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Austeilen von Fruchtschnitten und einschwören auf die StVO. Hier geht's zur Großansicht...RTF-Radtour Alpe d'Hittfeld stimmte auf L 'Alpe d'Huez ein

Es ist ruhig an diesem Sonntagmorgen. Sehr ruhig. Sogar der Wecker ist nicht zu hören, als ich aufwache. Oh, wie spät ist es denn? Keine Panik, halb sieben! Schon wieder bin ich - ein ausgewiesener Langschläfer - aus Angst eine RTF zu verschlafen, vor dem Wecken aufgewacht. Ich habe es nicht bereut, mich Samstag früh ins Bett zu begeben, denn die Alpe d'Hittfeld erwiesen sich als gut ausgearbeitete RTF und für einen Norddeutschen als perfekte Einstimmung auf die im Jahr 2003 gleich anschließende Live-Übertragung vom Anstieg nach L 'Alpe d'Huez bei der Tour de France.

Das Bild täuscht. Die Schlange war noch viel länger. Hier geht's zur Großansicht...Mein Arbeitskollege Hennig Moehle hatte mir zwar von der tollen Strecke bei der am gleichen Tag stattfindenden RTF in Schleswig vorgeschwärmt, dahin hätte ich aber in beide Richtungen hundert Kilometer mehr Wegstrecke mit dem Auto zurücklegen müssen. Die Gegend südlich von Hittfeld ist vielleicht nicht so schön wie die rund um Schleswig, hat aber durch ihre hügelige Beschaffenheit ihren eigenen radfahrerischen Reiz.

Immerhin waren auf der 120 Kilometer langen Strecke 642 Höhenmeter zu überwinden. Das sind durchschnittlich 5,4 Höhenmeter pro Kilometer Strecke. Zum Vergleich: Bei den RTFs in Neuwiedenthal war ich 4,8, bei der in Bad Oldesloe 4,4, in Volksdorf 3,5, in Buxtehude 3,3 und bei den HEW-Cyclassics nur 2,4 hm pro km gefahren. Kein Wunder also, dass die Veranstalter des TSV Eintracht Hittfeld sich bei der Namensgebung für ihre Veranstaltung zu der Anspielung auf eine der Königsetappen der Tour de France hinreißen ließen.

Es geht los. Hier geht's zur Großansicht...Trotz der am gleichen Tag stattfindenden RTF in Schleswig, der Deutschen Senioren-Meisterschaften in Hanstedt und der Live-Übertragung der Tour-Etappe waren ca. 650 Radler am Start. Wohl im Sog der jedes Jahr größer werdenden und demnächst stattfindenden Jedermannrennen bei den HEW-Cyclassics und dem Holsten-Cityman scheinen die Teilnehmerfelder den RTFs in und um Hamburg immer größer zu werden.

Weil ich in diesem Jahr relativ früh da war, erwischte ich einen der letzten Parkplätze neben der Schule. Im letzten Jahr parkte ich an der Zufahrtstraße und wurde im letzten Moment vor der anrückenden Polizei gewarnt. Wohl weil ich hektisch von dannen fuhr, löste sich bei dem im Auto liegenden Rennrad bei einer Trinkflasche die Kappe und ich musste mit anhören wie sich während der Fahrt 0,7 Liter Apfelsaftschorle in den Gepäckraum ergossen.

Fahrt durch hügelige Felder. Hier geht's zur Großansicht...Auf dem Parkplatz rief mich Marco Röhrs (Foto unten links), einer der regelmäßigen Gäste auf diesen Seiten, über Handy an, damit wir uns nach dem langen Emailverkehr persönlich kennenlernen konnten. Weil Marco aber bereits im Startblock stand, trafen wir uns erst nach der RTF. Wir verabreden erneut demnächst endlich unsere erste gemeinsame Mountainbiketour zu fahren.

Nachdem ich vier Euro Startgeld entrichtet hatte, reihte ich mich in die Wartschlange vor dem Start ein. Obwohl wohl schon weit vor neun Uhr die ersten Radler auf die Strecke geschickt wurden, war die Warteschlange um kurz nach neun noch über hundert Meter lang. In kleinen Gruppen wurden die Teilnehmer zunächst auf die StVO eingeschworen und dann auf den Weg entlassen. Jeder Teilnehmer erhielt eine üppige Fruchtschnitte mit auf den Weg. War das der Grund dafür, dass diese RTF einen Euro teurer war, als alle anderen, an denen ich in diesem Jahr teilgenommen habe?

Kontrolle 1 in Pattensen. Hier geht's zur Großansicht...Plötzlich fiel mir auf, dass der Himmel weitgehend mit mehr oder minder dunklen Wolken verhangen war. Ich hatte nichts zum Überziehen mit. Der Wetterbericht hatte absolut trockenes Wetter prognostiziert.  Ob das wohl gut gehen würde? Ich hatte keine Lust darauf, mitten in der niedersächsischen Pampa durchnässt zu werden. Nach zwanzig Minuten Bangen und Warten ging es auch für mich endlich los. Die Schlange der am Start Wartenden war da immer noch lang.

Bei Temperaturen um zwischen 20 und 25 Grad kam der einzige Regen aus den Anlagen mit denen die trockenen Feldern beregnet wurden. Immer wieder fuhren wir an riesigen hübsch blühenden Kartoffelfeldern vorbei. An einigen Stellen waren denn auch Stände aufgebaut, an denen Kartoffeln und Obst prachtvoll dargeboten wurden. Wäre ich mit meinem Trekkingbike unterwegs gewesen, hätte ich dem Angebot nicht widerstehen können.

Auf dem Weg zur Kontrolle 2 in Putensen. Hier geht's zur Großansicht...Das Gros der Teilnehmer bestand wie immer aus Männern so zwischen 25 und 55 und etlichen Frauen gleichen Alters auf mehr oder weniger aktuellen Rennrädern, aber auch einigen "Exoten". Am Start sah ich Jugendliche und Kinder auf tollen Rennrädern und einige Herren wohl weit jenseits der 60, die mit zum Teil jahrzehnte altem Material und Bekleidung antraten. Sowohl die Herren als auch deren Material und Bekleidung sahen noch flott aus.

Anfang fuhr ich in einer Gruppe, die in der Ebene so um die 33 fuhr und an Steigungen das Tempo verschärfte. Dafür, dass ich mich nicht abhängen ließ, statt mein Tempo zu fahren, musste ich später büßen.

Durch die Schwindebeker Heide. Hier geht's zur Großansicht...Nach 28 Kilometern über Maschen, Horst, Ohlendorf, Stelle und Scharmbeck erreichten wir nach einem Anstieg durch einen Wald die erste Kontrolle in Pattensen. Es gab Stücke von Bananen, Orangen, Honigmelonen und Müsliriegeln, dazu Zitronentee. Im Vergleich zu anderen RTFs kein üppiges, aber ein ausreichendes Angebot.

Es macht durchaus Sinn, wenn bei anderen RTFs das Speisen- und Getränkeangebot an der K1 besonders umfangreich ausfällt, weil dort alle Teilnehmer vorbei kommen, auch die, die nur die kurze Distanz fahren aber den vollen Teilnehmerpreis entrichten. An der Station traf ich kurz auf meinen Arbeitskollegen Matthias Langendorf (TR).

Mein Nebenman vom Rad aus während der Fahrt fotografiert. Hier geht's zur Großansicht...Unterwegs fiel mir ein junges Mädchen auf, weil sie für ihr Alter sehr zügig unterwegs war. Dass sie sechzehn ist, mochte sie mir verraten und etwas mit mir über ihr Training und ihren Verein plaudern. Dann aber hat sie mich total missverstanden. Ich wollte ein Foto von ihr hier veröffentlichen, fragte sie zunächst, ob sie einen InternetAnschluss hat. Ab dem Moment sah sie mich an, als wäre ich einer von den Männern, vor denen sie ihre Eltern schon als Kind immer gewarnt hatten.

Es waren gab auch wieder einige ungewöhnliche Räder zu bewundern, zum Beispiel ein Liegerennrad von Baron (Foto unten). Dabei fiel mir wieder auf, dass Liegeradfahren bei einer RTF einsam macht. Weil diese Leute zum Beispiel kaum Windschatten bieten, mag die niemand in der Gruppe mitfahren lassen. Viele Leute halten die ja auch für spinnert. Das finde ich nicht. Spinnert ist es wohl eher sich zum Beispiel für zig tausend Euro einen riesigen Benzin saufenden Offroader zu kaufen, um damit auf asphaltierten Straßen zu fahren.

Ein toller Waldweg abseits des Autoverkehrs. Hier geht's zur Großansicht...Aufgefallen ist mir am Start auch ein Päarchen auf einem Rennradtandem (Foto unten). Etwa bei Kilometer 40 überholten sie mich. Sie saß hinten und genoss es anscheinend das Feld aufzurollen. Im vorbeifahren zwinkerte sie mir kurz Trost spendend zu. Über Wulfsen, Garstedt und Salzhausen erreichten wir die zweite Kontrolle in Putensen, an der es dann auch Waffeln und ein Multifruchtgetränk gab.

Zwei Mal fuhren wir an Schildern vorbei, die die Autofahrer auf ihre - vielleicht zu hohe - Geschwindigkeit hinweisen. Es ist toll anzuschauen, wenn man als Radler darauf "Sie fahren 32" lesen kann. Allerdings reichte mein Tempo nicht aus um eine Blitzampel an einem Ortseingang auszulösen.

Kontrolle 4 in Egestorf. Hier geht's zur Großansicht...Wer nicht nur auf die Straße sah, konnte einen kurzen Blick auf die auf die schöne Mühle in Garlstorf und die malerischen Kirchen in Salzhausen, Egestorf und Hittfeld werfen. Die letzteren beiden mit Kirchtürmen aus Holz. Wir fuhren an zahlreichen schönen alten und neuen Häusern vorbei, insbesondere das auf und zwischen Hügeln gelegene Raven sah romantisch aus.

Zwischen Rolfsen und Soderdorf fuhren wir durch einen schönen Wald. Darin erreichte ich auf einer berauschenden Abfahrt bis zu 62 km/h, bis ich wegen einer scharfen sandigen Rechtskurve abbremsen musste. Es folgte Dehnsen und Schwindebeck, wo ein kleiner junge mit mir Rennen fahren wollte. Schade, ich hätte ihm den Triumph, mich auf hundert Metern zu schlagen, ruhig gönnen sollen.

Süß, fit und nikotingenusschtig. Hier geht's zur Großansicht...Es folgte die Fahrt durch die schöne Schwindebeker Heide über Steinbeck, Evendorf bis zur dritten Kontrolle in Egestorf. Dort wurde noch immer in großen Mengen das gleiche Sortiment angeboten wie an der Kontrolle 1. Das ist leider keine Selbstverständlichkeit! Mir fiel auch eine junge zierliche Dame auf, zunächst weil sie fit war und dabei so süß aussah und dann dadurch, dass sie ungeniert eine Zigarette rauchte. Ich habe mir das Rauchen wieder bis ins Ziel verkniffen. Zuvor machten mir erste Krampfattacken zu schaffen.

Auf dem letzten Stück plauderte ich mit einem Radler, der direkt vor den Profis nach Alpe d'Huez hochgefahren war und noch immer von diesem Erlebnis zu zehren schien. Einige Zeit fand ich auch wieder Gruppen an deren Hinterädern ich lutschen konnte. Einer bot seinen Bekannten Bonbons aus einer Tüte an. Tolle Idee. Alles andere als toll fand ich, dass die das Papier auf die Straße warfen. 

Das Paar mit seinem Renntandem. Hier geht's zur Großansicht...Zwei Mal wurde ich von PKWs genau in dem Moment überholt, als mir ein Fahrzeug entgegen kam. Was sind das wohl für Typen, die mich mit der vierfachen Geschwindigkeit in zwanzig Zentimeter Abstand überholten? Gefährlich waren auch zwei Bahnlinien, die diagonal die Straße querten. Solche Gefahrenstellen hatte ich bei den RTFs in Hamburg zumindest mit Schildern abgesichert gesehen. Kein Wunder also, dass an dem einen Übergang ein Verletzter versorgt werden musste. Ein Rettungswagen war bereits unterwegs zu ihm.

Über Eyendorf, Lübberstedt, Egestorf, Garlstorf, Toppenstedt, Tangendorf, Thieshope, Ohlendorf und Ramelsloh ging es nach Maschen, wo eine besonders harte Probe auf mich wartete. Wir fuhren an einem einladend aussehenden Eis-Café vorbei. Warum habe ich mir eigentlich keine Kugel gegönnt? Danach sollte nur noch ein lächerlich kurzes Stück nach Hittfeld folgen. Es wurde für mich das schwerste. Auf den letzten zwei Kilometern wollte mein rechter Oberschenkel nicht mehr so wie ich. Den letzten Anstieg bin rauf gekrochen, nachdem ich meinen Vordermann weggeschickt hatte.

Das Liegerennrad von Baron. Hier geht's zur Großansicht...Glücklich am Ziel angekommen traf ich kurz auf Marco Röhr (nicht Röhrs), einen weiteren Arbeitskollegen. Henning Moehle hatte sich doch ebenfalls für Hittfeld entschieden, musste wegen einer gebrochenen Naben an einem Look-Pedal die Tour abbrechen.

Im letzten Jahr empfing mich am Ziel ein sensationelles Kuchenbuffet. In diesem Jahr fand ich nur noch Butterkuchen vor, der aber sehr lecker war. Auf einem kleinen Fernseher ließ sich das Geschehen bei der Tour verfolgen.

Zu mir gesellte sich ein nette Gruppe des RV Endspurt, darunter auch die Raucherin (Foto unten). Sie waren ein wenig geschockt, weil zwei Endspurtler schwer gestürzt waren und sie noch nicht genau wussteen, was denen wiederfahren war. Wir plauderten angeregt über das Rauchen beim Radfahren und darüber, dass an diesem Tag wohl beide RTFs im Norden ihren Platz hatten. Da war es schon halb vier und es wurde Zeit, dass ich zu meinem Mädel zum Mittagessen fuhr.

Sich entspannende Endspurtler. Hier geht's zur Großansicht...All die vielen Details erinnere ich deshalb so genau, weil ich sie unterwegs auf mein Diktiergerät sprach. Auf den letzten Kilometern habe ich probehalber sogar während der Fahrt fotografiert. Das ging nur, weil ich mir die Olympus-Digitalkamera meiner Abteilung geliehen hatte. Mit meiner blöden Kamera von Jenoptik hätte das nicht geklappt. Dies alles gehörte zu meiner Vorbereitung auf die HEW-Cyclassics, von der ich einen noch detaillierteren Bericht anfertigen möchte, als von den Vorjahren.

Obwohl ich den Streckenplan vor mir liegen habe, musste ich am nächsten Tag den Veranstalter anrufen, um die genaue Streckenführung zu rekonstruieren. Die tabellarische Übersicht war so optimiert, dass ich sie nicht entwirren konnte.

Mein Dank gilt meinen Arbeitskollegen Knut Möller, Mirko Hagenah und Jörg Weichert, die mir halfen, die Bilder zu produzieren. Es folgen das Höhenprofil und weitere aufgezeichnete Daten. Die Kontrollstationen sind mit roten Linien markiert. Du kannst Dir das Protokoll auf Deinen PC runterladen. Dazu klicke einfach hier.

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