RTF ab
Hamburg-Lohbrügge - Tour des Gourmets bis vor Lübecks Tore
Fischspezialitäten
auf Roggen-Vollkorn-Baguette, sorgfältig drapiert und garniert auf
silbernen Tabletts fuhren Rad-Manne und seine Crew von der BSG Hochbahn im
Jahr 2005 an
der Verpflegungsstation im Sachsenwald auf. Bei der Anmeldung hatte ich
bereits Räucherlachsbrötchen genossen. Dazu gab es Kilometer satt. Was
will man mehr?
Bevor
ich die Straßen unters Rad nahm, half ich dem BSV Hamburg die RTF
auszurichten. Zusammen mit Björn Goth
(MS), Detlef Schmeelke, Helmut
Schümann, Henning Koller (alle Rev) und seiner Freundin Susanne Karstens und regelten wir den PKW-Verkehr der anreisenden Teilnehmer. Das wird
stressfreie abgehen, glaubte ich.
Es kam
etwas anders. Da war zunächst der Ignorant, der sein Auto im Parkverbot
stehen lassen wollte - "Dann zahl ich halt das Strafmandat." -
und erst nach deutlichen Worten von Detlef - "Das fällt auf den
Veranstalter zurück, schadet letztlich allen." - sein Auto weg
bewegte.
Überhaupt
Detlef: Der gestikulierte in seiner grünen Warnweste so überzeugend, dass eine Frau auf dem
Schulparkplatz hielt, die gar nicht zur RTF wollte! Hätte er etwas von
"Verkehrkontrolle" gebrabbelt, hätte sie in wohl jeden erdenklichen
runden Gegenstand gepustet.
Unsere
nächste Aufgabe war es, über 500 Fahrer mit ihrem Rennrad in einer kleinen Straße
vorn beginnend in die Startaufstellung zu manövrieren. Wir entschlossen
uns neben den vorn stehenden Radlern eine Gasse für die nachrückenden
Teilnehmer freizuhalten und die über den Schulhof ans Ende zu führen.
Eigentlich eine gute Idee, die sich aber nur mit Macht gegen zahlreiche
Heißsporne aufrecht erhalten ließ. Anfangs taten wir dies zu dritt; plötzlich
stand ich völlig unvorbereitet dem
Ansturm allein gegenüber.
Immer
wieder schlüpften Radler unter dem Band durch. Einige ließen sich von
mir zurück beordern, andere fanden gute Argumente und den richtigen Ton,
warum ich sie dort belassen sollte; der Rest wurde von mir gegeißelt. Da
war zum Beispiel der große, kräftige Mann in seinem Fitnesstudio-Trikot
der das Flatterband scheinbar souverän überwand. Kommentarlos grinsend
baute er sich samt seinem Rad vor mir auf.
"Ich
hoffe, Du hast gute Argumente für das, was Du grad getan hast." fuhr
ich ihn an. "Ich bin ein schneller." schallte es mit arrogantem
Ton zurück. "Es ist unsportlich sich zu Lasten anderer
vorzudrängeln." entgegnete ich vehement. Nun bewies der Radsportler,
dass er nicht nur dreist sein kann. "Das kann ja gar nicht
unsportlich sein. Eine RTF ist kein Rennen!" triumphierte er.
Rundum
guckten die Leute fassungslos ob so viel Dummheit. "Ach ja, ist eine RTF
keine Radsportveranstaltung, kann man da den Arsch raushängen
lassen?" entfuhr es mir. Das war zu viel für ihn. Er baute er sich drohend vor mir
auf und brüllte "Mich labert
man nur zwei Mal an."
Und
nun? Ruhig bleiben und sich die Startnummer merken. Seine Wertungskarte
wies ihn als Mitglied eines Vereins aus, dessen Namen ich in diesem
Zusammenhang nicht nennen möchte. Er ist im warsten Sinne des Wortes ein
Ausnahme-Athlet. Seinen Namen werde ich ebenfalls hier nicht nennen, aber
in der Mail an seinen Verein.
Monate
später sehe ich es so: Ich hätte die schnellen Leute zu ihrer Meute
lassen sollen (Sorry an Harry!). Mein Fehler gab meinem Kontrahenten
allerdings nicht das Recht zu seinem.
Was
soll 's: Bei einer RTF zu helfen kann auch Spaß machen. Das bewiesen unter
anderem Helfer der BSGn NRC, LSV, Jungheinrich. Die sechs
bei der Anmeldung und die Küchen-Crew der Telekom waren bestens aufgelegt.
So wie die Leute ihre Aufgabe erfüllten, erinnerte es mich an meine Zeit
als Wahlbüro-Vorsteher erinnert. Für uns Wahlhelfer war jede Wahl
ebenfalls ein ganz besonderer Tag.
Um
Viertel vor Zehn gingen dann wir Platzanweiser auf die Strecke. Nach
kurzer Absprache wollten wir alle die 81er-Runde fahren, fuhren über
Oststeinbek, Stemwarde, Kronshorst und Großensee. Dort spürte ich
erstmals ein Ziehen hinten in den Beinen. Einerseits war der Express mit
Björn, Henning, Detlef und Susanne flott unterwegs, andererseits hatte
ich meine kapitalen Muskelkater vom Holsten-City-Man noch nicht ganz
überwunden.
Über
den Pfefferberg - Björn wie entfesselt vorneweg - gelangten wir zur ersten
Verpflegungsstation an der Gaststätte im Waldstadion des TSV Lütjensee. Die
BSG Airbus versorgte uns mit einem ordentlichen Angebot an belegten
Broten, Rosinenbrot, Corny-Riegeln und Apfelstücken. Der wohl mit Abstand
jüngste Helfer stempelte die Wertungskarten ab.
Über Trittau, Trittauerfeld,
Granderheide und Kuddewörde ging es weiter. Wir Kollegen hatten nach
Steigungen und bei technischen Problemen immer brav aufeinander gewartet,
nun aber muss ich abreißen lassen. Das Ziehen war zu stark geworden. Die
Verpflegungsstation in Friedrichsruh lag idyllisch auf dem Gelände der Otto-von-Bismark-Stiftung,
bei der wir zu Gast sein durften.
Die BSG Hochbahn hatte zwei Busse
aufgefahren, brachte unentwegt im Linienbus arrangierte Kalte Platten zu
den Stehtischen. Ich genoss unter anderem ein Seelachs mit Zwiebeln, dazu
einen Rollmops von Wilhelm Goedeken Marinaden
und Feinkostsalate auf ebenso leckeren Brötchen
aus Hollik 's Backstube.
Natürlich konnte man "neben" dem
Essen auch dem Radsport fröhnen. Wer die
längeren Strecken fuhr, steuerte dabei ein bzw. zwei Mal die Station der
BSG Vitalien an. Dort gab es leckere Bio-Lebensmittel aus deren
Naturkost-Laden. Ich aber fuhr zunächst allein durch den dunklen
Sachsenwald nach Kröppelshagen,
dann in berauschender Abfahrt durch Escheburg, wo endlich die Sonne
durchbrach und es zum Schluss noch richtig warm werden ließ. Weiter ging
es über Borghorst in die Vierlande durch Neuengamme und dann über
Nettelnburg zurück nach Lohbrügge.
Mein
noch nicht wieder abgebauter Triathlon-Aufsatz erwies sich erneut als
wenig hilfreich. Man muss einfach zu oft zum Schalten und Bremsen
umgreifen. Bei langsamer Fahrt - ja, wegen der Beine - stellt sich auch
kein großer aerodynamischer Vorteil ein.
Unterwegs
fand ich neue Mit-Radler. Da waren zum Beispiel Frank Ohme und Klaus-Peter
Schulze in ihren Exercycle-Trikots. Frank berichte begeistert von Touren
mit Exercycle an die deutsche und dänische Ostseeküste und zur Vätternrundan. Als Wandsbeker hatte er die HEW-Cyclassis über Exercycle
gebucht, weil die sich um alles für ihn kümmerten.
Adam
Jankowski erzählte mir, was es mit dem omnipräsenten Cuneo-Trikots auf
sich hat. Der Chef des italienienischen Szene-Restaurants in der
Davidstraße unterhält eine eigene BSG mit Angestellten und Stammgästen,
die er sponsort. Adam hat mich überzeugt: Da werd ich mal mit Lila
probeessen. Anmerkung: Das haben wir ein Jahr später getan. Es wurde ein
netter Abend.
Am Ziel
erwarteten uns die obligatorischen Bockwürste und ein üppiges
Kuchenbuffet. Morgens lagen hier unter anderem mit Räucherlachs belegte
die Brötchen aus. Überdies erhielten wir Helfer einen Gutschein, einzulösen im Alex im
Alsterpavillion,
vorzugsweise am 2. Oktober bei einem gemeinsamen Bruch. Tolle Idee!
Ich
traf Jens "Jenne" Seemann, der sich wieder eine neue Version
seines Liege-Rennrad-Prototypen bauen ließ. Vor der Idee einer
Kleinserien-Fertigung hat er sich erst mal verabschiedet, weil schon die
Produkthaftungsversicherung kräftig auf den Preis durchschlagen würde.
Veranstalter Hartmut Rutzen und
Volker Heyer freuten sich über erneut ca. 600 Teilnehmer. Das ist viel,
weil die RTF nach den HEW-Cyclassics stattfand, bei grauem Himmel begann
und in direkter Konkurrenz zum Ratzeburger Insel-Triathlon und dem Blankeneser
Lauf-Event stand.
Ein Höhenprofil kann ich Dir von
dieser RTF wieder nicht anbieten. Am Tag zuvor erst bemerkte ich, dass man
mir
beim Triathlon den Tacho geklaut hatte. Schaden: Mindestens 130 Euro. Zu
allem Überfluss hat mir dann mein Pulsmesser penetrant um die 80 Schläge
gemeldet, wo zwischen 120 bis 150 richtig gewesen wäre.
Hier findest Du die
Berichte aus den Jahren 2008, 2006 und 2004
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