RTF
Elbmarschentour ab Wedel - Zum Einrollen über den Kösterberg
Nach dem schlechten Wetter im Vorjahr und den
Turbulenzen mit den Genehmigungsbehörden in den Jahren davor hat die RG
Wedel mit ihren Teilnehmern endlich wieder eine entspannte, trockene RTF
verleben können. Auf neuer Strecke ging es zu Anfang statt durch die
Haseldorfer Marsch auf der Cyclassics-Route den Elbhang hoch über den Kösterberg,
dann weiter durch den Klövensteen.
Ich startete erst gegen 10:00 Uhr, als kaum
noch jemand am Start war. Dabei war ich frühzeitig aus dem Haus gegangen,
hatte den Funkschlüssel auf das Auto gerichtet und - nix! Hatte ich etwas das Auto nicht
abgeschlossen? Die
Tür aber ging auch von Hand nicht auf. Die Batterie war tiefentladen, weil ich über
der Rücksitzbank ein Lämpchen hatte brennen lassen und das Auto mal
wieder tagelang nicht benutzt hatte.
Und nun? Wer gibt einem in einer kleinen
Wohnstraße an einem Sonntag um acht Starthilfe? Mein Schneider Sahir Baba
erbarmte sich meiner, schwang sich ins Auto, um mir "auf 's
Rad" zu helfen. Nächstes Problem war die Anfahrt. Statt in den
Stadtplan zu schauen, bin ich einfach den vermeintlich kürzesten Weg die
Elbchaussee entlang gefahren. In Blankenese geriet ich dann mitten in das
große Feld der RTF-Fahrer. Statt einfach auszusteigen und gleich ein paar Bilder zu
schießen, bin ich brav mit denen die enge Straße bis zur nächsten
Kreuzung "mitgeschwommen".
Auf Musik musste ich dabei verzichten. Nach dem
Wiederaufladen der Batterie verlangte das Radio nach seiner mir nicht
präsenten PIN. Mein HAC 4 fiel ebenfalls mal wieder aus. Ein Austauschtest
tage vorher mit dem meines Kollegen Henning Koller hatte ergeben, dass der Impulsnehmer nicht
funktionierte - vermutlich Batterie leer. Weil ich vergaß eine neue zu kaufen, hatte ich
am Vortag die aus meinem Brustgurt eingewechselt. Damit fiel der Pulsmesser
aus, aber der Tacho lief. Am Tag der RTF streikte auch der wieder. Auch eine
frische Batterie am nächsten Tag konnte ihn nicht erwecken. Ich habe schon lange begonnen dieses Teil zu hassen.
Als
ich in Wedel aus dem Auto stieg, traf ich
Barbara von der HHA und neuerdings auch RV Germania ("So hab
ich mehr Gesellschaft."). Es sei ihr eine Ehre hinter mir herfahren zu dürfen, flachste sie auf der Fahrt zum
Start, fuhr dann aber doch lieber ohne mich. Zum Glück erspähte
ich zwei Neuankömmlinge, von denen einer ein Haspa-Trikot trug. Mit Olaf
Schröder und Philip Dreyer bin ich dann bis ca.
20 km vor Schluss der 116er-Runde zusammen geblieben. Olaf erzählte von
seiner Teilnahme am Vortag bei der eigentlich guten RTF
in Schwerin, an der nur ca. 50 Leute teilnahmen.
Gleich zu Anfang ging es zum "Einrollen" dank der neuen Route statt in die flache Marsch den Elbhang hinauf. Brav warteten die beiden
an den beiden Anstiegen zu dem bei den Vattenfall-Cyclassics ebenso geliebten wie
gefürchteten Kösterberg auf mich und ließen mich die
meiste Zeit von ihren Hinterädern lutschen. Bei Gegenwind war das sehr
angenehm, weil der vorne Fahrende einem kaum davon fahren kann. Schwierig
wurde es für mich bei starkem Seitenwind. Dann herrschen für alle gleiche
Windverhältnisse und an den beiden - aus meiner Sicht -
schnellen Jünglingen (Schnitt 39,1 und 38,2 auf 57 km als MSen1 bei den Cyclassics)
hatte ich (Schnitt 30,9 auf 154 km als Noch-MSen2) Mühe
dran zu bleiben.
Ebenso
artig warteten
bzw. halfen wir später Olaf, als er mit seinen vermeintlich sehr
pannensicheren Schwalbe Stelvio seinen zweiten Durchstich erlebte. Ich sah
mich in meiner Reifenwahl bestätigt. Meine Continental
Grand Prix 4000 hatten mich das ganze
Jahr und so auch bei dieser RTF nicht ein Mal im Stich gelassen.
Auf Detlef Schmeelke,
mit dem ich mich vor 9:00 Uhr treffen wollte, stießen wir am ersten
Depot am Feuerwehrhaus in Appen. Detlef war schon wieder auf dem Heimweg, weil er sich
ausnahmsweise nur für die 47er-Runde fit fühlte. Mit Ernst Reinking erkannte
mich der Mann, der mir den Kurz-Bericht und das GPS-Protokoll von der RTF
Lönsland-Rundfahrt ab Walsrode für 's Forum schickte.
Die Verpflegung war RTF-üblich, mit Apfel- und Bananenstücken, dazu
belegte Brote und Riegel und somit völlig ausreichend. Statt das nach
meinem Empfinden schaurig schmeckende Iso-Getränk in meine Flasche zu
füllen, verdünnte ich lieber meinen Rest mitgebrachten
Apfelsaft-/Wasser-Gemisch weiter mit Leitungswasser.
Bekanntlich freue ich mich gern und
öffentlich, wenn ich an einem Depot was leckeres entdecke. Das gefällt
nicht jedem. Den meisten geht es "nur ums Radfahren" und einige meinen
wohl, ich müsse das auch so sehen. Muss ich nicht. Für mich ist die
Verpflegung zwar Nebensache und doch wichtig, so wie es mir auch nicht egal
ist, was es mittags in der Kantine gibt, weil es mir "nur ums
Arbeiten" ginge.
Aus dem Tourenplan
konnten wir ersehen, dass
auf einem Stück der neuen Streckenführung der RTF Gegenverkehr möglich ist. Dieses wurde später in einem Forumsbeitrag kritisiert. Warum
eigentlich? Schmale Straßen sind bei einer RTF nicht ungewöhnlich und mit Gegenverkehr muss
man auf einer RTF außer in Einbahnstraßen immer rechnen.
An allen Gefahrenpunkten waren Helfer postiert,
obwohl die RG Wedel
"nur" ca. 30 Helfer aufbieten konnte. Das waren genug,
damit die RTF mit 500 Teilnehmern reibungslos verlief, aber zu wenige, damit auch alle Helfer
ihren Spaß hatten. 40 bis 45 wären besser gewesen. Zu zweit steht es sich
besser an der Straße. Im nächsten Jahr wird diese RTF die erste der
Saison sein. Das könnte bei gutem Wetter die Teilnehmerzahl verdoppeln.
Weiter ging es durch die
östliche Haseldorfer
Marsch zum Depot in Lieth und die Seestermüher Marsch wieder zurück nach
Appen. Auf dem Hinweg schlossen
wir nur an der Verpflegung zu Leuten auf, die dann aber vor uns wieder weg
gefahren sind, darunter auch Regine und Heiko vom Endspurt Hamburg auf ihrem
Tandem.
Auf den letzten
Kilometern überholten wir den ersten und einzigen, dafür wurden wir auf
dem letzten Stück von den schnellen Langstrecklern eingeholt. Einer
davon rollte mit einem beeindruckenden Laufgeräusch seiner Laufräder auf
uns zu. Es war "Rollator", dessen rosafarbenes Rad
mit aufwendig aus Carbon gearbeiteten Laufräder ich später
an der K1 bewunderte und der erst als er später meine Fotos sah, erkannte, dass er mit
"Helmut" gesprochen hatte.
Kurz fuhren wir auf
einem Herrn mit mächtigen Waden auf. Der Fahrer sah erheblich älter aus,
als seine Waden vermuten ließen. Er erzählte, dass er mit dem Rad die Strecke
abschilderte. Eben noch hätte er dies in Wedel getan. Kurz darauf zog er an, grüßte und bog rechts ab.
Wow! Dafür benutzen andere Leute ein Auto.
An die schnellen Jungs
vom RV Trave hängten wir uns dran, bis ich nicht mehr folgen mochte und
sie alle ziehen ließ. Schon am zweiten und dritten Depot hatte ich
überlegt, ob ich alter Sack das nötig habe, aber es machte einfach Spaß
mit Olaf und Philip mitzuziehen. Ihr ward wunderbar, vor allem zu mir. Ich
danke Euch.
Vorher beäugte ich noch
den GPS-Tacho Garmin Edge
am Rad eines Trave-Fahrers, wunderte mich, dass daneben noch
ein einfacher Tacho montiert war. Warum? Weil der Edge zwar genial ist,
aber ab und zu doch wegen Fehlbedienung spinnt oder einfach keinen Empfang
mehr hat, wurde ich aufgeklärt.
Die waren so schnell,
dass sich alle schon auf dem Heimweg befanden, als ich am Jugendzentrum in Wedel
ankam. Ich genoss meine Alleinfahrt durch den Klövensteeen, lies meinem
Blick über die Pferde auf den Weiden schweifen. Mir kam eine stolze Frau
mit einer mindestens ebenso stolzen Stute im Zaum entgegen. Eine schöner
als die andere.
Die Ausschilderung war durchgehend so gut, dass
selbst ich mich gar allein fahrend nicht verfuhr. Ein Randonneur vom Audax
Club Schleswig Holstein zog achtlos an mir vorbei. Der war wohl in
Gedanken. Ganz anders das Paar von der BSG Hamburg Airport. Denen fiel
plötzlich auf, dass sie ihren dritten Mann verloren hatten. Obwohl sie
den scheinbar gar nicht kannten, drehten sie um, um nach ihm zu schauen.
Die Wurst im Ziel hab
ich mir verkniffen, richtig, weil es Bock- statt Schinkenwürsten gab,
lieber ein Stück Kuchen verdrückt. Darauf goss ich eine Flasche Holsten
Lemon Alkoholfrei, weil ich am letzten Depot mal wieder meine frisch
aufgefüllte Flasche stehen gelassen hatte.
Nachdem ich meine Canon
Ixus 55 bei den Cyclassics total demoliert hatte, war ich erstmals mit
der Nachfolgerin, einer wieder bei Amazon erstandenen Ixus
75 unterwegs. Die hat ein noch helleres Display, dafür aber keinen
Sucher. Statt mit ihr frei in der Hand zu fotografieren, führte ich sie
nun an einem um den Hals laufenden Sicherungsband. Einige Funktionen muss
ich erst noch erlernen zu bedienen. Immerhin kommen hier über 50 Bilder
von der RTF Elbmarschen-Tour ab Wedel.
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