Rund
um den Bramfelder See - Wo sich nette Menschen zum Volkslauf treffen
Mein Vordermann sah nicht aus wie
typischer Langläufer. Beide hatten wir leichte Probleme, die letzten zwei
Kilometer locker durchzulaufen, nahmen uns trotzdem noch die Luft dafür,
einige Worte miteinander zu wechseln. Ohne Pause die Strecke zu Ende zu
laufen und dabei unter 30 Minuten, dass war unser gemeinsames bescheidenes
Ziel. Gegenseitig machten wir uns Mut.
Klaus-Dieter Kolbe war eigentlich
nur mitgelaufen, um seinen Sohn zu coachen. Der aber war nicht mehr zu
sehen. Über drei Minuten lief er vor uns hatten ihm Zuschauer zugerufen.
Und nun war auch noch sein Schuhband aufgegangen. Er band es zu, ohne sich
von seinem inneren Schweinehund zu einer Gehpause überreden zu lassen.
Respekt! Im Ziel erwarteten Klaus-Dieter ein Freund seines Sohnes und der
Sohn eines Arbeitskollegen, die ebenfalls schneller als wir gelaufen
waren.
Die
Volkslauf-Szene unterscheidet sich etwas von der Hobby-Radsportler-Szene
bei den RTF, wie ich sie gewohnt bin. Überwiegend siezt man sich. Es gibt
kein Startnummernpfand. Meine Startnummer durfte ich behalten. Man sitzt
auch nicht hinterher zusammen, wohl deshalb, weil es sich für den
Veranstalter nicht lohnt, für einige wenige hundert Teilnehmer Tische und
Bänke aufzubauen.
Im Gegensatz zu einer RTF ist der
Anfahrtsweg nicht ausgeschildert. Prompt verfuhr ich mich und kam
vermeintlich auf der letzten Minute bei der Anmeldung an. Dabei ist es so
einfach, den Start zu finden. Er liegt an dem Sportplatz auf der Schule
südlich des Sees. Es blieb mir aber noch Zeit genug, um mich streßfrei
anzumelden und umzuziehen.
Den
ganzen morgen hatte es konstant leicht geregnet. Im Gegensatz zu
Hobby-Rennradfahrern lassen sich Volksläufer dadurch kaum von ihrer
Teilnahme abhalten. Es gab sogar mehr Nachmeldungen, als erwartet. Weit
über 100 Teilnehmer gingen auf die Strecke.
Wenigen Minuten vor dem Start
schien Petrus dann alle Schotten zu öffnen. Man trug es mit Humor
("Bis Du schweißnass oder kommt das vom Regen?"). Nach jedem
Kilometer stand ein Schild zur zeitlichen Orientierung. So stellte ich
dann fest, dass ich den Lauf mal wieder zu schnell angegangen war,
drosselte gezielt mein Tempo.
Die ersten 3 1/2 Kilomter führten
am See entlang. Danach ging es um einen Kleingartenverein herum. Das
letzte Stück liefen wir an Steilshoop entlang zurück zur Schule. Nach 29
Minuten und einigen Sekunden hatten Klaus-Dieter Kolbe und ich das und
somit unser Ziel erreicht.
An
der Abzweigung zum Ziel lag der Verpflegungsstand, an dem warmer
Zitronentee gereicht wurde. Jede Runde war fünf Kilometer lang. Man
konnte eine, zwei oder vier laufen. Nach der vierten wurde man ins Stadion
geführt. Nach 1 3/4 Runden auf der Bahn hatte man die
Halbmarathon-Distanz geschafft.
Als Dr. Stefan Rothenburg als
erster Halb-Marathoni auf die Tartanbahn kam (Ankunftszeit 1:25:28) kamen
grad die letzten Damen von der 10 Kilometer Distanz ins Ziel gewalkt. Das
Lesitungspektrum war sehr groß, die Teilnehmer ebenso locker drauf. Die
meisten liefen wohl zunächst gegen sich und gegen die Uhr.
So
war denn auch der Umgang miteinander entspannt. Auch vor und nach dem
"Rennen" schien man nicht miteinander zu konkurrieren.
Materialschlachten und Modenschauen sind hier nicht en vogue. Egal mit
wem ich sprach, Teilnehmer oder Veranstalter, alle wirkten locker und
freundlich.
Eine Urkunde erhielten die ersten
drei eines jeden Rennens automatisch, die anderen auf Wunsch. Die
Startnummer galt als Los für ein Lotterie, bei der es zahlreiche Preise
zu gewinnen gab. Leider hatte ich kein Losglück.
In den nächsten Monaten bietet der
Bramfelder SV eine Winterlaufserie am Bramfelder See an. Wenn ich denn
rechtzeitig aufstehe, kann ich den bequem mit dem Rad erreichen (8
Kilometer eine Strecke). Wann immer es in
meinen Terminkalender passt, werde ich teilnehmen. Dann werd ich es einem
der Teilnehmer nachmachen und meine Frau Lila als Coach auf dem Rad dabei
haben.
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