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Mehr Glück als im Vorjahr hatte der RV Endspurt Hamburg mit seiner RTF Endspurt-Seen-Tour ab Großhansdorf im Jahr 2008. Diese Mal regnete es zwar wieder nonstop, allerdings am Sonnabend, so dass davon nur die 24-Stunden-Radmarathon-Fahrer und die Teilnehmerzahlen der RTF am Sonntag betroffen waren. Immerhin um die 450 Teilnehmer verzeichnete die RTF, nach über 800 im Jahr 2006. Nur um die 20 Teilnehmer verzeichnete der Ultra-Radmarathon.

Morgens wusste das Wetter anscheinend nicht, ob es denn nun Regen oder Sonnenschein geben sollte, aber ich wusste, dass ich so oder so fahren wollte, so wie ich mir am Vorabend trotz strömenden Regen das mitreißende Konzert der H-Blockx beim Rockspektakel auf dem Hamburger Rathausmarkt angesehen hatte. Nach dem Konzert ließ ich es ruhig angehen, startete erst um viertel nach zehn.

Die Jungs mit den kräftigen Waden.Ich hatte Glück, fuhren doch direkt vor mir vier Männer ab, an die ich mich dranhängte, drei junge, ein älterer. Letzterer konnte den dreien nicht folgen, ich auch nicht. Schon als ich ihre durchtrainierten Waden sah, wurde mit klar, dass die bald von dannen ziehen würden. Eine rote Ampel führte uns fünf wieder zusammen. Bei grün hielt ich mich lieber an den  nicht so starken.

Er stellte sich als Udo Nickel vor. Vorn fuhr sein Sohn Lars mit den zwei ihm nicht bekannten Männern. Udo fand tröstliche Worte für mich, warum wir mit denen nicht mithalten konnten. Er wollte wie ich die 73er-Runde fahren. Es war seine zweite RTF. Ich erzählte von meinen RTF-Teilnahmen, Udo von seinen Radsport- und Radwanderreisen. So ging uns bis ins Ziel der Gesprächsstoff nicht aus.

Start und Ziel lagen im Schulzentrum am Rande von Großhansdorf. Wir fuhren keine 500 Meter und schon waren wir im Grünen. Die Streckenwahl zeugte von der exzellenten Ortskenntnis der Ausrichter. Als Ost-Hamburger war es meine wer weiß wievielte Tour durch die Stormarnsche Schweiz, trotzdem überraschte mich die Streckenführung immer wieder mit schönen, mir neu vorkommenden Wegen.

Das Angebot war üppig.Über Hoisdorf, Lütjensee, Grönwoldt, Linau und Kalkkuhle erreichten wir das Depot am Feuerwehrhaus in Wentorf. Da hatten wir erst 21 km in den Beinen, aber seit meinem ersten Radmarathon hab ich immer das Gefühl, die Depots kämen zu früh.

Das Verpflegungsangebot war hochwertig und vielfältig, wie ich es noch nie erlebt hatte. Es gab Brote mit Schmalz, Honig, Marmelade, Käse, Mett- und Jagdwurst, Wurzeln, Salat- und Gewürzgurken, Corny-Riegel und Fruchtschnitten, Kekse, Waffeln, Knoppers, Hanuta, Duplo, Weingummi und Erdnüsse, Bananen, Äpfel, Pflaumen und Aprikosen und sicherlich habe ich noch das ein oder andere übersehen. Fehlte nur 'n Glas Schampus für den Kreislauf. Drinnen gibt's auch 'n' Schnaps, flachste einer.

Mit Udo machte ich mich weiter auf den Weg über Sandesneben, Lüchow, Sandesneben, Klinkrade, Duvensee, Kühsen und Anker nach Neu Lankau, wo die Feldteilung lag. Wir blieben bei unserem Entschluss der Versuchung der 112er-Runde zu widerstehen. Meistens fuhren wir quatschend nebeneinander, verzichten beide auf Windschatten. Gefühlt ergibt das in den Beinen den gleichen Effekt wie die 112er in einer Gruppe fahrend.

Der Elbe-Lück-Kanal.Udo fährt seinen Bandschieben zuliebe ein Cyclocrossrad, weil es ein kürzeres Oberrohr als ein Rennrad hat, sich aufrechter fährt. Der Rahmen ist aus Titan, weil der Stöße gut schluckt. Wir erfreuten uns an vorbeikommenden schönen, teuren Autos und Rädern. Beides braucht man nicht, hätte sie aber gern.

Die Strecke war leicht wellig. Es gab keine wirklich langen, aber immer wieder kurze Anstiege. Die Ausschilderung war gut. Nur einmal fehlte an einer Abzweigung ein Pfeil, den anscheinend jemand abmontiert hatte. Kein Problem, bei einem Blick nach links und rechts sahen wir das Bestätigungsschild auf der linken Abzweigung 

Der folgende Abschnitt über Panten, Nusse und Ritzerau nach Sirksfelde lag allein auf der 73er-Runde, wobei wir den sich für eine Tour mit dem Tourenrad anbietenden Elbe-Lübeck-Kanal querten. Erst auf den letzten drei Kilometern zurück zum Depot in Wentorf wurden wir von Langstrecklern überholt bzw. überholten welche. Leute, die unser Tempo fuhren, fanden wir nicht. Das ist der Preis dafür, wenn man nicht mit der Meute um neun Uhr startet.

Andrang beim Kaffee und KuchenAm Depot war nun deutlich mehr Betrieb, weil alle Routen auf dem Rückweg hierher führten. Ich kannte einige Leute vom Sehen, aber leider nicht namentlich. Ganz anders Axel und Doris. Die kannten meinen. Als treuer Leser meiner Berichte wollte Axel wissen, was ich denn heut wieder vergessen hätte. Nichts, aber wie üblich spielte mir die Technik wieder Streiche. Es war mir am Vortag nicht gelungen meinem HAC4 wieder zum Anzeigen von Tempo und Distanz zu bringen. Bei Kilometer 20 war auch Udos Tacho ausgestiegen.

Die letzten 20 Kilometer führten über Schönberg, Sprenge, Todendorf, Oetjendorf und Hoisdorf nach Großhansdorf. Wir aber fanden uns in Lütjensee an der großen Kreuzung ein, die wir auf dem Hinweg gequert hatten. Hmm, Schilder geklaut, sagten wir uns, folgten einfach der Route, auf der wir morgens gekommen waren. Wir hatten allerdings wohl vorher einen Abzweigpfeil übersehen. Mit Udos Ortskenntnissen kamen wir problemlos wieder am Schulzentrum an.

Die Schinkenwurst war sehr lecker.Auch hier hatte der RV allerlei Leckereien aufgefahren. Die gegrillte Schinkenwurst schmeckte erstklassig, der Ketchup ebenfalls. Dazu gab es ein Brötchen. Das alles für einen Euro fünfzig. Die Kuchenstücke waren riesig, wurden ebenfalls zu kleinen Preisen verkauft. Nach meiner Erinnerung war das früher nahezu überall so oder so ähnlich üblich. Leider gehen nach meinem Eindruck immer mehr Vereine dazu über mehr Volksfest- statt volkstümlicher Preise zu verlangen.

In der Zwischenzeit trudelten mit Martina, Axel und Helmut auch meine Mitfahrer vom Mittwochstreff auf dem Schulhof ein. Mit ihnen wäre ich wohl gefahren, wenn ich auf das Konzert verzichtet hätte. Dafür blieb mir die Erinnerung daran, bei strömenden Regen mit ca. 400 Leuten zusammen mit dem Sänger der Gruppe nieder zu knien und als die Musik wieder einsetzte aufzuspringen und wie besessen zu tanzen. Mit Willi von der RV Germania traf ich den Mann wieder, dessen Name mein Diktiergerät bei der RTF ab Lohbrügge verschluckt hatte.

Klaus Erdmann ehält seine Urkunde.Dann wollte ich eigentlich heim, aber ich hatte noch nicht die 24-Stunden-Fahrer gewürdigt. Vom Regen verdreckte, mit Anstecklampen oder gar Nabendynamos ausgestattete Rennräder zeugten von deren tun. Wart doch noch mal zehn Minuten, riet mir der Leiter des Ausrichterteams Burkhard Sielaff. So konnte ich mich persönlich davon überzeugen, dass Ultra-Marathonfahrer keineswegs verrückt sind, sondern sich einfach nur einen höhere Dosis Radsportvergnügen genehmigen, als ich dies zu tun pflege.

Burkhard war etwas enttäuscht von der geringen Teilnehmerzahl beim Radmarathon. Pech, dass mit Rad am Ring der einzige andere 24-Stunden-Radmarathon zufällig am gleichen Tag statt fand und viele Randonneure den Super-Brevet Miglia Italia fuhren. Heino Harms sah das anders. Ihm bereitete es viel Freude "seine Leute" die Nacht hindurch zu betreuen. Spätestens am Schluss kannte er sie alle persönlich. Als gegen morgen 400 teils hektische RTFler dazu kamen, fand er es unübersichtlich.

Heino ist wie Burkhard Mitglied im Audax Club Schleswig-Holstein, einer Vereinigung von Randonneuren. Heino ist stolz darauf, dass der Club keine Überschüsse erwirtschaften will, sich für keinen Sponsor öffnet, lieber zahlen alle Clubmitglieder bei einer Veranstaltung drauf.

Entspannung nach der TourDie Siegerehrung war eigentlich keine. Es gab keine Auszeichnung für den einen Sieger, sondern eine Urkunde für jeden siegreichen Teilnehmer. Die für mich stärkste Leistung zeigte der 65-jährige Karstädter Klaus Erdmann (Bild). Er fuhr 567 Kilometer, nur fünf weniger als der beste! Zum Schluss fuhren die Marathonis nur noch 10-km-Runden, um bei ihrer letzten Kontrolldurchfahrt vor dem Wertungsschluss um 14:00 Uhr eine möglichst hohe Anzahl an Kilometern zu erzielen.

Am gleichen Tag fand die RTF-Premiere in Stade statt, die ich gern mitgefahren wäre, zu mal die längeren Strecken durch die Wingst führten, hatte mich aber für die Veranstaltung des RV Endspurt und somit meines Radsportverbandes Hamburg entschieden. Ich schuldete denen etwas. 2007 war ich ob des Bindfadenregens daheim geblieben. Nur 55 Teilnehmer fuhren die Tausend-Pfützen-RTF. 2006 hatte ich keine Bilder machen können, warum, weiß ich nicht mehr. Und meine damals veröffentlichten Notizen habe ich eben erst aus dem Gedächtnis heraus ausformuliert. Ich kam nie dazu, weil wir immer schon die nächste Sau durchs Dorf jagten.

Alle Bilder im Großformat und den nun lesbaren Bericht aus 2006 findest Du hier:

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