RTF-Radtour
Alpe
d'Hittfeld - Letzter Test für die HEW-Cyclassics
Lange
war ich mir nicht sicher, ob ich erstmalig bei einer RTF auf die
Langstrecke gehen sollte. 158 Kilometer Distanz mit annähernd 900
Höhenmeter sind eine Menge, wenn man eine Woche vorher nach nur hundert
Kilometern Krampfattacken abwehren musste. Dank Alexandra Link (AM) und
Martina Mollenhauer (Gast über Rev) ist dieser letzte Test im Jahr 2004 für die
HEW-Cyclassics erfolgreich verlaufen.
Um
nicht wieder zu verschlafen, war ich schon vor dem Wecker aufgewacht.
Passend zu dem an L 'Alpe D 'Huez angelehnten Namen der RTF wiesen in
Hittfeld die Schilder von der Deutschland Tour 2000 in Deutsch und
Französisch den Weg zum Start ("Départ"). Um halb
neun ergatterte ich sogar noch einen Parkplatz direkt an der Schule.
Anders als bei
anderen RTF 's warteten hier bei der Anmeldung die
Teilnehmer mit Wertungskarte in einer Schlange auf ihre Abfertigung, die
dann aber zügig klappte. Wenige Minuten später grüßten Alex und Martina aus
dem großen Starterfeld. An Hinkommen war nicht zu denken, weil der Weg
von zahlreichen Wartenden verstellt war. Erst nach dem Start konnte ich zu
den beiden aufschließen.
Die
Reihe der wartenden war mehr als hundert Meter lang. Ab 8:50 Uhr wurde der
Start für die insgesamt ca. 800 Teilnehmer gruppenweise freigegeben.
Wohl weil gleich nach dem Start eine Landesstraße zu queren war, wurden nur kleine Gruppen auf die Tour
entlassen und von Ordnern sicher auf die Straße geleitet. Vorher wurden sie auf
die StVO eingeschworen. Wohl als Belohnung dafür, dass man so brav
gewartet hatte, erhielt dabei jeder eine Fruchtschnitte von Schneekoppe.
Andreas
Lenz (Externer in der ORG) hatte am Start noch mit den Mädels geplaudert,
war dann aber von dannen gezogen. Björn Goth (MS) war schon vorher mit
den ganz schnellen auf Tour gegangen. Ab Maschen fing mein Funk-Tacho an
zu spinnen, zeigte trotz konstantem Tempo mal "16", dann
"32", dann "3" und dann wieder "32" an.
Folgerichtig
stimmten die errechneten Distanzen nicht. So kann man seine Leitung nicht
kontrollieren, kann keine konstante Führungsarbeit leisten und fragt sich
permanent, wann denn die nächste Kontrollstation kommt. Ich werde diesen
störungsanfälligen Lenkerhalter noch in dieser Woche gegen den mit
Kabel und Trittfrequenzmesser von meinem Trekking-Bike tauschen.
Weiter
ging es über Horst, Ohlendorf, Stelle und Scharmbeck zur ersten Kontrolle
nach 28 Kilometern auf freier Strecke in Pattensen. Man fütterte uns mit
drei Sorten aufgerührtem Getränkepulver, Stücke von Bananen, Orangen
(erfrischend) Honigmelonen (lecker) und Aldi-Müsliriegeln sowie Waffeln
und kleine Salzbrezel.
Über
Wulfsen und Garstedt gelangten wir nach Salzhausen, wo mir mir ein uriger
Gasthof (Isernhagen?) auffiel. Dort und an vielen
Bauernhöfen unterwegs hätte man die vielgerühmten neuen Heidekartoffeln kaufen
können. Irgendwann werd ich diese Region mal mit meinem Trekkingbike
durchkreuzen und mir einen Sack auf den Gepäckträger wuchten. Die
feilgebotenen frischen Heidelbeeren und Himbeeren zu verschmähen, fiel mir
ebenfalls schwer.
Als
nächstes erreichten wir nach 21 Kilometern die Kontrolle 2 in Putensen.
Hier hieß es sich zu entscheiden, welche Strecke wir unter die Räder
nehmen wollten. Zu meiner Freude zögerten Alex und Martina nicht, gingen
mit mir auf die große Schleife.
Der
Preis dafür war, dass wir zunächst unter uns blieben. Die meisten
Teilnehmer haben wohl die 121er-Runde gefahren. Entschädigt wurden wir
dafür durch die Fahrt durch den schönsten Abschnitt der gesamten Tour.
Wir fuhren lange Abschnitte auf schmalen Asphaltwegen durch Wälder und
Felder. Nirgends sonst waren so wenige Autos unterwegs. Um so mehr musste
man aufpassen, wenn eines kam, weil die Autofahrer sich hier ebenfalls
einsam wähnten.
Wir
fuhren durch Wetzen, Südergellersen, Kirchgellersen und Heiligenthal. Uns
kamen schnelle Gruppen entgegen, weil die Schleife wieder zurück zur
Kontrolle nach Putensen führte. Dieser Abschnitt war mit 38 Kilometern
schon recht lang. Der bis zur letzten Kontrolle sollte gar 45 Kilometer
lang werden. Weil es an Essbarem nur angeschnittenes gab, steckte ich mir
vorsorglich meine Reserveriegel ins Trikot. Die Stimmung dabei war gut
("Den letzten Berg hätten die weglassen können.").
Immer
wieder blickten wir auf wunderschöne Villen und alte Bauernhäuser. Wenn
man sieht, dass Leute Pferde auf der eigenen Koppel und Ponys in ihrem
Vorgarten laufen haben, kann man ins träumen kommen. Überall blühte es
in Rot, Lila und vor allem in Weiß und Gelb. Schönster Ort war für mich
wieder das
romantisch zwischen Hügeln gelegene Raven.
Zwischen Rolfsen und Soderdorf fuhren
wieder die berauschende Abfahrt durch einen Wald. Über 60 km/h erreichte ich
hier im letzten Jahr. In diesem Jahr zeigte mein gestörter Tacho konstant
Null an. Ärgerlich!
Über Dehnsen
ging es nach Schwindebeck an der Schwindebeker Heide. Ab hier waren wir zu
sechst und blieben es mit Unterbrechungen bis ins Ziel. Drei Radler hatten
ihre stärkere Gruppe ziehen ließen und sich uns anschlossen.
Zwei Mal
kreuzten wir gefährliche Schienen so etwa im 60-Grad-Winkel, auf die man
uns nur an der Kontrolle mündlich hingewiesen hatte. Henning Moehle (ORG)
erzählte mir später von einem Radfahrer der über einen dort gestürzten
stürzte und sich dabei das Gesicht derbe zerkratzt hatte.
Ein
Radfahrer hatte sich wohl ebenfalls bei einem Sturz ein Knie so verdreht,
dass er ins nächste Krankenhaus gefahren werden musste. Ein anderer
"Radsportkamerad" erlebte, dass ein zweiter sein Rad als das ihm
vor zwei Jahren gestohlene erkannte. Dafür gab es eine Strafanzeige. Der
Käufer des Diebesgutes war ja einfach an seiner Rückennummer zu
identifizieren.
Mit
Henning hatten sich wohl mindestens um die vierzig Teilnehmer verfahren.
Er meint, dass wohl ein Witzbold einen Richtungspfeil entfernt hatte. Neun
Kilometer Umweg ist er gefahren.
Durch
einen Wald ging es nach Steinbeck. Es folgten Evendorf und Egestorf
Waldsiedlung. Wo im letzten Jahr die Kontrolle stand, herrschte gähnende
Leere. Hatten die sie schon abgebaut? Nein, die Kontrolle war acht Kilometer weiter verlegt worden! Frustriert nagte ich an meinen
Fitness-Riegeln.
Entlang
der Deutschen Ferienstraße Alpen Ostsee ging es über Egestorf nach
Ollsen, wo wir am Heide-Landgasthof Zur Eiche endlich die K4 erreichten. Mir ging 's dort nicht mehr so gut.
Martina fragte besorgt, ob ich einen Leistungseinbruch hätte. Neben einer
Pause fehlte meinem Körper wohl schlicht das Nikotin, weil ich seit sechs
Stunden nicht geraucht hatte. Das Angebot an Essen und Trinken war immer
noch ausreichend und eine Zigarette hatte ich dabei.
Über
Hanstedt, Diekshausen, Asendorf kamen wir nach Marxen, wo wir das Ziel schon
in der Nähe wähnten, einige wohl deshalb das Tempo anzogen. Die
Ortsnamen hab ich vom Begleitzettel abgelesen. Dadurch, dass die K4
verschoben, aber der Zettel nicht konsequent angepasst wurde, ist der nun
noch unübersichtlicher geworden, als im Vorjahr. Schade ist auch, dass der Zettel
verschweigt, dass wir durch nette kleine Orte in der Lüneburger Heide
gefahren sind.
Nach Ramelsloh ging es
durch Maschen, wo mich lediglich die lange Schlange der wartenden davon
abhielt mir im Maschener Eis-Café die Kugel zu geben. Die restlichen
Kilometer zurück nach Hittfeld waren schnell abgespult. Unterwegs hatte ich darauf geachtet
regelmäßig zu trinken und blieb wohl deshalb bei dieser RTF bis zum Ende
von
Krampfattacken verschont.
Am Ziel
gab es leider nur gekauften Kuchen, aber immerhin noch Kaffee und
Malzbier. Martina hatte die meiste Zeit die Führungsarbeit für uns
erledigt, wirkte trotzdem kaum mitgenommen. Alex ließ ab und zu an den
Steigungen abreißen, kam kurz nach uns ans Ziel, wirkte dabei so frisch,
als käme sie grad aus dem Freibad. Unglaublich!
Zwei
Wochen vor den HEW-Cyclassics war ich mit meiner Leistung zufrieden. Laut
Martinas Tacho waren wir einen Schnitt um die 28 gefahren. Mein
Durchschnittspuls lag sieben Schläge unter dem des Vorjahres. Es ist halt
beruhigend, zwei so starke Frauen an seiner Seite wähnen zu dürfen.
Zufrieden
war ich auch mit den Darbietungen des Veranstalters. Im nächsten Jahr
werde ich wohl versuchen die große Runde etwas schneller zu fahren, um
nicht wieder satte acht Stunden von zu Hause fort zu sein, "nur"
um diese RTF genießen zu können.
Es
folgen das Höhenprofil und weitere aufgezeichnete Daten. Das Gros davon
ist leider unbrauchbar, weil die Geschwindigkeitsmessung von Anfang an
immer wieder, ab der K4 zusammen mit der Steigungsmessung total
ausfiel. Ein besseres Protokoll findest Du beim Bericht vom Vorjahr.
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