RTF
In die Holsteinische Schweiz des RSC Kattenberg ab Kaltenkirchen - Raus in
die Natur
Endlich hatte es geklappt, dass die RTF In die Holsteinische Schweiz
des RSC Kattenberg ab
Kaltenkirchen in meinem Terminkalender passte. Immer wieder hatten mir
Leute davon vorgeschwärmt, wobei mir entfallen war, was denn das
besondere an dieser RTF wäre. Ich war gespannt. Nach meinem Eindruck nach
meiner Teilnahme ist es die Fahrt durch die Holsteinische Schweiz, nach
der die RTF zu Recht benannt ist.
Es war nicht nur meine erste Teilnahme bei dieser RTF, es war auch das
erste mal für mich, dass ich verstand, warum Leute diese Landschaft
lieben. In meinem Leben war ich schon oft hier, aber noch nie auf so
schönen Wegen durch die Gegend geführt worden. Auf dem einen am Weg
liegenden Bauerhof, der Urlaub auf dem Lande anbot, wäre ich gern für
ein paar Tage eingezogen.
Für
meine Verhältnisse kam ich einigermaßen früh in Kaltenkirchen an, traf
Heiko und Regine vom RV Endspurt und Rad-Mann und Rad-Sanne von der BSG
HHA, zog aber wortkarg gen Anmeldung, um noch einige Bilder vom Start zu
schießen. Die Anmeldung erfolgte in zwei Räumen, getrennt nach
Wertungskarten-Inhaber und Nicht-Inhaber, beide mit kurzen Warteschlangen.
Ich betrat den Raum für die Inhaber, startete die Kamera um das erste
Bild aufzunehmen, die aber meldete nur "Keine Speicherkarte".
So musste ich denn diesen Bericht mit einer Auswahl von Bildern der
Mitglieder des RSC Kattenberg illustrieren. Ich danke für die freundliche
Genehmigung, hätte aber lieber meine Geschichte der RTF mit meinen
eigenen Bildern erzählt. Vor dem Haus hatte ich bereits einige meiner
Kollegen von der BSG Haspa erspäht, zu denen ich mich in den Startblock
gesellte. Es amüsierte mich, wie Henning bezüglich meiner Person
Auskunft gab. "Ja, das ist Helmut." Nach kurzer
Wartezeit ging es auf die Straße.
Mit
über 30 km/h zog der aus Detlef, Detlev, Henning, Martina, Stefan und mir
bestehende Haspa-Express mit abwechselnden Leuten in der Führung dahin.
Im Schlepp hatten wir auch zwei Norddeutsche Rundfunker, die sich an der
Führungsarbeit nicht beteiligen mochten. Der Begriff "Norddeutsche
Rundlutscher" kam mir in den Sinn, aber das passt nicht zu den doch
meist so lieben und von mir stets geschätzten Kollegen. "Das Design
bestimmt das Bewusstsein" schoss es mir ebenfalls durch den Kopf.
Kaum zu glauben, welches Zusammengehörigkeitsgefühl ein einheitliches
Trikot schaffen kann.
Meine Kollegen wiesen mich auf die Besonderheiten der Streckenschilder
hin. Sie sind auffällig geformt, bedruckt mit einem "L" bzw.
"R", damit kein Spaßvogel sie umdrehen kann und beschriftet
für Leute, die sich über diese Schilder wundern, wenn sie in ihrer
Nachbarschaft angebracht wurden. Die Schilder wirkten durchdacht, leider
mangelte es am Ende der Strecke an einigen von ihnen, so dass wir uns vor
Kattendorf verfuhren und in Kaltenkirchen nicht recht wussten in welche
Richtung wir zurück zur Schule gelangen sollten. Einige A...geigen die
uns auf Rennrädern entgegen kamen sahen unsere Verunsicherung, wollten
uns in die Gegenrichtung schicken. Ihr dummes Grinsen hielt uns davon ab
auf dieses Täuschungsmanöver herein zu fallen.
Am
ersten Depot in Todesfelde waren vier Damen unablässig dabei Brote für
uns zu schmieren. Eine davon war Heike Sturm, die und ihr Stephan
bekanntlich auch die Veranstaltungen des BSV unterstützen. Uns wurde ein
einladendes Buffet präsentiert, mit Bananen-, Apfel- und
Salatgurkenstücke, letztere beide in Wasser gekühlt, dazu Bio-Riegel,
Rosinenstuten und Schwarzbrot mit Schmalz. Bei ca. 1.300 Teilnehmern
gingen die ratzfatz weg.
Am zweiten Depot hatten die Helfer Mühe gegen
den Ansturm anzukommen. Man musste halt nehmen was grad fertig geworden
war. Das reichte auch. Eine nette Idee war es einen Jungen mit einem
Leierkasten die Szenerie musikalisch untermalen zu lassen.
Bei so vielen Mitessern sind Engpässe zu den Stoßzeiten entschuldigt.
Helfer gab es genug. Dem RSC Kattenberg war es gelungen aus seinen ca. 150
Mitglieder die stolze Zahl von 60 bereit zu stellen.
Mehr als sonst sah man große Gruppen, teils einheitlich gekleideter
Radfahrer, die keinem Verein angehörten. Das liegt sicherlich daran, dass
sich 22.000 Menschen ja irgendwann auf die nur eine Woche später
stattgefundenen Vattenfall-Cyclassics vorbereiten mussten. Ich fuhr ein
Stück mit "Wessel"
und mit Marc und Romana von den Störtebikern.
Detlef
stich etwas in die Zunge. Total irritiert fuhr er rechts ran, war sich
nicht sicher, ob er weiterfahren sollte. Am Straßenrand stand zufällig
einer mit Speichenbruch, der gleich von einem Versorgungsfahrzeug angeholt
werden sollte. Detlef entschied sich dann aber doch weiter mit uns zu
fahren. Zum Glück schwoll seine Zunge nicht an und er konnte bis ins Ziel
auf dem Rad gelangen.
Zwischenzeitlich wurde die Landschaft immer schöner. Besonders gut
gefallen hat mir der Mühlenbach, der Wardersee und der Ort Garbek selbst
samt der folgenden
schmale Straße durch einen Wald bis nach Müssen. Unsere Gruppe funktionierte
dabei bestens. Laufend wurden bei Bedarf Hand- und Rufzeichen gegeben und
wegen der wechselnden Führungsarbeit kamen wir flott voran. Auf dem
Hinweg, wurden wir von Helfern über die B 432 geleitet, auf dem Rückweg
warnte uns ein unübersehbares Gefahrenschild vor der Kreuzung.
So
wie man ab und zu eine Hand vom Lenker nimmt um zu essen und zu trinken,
so tue ich dies auch um mir Notizen auf mein Diktiergerät zu sprechen.
Dies mache ich seit über fünf Jahren, bin mir sicher noch nie jemand
dabei gefährdet zu haben. Ein Nebenmann beobachtet mich dabei, fauchte
mich an, dass ich so ja wohl nicht bremsen könne. Eine Diskussion mit ihm
schien mir wenig erfolgversprechend zu sein, lieber bremste ich bis ich
genug Distanz zu ihm hatte.
Ich lies mir die Laune nicht vergällen, dazu war es eine viel zu
schöne RTF mit einem Wetter, wie ich es mag: trocken, sonnig, nicht zu
warm, nicht zu windig und doch mit einem bewegten Wolkenhimmel. Aus der
Entfernung grüßte der Fernmeldeturm auf den Klingenberg, über den wir
allerdings nicht fuhren. Kurz vor Todesfelde lag mitten auf der Straße
ein Rennradschlauch. "Wer wohl den schweren Defekt aufweist?", fragte ich
mich. Der Schlauch oder sein ehemaliger Besitzer?
An
mir vorbei fuhr ein "Mitarbeiter des Monats" der Sparkasse
Ost-Holstein, zu erkennen daran, dass er einen an solche Mitarbeiter
zeitweise überlassenen Mini Cabrio fuhr. Der Wagen war so schreiend in
rot-weiß lackiert, dass ich darüber den Fahrer gar nicht wahr nahm. Oder war es eine Frau? Dagegen wirken die Minis der Haspa wie
ein schwarzer Golf. Prompt fuhr neben mir ein Rennradfahrer der örtlichen
Sparkasse, der meinen Eindruck bestätigte.
Am erneut angefahrenen Depot in Todesfelde war eine Rasenfläche mit
Textilband abgesperrt. Das ist praktisch, kann man doch einfach seinen
Lenker darüber heben um sein Rad abzustellen. Julius Hansen vom RV
Endspurt wollte es uns nachmachen, guckte ganz verdattert, weil seiner
locker drüber weg stand. Dafür hat der Mann die richtigen Hebel um beim
OstseeMan als Startschwimmer seiner Staffel durch die See zu pflügen.
Weitaus blöder sah ich wohl mit Zigarette im Mund auf dem Foto aus, das
ein Sadist ins Web stellte und ich dessen Anblick ich Dir erspare.
Auf
dem letzten Stück fuhren wir hinter Todesfelde durch die dank des
verregneten Sommers kräftig blühende Heide, gefolgt von einem herrlichen
Wirtschaftsweg nach Bredenbekshorst, wo dann die Ausschilderung für uns
plötzlich endete. Bis Kattendorf schlugen wir uns auf eigene Faust durch,
stießen dann wieder auf die gewohnten Schilder.
Am Ziel hatte Stevens einen Stand Bekleidung aus der Jeantex-Kollektion
und Fahrbar Kaltenkirchen
einige interessante Räder ausgestellt. Wichtiger war für mich - na klar
- dass es nebenan leckere Würstchen vom Grill gab. Für mich immer wieder
der perfekte Abschluss einer RTF. Aber nicht deshalb, sondern wegen der
schönen Szenerien die sich uns unterwegs boten, werde ich gerne wieder
die RTF mitfahren.
Fotos: K. Bülck und H. Pantel vom RSC Kattenberg
|