Bis vor Lübecks Tore
- RTF-Radtour ab Lohbrügge wird immer besser
Diese RTF wird seit
2004 vom Betriebssportverband Hamburg
ausgerichtet. Radsport-Obmann Volker Heyer und seine Leute hatten die
Strecke überarbeitet, damit die Distanzen zwischen den Kontrollstationen
nicht zu sehr differierten. Auch sonst waren sie sichtlich bemüht, was
immer geht, zu verbessern, notierten sich jeden Hinweis und ihre eigenen
Ideen. Es muss sich wohl nur um Kleinigkeiten gehandelt haben, denn mir
war von Seiten des Ausrichters nichts unangenehm aufgefallen. Im
Gegenteil!
Nachdem
ich am Vortag einen Betriebsausflug erst spät ausklingen ließ, war ich
spät aufgewacht, genauer gesagt, ich hatte verschlafen. So mussten dann
Björn Goth, Henning Koller und Susanne Karsten von der BSG Haspa die
Fahrzeuge auf dem Parkplatz ohne meine Hilfe einweisen. Ich hatte mir ohnehin vorgenommen spät
und allein zu starten, hatte meinen Triathlon-Aufsatz an mein Rennrad
montiert um auf der Kurzstrecke für das Einzelzeitfahren beim
Holsten-City-Man zu trainieren.
So ging
ich denn allein auf die Strecke, versuchte mich an die neue Sitzposition
zu gewöhnen, hatte dabei meinen Pulsmesser ständig vor Augen. Es wäre
besser gewesen, ich hätte mehr auf die Ausschilderung geachtet. Die war
eigentlich super gemacht. Auf jeden mit Pfeilen angezeigten
Richtungswechsel folgte ein auf der Spitze stehendes Rechteck als
Bestätigung, dass man auf dem richtigen Weg war. Ich aber verfuhr mich
trotzdem.
Nachdem
ich auf der Fahrt durch Oststeinbek und Willinghusen meinen Gedanken
nachhing, stand ich plötzlich in Großensee vor einem Schild
"Feldertrennung", auf dem die Kurzstrecke gar nicht erwähnt
wurde. Irgendwo hinter Stemwarde hatte ich das erste
Feldertrennungs-Schild glatt übersehen. Statt über Neuschönningstedt
und Aumühle, fuhr ich nun über Kronshorst, Großensee, Trittauer Feld,
Grande mit der schönen Mühle und Kuddewörde durch den Sachsenwald
weiter nach Friedrichsruh.
Dort
betrieb Manfred "Rad-Manne" Schwarz mit seiner Mitstreitern von
der BSG HHA wie immer gutgelaunt die Verpflegungsstation. In einem Omnibus
lagerten die Vorräte, wurden bergeweise Schwarz- und Rosinenbrote
geschmiert, Obst geschnitten und Kontrollstempel aufgedrückt.
Vor
dem Bus stehend mussten die Helfer starke Nerven haben, denn es wimmelte
dort nur so von Wespen, die sich nicht weglocken ließen, wahllos Helfer
und Radler stachen. Auch darauf war Manne vorbereitet, zauberte eine Salbe
gegen Insektenstiche aus dem Bus. Im Augenwinkel sah ich kurz Detlef Schmeelke
(Rev), der aber schon weg war, bevor ich ihn ansprechen konnte.
Beinahe hätte man
die Strecke samt der Verpflegungsstation kurzfristig verlegen müssen. Die Schranke an dem
davor liegenden Bahnübergang ließ sich morgens nicht öffnen. Niemand
konnte vorhersagen, wann sie wieder funktionieren würde. Zum Glück tat
sie es kurz vor dem Start der Veranstaltung.
Bis vor
Lübecks Tore heißt die RTF. Um bis vor Lübeck zu gelangen, musste man
sich allerdings auf die Langstrecke begeben. In Lütjensee traf man dabei
auf die von der BSG Airbus betriebene Kontrollstation, in Schiphorst auf
die des NDR.
Mein
Weg führte weiter durch den Sachsenwald, sollte dann über Escheburg und
dann in einem langen Bogen durch Neuengamme und Nettelnburg durch die
Vier- und Marschlande führen. Das war mir zu lang, denn durch meine
Unachtsamkeit hatte ich in Friedrichsruh schon 42 Kilometer auf dem Tacho.
So wählte ich dann den direkten Weg über Neu-Börnsen, Wentorf und
Bergedorf zurück nach Lohbrügge.
Das
Wetter war eigentlich gut, die Temperaturen lagen zwischen 18 und 28 Grad,
nur der Wind nervte ab und zu. Die Fahrt durch den Sachsenwald war schön,
hätte mir aber noch besser gefallen, wenn wir ihn auf Tourenrädern
abseits der Straßen durchstreift hätten. Die Straßen im Wald waren so
dunkel, dass alle Autos mit Licht fuhren und auch ich mich mit sicherer
gefühlt hätte.
Zwischen
Oststeinbek und Willinghusen kam kurz Paris-Roubaix-Feeling auf, als es
ein ca. hundertfünfzig Meter langes Stück Kopfsteinpflaster zu
überwinden galt. Auf nur zwanzig Millimeter schmalen Reifen mit elf
Atmosphären Druck war ich froh, als es vorbei war. Da ich erst einen
Umweg gefahren und dann eine Abkürzung genommen hatte, macht es leider
keinen Sinn, das aufgezeichnete Tacho- Protokoll hier zu veröffentlichen.
Dank
des guten Wetters und besserer Terminwahl war die Teilnehmerzahl
gegenüber dem Vorjahr von 350 auf 600 angewachsen. Das ist eine stolze
Zahl für eine nach den Cyclassics liegenden RTF.
Eigentlich
sollte parallel dazu ein Gebraucht-Fahrradmarkt stattfinden. Mangels
Interesse kam der aber nicht zustande. Zum ansonsten erfolgreichen Verlauf
dieser RTF trugen auch Helfer der BSGn Jungheinrich, Lufthansa, Nordmann
Rassmann, Telekom und des Betriebssportverbandes selbst bei. Als Dank
dafür wurden sie vom Verband zu einer Grillparty auf der Trenga-De-Runde
eingeladen.
Bedauerlich
war nur, dass sich einige Radsportler nicht zu benehmen wussteen.
Insbesondere bei den ganz schnellen meinten einige, dass sie rote Ampeln
und Stop-Schildern ignorieren könnten. Immer wieder wird versucht, dieses
Fehlverhalten mit dem blöden Argument zu rechtfertigen, man wollte den Anschluss an die Gruppe nicht verlieren.
Solche
Blödmänner und -Frauen gefährden den Fortbestand derartiger
Radsport-Veranstaltungen! Wenn es wirklich eine Gruppe ist, dann warten
die anderen, ansonsten gibt es noch mehr Radfahrer, denen man sich
anschließen kann.
An den
Kontrollstationen gab es keine Toiletten. Das rechtfertigt allerdings
nicht, dass man im Stile eines Exhibitionisten vor Kindern pinkelt oder in
Gruppen vor den Augen einer entsetzten Hobbygärtnerin auf Koniferen strullt.
Absoluter Tiefpunkt
war es, dass jemand in Schiphorst derart eine NDR-Fahne entweihte! Von
zwei Tätern hatte man sich die Startnummern notiert. Als ich die
Veranstaltung verließ, wurden sie von Volker Heyer schon sehnsüchtig
erwartet.
P. S.
Der BSV Hamburg hat beschlossen seine Gäste auch im Jahr 2006 wieder
kulinarisch zu verwöhnen.
Hier findest Du die
Berichte aus den Jahren 2008, 2006
und 2005
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