Ironman 70.3 Wiesbaden 2011 (Bericht)

sNIKE
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Ironman 70.3 Wiesbaden 2011 (Bericht)

Beitragvon sNIKE » 20.08.2011, 22:05

Auch wenn es schon fast ein Woche her ist, hier mein Bericht vom Ironman 70.3 in Wiesbaden an 14.08.2011.

4:30 zeigt der Wecker, als er klingelt. Die Nacht war kurz. Jetzt heißt es anziehen, die vorgepackten Sachen schnappen und ab zum Shuttlebus. Die Straßen der Wiesbadener Innenstadt sind menschenleer. Nur zwei betrunkene Jugendliche torkeln von Weinfest nach Hause. Und ich bin auf dem Weg um 1,9 km zu schwimmen, 90 km Rad zu fahren und 21,1 km zu laufen?!?

5:45 Ankunft an der Wechselzone. Noch 2 Stunden bis zum Start. Fahrrad checken, Frühstücken, Nervosität verstecken.

7:35 Vorstart. Ab ins Wasser zum Einschwimmen. KAAAALT!!!! Offizielle Wassertemperatur 18°C! In Strandnähe ist der Grund von den vorherigen Starts aufgewühlt – Sichtweite: 0,0! Etwas weiter draußen wird es kam besser. Das Wasser ist milchig trüb; unmöglich die Füße des vorausschwimmenden Athleten zu sehen. Na, das kann ja lustig werden!

7:45 Alles bereit. Kurzer Countdown, Startschuss, LOS! Alle rennen ins Wasser. Auf den ersten Metern gibt es etwas Gerangel, danach kann ich frei schwimmen. Für die ersten beiden 90° Rechtskurven der labyrinthähnlichen Strecke habe ich dafür allerdings die Außenbahn erwischt und schwimme gefüllt einen großen Umweg. Die beiden darauf folgenden Linkskurven erwische ich besser. Ganz eng geht es an dem riesigen Schwimmbagger vorbei Richtung Landgang. Aus dem Wasser, kurz umschauen und kleiner Schock: Wo sind die ganzen grünen Badekappen aus meiner Startgruppe? Um mich herum sind sie nur Gelb! Im nächsten Augenblick fließt wieder etwas Blut aus den Oberarmen in den Kopf - die Startgruppe vor uns hatte gelbe Badenkappen. Also liege ich wohl doch nicht so schlecht.

Das letzte Teilstück zum Schwimmausstieg ist eine langgezogene Linkskurve. Vor lauter Bojen und Brustschwimmern ist der Weg nicht leicht zu finden. Ein Kanufahrer weist mich in die richtige Richtung. Endlich der Ausstieg. Das Ufer ist an der Stelle sehr steil. Im knietiefen Wasser stehen eine handvoll Helfer, die die Schwimmer aus dem Wasser ziehen. Danach geht es durch tiefen Sand hinauf zur Wechselzone. Der Weg ist weit ein teilweise recht steil. Ca. 500 m muss ich bis zu meinem Rad zurücklegen! Wird diese Strecke eigentlich von abschließenden Halbmarathon abgezogen? Wohl kaum ..

8:20 Der erste Wechsel gelingt mir gut. Neo aus, Helm auf, Startnummer und Brille schnappen und ab dafür. Vor der Radstrecke hatte ich den größten Respekt. Schon die Streckenerkundung an Himmelfahrt wurde beinahe zum Himmelsfahrtskommando. War die vielen langen und steilen Anstieg schon grenzwertig, so sind die schnellen, kurvenreichen, teilweise schlecht asphaltieren Abfahrten erst recht mit äußerster Vorsicht zu genießen. Zudem war die Straßen an Wettkampftag auch noch feucht.
Die ersten 20 km sind relativ flach. Hier gilt es nicht zu forsch anzufahren um nicht schon zu viele Körner schon am Anfang zu verschießen. Danach beginnt das ständige auf und ab.

Erstes Highlight der Radstrecke ist der Neroberg. Mitten im Wald stiegt die schnurgerade Straße immer weiter an. Oben angekommen führt der Weg an einer weißen Russisches Kapelle vorbei, dann geht es auf einer schlechten Straße bergab durch die Vororte von Wiesbaden. Vorbei am Nerobergbahn-Viadukt hin zum Highlight Nr. 2: Der Wolkenbruch! Eine schmale Straße, die sich mit über 10% Steigung den Berg hinaufwindet. Kurz vor dem Gipfel wollte ich noch mal die letzten Kräfte mobilisieren und ging aus dem Sattel. Auf der immer noch regennassen Fahrrad quittierte das mit Hinterrad sofort mit durchdrehen. Jaja, wenn über 500 Watt an der Kette reissen ...

Oben angekommen war noch lange nicht Schluss mit der Kletterei. Die „Platte“ stand auf dem Programm. Klingt harmlos, ist aber ein Anstieg mit ca. 8% und einer Länge von 5 km. HURRA, ein Berg! Während ich mich langsam dort hinauf arbeitete, kam mir auf der Gegenfahrbahn ein Auto mit aufgeschraubter Uhr entgegen. Kurz darauf folgte der spätere Sieger Andi Böcherer im Tiefflug. Er hat's gut, dachte ich, er hat die Kletterei hinter sich. Ich hingegen fand bald meinen Rhythmus, konnte im unteren, etwas flacheren Abschnitt sogar einige Plätze gut machen. Aber je steiler der Abstieg wurde, desto mehr wurde ich Opfer der Bergziegen, die den Hang nur so hinaufzufliegen schienen. Die „Passhöhe“ war dichten Nebel gehüllt, Sichtweite um die 100 m. Es war mucksmäuschenstill. Inmitten eines 2.000 Mann starken Teilnehmerfelder hatte ich das Gefühl komplett einsam zu sein. Sofort fielen mir die Bilder des Solarer Berges ein. Was für ein Kontrast ...

In der Ferne im dichten Nebel waren plötzlich Stimmen zu hören, die immer näher kamen. Ersten Menschen lösten sich aus den Schwaden, dann immer mehr und mehr und da war sie geschafft, die „Platte“. Was jetzt folgte, war ein ständiges auf und ab durch den Taunus. In den Anstiegen nahm ich mich bewusst zurück, in den Abfahrten konnte ich einige Plätze wieder gut machen. Hatten sich meine Gegner bergauf so sehr verausgabt, das sie sich rollender Weise bergab erst einmal erholen mussten? Gingen sie aufgrund der fechten und teilweise extrem rutschigen Straßenverhältnisse besonders vorsichtig zu Werke? Oder bin ich einfach nur komplett Wahnsinnig?

An besonders gefährlichen Stellen waren Warnschild und Posten platziert, die zum Langsamfahren aufforderten. Trotzdem habe ich einige gestürzte Fahrer gesehen. Einmal kam mir sogar der Krankenwagen entgegen.

Den Abschluss der Radstrecke bildet wieder die „Platte“, diesmal bergab! Gewarnt von Lenkerschlagen bei der Streckenbesichtigung ein paar Monate zuvor und der teilweise immer noch fechten Straße ging ich vorsichtig zu Werte, trotzdem zeigte mein Tacho einen Topspeed von knapp 80 km/h.

11:40 Füße aus den Schuhen, vom Rad springen, selbiges einem der vielen engagierten Helfern in die Hand gedrückt und ab in die 2. Wechselzone. Um meinen Beutel auf den Ständern zu finden, brauche ich ein paar Sekunden. Ich wollte mir die Anordnung tags zuvor ansehen, aber leider war dieser Bereich abgesperrt. Den Beutel endlich in Händen, ab ins Wechselzelt. Socken und Laufschuhe an, Helm ab, Mütze auf und ab zum Klo. Super, denke ich noch, geht die Pinkelpause nicht auf Kosten der Laufzeit!

11:45 Pünktlich zum Laufstart kommt die Sonne heraus. In den Häuserschluchten ist die Luft schwül, es gibt kaum Schatten! Glücklicher Weise biegt die Strecke bald auf einen 4-Runden-Kurz in den Kurpark ab. Hier ist die Luft angenehmer und Schatten ist auch reichlich vorhanden.
Wider besseren Wissens laufen ich viel zu schnell an. Trotzdem komme ich mir unendlich langsam vor. Nur mit mühe gelingt es mir das Tempo etwas zu drosseln.

Zu wenig, wie sich Mitte der 2. Runde herausstellt: Mein Körper zwingt mich zu einer Gehpause! Zeit die Strategie zu überdenken. Ich beschließe, in den beiden Verpflegungsstation pro Runde zu gehen, genug Essen und Trinken aufzunehmen und die beiden kurzen,aber steilen Stiege ebenfalls zu gehen. Gut investierte Sekunden, wie sich herausstellt. Nach den kurzen Pausen bin ich immer wieder in der Lage gute Zeiten zu laufen. Nachdem endlich 4 Bändchen gesammelt sind, darf in den Zielkanal abbiegen.

13:49 GESCHAFFT!!!!!! Im Ziel suche ich mir ein ruhiges Stück Wiese und gönne meinem Körper und meiner Seele 30 min Ruhe. Danach ein wohlverdientes Erdinger Alkoholfrei und einen großen Teller vom reichhaltigen Buffet. Da mir die Schlange vor dem Duschtruck zu lang ist, beschließe ich in mein nahe gelegenes Hotel zu gehen. Dort falle ich aufs Bett und wache erst 1 Stunde später wieder auf ... Geduscht habe ich dann auch noch!

SCHÖN WAR'S TROTZDEM!!!!

Fazit: Mit meiner Gesamtzeit und den Ergebnissen in den Einzeldisziplinen bin ich ganz zufrieden, auch wenn ich meine Wunschlaufzeit von unter 2 Stunden um knapp 4 min verpasst habe. Ich weiß jetzt, das ich noch mehr an meinem Tempogefühl arbeiten muss und mich nicht von anderen Athleten mitreißen lassen darf. Besonders meine Radleistung hat mich positiv überrascht. Klar war die Taunus Berg- und Tal-Bahn mit ihren ca. 1.500 Höhenmetern kein Spaziergang, aber verglichen mit der Erkundungstour zu Himmelfahrt, nach der ich mehr tot als lebendig von Rad gefallen bin, ging es mir an diesem Tag sehr gut! Was wohl auch damit zusammenhängt, dass meine Ernährungskonzept („Iss und trink alles was dir in die Finger kommt“) voll aufgegangen ist. Auch wenn ich jetzt keine Gels und Isodrinks mehr sehen kann. Zu Glück gab es ein reichhaltiges Buffet mit „richtigem“ Essen im Zielbereich!

Trotz der Querelen im Vorfeld rund um den Busshuttle ist der Ironman 70.3 Wiesbaden eine sehr gut organisierte Veranstaltung mit vielen engagierten Helfen und einer einzigartigen Strecke. Ein Muss für jeden (Langstrecken)Triathleten!
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Beitragvon Tribelix » 20.08.2011, 22:12

Glückwunsch und willkommen im Klub ;)
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Beitragvon Helmut » 21.08.2011, 01:05

Der Hauptfred zum 70.3 Tria Wiesbaden befindet sich übrigens mit weiteren Bericht und einigen Bildern hier:

http://forum.helmuts-fahrrad-seiten.de/ ... php?t=4379
Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden.

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