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Unsere Gruppe vom Rad aus fotografiert. Hier geht's zur Großansicht...RTF-Radtour ab Winsen - Der etwas andere Himmelfahrtausflug

"Wollen wir die holen?" Henning guckte mich aufmunternd an, dann zogen wir das Tempo an, versuchten zu den zwei "Ausreißern" aufzuschließen. Mit über 45 km/h ging es leicht bergab. In der Ebene mussten wir mit über vierzig weiterfahren, um an die beiden heran zu fahren. Zu schnell für mich. "Dann lass die Verrückten doch ohne uns abhauen." dachte ich.

Bis dahin waren wir mit zwanzig Leuten in der klassischen Doppelreihe gefahren. Immer wieder hatten andere Leute die Führung übernommen und die Gruppe auf Zug gehalten. Insbesondere Bernd Bunde mit seinen Leuten von der BSG Beiersdorf leisteten vorbildliche Teamarbeit, bis diese zwei Leute rücksichtslos das Tempo verschärften, später zurückfielen und von uns wieder eingeholt wurden. Das Ausreiß-Manöver hatte allerdings unsere Gruppe in kleinere zerrissen.

Anmeldung in der Turnhalle. Hier geht's zur Großansicht...Strahlender Sonnenschein begleitete uns an diesem Himmelfahrtstag im Jahr 2004. Ich war skeptisch, ob wir auf schmalen Wirtschaftswegen stressfrei an alkoholisierten, auf Vatertagstour befindlichen Gruppen vorbei kommen würden. Meine Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Wir fuhren auf der 81er-Runde nur auf Landstraßen, sahen nur ab und zu am Wegrand Familien im freien campieren. Leider fuhren an diesem Feiertagsvormittag viele Ausflügler mit ihren PKWs und Motorrädern spazieren. Wer behauptet da ernsthaft, Benzin wäre zu teuer?

Anders als in Hamburg und Schleswig-Holstein brauchte man zumindest als BDR-Mitglied mit Wertungskarte kein Anmeldeformular ausfüllen, musste allerdings 50 Cent mehr Startgeld berappen. Für unfreiwillige Komik sorgten die Starter, weil ihr Absperrband buchstäblich unter die Räder geriet. Sie mussten den Start der Gruppen mit den Phasen einer Ampel synchronisieren, gaben den Weg dadurch frei, dass sie das Band absenkten, statt es zu heben. Erst nachdem wohl weit über hundert Leute darüber gerollt waren, gelang es ihnen, es wieder hoch zu bekommen.

Der Start. Hier geht's zur Großansicht...Am Start traf ich Henning Koller (Rev), seine Freundin Susanne Karsten und Matthias Langendorf (TR). Erst fotografierte ich sie vom Rad aus, wollte dann ein Foto von vorne schießen, schaltete meine Digitalkamera ein, sprintete voraus, begab mich in Position und drückte ab. Der Apparat hatte sich zwischenzeitlich abgeschaltet, um Strom zu sparen. Ohne ein Foto im Kasten zu haben, schwang ich mich wieder auf 's Rad, um auf die Gruppe aufschließen. Einen zweiten Versuch habe ich mir verkniffen.

Während der verunglückten Fotoaktion holten wir Alexandra Link (AM) ein, fuhren ab dann gemeinsam. Über Luhdorf, Bahlburg, Vierhöfen, Westergellersen fuhren wir zur ersten Verpflegungsstelle in Luhmühlen. Es gab Bananenstücke, Waffeln, die obligatorischen Müsliriegel von Aldi und Sahneyoghurts (Wow!), dazu Zitronentee.

Matthias und Henning entspannt fahrend. Hier geht's zur Großansicht...Bernd und seine Mannen waren schon abgefahren, als wir uns auf den Weg nach Putensen machten. Durch 's schöne Eyendorf ging es rauf in die Nordheide nach Lübberstedt, Egestorf, durch die schön an sanften Hügeln gelegenen Orte Schätzendorf und Sahrendorf entlang der Romantischen Heidestraße nach Undeloh im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Dort sahen wir viele Kutschen fertig angespannt auf Ausflügler wartend.

Erst hinter Undeloh konnte man von der Straße aus das Naturschutzgebiet sehen. Vom Rennrad aus hat man dabei sicherlich die bessere Sicht als aus einem PKW heraus. Besser haben es da die Tourenrad- und Mountainbikefahrer, die das für den Autoverkehr gesperrte Gebiet auf Sandwegen durchstreifen können.

Zuvor sieht man an den Straßen Felder, wie sonst wo auch. Toll waren die blühenden Rapsfelder anzuschauen. Einmal sah ich Spargelstecher bei der Arbeit. Bei Temperaturen um die 16 Grad ließ ein frischer Wind aus West die langen Steigungen in der Heide viel steiler erscheinen, als sonst.

Fahrt durch eine alte Allee. Hier geht's zur Großansicht...Matthias wollte nun seinerseits mich fotografieren, ließ sich meine Kamera geben und sprintete voraus. Da fiel mir ein, dass das doch wieder nichts werden konnte. Zu spät. Er war schon zu weit voraus, um mein Rufen zu hören. Prompt stand er kurz darauf am Straßenrand, konnte den Apparat nicht zu einer Aufnahme bewegen. Der Wind ließ ihn hart arbeiten, bis er wieder zu uns aufgeSchlossen hatte.

An einer weiteren Steigung musste Alexandra von der Gruppe abreißen lassen. Als ich dies bemerkte, nahm ich Fahrt raus, wollte mit ihr wieder an die Gruppe ranfahren, aber auch sie wurde immer langsamer. Kurz darauf Schloss eine große Gruppe zu mir auf. Statt der erwarteten Alex war Björn Goth (MS) dabei. Er erzählte mir, dass sie völlig fertig wäre. Wenige Kilometer weiter sahen wir uns alle an der Kontrolle in Wesel wieder. Dort gab es das gleiche Verpflegungsangebot wie zuvor.

Henning behebt die Panne. Hier geht's zur Großansicht...Susannes Schaltung hakte. Kaum zu glauben, aber Henning zauberte Kettenöl aus seiner großen Satteltasche, löste das Problem unverzüglich. Wir besprachen kurz, wer welche Strecke fahren wollte. Alex war schon wieder oben auf. Mit Björn und Henning wollte sie die 158 Kilometer lange Distanz fahren, Susanne und Matthias immerhin die 118er-Runde, nur ich wollte schon nach 81 Kilometern wieder am Ziel sein, hatte noch eine Verabredung mit meiner Vatertags-Herrenrunde und etlichen Bieren und Schnäpsen zum Klabberjass spielen.

Wenige Kilometer fuhren wir noch zusammen, bis sich erst die Langstreckler von uns, dann die Mittelstreckler von mir verabschiedeten. Über Schierhorn, Dierkshausen, Hanstedt, Schmalenfelde, Brackel und Thieshope ging es in zum Teil berauschenden Abfahrten raus aus der Heide, dann allein über Pattensen und Luhdorf zurück nach Winsen.

Die Turnhalle des TSV Winsen. Hier geht's zur Großansicht...Auf den letzten Kilometern ging es immer geradeaus. Weil ich aber keine Schilder mehr am Wegrand sah, meinte ich eine Zeit lang irrtümlich mich verfahren zu haben. Das tat ich dann auch, allerdings erst in Winsen. Durch den Autotunnel mochte ich allein nicht fahren, geriet prompt an eine verwirrende Radwegkreuzung. Die von mir nach dem Weg befragten Fußgänger erwiesen sich als besoffen, wollten mir den Weg nach Pattensen weisen.

Nachdem ich das Zentrum umrundet und einen oberflächlichen Eindruck von dem Stadtfest gewonnen hatte, in dessen Rahmen die RTF stattfand, fand ich dann doch zum Ausgangspunkt zurück. Insgesamt war ich laut Tacho 85 Kilometer gefahren, hatte dabei immerhin rund 350 Höhenmeter überwunden. Die durchschnittliche Geschwindigkeit betrug - ohne Stops gerechnet - 30 km/h, die Spitzengeschwindigkeit über 55.

Die Pokale mit den Namen der Gewinnern und Sponsoren. Hier geht's zur Großansicht...In der alten Turnhalle erwartete mich ein tolles Kuchenbuffet mit einer sensationellen Nusstorte, das Stück für 50 Cent, alles von den Vereinsmitgliedern des TSV Winsen selbst gebacken. In der Halle waren alle gut drauf, die Atmosphäre sehr entspannt. Dies wohl auch, weil zahlreiche Volksradfahrer teilgenommen hatten. Mit 624 Teilnehmern verzeichnete Veranstalter Peter Raddatz einen neuen Rekord.

Für 14.00 Uhr waren Ehrungen angesagt. Aus der Zeit, als ich als Jugendwart mit der Jugendfeuerwehr Tonndorf noch an Wettkämpfen teilnahm, weiß ich, dass man in Niedersachen großen Wert auf zahlreiche, zu vergebende Pokale legt, fragte mich aber, welchen Sinn dies bei einer RTF machen sollte, wo es doch gar keine Sieger geben kann? Nun, die wurden zum Beispiel an die ältesten und jüngsten Teilnehmer sowie verdiente Helfer vergeben. Bezahlt wurden sie von Sponsoren.

Als ich zuvor dort war, saßen nur wenige Leute an den Tischen. Die Halle lud wohl nicht so recht zum Verweilen ein, erinnerte mich an den Turnunterricht, wie ich ihn als Kind gehasst hatte. Davor stand man direkt an einer belebten Straße. Wahrscheinlich wollten aber viele Leute trotz der tollen Veranstaltung wegen dem Feiertag schnell wieder nach Hause.

Hier findest Du alle Bilder der RTF Winsen 2004

Und hier die Berichte von der RTF Winsen 2007, RTF Winsen 2006 und RTF Winsen 2005

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