Lila,
die
Radlerin
Eigentlich heißt sie ja Lilianna, aber von Kind auf
an wurde sie meist nur kurz Lila genannt. Das klingt ungewöhnlich für
deutsche Ohren, denkt man doch, sie wäre nach der Farbe benannt. Seit
Schlesien, ihre erste Heimat, zu Polen gehört, hat "Lila" dort
einen anderen Klang.
Ihrer Liebe zu mir folgte die zu Deutschland und insbesondere zu Hamburg,
wo sie ihre zweite Heimat fand.
Radfahren hat sie bereits als Kind gelernt, aber erst in Hamburg den Spaß
daran entdeckt. Zuerst kauften wir ihr
ein neues Damenrad für 250 DM direkt von einer LKW-Ladefläche. Es folgte
ein altes Fuji Mountainbike, das wir für den gleichen Preis über die Avis
kauften und dann gleich die gleiche Summe in Ersatzteile investieren
mussten.
Mit der Zeit
wurden ihre Strecken länger und die Ansprüche an das Material größer.
Als Fehlkauf erwies sich ein neues zweitausend Mark teures Schwinn Sierra
GSX. Während das Fuji
noch heute problemlos von ihrem Bruder Janusz gefahren wird, mussten wir bei
dem Schwinn sämtliche Teile vom Typ Shimano Alivio bereits im ersten Jahr
austauschen und die Hinterbaufederung hatte diese Bezeichnung nicht
verdient.
Dann wurde sie stolze Eignerin eines vollgefederten Storck Adrenalin Race. Wenn ich
lieb zu ihr war, durfte ich damit meine Mountainbike-Touren fahren. Nun
bekommt sie endlich ein nicht nur von der Rahmenhöhe zu ihr passendes
Rad, das TrengaDe TDH 2X8.
Anfangs
konnte sie sich kaum vorstellen, dass man mit dem Rad von Tonndorf die fünf
Kilometer zum Wandsbeker Markt und wieder zurück mit dem Rad fahren kann.
Heute kann sie kaum verstehen, warum sich dafür Leute in einem Omnibus
setzen. Selbst in die westliche City fahren wir regelmäßig mit dem Rad.
Selbst bei Regen sitzt sie lieber auf ihrem Fahrrad.
Überhaupt hat sie andere Vorstellungen von gutem Wetter als die meisten
Leute. Sie mag Wind der Stärke fünf bis sieben aus dem Westen, der dicke
Wolken vorüberziehen lässt. "Syltwetter" nennt sie das. Das
ganze Jahr spricht sie von "ihrer" Insel. Die Natur rund um Kampen
haben es ihr angetan. Am liebsten ist sie mit mir und unseren Rädern allein
in der Braderuper Heide.
Meistens
fährt sie 15 bis 30 Kilometer pro Tag, in der Woche allein, am Wochenende
mit mir. Es muss schon etwas besonderes passieren, damit sie mal einen
Tag lang nicht mit dem Rad fährt. Einen Teil der Strecke wird sie von Saba
begleitet. Dann fährt Lila gemächlich neben dem Hund her.
Die restlichen Kilometer fährt sie meist zügig auf
Rad- und Wanderwegen in und um Tonndorf herum. Dabei ist sie oft so schnell
unterwegs, dass Leute ihr respektvoll oder kopfschüttelnd nachschauen. Kein
Wunder also, dass sie bereits einen schweren Zusammenstoß mit einer anderen
Radlerin erlitt. Vielleicht wird sie ja doch noch eines Tages erstmalig erleben, dass man sich besser auf einer RTF austobt. |