RTF
Alpe d'Seevetal ab Meckelfeld - Bestens gelungene Premiere
Die RTF Alpe d'Seevetal begann für mich mal
wieder damit, dass ich etwas vergessen hatte. Ich ahnte es, aber was war
es? Ah, der Autoschlüssel. Das hab ich dann auch gleich vor der Abfahrt
bemerkt. Den Anfahrtsweg fand ich so verwirrend, dass ich mich einfach
darauf verlassen hatte, dass der Startpunkt ab der BAB-Abfahrt
ausgeschildert sein würde. Das war er dann auch. Nicht nur der, alle
Zufahrtswege waren es.
Ich hätte vorher besser noch mal mein Rad
checken sollen. Nachdem viele Helfer die Blechlawine samt meinem PKW auf
die ausreichenden Parkplätze ausgebreitet hatten, bemerkte ich das Fehlen
der Trinkflasche. Eine leere 1L-Mineralwasserflaschen steckte ich mir als
Ersatz in den Halter.
Bei der Anmeldung ging es flott voran, am
schnellsten für diejenigen, die sich über 's Netz vorangemeldet hatten.
Das war der einzige Vorteil der Voranmeldung, für die anderseits keine
Vorkasse verlangt wurde.
Was der Parkplatz erwarten ließ, bestätigte
der Startplatz. Er war voller erwartungsfroh blickender Rennradfahrer. Bei
Sonnenschein und kräftigem Wind hatten sich ca. 1000 statt der vom TV
Meckelfeld zur Premiere ihrer RTF erwarteten 700 Teilnehmer
eingefunden.
Vor der Starlinie gab es Diskussionen über
eine große Gruppe unbelehrbarer Schwarzstarter. Sie trugen alle ihre
eigenen Startnummern, trotzdem fragte man sich, ob sie den Startpreis
entrichtet hatten. Hauptausrichter Dr.
Schmerz Reiner Lühr und Spartenleiter Radsport
Ronald Fiege ließen Gnade vor Recht ergehen.
Ich traf RSG-Arne
Naujokat. Arne
wartete auf seinen Zahnarzt. Welch ein Luxus. Andere haben ihre
Wasserträger und Mechaniker dabei. Die von mir erwarteten Leute aus dem
Forum und aus Celle traf ich zu meiner Enttäuschung zunächst
nicht.
Um Punkt Neun ging 's los. Zwei aus der ersten
Gruppe fuhren los, als ob es ein Übungsrennen gewesen wäre. Alle 90 Sekunden
wurden kleine Gruppe auf die Strecke geschickt. Am Start und auch sonst
wurden vom Verein einige Bilder aufgenommen und später auf deren Homepage
veröffentlicht.
Die kleinen Gruppen sortierten sich auf den
ersten Kilometern nach Leistungsstärke und -Wille um. Man sah unter
anderen viele Ottonen, Germanen und St. Paulianer. Ich hängte mich an
meine Betriebssportkollegen Henning, Helmut und Martina von der Haspa
sowie Axel und Wolfgang vom NDR.
Angenehm auffallend fand ich den Mann mit nur
einem Bein und den stark übergewichtigen Herren, die sich nicht davon
irritieren ließen, dass wir sie ob ihres Handicaps überholten. Dann war
da noch Bettina mit ihrer zehnjährigen Tochter Kim-Sophie und Wolfgang
Pluschke mit einem 10-jährigen Radsporttalent - nicht wie ich vermute
seinem Enkel - und der auf vielen RTF
anzutreffende Germane mit dem Kinderanhänger. Er fuhr mit Sohn Jens die
Kurz-, Muttern solo die Langstrecke.
Unser Spartenleiter Henning hatte seinen Helm
daheim vergessen, versaute mit seinem frei fliegenden Kurzhaar so manches
Bild, dass ich sonst für unsere BSG Haspa-Seite verwenden wollte. Dazu trug er Sandalen, weil die bei Regen schneller trocknen. Weil
es nicht sehr heiß war, steckten seine Füße in Socken darin - braune
Baumwollsocken! Dazu hatte ich eine Frage: "War der Lichtschalter im Schlafzimmer
defekt?"
An den bekannten Gefahrenstellen waren Helfer
postiert. Eine neue hatte sich am Elbdeich ergeben. Kurz vor der RTF hatte
man dort neuen Asphalt aufgetragen. Ohne Vorwarnung stauchten sich an
den Übergängen die Felder.
In der Zwischenzeit bekam ich ob meiner leeren
Ersatzbuddel immer mehr Durst. Welch eine Wohltat, als ich dann am ersten
Depot auf frische Apfelsinen- und Wassermelonenstücke beißen konnte.
Dazu gab es die RTF-üblichen Äpfel und Bananen ebenfalls in Stücken, Rosinenbrot und süße Waffeln,
mehrere Sorten Riegel sowie Iso-Getränk, leckeren Tee von Uelzena und Wasser.
Das ist einerseits weit mehr, als man erwarten kann, anderseits vermissten
einige Schwarzbrot, weil es über längere Zeit Energie spendet.
Die Helfer waren
auch hier zahlreich, flott und nett. Insgesamt sorgten um die 50 Leute
für einen reibungslosen Verlauf. Ich
traf Clemme
vom RSG Reha Team, mit dem mich seit einigen Tagen ein Projekt
verbindet, welches ich demnächst präsentieren möchte.
Weiter ging es mit meinen Haspanesen und
Rundfunkern, dazu Wessel und einigen Germanen. Ich schnackte lange mit
Markus, dem Webmaster der RV Germania,
grüßte Adam
vom Italiener Cuneo und die Chellisten als sie an uns vorbei fuhren.
Am zweiten Depots In Undeloh hätte man in eine Kutsche umsteigen
können. Die stand startklar auf dem Hof des Geländes an der
Hauptstraße. Dort lernte ich Andrea Ollmann kennen. Sie ist erste Vorsitzende des
SC
Hammaburg und eine meiner Leserinnen. Als ich wenige Tage vorher von der
Arbeit zur Luftpumpe
Hamburg fahren wollte, kam sie mir mit dem Rennrad entgegen.
"Guck mal, das ist Helmut." rief sie begeistert ihrem Mitfahrer
zu. Für einen Moment fühlte ich mich wie Thomas Gottschalk bei einem
Gang durch einen deutschen Supermarkt.
Weiter ging es durch die wellige Lüneburger
Heide. Der Veranstalter hatte mit diesen Wellen für seine RTF
geworben und dabei neben den Distanzen die für Nord-Norddeutschland
große Anzahl an Höhenmetern angegeben. Das
führte zu Irritationen, weil die meisten Leute geringere Zahlen von ihren Tachometern
ablasen. Um die 20 % weniger Höhenmeter zeigten die an.
Die Differenzen erklären sich dadurch, dass
die ausgelobten Zahlen mit dem Programm Top50
berechnet wurden. Das basiert auf den amtlichen topografischen Karten.
Einerseits erzeugt jeder Tacho systembedingt Abweichungen, andererseits
arbeitet Top50 laut Hanseat
zu ungenau, weil es Karten im Maßstab 1:50 verwendet. So oder so war es
in jedem Fall eine teils anspruchsvolle Strecke.
Am dritten Depot dann traf ich endlich die
Jungs vom ESV
Fortuna Celle, Manfred, Michael, Jürgen und
Radschlags
Harald. Manfred Galonski
ist niedersächsischer Meister im Radtourenfahren bei den Senioren.
Manfred und seinen Mannen fahren wenn immer möglich
am Sonnabend und Sonntag mit ihrem Bus zu einer RTF oder Radmarathon, sind
Mannschaftsmeister und
beliefern uns dazu mit Berichten und Fotos davon. "Nun tut mal so, als ob
Euch das hier Spaß machen würde." rief Michael aufmunternd, bevor er die Leute
am Buffet ablichtete.
Darüber kam mir meine Gruppe abhanden. Dafür
traf ich Thomas Wiencke, meinen Händler von der Luftpumpe. Thomas war gut
drauf, fuhr mich an meine Leute wieder heran. Das kostete mich trotzdem
einige Körner. "Ich lass mich abfallen, werd eine Rauchen.",
rief ich Henning zu. "Wir sind Sportler!" erwiderte der und bremste mit
mir ab.
O.K., so nahmen wir dann halt beide wieder ein moderates Tempo auf.
Letztlich kamen wir alle in kurzen Abständen nach 123 Kilometern am Ziel
an.
Die Ausschilderung ließ keine Wünsche offen.
An den leicht zu übersehenden Abbiegungen auf dem letzten Stück zum
Beispiel in Garlstorf nach Thieshope sorgten
bis zu neun Pfeile pro Richtungswechsel dafür, dass wir uns nicht
verfuhren. Bis auf einen kurzen Abschnitt mit viel Sand auf dem Asphalt
war die Strecke ebenfalls bestens.
Am Ziel stießen wir zunächst auf die bestens
gelaunten Uli und Volker Heyer von der RG
BSV Hamburg und dann auf den leider schon leeren Grill. Ersatzweise
führte ich mir Kuchen zu, von dem noch ausreichend vorhanden war. Das
Gros der Teilnehmer war bereits auf dem Nachhauseweg, aber es saßen noch
einige in der Sonne auf der Terrasse, andere sahen sich die über einen
Beamer auf eine Leinwand projizierte Live-Übertragung von der Tour de France
an.
Ich schnackte noch lange mit Reiner. Der Mann
glüht. Wir dürfen gespannt sein, womit uns der TV Meckelfeld in den
nächsten Jahren erfreuen wird. Darüber fand ich kaum Zeit für meine
Kollegen Olaf Schröder und Torsten Brütt. Und Stephan Blanquett von Exercycle
sah ich nur Vorbeifahren.
Während ich mit Reiner
quatschte, höre ich
jemand fragen "Ist das Helmut?" "Ja, das isser."
entgegnete ein anderer. Ich grüßte zwei mich angrinsenden Männer freundlich,
hatte aber keine Ruhe für ein parallel ablaufendes Gespräch. Auf dem Weg zum Parkplatz
schwatzte ich noch mit meinem Kollegen Björn Goth. Als ich mein Rad verladen
wollte, traf ich auf dem Parkplatz wieder die beiden breit grinsenden
jungen Männer.
"Sollte ich Euch kennen?", fragte ich. "Na klar." Es waren RobertM und
Tierfreund23,
die ich doch bereits am Start treffen wollte.
Keine Frage, im nächsten Jahr wird es wieder
eine Alpe d'Seevetal geben; dann werd ich die beiden vorher treffen und
was anderes daheim vergessen.
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