RTF
Bis in die Holsteinische Schweiz - Für mich leider nur bis kurz davor
Der Tag der RTF Bis in die Holsteinische Schweiz war ein Tag, an dem
alles gegen mich lief. Den Wecker stellte ich mehr symbolisch. Ich ahnte,
dass ich ihn nur vier Stunden später nicht hören würde. So fuhr ich ab
10:30 Uhr nur 80 Rad-km, leider komplett allein, mein Tacho war
ausgefallen, wo im Fotoapparat der Akku reingehört, gähnte ein Loch, ich
hab mich mit dem Rad, später PKW verfahren, das Diktiergerät war
plötzlich voll und das Sommerwetter war ebenfalls ausgefallen. So
starteten nur die ca. 75 Marathonis, die sich vorher angemeldet hatten,
dazu nur 120 RTF-Fahrer, wo im letzten Jahr weit über tausend gezählt
wurden, die aber hatten Spaß!
Es begann damit, dass die Wecker klingelten, als ich noch schlief, zu
tief, als dass ich darauf reagiert hätte. Gegen halb neun wachte ich ohne
auf. Es regnete. Und nun? "Du kannst die Kattenberger nicht hängen
lassen." dachte ich mir. Ich hatte mich bewusst dafür entscheiden
diesen sympathischen Radsport-Haufen zu unterstützen, obwohl in quasi
gleicher Entfernung von mir die Neuauflage der Alpe d'Hittfeld lockte.
Gegen halb elf komme ich am Start an. Es ist der gleiche Ort, das
gleiche Zimmer und leider auch fast die gleiche Situation wie im Vorjahr
mit der gleichen Konsequenz. Im letzten Jahr wollte ich als erstes die
Anmeldung fotografieren, startete die Kamera, die aber meldete nur "Keine Speicherkarte".
Die war in diesem Jahr drin, aber es fehlte der Akku. Lutz bemühte sich
um einen Ersatzapparat, aber von den Anwesenden hatte keiner einen dabei.
Man, war mir das peinlich. Erst komme ich zu spät um die Meute
abzulichten und dann reicht 's nicht mal für ein paar Bilder von den
Helfern. Lutz und Stephan blicken traurig und doch verständnisvoll. O.K.,
dann muss ich halt hoffen, dass die Kattenberger selbst einige Bilder
aufnehmen werden. Das taten sie, wie die noch einzufügenden Bilder zu diesem Bericht
zeigen werden.
Nächstes Ärgernis war wieder mein HAC4. Den hatte ich am Vortag mit
frischen Batterien gefüttert. Kurze Zeit ging er wieder, dann fiel die
Geschwindigkeitsanzeige wieder aus. Ohne ist keine Standortbestimmung
möglich, weil er keine Distanz errechnet. Ich fahre allein los, habe
niemanden den ich nach Tempo oder Distanz befragen könnte.
Die Straße aus Kaltenkirchen raus gen Norden ist so recht nach dem
Geschmack der Motorradfahrer. Wenig befahren und sich dahin schlängelnd.
Mein hier wohnender Arbeitskollege Bernd Steng hatte mir erzählt, dass
diese Straße von Motorradfahrern aus ganz Deutschland angefahren wird. Es
gibt dort immer wieder schwere Unfälle, weshalb einige riesige Plakate am Wegesrand
mit Schockbildern von solchen Unfällen künden.
Weiter geht es durch Schmalfeld, wo ein weiterer unserer Kollegen
wohnt, an den ich natürlich sofort denken muss. Ich schaue zwei Mal hin, ob
denn die Joggerin nicht zufällig Torsten Dankers Frau wäre. Ich komme an
zahlreichen Rindern und Pferden vorbei. Neben dem bildschönen weißen
Jungbullen wird mir eine Herde im Gedächtnis bleiben, die gar keine ist.
Die sechs oder sieben auf einer großen Weide stehenden Kühe sind
"nur" täuschend echte Skulpturen, jede in einer anderen Pose,
alles zusammen umwerfend natürlich aussehend.
Weil es regnet und mein Fotoapparat eh keine Funktion hat, fahr ich
rechts ran um ihn in die Satteltasche in Sicherheit zu bringen. In dem
Moment überholt mich ein älterer Herr (ca. mein Alter), fragt ob alles
O.K. wäre. Das bejahe ich, freue mich ihn bald einholen und mit ihm
fahren zu können. Welch ein Irrtum. Das Loch von ein paar hundert Metern
wird nicht kleiner und dann ist er plötzlich ganz weg.
Die Ausschilderung erfährt einen Härtetest, weil ich mich eigentlich
immer verfahre, zumindest allein. Und so ist es denn auch. In
Struvenhütten vermisse ich ein Schild an einer Kreuzung, folge der
Straße nach links, weil ich dort den richtigen Weg vermute. An den Masten
erkenne ich einige Kabelbinder. "Aha, Schilder geklaut." sagt
mir mein detektivischer Verstand und täuscht sich. Ein Autofahrer hupt, weist mich in die
Gegenrichtung. Ein Blick in den Begleitzettel zeigt mir, dass er Recht
hat. Ich kehre um in Richtung Hartenholm. Die Kattenberger schildern
rückstandsfrei ab. Die Reste müssen von einer anderen Veranstaltung
stammen.
Kurz darauf schnacken mich Leute aus einem PKW von hinten an. Meine
Freund-Feind-Erkennung schaltet auf "Freund", als ich Lutz und Stephan
erkenne. Sie staunen nicht schlecht mich auf dieser Straße
vorzufinden, die gar nicht zur Route gehört. Der Straße folgen werde ich
aber zwangsläufig wieder darauf gelangen. Ich hatte wohl in Gedanken ein
Schild übersehen. Dazu ist anzumerken, dass die Ausschilderung
erstklassig war.
Wenig später sehe ich rechts Hans-Werner Wollbrecht und Heinz-Werner
Hehwischer an einem Mini-Depot stehend. Die beiden wollen mich weiter
schicken. "Wieso weiter?" frage ich. Weil das das Depot für die
Schüler ist, die im Rahmen einer dreitätigen Ferienpassaktion des
Vereins auf ihrer 22 km langen Tour hier verpflegt werden. Die
Kattenberger tun etwas dafür neue Mitglieder zu werben, hatten an der
Anmeldung Verein-Flyer ausliegen. Ich spreche mir
noch die Namen der beiden auf ''s Band, dann meldet es "Speicher
voll". Weitere Notizen fertige ich auf Papier.
Das erste RTF-Depot liegt im Feuerwehrhaus Barg. Heike und Stephan
Sturm reagieren amüsiert - und vermutlich doch auch enttäuscht - auf
meine Pannenberichte. Die Verpflegung hat die gleiche hohe Güte wie im
Vorjahr. Es war ein Buffet mit Bananen-, Apfel- und Salatgurkenstücke,
leckere Ultra Bar-Riegel von Ultra
Sports,
Rosinenstuten und Schwarzbrot mit Jagd- und Blutwurst sowie Käse
angeboten. Eine Kaffee gab 's auch, nur keine Löffel, aber umrühren kann
man auch mit einem Messer.
Ich hoffe mich nun Leuten anschließen zu können - der Wind kostet
allein doch einige Körner mehr - und werde enttäuscht. Ich bin wohl als
einer der letzten auf die Strecke gegangen. Die vom Depot abfahrenden
Leute biegen um diese Uhrzeit gleich dahinter gen Ziel ab, ich aber folge
der abgehenden 85er-Route.
Nach zwei Kilometern stoße ich auf zwei verwirrte Rennradler. Die waren
vom Depot falsch abgebogen. Nach links stand da "45" und
"Ziel" drauf. Nach rechts "85", "118" und
"163". Sie hatten schon ca. 190 von 217 Marathon-Kilometern in
den Beinen. Statt gen "Ziel" abzubiegen, meinten sie wohl den
längeren Routen folgen zu müssen. Den Irrtum konnte ich aufklären.
Mein Runde führte mich einsam über Kükels, Leezen, Groß Niendorf,
Tralau, Neversdorf, Bebensee, Schwissel, Mözen wieder zurück nach Barg,
wo ich endlich hoffte auf "heimkehrende" Radler zu treffen.
Zuvor überholte ich eine ältere Dame, die mit einem Reise-Rennrad
unterwegs war und die ich schon so oft auf RTF gesehen hatte. Sie fährt
immer die 120er-Runden, erklärt sie mir. Anscheinend allein,
weil sie kein hohes Tempo fährt. Immerhin trotzt sie dem Wind und der
Strecke, sagt mir, ich solle ruhig davon ziehen.
Im Feuerwehrhaus treffe ich sie wieder. Sie ist den Helfern
wohlbekannt. "Na Carola." spricht sie eine an "Wie ist es denn
heute?" Mitleid klingt in der Stimme mit. "Was mag sie wohl
antworten?", denke ich mir. Die Plackerei mit dem Wind, dazu der
Regen und überhaupt... Dann sagt diese Dame jenseits der 60 wie
selbstverständlich einen Satz, der sie für mich zur Heldin des Tages
werden lässt: "Es geht gut heute bei mir. Die Luft ist schön. Durch
den Regen riecht so angenehm." Das Bild hab ich bei den Cyclassics
aufgenommen. Sie war Helferin am Depot in Wedel.
Wenn Du einer von den Leuten bist, die wegen diesem Regen lieber daheim
geblieben bist, dann kommt es noch dicker für Dich, denn nun schaue ich
mir das Mädel genauer an. Sie fährt mit alten, sich auflösenden Turnschuhen,
wohl weil die für sie so bequem sind, hat außer
einer sehr einfachen Regenjacke der Feuchtigkeit nichts entgegen zu
setzen. Riesengelächter am Ziel, als ich ganz aufgeregt sage, dass ich
den Namen einer Frau herausbekommen muss. Nein, anders als die denken. Ich
wollte Carola Hahn von der RG Wedel unbedingt mit vollem Namen erwähnen.
Sie findet 's O.K., ist aber nie im Web unterwegs. Wenn Du sie kennst,
grüße sie bitte herzlich von mir und erzähle ihr von diesen Zeilen.
Ich brauche ein Bild für meine Meldung am nächsten Tag, bitte Isabelle Pantel,
die Tochter von Heiner vom RSC Kattenberg
darum. Das erhielt ich abends auch, aber
sicherheitshalber könnte ich ja eines mit dem Handy aufnehmen, fällt mir
ein. Also, Handy raus und Kameramodus aktiviert. "Der Ladezustand des
Akkus lässt keinen Fotoapparat-Modus zu." meldet es. Das einzige was
heute funktioniert, sind die fleißigen Helfer des RSC.
Einige Helfer sind verärgert über die Teilnehmerzahlen. Nicht wegen
des Wetters, aber weil die RTF Alpe d'Hittfeld nachdem die
Terminkonferenzen abgeschlossen waren auf den gleichen Termin wie die in
Kaltenkirchen und Walsrode gelegt wurde. Diese traditionell stark besuchte
RTF wird den Kattenbergern etliche Teilnehmer aus dem Großraum Hamburg
gekostet haben. Weitere potentielle Teilnehmer hatten sich für den
Kiel-Triathlon entschieden.
Auf dem Rückweg über Voßhöhlen, Bentfurt und Kattendorf geht es
durch eine wunderschöne Heidelandschaft. Leider schließen erst in
Kaltenkirchen die ersten drei Fahrer zu mir auf. Letztlich fuhr ich 95%
der Strecke allein, fühlte mich, als hätte ich die 118 gefahren, die ich
bei frühzeitigen Start gefahren wäre. So verpasste ich in diesem Jahr
den schönsten Streckenabschnitt durch die Holsteinische Schweiz.
Irgendwo unterwegs stehen Heiner und Isabelle, lichten alle
Vorbeikommenden ab. Heiner schickte mir später im ersten Anlauf nur Bilder auf denen ich
zu sehen war. So kam es, dass ich notgedrungen erstmals ein Bild von mir
als Aufmacher wählen musste, was mir peinlich ist, denn ich
war wie immer nicht die Hauptperson. Weitere Bilder werde ich hier bei
Gelegenheit einfügen. Dazu fehlt mir im Moment die Zeit.
Im Ziel treffe ich Rad-Manne, mit dem ich unsere RTF in Lohbrügge
Revue passieren lasse. Ich bestelle drei Stücke Kuchen. Zwei Stück
Käsekuchen für mein Mädel, den sie später loben wird und eines für
mich, bis ich erfahre, dass auf der anderen Seite des Hofes gegrillt wird.
Ich bestelle mein Stück wieder ab und erstehe dafür für zwei Euro eine
riesige wohlschmeckende Schinkenwurst mit Ketchup und einem
Körnerbrötchen.
Auf dem Heimweg aus Kaltenkirchen - der im Gegensatz zum Hinweg nie
ausgeschildert ist - verfuhr ich mich mal wieder, fand die
Autobahnauffahrt nicht. Vorher hatte ich Lutz zum Abschluss gesagt, warum
ich nach Kaltenkirchen kam und dass ich gern
wiederkommen werde. Dann gibt 's hoffentlich endlich auch eigene Bilder von
mir.
Bilder: Isabelle und Heiner Pantel
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