns wird sich damit rühmen können, immer einwand- und fehlerfrei Auto oder Rad zu fahren. Beim Abbiegen versehentlich beinahe den Radler übersehen, mit dem Rad in der Fußgängerpassage versehentlich die Oma mit Gehwagen touchiert, mal jemandem die Vorfahrt genommen, abgebogen ohne zu blinken...... Auch alles (Fahr-)Fehler. Nur waren bisher die Folgen vermutlich nie so gravierend.

Ich will den LKW Fahrer gar nicht zwingend in Schutz nehmen. So wie sich die Sache bisher darstellt, scheint er klar Verursacher und Schuldiger dieses Unfalls zu sein. Aber in seiner Haut möchte ich nicht stecken. Der wird seines Lebens nicht mehr froh. Er hat ein Menschenleben auf dem Gewissen, wird sich bis ans Ende seiner Tage mit den Schuldgefühlen plagen müssen. Sowas lässt niemanden kalt.

Und aus dem Berufsalltag als Kraftfahrer kann ich mit Gewissheit sagen: Zum Unfallverursacher kann jeder werden. Sowas geht ganz schnell. Ohne es gewollt zu haben, ohne es kommen zu sehen, ohne was zu ahnen. Schnell noch ein Blick in den Tourenplan, nur schnell den Rufton am zum xten mal bimmelnden Handy unterdrückt oder ein Blick zum Navi, und schon ist die eben noch so übersichtlichen Verkehrssituation plötzlich eskaliert. Von Fehlern anderer Verkehrsteilnehmer, die Dich in völlig unvorhersehbare Situationen bringen, ganz zu schweigen.

Durch Handy und www ist unser aller Leben so hektisch und stressig geworden. Man hetzt von Termin zu Termin. Keiner nimmt mehr Rücksicht auf den Anderen. Jeder will/muss der Erste sein. Es wird gedrängelt, gehupt, geschimpft und geschnitten, was das Zeug hält. Über das hohe Gewicht und das damit verbundene Ausweich/Reaktion/Bremsverhalten eines Brummis ist sich meist nur bewusst, wer selbst mal drin saß. Ähnlich verhält es sich mit uns langsamen und deshalb "ach so nervigen" Radfahrern. Nur wer selbst im Sattel sitzt, kann unsere Sichtweise nachvollziehen. Den Menschen unserer Gesellschaft fehlt es schlicht an der Fähigkeit über den Tellerrand zu blicken.

Im Speditionsgewerbe kommt ein erheblicher Zeit- und Leistungsdruck für die Fahrer hinzu. Viele sitzen völlig übermüdet, gereizt und am Rande der körperlichen Belastungsfähigkeit hinterm Steuer. Es wird Zeit, dass man den Unternehmern mal auf die Füße steigt! Profit und nochmals Profit. Geiz ist geil. Nichts darf mehr was kosten. Denn die Konkurrenz fährt billiger. Da trägt auch der Konsument seinen Teil zu bei.

So sind 30 und mehr Telefonanrufe während der Fahrt (natürlich ohne Freisprecheinrichtung, weil kostet ja Geld) keine Seltenheit. "Wann bist Du hier?" "Wann bist Du dort?" "Du musst noch dies und jenes, und welches sowieso noch!"

Während der Ladetätigkeiten wird der Fahrtenschreiber auf Pause, statt auf Arbeitszeit gestellt. Bringt dem Arbeitgeber 45 min nicht zu entlohnende Arbeitszeit. Dank der neuen Fahrtenschreiber fällt inzwischen zumindest die Manipulation der Tachoscheiben weg. Leider sind die Geräte keinesfalls fehlerfrei. Du darfst 9 Std. am Tag fahren. Fährst Du innerstädtisch, hast Du viel Standzeit durchs Laden. Die Ladezeit verringert jedoch nicht die Lenkzeit. Das bedeutet unterm Strich, dass Arbeitstage mit 12, 13 oder 14 Arbeitsstunden ohne Pause gar nicht so selten sind. In dem Zustand noch einen tonnenschweren LKW bewegen -eine tickende Zeitbombe. Und dennoch gängige Praxis.

Und gerade Fahrzeuge mit 7,5 t sind ein Risiko! Die darf nämlich jeder fahren, der noch den alten Klasse 3 Führerschein besitzt. In der Fahrschule auf´m Golf gelernt, wird auch seit den letzten 20 Jahren maximal der eigene PKW bewegt. Und dann liest Du in der Zeitung ein verlockendes Angebot für einen Nebenverdienst. Du bist´n armer Hungerleider, freust Dich über die paar Mark auf die Hand und findest dich plötzlich in einem 7,5 Tonner wieder. Den darfst Du fahren. Ob Du es kannst....

Bezüglich dieses tragischen Unfalls bin ich mal gespannt, inwieweit der Unternehmer in die Pflicht genommen werden wird. Immerhin betreibt er ein Gewerbe und lässt oder ließ zumindest in diesem Falle "Freunde" für seinen Betrieb fahren. Steuerrechtlich ist dies in jedem Fall ein geltwertender Vorteil, den er angeben müsste. Auch sozialversicherungstechnisch eine sehr verzwickte Sache. Das riecht für mich pers. ein wenig nach Schwarzarbeit.

Vermutlich wird man aber alle Fahrtenschreiber der im Betrieb genutzen Fahrzeuge auslesen. Sollten häufiger einer oder mehrere nicht im Betrieb beschäftigte Fahrer gefahren sein, wird man sicherlich wegen des Verdachts "Beschäftigung von Schwarzarbeitern ermitteln". Maximalstrafe: 10.000 €!

Sollte das so sein, wären die Folgen möglicherweise allerdings sehr dramatisch für die Hinterbliebenen. Die Berufsgenossenschaft würde keinerlei Zahlungen leisten. Genau wie die KFZ Haftpflichtversicherung ihre Leistung verweigern könnte. Und dieses Worst-case-Szenario wirft bei mir folgende Fragen auf:
- Wie ist/sind der Verstorbene/Angehörige finanziell abgesichert?
- Ist möglicherweise eine ähnliche Aktion wie "Radsportler helfen Niels" notwendig und ließe die sich organisieren?
- Wie kannn die Energie, die hier in hitzigen Disskusionen sinnlos verpulvert wird, in sinnvoller Bahnen gelenkt werden? Denn so makaber es klingt, dieser Radsportler ist leider nur einer von vielen Radfahrern, die ihr Leben lassen mussten.

Die RG ist ja doch recht groß. Da müsste sich doch was bewegen lassen....
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Beitragvon Helmut » 13.08.2012, 23:43

Es gibt einige interessante Presseberichte, heute einen 1 1/2-seitigen Bericht in der Printausgabe der MoPo, dieses Mal aus Sicht der Radsportler. In dem Artikel wird auf diesen Fred hier abgehoben und daraus zitiert. Siehe

http://www.helmuts-fahrrad-seiten.de/So ... -08-13.pdf

Dazu gibt's Berichte in der MoPo-Online und einen in der TAZ:

http://www.mopo.de/nachrichten/vorsitze ... 64534.html

http://www.mopo.de/nachrichten/lkw-rast ... 56198.html

<a target="_blank" href="http://www.taz.de/Toedlicher-Radunfall- ... !99476/</a>
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Donnerstag, den 16.08

Beitragvon Wurzelwegtreter » 15.08.2012, 08:10

Zitat:

Liebe Radsport-Freunde,

letzten Donnerstag ist bei einer Ausfahrt unseres Vereins Gordian G.
bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Für alle Rennradfahrer
war dies ein schwerer Schock.

Um diesen Schock zu verarbeiten treffen wir uns am Donnerstag, den
16. August ab 17:30 Uhr am Sperrwerk RBO (genau: Entenwerder Straße/
Entenwerder Stieg). Wir werden gemeinsam eine langsame Runde mit ca.
35 km Länge am Deich fahren, um uns auszutauschen und gemeinsam zu
trauern. An der Unglückstelle werden wir gegen 18:20 Uhr eine
Schweigeminute einlegen. Unter dem Tenor „Für gegenseitige
Rücksichtnahme und Verständnis zwischen Rennradfahren und
Kraftfahrzeugen auf den Straßen“ werden wir gegen 20 Uhr zurück am
Sperrwerk sein.

Wir bitten alle Teilnehmer sich unter der E-Mail trauerfahrt@web.de
zu melden, damit wir die erwarteten Teilnehmer abschätzen können.
Wenn ihr möchtet, dann bringt gerne eine Blume mit. Wir werden kleine
Mengen Trauerflor bereithalten, bitten Euch aber auch selbst welchen
mitzubringen.

Unsere Gedanken sind bei seinen Angehörigen und Freunden.

Eure RG-Uni-Hamburg
was ist Rückwind?
www.Teamhamfelderhof.de
Bagdad-Biker

Beitragvon Bagdad-Biker » 15.08.2012, 21:35

Helmut hat geschrieben:Es gibt einige interessante Presseberichte, heute einen 1 1/2-seitigen Bericht in der Printausgabe der MoPo, dieses Mal aus Sicht der Radsportler. In dem Artikel wird auf diesen Fred hier abgehoben und daraus zitiert.
Hab die Printausgabe der Mopo auch gelesen. Ein trauriges Beispiel für die Arbeitsweise der Medien. Wird in der ersten Berichterstattung noch der Fahrer mehr oder minder für seinen Fehler bedauert, erkennt die Mopo nun die Stimmung der Masse und berichtet in gleicher Weise nun über das Opfer.

Gib mir deine Fahne und ich hänge sie in den Wind! Hauptsache es verkauft sich...
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Beitragvon Helmut » 16.08.2012, 01:50

Bild

Heute kamen wir von der BSG NDR und Haspa auf unserer Trainingsrunde an der Unglückstelle vorbei, die man ohne Übertreibung eine Gedenkstätte nennen kann. Von der Tatenberger Schleuse kommend biegt man rechts auf den Hauptdeich ab. Ca. 100 Meter nach der S-Kurve liegt der Deichkilometer-Stein 28,5.

Dort weidete grad eine Schafherde. Inmitten der Herde saß im Gras ein in Gedanken versunkener Rennradfahrer. Sein Rad hatte er einfach ins Gras gelegt. Am und neben dem Stein lagen Blumen, Riegel, Trinkflaschen und Grablichter, aber auch Werkzeug und sogar ein Trikot. Wir hielten an, sprachen darüber, wie gut doch dieses Stück Straße einzusehen ist. Dann wurde es still. Totenstill.

Wem es helfen könnte, dieses Unglück zu verarbeiten, der fahre dort hin.

Bild
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Beitragvon Netzmeister » 16.08.2012, 10:19

hutso hat geschrieben:leute.... jetzt kommt mal wieder runter.
was wollt ihr machen? ihn teeren und federn? 

noch ein wenig weiter hochgeschaukelt... und ihr seid nicht besser als 5749Z :sad:

das war ein unfall. ein verdammt tragischer - aber ein unfall! ich glaube nicht, dass der lkw fahrer vor seinem riskanten ueberholmanoever einen toten radfahrer billigend in kauf genommen haette.

habt ihr denn noch nie etwas riskantes getan, bei dem ihr hinterher gedacht habt: puh... grad noch mal gutgegangen!!! glueck gehabt! ich bezweifle sehr stark, dass dies ein forum reiner engel ist.

im uebrigen weiss man nicht, was reporter in ihren artikel frei hinzu erfinden. ich bin nach wie vor der meinung: man sollte mit vorberurteilung sehr vorsichtig sein....

der lkw-fahrer muss den rest seines leben damit klar kommen, einen menschen auf dem gewissen zu haben. ich will ihn nicht in schutz nehmen.... versteht das bitte nicht falsch. ich finde das geschehene auch schrecklich! 

ich wuensche mir mehr ruecksichtnahme im strassenverkehr. von ALLEN beteiligten!
+1

Kann ich so uneingeschränkt unterschreiben.
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Beitragvon lenkerbruch » 16.08.2012, 15:33

Teeren und federn ist sicher nicht nötig. Aber es war (nach den Angaben des Totfahrers in der Zeitung) ein vermeidbarer, schwerer und ohne jede Not begangener Fehler, dem mehrere Menschen zum Opfer gefallen sind. Man überholt niemals bei Gegenverkehr, das ist doch eine ganz einfache Grundregel!

Erhebliche juristische Konsequenzen sind sicher zu erwarten, aber die machen die Verletzten und Hinterbliebenen nicht glücklich und der Verusacher muss trotzdem noch selbst mit seinem Gewissen klar kommen.

Als Autofahrer weiß ich, wie schnell eine falsche Entscheidung gefällt ist, als Radfahrer bekomme ich zu oft den Eindruck, dass viele Autofahrer sich nicht der Tragweite ihrer Verhaltens bewußt sind.
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Beitragvon Con-Rad » 16.08.2012, 18:03

Nach dem 1. Bericht in der MOPO muss ich einsehen, dass der LKW- Fahrer mit einer unglaublichen Rücksichtslosigkeit gehandelt hat. Auch wenn mich das Wort "Totfahrer" abschreckt, wer so überholt, nimmt den Tod anderer Verkehrsteilnehmer in Kauf.

Seit dem Unfall bin ich mehrfach durch überholende LKW geschnitten worden. Die scheinen nicht so betroffen zu sein wie wir.

Trotzdem sollten wir auch unser Handeln überdenken und versuchen, LKW eine Möglichkeit zum Überholen zu geben und uns nicht immer so verhalten, als wären wir in einem Rennen. Der § 1 richtet sich auch an uns. Kurz rechts anhalten und vorbeilassen wenn ich merke, dass einer überholen will oder verlangsamen, wenn er schon dabei ist. Allein die Bereitschaft dazu entspannt und wir zeigen, dass wir selbst Rücksicht nehmen wollen. Das kann schon dem Nächsten zu gute kommen. Wir treiben Sport, oft in der Freizeit. Der LKW hat möglicherweise stundenlang auf der Autobahn gestanden.
Die ganze Warheit mit Bildern unter:
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Beitragvon Gastfahrer » 16.08.2012, 20:37

Bagdad-Biker hat geschrieben:mit dem Rad in der Fußgängerpassage versehentlich die Oma mit Gehwagen touchiert,
Hättest Du jetzt nur ein wenig aus der Sicht eines Lkw Fahrers geplaudert, wäre das halb so wild gewesen. Aber so bist Du m. E. in mehreren Punkten übers Ziel hinausgeschossen.

Falls mit "Fußgängerpassage" eine Fußgängerzone gemeint ist, so ist die entweder nur für Fußgänger freigegeben, was sich in ihrer Namensgebung widerspiegelt, und mit Rad dürftest Du da nur das Rad schiebend hindurch. Oder aber Fußgänger haben zumindest insofern Vorrang, als daß anderen eine Durchfahrt nur mit angepaßter Geschwindigkeit erlaubt wird, Schrittgeschwindigkeit also. Und 10 km/h sind schon keine Schrittgeschwindigkeit mehr.

Ich kann das nicht gutheißen, wenn hier Fehlverhalten gerechtfertig wird und uns allen mit flotten Sprüchen (Zitat: "Hand auf´s Herz!") unterstellt wird, wir würden ebenfalls überall und häufig zuwiderhandeln und dadurch das Unfallrisiko erhöhen und nur durch Glück von Unfällen verschont bleiben. Es ist sehr bedauerlich und ärgerlich zugleich, wenn Dein Alltag sich derart gestaltet, daß Du von einer Gefahr in die andere schlitterst und das durch Termindruck und andere, sogar vermeidbare Umstände zu rechtfertigen versuchst. Das sind genau die Ausreden, die Verkehrspolizisten zu hören bekommen, wenn sie jemanden bei einer Kontrolle (unterschiedlicher Art) aus dem Verkehr ziehen.
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Beitragvon Heimfelder Dirk » 17.08.2012, 09:15

seit einer Woche verfolge ich die Leserbriefe in den Printausgaben. Überwiegend waren dort unsachliche bis radfahrerfeindliche Einlassungen zu ertragen. Heute der Höhepunkt. Zitat:

"Ich würde gern mal wissen, wo in der StVo es steht, dass Radrennen auf öffentlichen Straßen erlaubt ist und dass alle anderen Verkehrsteilnehmer Rücksicht nehmen müssen. Deutschland ist nicht radsportfeindlich, denn öffentliche Veranstaltungen laufen erfolgreich und harmonisch ab." H. Stichtenoth, Haseldorf

Solche Vollpfosten fahren mit KFZ durch die Gegend..und halten drauf, nach dem Motto "in der StVO steht nicht drin, dass ich auf Radrennfahrer Rücksicht nehmen muss"...und nehmen billigend in Kauf, dass ein Mensch zu Schaden kommt (der hat ja selbst Schuld), wenn der nicht rechtzeitig aus dem Weg geht (fährt).

Unfassbar!!!

Dirk
Zuletzt geändert von Heimfelder Dirk am 18.08.2012, 08:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: MOPO

Beitragvon Gastfahrer » 17.08.2012, 12:13

Da hat dann aber die Redaktion jenes Blattes komplett versagt, wenn sie solche Meinungen nicht filtern, sondern unkommentiert abdrucken.
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Beitragvon lenkerbruch » 17.08.2012, 12:28

Die Äußerung des Asphaltkopfes enthält ja, wie so oft, ein Körnchen Wahrheit. Radrennen sind ja in der Tat nicht im Straßenverkehr erlaubt, darauf wird ja bei jeder RTF zu Recht hingewiesen. Aber eine Ausfahrt auf dem Rennrad in Sportkleidung ist natürlich kein Rennen. Breitreifen, Sportfahrwerk und Alufelgen führen ja auch nicht dazu, dass ein Auto nur auf der Rennstrecke gefahren werden darf...

Der Versuch, dies solchen Leuten zu erklären, ist wahrscheinlich von vorneherein zum Scheitern verurteilt.
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Beitragvon Helmut » 18.08.2012, 01:48

tribaer hat geschrieben:Ach so, ein's noch: Diskussionen leben von verschiedenen Meinungen der Menschen. Sie sind Folgen aus Erfahrungen und Erlebnissen und somit sind extreme Meinungen völlig normal. Deswegen suchen einige nach dem warum und andere würden ihn an der nächsten Laterne aufhängen. Meine Meinung halte ich bedenkt, sonst hängt man an der Forumslaterne.
Wenn Du damit auf den Forums-Rausschmiss von 5749Z anspielst, kann ich Dich beruhigen. Der ist rausgeflogen, weil mal wieder erkennbar war, dass ER es war, der schon so oft rausgeflogen ist und hier schon lange Hausverbot hat. Nicht wegen seiner Meinung, sondern wegen seiner sozialunvertröglichen Art.

ER behauptet nun mal wieder, dass ER es gar nicht war, sondern dass sich ein anderer hier anonym äußert, um den Anschein zu geben, dass ER es wäre, der sich anonym äußert. Ich halte es sogar für nicht ausgeschlossen, dass ER selbst dies glaubt. So oder so, ER bzw. Tut-wie-ER hat sich eine andere Plattform zu suchen.

Zeit um noch etwas aufzuklären: Gordian G. trainierte nicht für die Vattenfall Cyclassics. Das hatten voreilige MoPo-Reporter sich zusammengereimt, es gar zu ihrer Schlagzeile erhoben, nur weil er zehn Tage vor den Cyclassics erstmals bei der Trainingsrunde der RG Uni dabei war. Zu den Cyclassics war er nicht angemeldet. Ein Gutes hat dies: So fand diese tragische Geschichte mehr Aufmerksamkeit unter den Nicht-Rennradfahrern.
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon Bagdad-Biker » 18.08.2012, 11:06

Gastfahrer hat geschrieben:Ich kann das nicht gutheißen, wenn hier Fehlverhalten gerechtfertig wird...

Fehlverhalten beinhaltet das Wort Fehler. Und Fehler passieren den Menschen nunmal. Unbewusst und/oder unabsichtlich. Im Job, im Straßenverkehr, beim Heimwerken...... Zugegeben, meist mit weit weniger tragischem Ausgang, aber Fehler passieren.

Was ich schrieb, hat mit einer Rechtfertigung nichts zu tun. Sondern mit Toleranz gegenüber den Menschen, die diese Fehler begehen. Offensichtlich gibt es aber Menschen, denen Toleranz völlig fremd ist und die sich für unfehlbar zu halten. Ein Trugschluss! Zu glauben, sich stets richtig zu verhalten, beruht vermutlich auf einer sehr eingegrenzten Betrachtungsweise der Dinge und bedeutet nicht zwangsläufig es auch zu tun.
Gastfahrer hat geschrieben:...und uns allen mit flotten Sprüchen (Zitat: "Hand auf´s Herz!") unterstellt wird, wir würden ebenfalls überall und häufig zuwiderhandeln und dadurch das Unfallrisiko erhöhen und nur durch Glück von Unfällen verschont bleiben.
Ich verwies lediglich auf die Tatsache, dass jeder von uns sicherlich im Straßenverkehr den ein oder anderen Fehler begeht (Wer glaubt, er könne sich von dieser Tatsache freisprechen, ist ein Narr!) und nannte einige Beispiele. Die Ansicht, Fehler begingen nur andere, ist allerdings im Straßenverkehr gar nicht so selten. Sie erzeugt dann ein (Fahr-)Verhalten, welches hier und in anderen Freds dann als aggressiv oder rücksichtslos beklagt wird. Das allerdings, und hier fehlt oft die Einsicht, legen ebensoviele Rad- wie Autofahrer an den Tag.
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Beitragvon Con-Rad » 18.08.2012, 11:32

@Bagdad-Biker,
Deine Beiträge sind mit die Klügsten hier.
Nicht so klug ist es, auf die unangemessenen, selbstgefälligen Popeleien von Geisterfahrern zu antworten. Wir ordnen das schon richtig ein.
Die ganze Warheit mit Bildern unter:
www.radsport-buchholz.de
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Beitragvon Gastfahrer » 18.08.2012, 12:33

Bagdad-Biker hat geschrieben:Fehlverhalten beinhaltet das Wort Fehler. Und Fehler passieren den Menschen nunmal. Unbewusst und/oder unabsichtlich.
Und was ist mit wissentlichem Fehlverhalten?
Was ich schrieb, hat mit einer Rechtfertigung nichts zu tun. Sondern mit Toleranz gegenüber den Menschen, die diese Fehler begehen.
Den Menschen oder ihrem Fehlverhalten? Wie ausgeprägt ist Deine Duldsamkeit von Fehlverhalten anderer? Als Paradebeispiele für Fehlverhalten nennst Du häufiges Telefonieren am Steuer, völlige Übermüdung, Gereiztheit, Geschwindigkeitsüberschreitungen, Ausbeutung von Angestellten durch Unternehmer und schildest eine äusserst triste Realität aus dem Alltag eines Berufskraftfahrers. Ein Versuch, Gründe für Unfallursachen zu finden. Bei so einer Analyse ist es von Toleranz zu Akzeptanz kein großer Schritt mehr. Da wirst Du halt tolerieren müssen, daß ich diesbezüglich weniger Nachsicht und weniger Gelassenheit zeige.

Beiläufig fordest Du immerhin, "dass man den Unternehmern mal auf die Füße steigt", was ja ebenfalls in Richtung Nulltoleranz geht. Ob die Unternehmer allerdings die alleinige Wurzel des Übels sind, sei dahingestellt.
Offensichtlich gibt es aber Menschen, denen Toleranz völlig fremd ist und die sich für unfehlbar zu halten.
Weder noch, und ein Idealist bin ich auch nicht.
Bagdad-Biker

Beitragvon Bagdad-Biker » 18.08.2012, 13:07

@Gastfahrer

Es bedarf schon reichlich Fantasie um von mir und anderen getroffene Aussagen in der von Dir hier wiedergegebenen Interpretationsweise zu betrachten. Sicherlich kann man, auf der Suche nach Argumenten zur Selbstrechtfertigung oder aus reiner Provokationslust, jede Aussage solange hin und her drehen, bis ein Konsenz nicht mehr gegeben oder zu erkennen ist. Allerdings fehlt einer Diskussion damit jegliche Sachlichkeit und die sehe ich angesichts der ernsten Thematik durchaus geboten.

Da du dich ja offenbar nur hier angemeldet hast, um Deinem Zorn und Deiner Verbitterung Luft zu machen und um Dein Weltbild von deiner, ausschließlich von Idioten umgebenen, perfekten Persönlichkeit zu zeichen, habe ich die aufrichtige Bitte an Dich, wieder in die Weiten des www abzutauchen. In anderen Foren teilt man Deine Sicht der Dinge und Deine pers. Einstellung zu deinem Umfeld möglicherweise eher.
Gastfahrer
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Beitragvon Gastfahrer » 18.08.2012, 13:11

Bagdad-Biker hat geschrieben:Da du dich ja offenbar nur hier angemeldet hast, um Deinem Zorn und Deiner Verbitterung Luft zu machen und um Dein Weltbild von deiner, ausschließlich von Idioten umgebenen, perfekten Persönlichkeit zu zeichen,
Nichts von dem ist zutreffend.
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Beitragvon Fidibus » 21.08.2012, 11:04

Mein Beileid an die Angehörigen und Freunde
und an alle Radler heißt es VORSICHTIG SEIN!!!
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Harterbrocken
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Bericht in AUTO BILD

Beitragvon Harterbrocken » 23.08.2012, 19:08

Der Unfall war Anlass für AUTO BILD in der aktuellen Ausgabe (#34 vom 24.08.2012) über das Thema Auto- kontra Fahrradfahrer zu berichten. Das Heft kostet 1,60 Euro und ist ab heute Nacht an Kiosken oder Tankstellen erhältlich.

Für diejenigen, die das Geld nicht ausgeben mögen oder haben, werde ich den Admin bitten, den Beitrag hier ab Freitagabend als PDF-Datei zur Verfügung zu stellen.

Wer eine Meinung zu dem Thema hat, wer zustimmen oder widersprechen möchte, ist dazu herzlich eingeladen. Entsprechende Post bitte an: redaktion@autobild.de
Bagdad-Biker

Beitragvon Bagdad-Biker » 23.08.2012, 21:50

Dann werd ich mir morgen gleich mal die Auto Bild holen. Bin gespannt, ob und wie es einer Zeitschrift für Autofahrer gelingt mit dem Thema umzugehen.
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Reisender
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Beitragvon Reisender » 26.08.2012, 23:08

Hallo Bagdad Biker,

das Problem ist, dass ein vermeintlich kleiner Fehler beim Lenken eines LKW oder auch PKW dramatische Auswirkungen hat, wie wir alle wissen. Es macht dann im Ergebnis keinen Unterschied, ob es vorsätzlich war oder eben nicht. Das traurige Ergebnis ist schlicht und ergreifend der Tod eines Menschen. Die Ursächlichkeit ist dann nur noch für das Strafmaß wichtig.

Was die KFZ-Haftpflicht angeht, natürlich zahlt sie. Nur wird sie sich dann mit einer Regressforderung an den Unfallverursacher bzw. Fahrzeughalter wenden, sollte das ganze grobfahrlässig und auch noch in Verbindung mit Schwarzarbeit stehen. Das aber sollte uns Außenstehende auch nicht weiter angehen, m. M. nach.
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Beitragvon AP0LL0N » 31.01.2013, 18:08

Hat jemand Info, wann der Fall vor Gericht kommt?

Grüße!
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Harterbrocken
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Beitragvon Harterbrocken » 31.07.2013, 13:01

Ich komme gerade von der Gerichtsverhandlung vorm Amtsgericht Bergedorf. Nach meiner Beobachtung war der Unfall vor einem Jahr von derTagesordnung der Medien, Radsportvereine und der Politik verschwunden.

So kann man sich täuschen. Vorm Gerichtssaal herrschte reger Medienrummel, NDR, RTL, Sat1, HH1..., sie alle waren mit Kamerateams, Tonleuten und Reportern vor Ort. Sogar eine Gerichtszeichnerin nahm an der Verhandlung im Zuschauerraum teil. Angesichts dieses großen öffentlichen Interesses, musste die Verhandlung sogar in einen größeren Saal verlegt werden. Von 9 bis 12 Uhr war die Verhandlung angesetzt, zwölf Zeugen sollten gehört werden und ein Gutachter. Die Zeit sollte nicht reichen, so dass es heute wahrscheinlich zu keiner Verurteilung kommt, sondern ein zweiter Verhandlungstag angesetzt werden wird. Leider musste ich das Gericht aufgrund anderer Termine vor Verhandlungsende verlassen.

Heute wollen die Lokalsender der oben genannten TV-Stationen in ihren Abendsendungen berichten.

Falls ich die Zeit finde, schreibe ich an dieser Stelle später gerne eine Gerichtsreportage.
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Harterbrocken
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Beitragvon Harterbrocken » 01.08.2013, 23:44

Der Prozess wird am 14. August fortgesetzt.

Einen Zeizungsartikel gibt es hier: http://www.mopo.de/nachrichten/prozess- ... 78132.html
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Beitragvon Helmut » 02.08.2013, 00:34

MoPo hat geschrieben:Lasterfahrer überrollt Cyclassics-Radler - und zeigt Reue
Das las sich heute im Hamburger Abendblatt deutlich anders. Das berichtete davon, dass die Anklage mindestens je einen Rad- und einen Autofahrer als Zeugen sprechen lassen wird, deren Aussagen darauf schließen ließen, dass der LKW-Fahrer des öfteren durch seine aggressive Fahrweise auffiel.

Und die Aussage des Angeklagten, "Das habe ich nicht gewollt", entschuldigt nichts, sie passt genau zur Anklage, denn die lautet ja nicht auf vorsätzliche, sondern auf fahrlässige Tötung.
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.
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Beitragvon VeloC » 02.08.2013, 22:49

Harterbrocken hat geschrieben:Falls ich die Zeit finde, schreibe ich an dieser Stelle später gerne eine Gerichtsreportage.
Das wäre klasse! Kam jetzt alles wieder hoch, als ich die Ankündigung in der Mopo las. Dieser widerliche Spruch von der großmütigen Anerkennung seiner angeblichen "Mitschuld" ist mir seit damals nie mehr aus dem Kopf gegangen. Gebe mir zwar Mühe zu glauben, dass ihn da der Reporter falsch zitiert hat, aber allzu viel Hoffnung habe ich nach den bislang eingetrudelten Informationshäppchen nicht. Wäre schön, in den nächsten Wochen wenigstens ein paar Fragen beantwortet zu kriegen!
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Reportage vom Verhandlungstag 1.

Beitragvon Harterbrocken » 08.08.2013, 00:26

Am Freitag, 9. August, jährt sich der schreckliche Unfall am Elbdeich zu ersten Mal. Ich finde, in Sachen Sicherheitsinitative hat sich nichts getan. Im Gegenteil: Am Dienstag beim Training mit dem SC Hammaburg kam es in meiner Gruppe wiederholt zu brenzligen Situationen. Situationen, die mich an den tödlichen Lkw-Unfall erinnern. Es ist fast immer das Gleiche: Auf der Gegenspur steht ein Auto oder fahren andere Radfaher. Die Autos überholen, obwohl ihnen eine große Zweierreihe entgegenkommt. Das ist extrem gefährlich. Die Autofahrer unterschätzen einfach oft unser hohes Tempo in der Zweierreihe. Ich bin der Meinung, hier muss was getan werden, z. B. Schilder (Share the road), Parkverbot oder/und am besten eine Einbahnstraßenregelung von Tatenberg bis Zollenspieker. Warum fordert das keiner vom Hamburger Radsportverband, BDR oder aus der Politik? Wäre schlimm, wenn erst wieder etwas passieren muss, damit etwas passiert.

Die Gerichtsverhandlung in Bergedorf habe ich mit großem Interesse verfolgt. Hier meine Reportage aus dem Gerichtssaal:

Tödliche Fehleinschätzung

Es geht um Zentimeter. Zentimeter, die über Leben und Tod entschieden haben. Zentimeter, die für mehrere Menschen die Zukunft veränderten. Ein Lastwagenfahrer wird bis ans Ende seiner Tage mit der schweren Schuld leben müssen, einen Rennradfahrer bei einem Überholmanöver getötet zu haben. Ein Vorgang, bei dem es nur um ein paar Zentimeter ging. Ein paar Zentimeter zu wenig.

Was genau war passiert, am 9. August 2012 um 18.20 Uhr auf dem Ruschorter Hauptdeich auf Höhe von Kilometerstein 28,5? Um diese Frage dreht sich alles bei dem Strafprozess vor dem Amtsgericht Bergedorf.
Eine drückende Stimmung liegt im Saal 112. Rund 25 Prozessbeobachter haben im Zuschauerraum Platz genommen. Davor stehen Kameraleute mit grellen Scheinwerfern. Tontechniker mit Kopfhörern auf den Ohren assistieren. Ein Mordprozess kriegt kaum weniger Aufmerksamkeit. Gut möglich, dass einige Beobachter den Mann auf der Anklagebank für einen Mörder halten. Verantworten muss er sich für fahrlässige Tötung.

Verhandelt wird gegen den 34-jährigen Lkw-Fahrer Kay I. Als die Medienleute den Saal verlassen haben, bricht er in Tränen aus und beteuert sein Mitleid. „Das habe ich nicht gewollt“, schluchzt er. Sein erröteter Kopf hängt nach unten. Mehr will er dazu nicht sagen. Amtsrichter Dr. Fräßdorf nickt, blickt in seine Akten und beginnt mit der Befragung. Immer wieder geht es dabei um Details, um Zeitpunkte, Geschwindigkeiten und Einschätzungen und um Zentimeter. Akribisch wird rekonstruiert, wie die tödliche Situation zustande kam, als ein Teil der 30-köpfige Rennradgruppe mit dem gelben Iveco von Kay I. kollidierte. „Wie weit haben sie die Mittellinie überfahren“, fragt der Richter. „Und wie viel Platz war zum Rand?“

Kay I. wirkt jetzt gefasst und gibt präzise Auskunft. „30 Zentimeter“, sagt er, sei er mit seinem 7,5 Tonner über die Mittellinie auf die Gegenspur gefahren, um einen einzelnen Radfahrer auf seiner Seite zu überholen. „Vielleicht auch 40 Zentimeter. Dann schert plötzlich einer aus. Und plötzlich hat es auch schon geknallt.“ Der Knall entstand, als Radfahrer Gordian G. (33) mit Kopf und Oberkörper gegen den Kofferaufbau des Gemüselasters prallte. Schädel und Lunge wurde dabei so schwer verletzt, dass Gordian G. sofort starb. „Er lag neben mir. Ich sah wie im Blut aus seinem Ohr lief“, schildert einer der zwölf geladenen Zeugen seine schrecklichen Erinnerungen.

Nach einer Stunde Verhandlung haben hohe Sommertemperaturen den Saal aufgeheizt. Die Luft steht. Wolf Römmig, Rechtsanwalt der Familie des Opfers, blickt auf die Fenster und möchte lüften lassen. Doch die Stimmung bleibt beklemmend. Nicht nur bei der emotional schwierigen Zeugenbefragung geht es um Zentimeter, sondern auch auf den Zuschauerbänken. Nur eine halbe Fahrbahnbreite trennt Angehörige von Täter und Opfer. Sie sitzen eine Bankreihe von einander entfernt. Vorn haben Verwandte von Kay I. Platz genommen, schräg dahinter der Vater von Gordian G. Er trägt eine Sonnenbrille. Vielleicht hilft sie ihm, seine Gefühle zu verbergen. Die Aussagen verfolgt er zunächst ohne sichtbare Regung. Eine Frau neben ihm hält seine Hand.

Routiniert hört sich Richter Fräßdorf die Zeugen aus der Radfahrgruppe an. Immer wieder hakt er nach und klopft Einzelheiten ab. „Gab es Warnrufe? Hat sich Gordian G. unter dem Spiegel weggeduckt? Wie hoch war ihr Tempo? Wie groß der Abstand zum Vordermann? Gab es Lücken? Hatten sie die Hände am Ober- oder Unterlenker? Wann haben sie den Lkw bemerkt? Wie viele Fahrer waren hinter ihnen? Wie viele vor ihnen?“ Die detektivische Ermittlung soll ihn zur Wahrheit führen. Einer Wahrheit, auf der er ein gerechtes Urteil begründen will. Nicht irgendeine Wahrheit. Sondern die Wahrheit. Die Wahrheit, die ihm ein Urteil erlaubt, das Täter und Opfer gleichermaßen gerecht werden soll.

Fräßdorf ist ein junger Richter. Man kann ihn sich am Wochenende gut auf einem Surfbrett vorstellen. Oder auf einem Rennrad. Höchstwahrscheinlich ist er auch Autofahrer. Welches Bild entsteht da gerade in seinem Kopf? Wie setzt er die Puzzelteile zusammen? Was macht er mit den Aussagen von Angeklagtem und Zeugen, die nicht zusammen passen wollen? Einige der befragten Radfahrer leiden noch heute an Taubheitsgefühlen in der Hand oder reagieren beim Aufheulen eines Dieselmotors verschreckt. Wird sich das auf sein Urteil auswirken?

Nur das leise Tastenklicken der Gerichtsstenographin ist zu hören. Sonst nichts. Eine nachdenkliche, traurige Stille. Dann der nächste Zeuge. Und wieder die gleichen Fragen. Die Behauptung des Angeklagten, dass die Radfahrer zu dritt nebeneinander fuhren, mag keiner bestätigen. Bei diesem Punkt kündigt Nebenkläger Römmig an, die Aussage als Lüge zu widerlegen. Außerdem hat er zwei Zeugen aufgeboten, die Kay I. als aggressiven Fahrer belasten. 14 Tage vor dem Unfall sei es am Deich nach einem kritischen Fahrmanöver zu einem Handgemenge gekommen.

Für den 14. August, dem nächsten Verhandlungstag, will Römming außerdem einen Mercedes-Fahrer aussagen lassen. Dieser hatte angegeben, einen halben Kilometer vor der Unfallstelle von Kay I. mit viel zu hohem Tempo überholt worden zu sein. Sein Verteidiger Rolf-Peter Rocke wird es nicht leicht haben, ein mildes Urteil für seinen Mandanten rauszuholen. Mit ruhiger Stimme fragt er bei den Zeugen nach: „Was macht sie so sicher, dass sie in Zweierreihe gefahren sind?“, will er wissen und dreht nervös seinen Kugelschreiber zwischen den Fingern.

Rockes-Strategie zielt darauf, Fehlverhalten oder Unachtsamkeiten bei den Radfahrern zu finden, die sich strafmildernd für Kay I. auswirken. Konzentriert blättert er in den Akten. Plötzlich kommt zu einem Wortgefecht zwischen Rocke und Römming, weil dieser Fragen stellt, die den Angeklagten belasten. „Sie müssen mich nicht belehren“, faucht Römming. „Das gehört sich nicht unter Juristen.“ Rocke hält dagegen: „Doch, manchmal muss das sein. Denn ich habe eine Info, dass die Sportgruppe auch mal in Dreierreihe fährt.“ Dann will er von einem Zeugen wissen, wie die Aufgabenteilung in einem Rennrad-Verband organisiert wird.

Zu einem Urteil kommt es nicht mehr. Richter Fräßdorf vertagt die Sitzung um 14 Tage. Dann will er auch das Urteil verkünden. Insider gehen davon aus, dass die Staatsanwaltschaft mindestens 150 Tagessätze fordern und/oder Freiheitsstrafe fordern wird. Das Dramatische dran: Kay I. ist überschuldet, wird keine Strafe zahlen können.


Falls ich Zeit finde, besuche ich auch den zweiten Verhandlungstag und werde berichten.
Mike667
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Beitragvon Mike667 » 14.08.2013, 15:14

Das Urteil lautet 10 Monate mit Bewährung (das Urteil ist noch nicht rechtskräftig).

Später sicher mehr ...
sonja1
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Beitragvon sonja1 » 14.08.2013, 19:05

Mike667 hat geschrieben:Das Urteil lautet 10 Monate mit Bewährung (das Urteil ist noch nicht rechtskräftig).
Gemeinsam mit Harterbrocken war ich heute beim Fortsetzungstermin am AG Bergedorf. Der Angeklagte wurde zu 10 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Die Bewährungszeit beträgt 2 Jahre. Sollte er sich also innerhalb der Bewährungszeit etwas zu schulden kommen lassen, droht ihm der Widerruf der Bewährung und die Freiheitsstrafe wird vollstreckt.

Das Urteil ist - soweit ich das wahrgenommen habe - noch nicht rechtskräftig. Es gab ein kleines Hin und Her bei der Frage, ob der Angeklagte auf Rechtsmittel verzichtet. Ich meine, er hat nicht verzichtet. Aber draußen hat der Verteidiger den Fernsehteams erklärt, daß sein Mandant das Urteil akzeptieren wird. Es ist also damit zu rechnen, daß das Urteil rechtskräftig werden wird.

Heute wurden noch zwei Zeugen gehört: ein beteiligter Rennradfahrer und der Mercedes-Fahrer, der kurz vor dem Unfall vom Angeklagten überholt wurde. Außerdem wurde der Unfallsachverständige gehört. Dieser hat sehr deutlich gemacht, daß einfach zu wenig Platz zum Überholen gewesen ist: Die Fahrbahn ist dort 5,90 m breit. Links und rechts ist Deich, so daß man nicht ausweichen kann. Ein Fahrradlenker ist ca. 50 cm breit. Zwei Fahrradlenker ergeben 1 m. Mit ein bißchen Abstand nimmt eine Zweierreihe also ca 1,20 m bis 1,30 m ein. Der LKW hat (inkl. Seitenspiegel) eine Breite von 2,90 m (wenn ich es richtig verstanden habe ...). Wenn er den anderen Radfahrer mit ca. 1 m Sicherheitsabstand überholt hat, bleibt für die andere Seite nur noch ein kleiner Spielraum. Daher mußte das schiefgehen (so oder so ähnlich wurde es formuliert).

Es wurde auch noch auszugsweise der Obduktionsbericht verlesen. Daraus ergab sich, daß es allein die inneren Verletzungen waren, die tödlich waren. Kopfverletzungen gab es nicht - vermutlich, weil der tödlich Verunfallte mit dem Kopf dem Seitenspiegel ausweichen wollte und dadurch mit dem Oberkörper gegen den Kastenaufbau des LKW prallte.

In den Plädoyers hat die Staatsanwaltschaft 10 Monate auf Bewährung gefordert, Nebenklage und Verteidigung haben keine konkreten Anträge gestellt, sondern nur betont, welche Aspekte aus ihrer Sicht bei der Urteilsfindung berücksichtigt werden sollten.

Es wurde immer wieder betont, daß kein Urteil der Welt den Unfall ungeschehen und Gordion G. wieder lebendig machen kann. Daher ist es auch nicht so einfach, ein gerechtes Urteil zu finden. Der Richter ist dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt und hat 10 Monate auf Bewährung ausgeurteilt.
Sonja - die radelnde Anwältin

www.rechtsanwaeltin-richter.de
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Beitragvon Grotefend » 14.08.2013, 19:25

Oh je, das ist wenig! Für mein Gefühl zu wenig, viel zu wenig. Ich weiß nicht, mit welchen möglichen Spitzfindigkeiten dieser Fast-Freispruch erreicht wurde. Aber eines ist für mich offensichtlich: Die Fahrbahn ist breit genug für zwei LKW. Also auch für einen LKW und eine Radfahrergruppe, selbst wenn sich durch Wechsel der Führungsposition vorübergehend vier Fahrer nebeneinander befunden hätten.

Der LKW-Fahrer hat dem Gordian rund fünfzig Lebensjahre genommen. Dafür pro Lebensjahr rund eine Woche. Auf Bewährung!

Ich hoffe doch, dass die Angehörigen, vielleicht auch die Staatsanwaltschaft, in Berufung gehen. Und wenn es bei den Angehörigen am Geld scheitern sollte, wären wir Radsportfreunde in Hamburg zu Hilfe und Unterstützung aufgerufen.

Grotefend
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