RTF Lohbrügge –
Zeit um radsportbegeisterte Menschen zu treffen
Ist nicht schon alles über diese RTF geschrieben worden, fragte ich mich,
wollte erst gar nichts schreiben, aber halt, damit würde ich den Menschen,
denen ich auf der RTF Bis an Lübecks Tore ab Lohbrügge im Jahr 2008 begegnete nicht
gerecht. In jedem Jahr gab es neue bemerkenswerte Begegnungen mit Leuten, die es
wert sind, dass man über sie schreibt.
Was mir besonders angenehm auffiel, war die Vielzahl an Helfern, an der
Anmeldung und dem drum herum ebenso wie am ersten Depot bei Lütjensee und an
der legendären "K4" in Friedrichsruh. In diesem Jahr waren es mehr
als genug, was bei den Helfern und somit auch den Teilnehmern zu einer noch
entspannteren Atmosphäre sorgte. Lange Schlangen an der Anmeldung? Fehlanzeige!
Daneben wurde eine einladende Auswahl an leckeren, belegten Brötchen
angeboten.
Die RTF war eine von denen, bei der man die Langstreckenfahrt-Zeitprüfung
für das Deutsche
Radsportabzeichen ablegen konnte. Die Zahl der sich am
"Schalter" von Kurt Schmidt vom Walddörder SV war gering, aber man arbeitet daran den Erwerbungsmodus dieser Auszeichnung
attraktiver zu gestalten. Knackpunkt ist nicht die Langstreckenfahrt, sondern
die Jahresleistung, für die bislang nur Veranstaltungen des BDR anerkannt
werden.
Zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen von der BSG Haspa war ich als
Parkplatzanweiser und Starthelfer eingeteilt. Weil wir so viele waren, konnte
ich die ganze Zeit in Ruhe fotografieren und mit einigen Bekannten quatschen,
darunter auch Gert, den ich zuvor nur aus dem Forum kannte. Angelockt von den
vielen positiven Vorjahresberichten war er mit einem Freund aus Stralsund
angereist.
Erstmals verlief der Start auch für uns stressfrei, weil die Startrichtung
geändert wurde. Wer von der Anmeldung kam, reihte sich automatisch hinten ein,
musste nicht mehr dazu überredet werden an allen vorbei zu gehen, um sich dann
hinten anzustellen.
Mit ein paar Verhaltenshinweisen entließ unser Spartenleiter Henning Koller
die Teilnehmer in Gruppen auf die Strecke. Die Teilnehmerzahl lag mit 600 im
Vorfeld der Cyclassics weit unter unseren Erwartungen. Diese Zahlen schwanken
ganz erheblich mit dem Wetter. Der unsichere Wetterbericht und der Regenschauer
morgens gegen sieben dürfte uns hunderte Teilnehmer gekostet haben, die ihren
Wecker nicht stellten oder sich nach einem Blick aus dem Fenster im Bett wieder
umgedrehten - dabei blieb es ab acht durchgehend sonnig und trocken.
Einen kurzen Moment fühlte ich mich wie eine Diva, die auf einem Ball eine
Dame im gleichen Kleid entdeckt hat. Julius vom RV Endspurt erschien mit einem
schwarz-rot-geilen Irokesenkamm auf seinem Helm. Seit 2006 trage ich den zu
besonderen Anlässen (Fussball-WM und EM, Vattenfall-Cyclassic), aber na klar,
ich erhebe kein Recht darauf als einziger so rumzufahren. Von mir
aus kann das Mode werden. Bei der WM 2010 sollten alle Radfahrer einen tragen.
Peter Prautzsch von der
Harburger RG hatten einen zehnjährigen
Radsportzögling dabei, den ich nach einem Treffen bei der Alpe
d'Seevetal
irrtümlich als seinen Enkel ausgab. Der junge ist ein Talent, dass von Leuten
wie Peter behutsam an größere Strecken und höheres Tempo herangeführt wird.
Stolz blickten beide in meine Kamera.
Nachdem wir die große Meute der Neun-Uhr-Starter abgefertigt hatten machten
wir uns startklar, sammelten uns vor der Anmeldung. Irritiert hat mich, als ich
scheinbar mein Tourenrad vor mir stehen sah. An dem erstklassig ausgestatteten TrengdDe TDH-10 (Speedhub,
SON, HS-33 etc.) war gar mit dem
IQ Fly der gleiche Scheinwerfer nachgerüstet
worden. Es gehört Hennings Bruder Jan, der meine Empfehlungen gelesen hatte und
ihnen gefolgt war. So wie ich ist mit seiner Wahl zufrieden.
Klemens von den Stötebikern lichtete uns mit meinen Apparat ab, dann fuhren wir
zu zehnt los, hatten dazu zwei Kleinkinder im Schlepp. Die
stolzen Väter fuhren mit ihrer Hängern verständlicher Weise nur die 51 km
lange Runde. Mit einigen anderen fuhr ich anbetracht der fortgeschrittenen Zeit
die 81er-, statt der sonst von mir favorisierten 112er-Runde. Es sieht gediegen
aus,
wenn ein massiver Seitenständer mit Anhängerkupplung an einem filigranen
Rennradrahmen verschraubt ist und dann noch ein großer Hänger daran hängt,
aber es macht Sinn, wenn die Alternative daheim bleiben heißt.
Die Ausschilderung ist besser geworden, bot aus meiner Sicht keine Kritikpunkte mehr. Weil
mein Tacho mal wieder ausgefallen war, fehlte mir ein wenig die Orientierung.
Durch meine Teilnahme an dem über 250 km langen Mitternacht-Radmarathon hatte sich meine
Wahrnehmung verschoben. Zwischen den Depots lagen dort ca. 45 statt wie bei RTF
üblich ca. 25 km. Nun hatte ich immer das Gefühl, die Depots kämen zu früh.
Am ersten Depot war ich baff, wie viele Helfer dort versammelt waren. Grund
war wohl, dass die RG BSV Hamburg versehentlich zwei Betriebssportgruppen um
Betreibung des Depots gebeten hatte. Die Leute von der BSG Otto hätten dies
wohl allein gewuppt, hatten so zusätzliche Hilfe durch die BSG Hochtief. So kamen
16 Helfer zusammen! Die Verpflegung war RTF-üblich. Für kulinarische
Glanzlichter sorgte wie in jedem Jahr die deswegen legendäre K4 in Friedrichsruh im
Sachsenwald.
Außer
mit meinen Haspanesen fuhr ich eine Weile mit Willi Kosmiter von der RV
Germania. Willi erzählte mir von
seinen interessanten Touren, wovon ich gern noch mehr gehört hätte. 1960 war
er mit dem Rad in vier Monaten zur Olympiade nach Rom gefahren. Die Tour mit
dem Rad zu fahren, hatte er lange vorher geplant. Mit dem Auto war es zu teuer.
Um sich darauf vorzubereiten, trat er den Germanen bei.
Bei der legendären Vereinssitzung 1972, bei der die RV mangels Resonanz
aufgelöst werden sollte, war er ebenfalls dabei. Hellmuth Wulff riss damals das
Ruder herum, führte den Verein zu ungeahnter Blüte, dabei war Willi der Mann, der die Jugendabteilung in kurzer Zeit zu heute kaum vorstellbarer
Größe und großen Erfolgen führte. Ach ja, per Anhalter durch Afrika fuhr
Willi auch.
Die K4 ist für alle Routen das letzte Depot. Es wird seit Jahren
federführend von Radsanne betrieben.
Sanne ist Mitglied im Radsportausschuss
der RG BSV und hatte früher exzellente Kontakte zu einem
Fischfeinkost-Großhändler. Zu der Zeit entstanden die Geschichten, die der
RTF ab Lohbrügge Namen wie "Tour de Gourmet" und "Tour der
Lachsschnittchen" einbrachte.
Diese Ehrentitel haben viele noch heute im Kopf, wenn sie auf die Auffahrt
zum Gelände der Otto-von-Bismarck-Stiftung gelangen, auf
dem wir wieder zu Gast sein durften. Als ich wieder abfuhr, kamen mir zwei
Damen von der RV Germania entgegen. Das kurze Stück Kopfsteinpflaster und der
Gedanke, es könne nichts mehr für sie da sein, ließ sie beinahe vom Rad
stürzen. "Gibt es noch Lachsschnittchen?", fragte eine hocherregt.
Nein, denn davon gab es wohl nicht viele, aber frischen
Apfel-/Karottensalat, selbstgebackenen Kucken mit eingebackenen Fahrrad-Emblem,
Pudding, Rollmöpse, Canapés mit Ei und was weiß ich noch allem. Letzteres auf
silbernen Tabletts drapiert, garniert und serviert. Ja, ich weiß, manch einen
widert es an, dass sich Leute freuen, wenn auf einer Radsportveranstaltung nicht nur mit
Bananen und Riegel angeboten werden. Man konnte allerdings auch allein dazu
greifen. Wer dies tat, möge den Leuten ihren Spaß an all den anderen
Leckereien gönnen. Auf einer RTF trifft man eben ebenso Leistungssportler wie
Genußradler.
Weil sich manch einer länger als sonst an diesem Depot aufhielt, traf ich
eine Menge Leute, zuerst natürlich die Helfer, unter ihnen auch Claudia und Hartwig, die
uns durch das Team Kettenfett verbunden sind. Hartwig fotografierte vor Ort.
Seine Bilder findest Du an meine angefügt im Album. Geholfen hat auch
Mounti Dieter
Skodda, 2. Vorsitzender des Radsportverbandes
Hamburg, zu dem sich später mit Manfred Schwarz
später auch der 1. Vorsitzende gesellte.
Geholfen hat auch TrengaDe, dadurch, dass wir Zelte und einen Kleinbus
kostenlos gestellt bekamen. Einen großen Stadtbus stellte die HHA, in dem die
Verpflegung zubereitet und Kontrollstempel verteilt wurden. Neun Helfer
versammelten sich für das Gruppenfoto. Leider liegt mir keine Liste der Firmen
vor, aus denen all die Helfer kamen. Ich bitte um Nachsicht, dass mir nur noch
der NDR, Hamburg Wasser und die
Deutsche Telekom einfallen.
Mit
Clemme sprach ich über sein Radsportprojekt, das uns beide verbinden wird. Was
es ist, wird demnächst verraten. Kurz gesehen habe ich auch Wessel. Ich genoß
es so viele radsportbegeisterte Menschen zu treffen, ließ darüber die
Haspanesen von dannen ziehen, fuhr mit mir fremden Leuten weiter.
Über Escheburg ging es den Elbhang hinab in die Vierlanden mit herrlichen
Bauerhäusern, die Elbe und ihre Nebenarme entlang und dann den Hang wieder
rauf zurück nach Lohbrügge. Dort traf ich auch Gert wieder. Der war
begeistert, will unbedingt wiederkommen. Chef-Veranstalter Volker Heyer war
ebenfalls mit dem Verlauf der Veranstaltung zufrieden.
Unterwegs passierte ein schwerer
Unfall, von dem ich erst aus dem Forum
erfuhr. Ein Heißsporn versuchte kurz nach dem Start zu den ganz schnellen
vorne aufzuschließen. Weil ihm die Slalomstangen in Form der anderen Radfahrer
zu dicht standen, wich er zum Überholen auf den Rasen aus. Vor einer Kurve
fuhr er mit einem Satz wieder auf die Straße, rempelte dabei einen anderen an.
Der stürzte, brach sich das Schlüsselbein und sieben Rippen. Das Rad war
ebenfalls demoliert.
Der Unfallverursacher entschuldigte sich kurz, fuhr dann einfach weiter.
Anhand seiner Nummer wurde seine Identität ermittelt. Ich hoffe, dass
letztlich nicht nur der Verunfallte, sondern auch der Verursacher noch lange an
diesen Unfall zurück denken wird...
Am Ziel war ich bei den Helferinnen wohlbekannt. "Kuchen und Kaffee
sind frei. Bier und Wurst muss er bezahlen. Der frisst so viel." höre ich
eine der anderen "zuflüstern". Vermutlich hatten andere Helfer auch
für letzteres nicht bezahlen müssen. Geschockt bestelle ich nur zwei Stück
Kuchen - für mein Mädel daheim. Ich war ja noch satt von dem, was uns Sanne
bei der K4 zuschob.
Hier findest Du alle Bilder
von der RTF ab Lohbrügge im Großformat
Hier die
Berichte aus den Jahren 2006,
2005 und 2004
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