RTF-Radtour in Wedel
2003 - Von Großaufgebot
der Polizei Pinneberg überwacht
"Zwischen
Elbe und Krückau" heißt die RTF der RG Wedel. "Zwischen Spaß
und Irrsinn" wäre wohl noch treffender gewesen. Dabei konnten die Wedeler
gar nichts dafür, dass im angrenzenden Kreis Pinneberg im Jahr 2003 die Uhren anders zu
gehen schienen.
Zunächst
hatte deren Polizeidirektion auf Anweisung der Verkehrsbehörde des
Kreises Pinneberg versucht mit völlig überzogenen Auflagen
die RTF faktisch zu verhindern. Das Wirtschaftministerium in Kiel pfiff
die ihr unterstehende Behörde über das Landesamt für Straßenbau und
Verkehr zurück. Eine weitere Auflage wurde der Verkehrsbehörde
vom Datenschutzbeauftragten untersagt, weil sie rechtswidrig war!
Das
hielt die Polizei nicht davon ab, mit einem Großaufgebot an Fahrzeugen
und Personal die RTF zu überwachen. Mindestens acht Mal bin ich vier
verschiedenen Steifenwagen begegnet, die ich mittels ihrer Autonummern
unterschied. Mitradler berichteten von mindestens einem Zivilfahnder mit PKW
und dass sie aus einem Fahrzeug heraus gefilmt wurden.
Damit
wir uns richtig verstehen, dies ist kein Bericht über die Hanf-Parade
oder
den Einzug von Dealern oder roter Brigaden in die dörfliche Idylle. Es geht um
fünfhundert friedlich gesinnte Radfahrer, die eine RTF fahren wollten.
Soll
man sich davon den Spaß verderben lassen? Ich hatte mich zum Schluss an die
Sonntagsspazierfahrten der Schutzmänner fast schon gewöhnt. Dabei sorgten die
gar nicht für Schutz. Im Gegenteil! Statt wie die Polizei anderer Kreise an gefährlichen Überwegen für Sicherheit zu sorgen, filmten die
lieber die Radler. Wollten die vielleicht ein Video von einem Unfall
aufnehmen?
Die
gefährlichste Situation, die ich unterwegs erlebte, wurde in Elmshorn von
einem Polizeifahrzeug verschuldet. Vor einigen Radlern fuhren die Gesetzeshüter.
Davor parkte rechts auf der
Straße ein Auto.
Wohl weil das Auge des Gesetzes fest auf die Radler gerichtet war, zogen
es einfach auf die Gegenfahrbahn. Die entgegen kommenden Autos mussten
abrupt bremsen. Die Ordnungshüter auch. Die Radler hatten Mühe, denen
nicht das schöne grüne Blech zu verbeulen.
Die
Pinneberger Polizei hat uns eindrucksvoll demonstriert, dass sie mit
Kanonen auf Spatzen schießen kann. Sieht man davon ab, war 's eine tolle
RTF. Anfangs fuhren wir am Elbdeich lang, wurden der Schafe wegen durch
zwei Gatter geleitet, fuhren dann durch die Haseldorfer Marsch. Vor mir
fuhr ein Ehepaar mit Kind im Hänger. Der Hänger trug einen
Vättern-Rundan-Aufkleber und wurde von ihr (!) gezogen. In Haseldorf sehe
ich den ersten Streifenwagen, dem ich bis Elmshorn vier Mal begegne. In
Moorrege gab es herrliche Villen und Bauernhäuser zu bewundern.
Mir
fiel ein Radler auf, der mich zügig überholte. Der hatte O-Beine und
eine so gewaltige Wadenmuskulatur, dass sie den Hohlraum zwischen Beinen
und Rad ausfüllte. Dran bleiben dachte ich. Wir lösten uns alle paar
Kilometer mit der Führungsarbeit ab, setzten unsere Fahrt auch nach
Kontrolle eins fort, wurden leider durch die Felderteilung getrennt, weil
ich die 113 Kilometer fahren wollte. Seine Name ist Peter de Haas
("mein Vater ist ein Käsekopf") und - kaum zu glauben -
Mitglied in keinem Verein.
Das
Essenangebot an der Kontrollstation eins in Neuendeich war begeisternd.
Äpfel, Bananen, Apfelsinen, Wassermelonen, Salatgurken, Rosinenbrot, mit
drei Sorten belegtes Schwarzbrot und diverse Sorten Corny-Riegel. Was will
man mehr? Dazu gab es ein aus Pulver in großen Eimern angerührtes Getränk.
Bei
der ersten Kontrolle ist das Angebot bei fast jeder RTF üppig, danach
wird's meist karg. Nicht so in Wedel. Beim dritten Anlauf einer
Verpflegungsstation war außer Melonen noch alles da. Wir fuhren über
eine wunderschöne Straße durch das ebenso traumhafte Seestermühe und von
dort die Krückau entlang nach Elmshorn. Am Orteingang mussten wir kurz
halten, weil eine Kuhherde über die Straße getrieben wurde. Über Ekholt
und Bullenkuhlen erreichten wir nach weiteren 30 Kilometern die Kontrolle
zwei auf einem Bauernhof in Bevern. Den an einer Hauswand aufgeworfenen
Misthaufen nutzten einige Radler um stilecht auf ein zu Öko-Urinal pissen.
Dort
traf ich Henning Koller mit Freundin Susanne Karsten. Weil ich die
eingeholt hatte, meinte ich auch weiterhin schneller unterwegs zu sein,
verabschiedete mich zwei Mal, wurde aber immer wieder eingeholt. Danach
zog Henning an. Da schlägt wohl ein Power-Riegel an, dachte ich, wie der
plötzlich 38 km/h in der Ebene vorlegte. Ich hatte Mühe, bis zur dritten
Kontrolle bei Kilometer 88 dran zu bleiben.
Danach
war es mir wichtiger, noch ein paar Fotos zu schießen, als Anschluss an
meine Gruppe zu halten. Zunächst fotografierte ich die wegen
durchfahrender Schiffe gesperrte Brücke über die Pinnau. Eine Zeit lang
folgte ich dann einem breitschultrigen Zwei-Meter-Mann. Mehr Windschatten
geht nicht. Mit 35 km/h fuhr ich entspannt hinter ihm. Für das Foto einer
Kuhherde, das die Kamera von Jenoptik vergeigte, ließ ich ihn sausen.
Zwei Wochen später ruft mich beruflich ein Hermann Piepereit
wegen einem Multi-Media Präsentationssystem an. Er hat diesen Bericht
gelesen, kennt daher meinen Namen und hat erkannt, dass er der Hühne vor
mir war. Tja, die Welt ist klein...
Kurz
vor Heltingen sah ich vier weiße Ziegen vor einem zum Wohnhaus umgebauten
Bauerhaus. Für mich als Städter war es mal wieder toll, Pferde, Ponys
und Schwalben beobachten zu können, wenn auch nur kurz im vorbeifahren.
Danach fuhr ich allein. Folgerichtig verfuhr ich mich denn auch, fand
aber bald wieder auf die Strecke zurück.
Es
war eine superflache Strecke. Nur 100 Höhenmeter auf über 110 Kilometer
Distanz. Dafür ließ der Wind die Flaggen stramm flattern. In der Marsch
gibt es dagegen so gut wie keinen Schutz. Manchmal sind wir mit nur 25
km/h dagegen an geradelt.
Am
Ziel traf ich den radelnd rasenden Busfahrer Manni Schwarz. Der war
zusammen mit den Haspanesen Alexandra Link, Stefan Krogmann und Björn
Goth gestartet. Die waren schon zum Fußball unterwegs. Mit Henning und
Susanne habe ich auch noch kurz geplauscht, ein alkoholfreies Bier und ein
Brötchen eingeworfen und einen letzten kopfschüttelnden Blick auf den
gegenüberstehenden Peterwagen geworfen.
Es
folgen das Höhenprofil und weitere aufgezeichnete Daten. Die Kontrollstationen sind mit roten Linien
markiert. Du kannst Dir das Protokoll auf
Deinen PC runterladen. Dazu klicke einfach hier.
Hier geht's zum Bericht von der ebenfalls regulären RTF Wedel 2005.
Hier zu der "ausgefallenen" RTF Wedel 2004.
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Graphische
Auswertung
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Tabellarische
Auswertung
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