RTF-Radtour
ab Winsen - Der Ausflug zu Himmelfahrt vor dem Himmelfahrtsausflug
Auf
den Terrassen der Lokale waren noch alle Plätze frei, als ich durch
Undeloh fuhr. Na klar, es war ja noch vor elf Uhr. Unser
organisierter Ausflug mit dem Radel in die Nordheide hatte weit vor den üblichen Himmelfahrtsausflügen
begonnen. Trotzdem war ich dabei die ganze Zeit im Druck. Im Jahr
2005 warteten auf mich noch zu Hause fünf Männer, 32 Karten, zig Flaschen Bier und ein Kanister
Marillenbrand.
Bei der Anmeldung herrschte großer
Andrang. Die Warteschlange der Nicht-BDR-Mitglieder war wie üblich lang,
obwohl auch die an zwei Tischen abgefertigt wurden. Für BDR-Mitglieder
ging alles ganz fix. Wertungskarte abgeben, Startgeld bezahlen und
Wegbeschreibung entgegennehmen, das war 's. Anders als in Hamburg und
Schleswig-Holstein war kein Anmeldezettel auszufüllen, aber leider auch
fünfzig Cent mehr Startgeld zu entrichten.
Mehr geboten wurde
dafür nicht, aber der Preis wirkte auf mich nicht überzogen, man ist
von den RTFs in Hamburg und Schleswig-Holstein halt einfach nur verwöhnt,
bemerkte später treffend Hans-Joachim Wullschläger. Ha.-Jo. hatte in
Süddeutschland auf einer RTF erlebt, dass man an den Kontrollen jedes
Brötchen einzeln bezahlen musste!
Ach ja, sorry, fast
hätte ich die zahlreichen Pokale vergessen, die von Sponsoren
finanziert (nicht wie irrtümlich hier ursprünglich geschrieben
vom Startgeld) nach der RTF verteilt wurde. Da ich in keiner der Kategorien
Aussicht auf einen von denen hatte (zu jung, zu alt, noch nicht lang genug
dabei, etc.), saß ich bei deren Verleihung schon am Kartentisch.
Vor der Anmeldung
treffe ich meine
Kollegin Alexandra Link aus dem Anlage-Management, lasse Sie unter
Hinweis auf meine Klabberjass-Herrenrunde weiterziehen. Ich will einfach
nur schnell die 81er-Runde absolvieren und mich dabei an niemanden binden.
Dann tritt Veranstalter Peter Raddatz auf den Plan. Peter hat das Geschehen im
Griff, weist alle in ihre Bahn und gibt selbige dann frei.
Für
meine Verhältnisse bin ich früh am Start, fahre mit einer der ersten
Gruppen los. Wie befürchtet, fahren in denen besonders viele schnelle
Leute mit, so dass ich schon bald die Gruppe von dannen ziehen lasse und
mich bis zur ersten Kontrolle abwechselnd Einzelfahrern und später
aufschließenden kleinen Gruppen anschließe.
Durch
meine Teilnahme im Vorjahr weiß ich, dass ich keine Furcht vor alkoholisierten
Vatertagsausflügler haben muss. Dafür ist es einfach noch zu früh und
abseits vom Schuss. Wer in den Vorjahren bei der RTF ab Neuwiedenthal mal
durch die fast in jedem Jahr unterwegs anzutreffende große Gruppe Boßler
gefahren ist, versteht vielleicht meine Sorge. Die waren zwar immer
freundlich zu mir, aber ihr nächster Schritt ob ihres Tuns und ihres Zustands nicht berechenbar.
Dafür
sind wieder gefühlt viele Motorrad- und PKW-Ausflügler unterwegs. Meistens
fuhren wir zwar auf verkehrsarmen Strecken, aber es ist halt so, dass
sich darauf die Wahrnehmung verschiebt. Plötzlich empfindet man jedes
Auto als eines zuviel.
Über
Luhdorf und Bahlburg, vorbei an vielen
Spargelfeldern, Vierhöfen und Westergellersen
ereichten wir die erste Verpflegungsstelle in Luhmühlen, wo ich die
ersten Vatertagsausflügler sehe. Sie pumpen Schlauchboote auf, werden
damit die Luhe befahren. Auch nicht schlecht.
Es gibt
Bananenstücke, Waffeln, die anscheinend obligatorischen Müsliriegel von Aldi, dazu
Fruchttee. Als Highlight empfinde ich die Sahneyoghurts, auch von Aldi, aber
lecker. "Hast Du Deine Zähne nicht dabei?" wird mein Nebenmann
angeflachst, als er danach greift.
Ich schnacke mit Peter Prautzsch. Peter ist durch und durch Mitglied der Harburger
RG, zu
erkennen an seiner Vereinsmütze und daran, dass er sich von mir meine
sämtlichen Bilder von deren RTF im Vollformat senden und dann im A4-Format
entwickeln ließ.
Leider gibt 's auch in diesem Verein
weniger erfreuliche Zeitgenossen. Einer hatte mich unter falschem Namen,
also anonym in meinem Gästebuch, also öffentlich wüst beschimpft, weil ich mich über die Verpflegung
und die Solidarität im
Verein bei deren RTF mokiert hatte.
Zitat: "Müsliriegel aus dem Aldi? Die sind noch viel zu gut für Sie!"
Mit Susanne
Plambeck von der RG habe ich mich darüber dann stressfrei verständigt. Es wird wohl einige Leute geben, bei
denen es aus verschiedenen Gründen O.K. sein mag, dass sie bei der
eigenen RTF nicht mithelfen, sondern nur mitfahren.
Was die knappe Verpflegung
betraf, so waren einige Teilnehmer mitschuldig daran. Einige Mundräuber
hatten sich Riegel für daheim und die nächste
Trainingsfahrt ins Trikot gesteckt. Bei der RTF in Winsen gab es wohl
keinen Versorgungsengpass. An der zweiten Kontrolle in Wesel war
jedenfalls noch alles in hinreichenden Mengen vorhanden.
Wie wir
so darüber schnacken, merke ich, wie ich auskühle und beginne zu frösteln.
Es zieht mich weiter in
Richtung Kartentisch. Genau in dem Moment treffen Ingo Ludwig und Axel Loos
vom TSV Bremervörde, meine geschätzten Wegbegleiter bei der CTF in
Kattenberg, an der
Kontrolle ein. Sorry Jungs, dass ich so kurz angebunden war und nicht mit
Euch fuhr. Das holen wir nach.
Es
ging weiter über Putensen, durch 's schöne Eyendorf, dann rauf in die
die
auch im Mai schöne Nordheide nach Lübberstedt,
Egestorf, Schätzendorf und
Sahrendorf vorbei an sanften Hügeln, weiter entlang der Romantischen Heidestraße nach Undeloh.
Dort folgte mit dem Naturschutzgebiet
Lüneburger Heide der für
mich schönste Abschnitt bis hinter Wesel. Dank einer Baustelle fuhren wir
gar einen
etwas längen Bogen, als eigentlich geplant.
Zu meinen Leidwesen
wollen auch viele Auto-
und Motorradfahrer Gefallen diese Szenerie genießen. Was wir in einer
Stunde "erfahren", lassen die in wenigen Minuten vorbeifliegen.
Mein
Arbeitskollege Detlef Schmeelke aus der Revision war dabei lange Zeit mein
Wegbegleiter. Detlef hatte sich im letzten Jahr das Rauchen ab- und dafür das
RTF-fahren angewöhnt, hatte dabei nicht zugenommen, sondern erheblich an
Kondition zugelegt, so sehr, dass ich ihm bei dem Wind und den Steigungen
immer wieder nicht folgen kann.
Ich
genieße den Blick auf die in voller Blüte stehenden, in grellem Gelb leuchtenden Rapsfelder und
ihren
herrlichen Duft. Mein Schnitt liegt bis dahin
unter dem des Vorjahres. Kein Wunder, wo doch der teils stürmische Wind von
Nordwest kräftig an mir und meinem Rad zerrt.
Über Schierhorn, Dierkshausen, Hanstedt,
Schmalenfelde, Brackel und Thieshope geht es in zum Teil berauschenden
Abfahrten raus aus der Heide, dann über Pattensen und Luhdorf
zurück nach Winsen. Der Zettel, auf dem die Route für den Notfall
aufgelistet ist, geizt mit weiteren Informationen. Insbesondere vermisse
ich eine Telefonnummer für den Notfall.
Mir steigt Bratwurstduft vom Stadtfest in die Nase.
In Ermangelung solcher greife ich später in der Turnhalle zu den fettigen
Bockwürsten. Ich hätte mich besser aus dem üppigen Buffet mit
selbstgebackenen Kuchen bedienen lassen sollen.
Insgesamt war ich laut Tacho
89 statt 81 Kilometer gefahren, - das lag wohl an der Baustelle und meinem
anscheinend nicht korrekt justierten Tacho - hatte dabei rund 360 Höhenmeter
überwunden und dem Wind getrotzt. Die durchschnittliche
Geschwindigkeit betrug - ohne Stops gerechnet - 28 km/h, die
Spitzengeschwindigkeit über 50. Mit Temperaturen um die
13 Grad war es deutlich kühler als im Vorjahr 2004, obwohl meistens die Sonne
schien.
In der alten Turnhalle
und an der Straße davor hängen zahlreiche Leute ab. Ich treffe Ha.-Jo.
und Martina Mollenhauer von Nordmann, Rassmann. Martina beklagt sich, dass die Herren sie zu lange im Wind hatten fahren lassen. Das hatte ich
von hinten ganz anders beobachtet.
Der ambitioniert pedalierenden Martina
konnte ich nicht folgen. Die beiden an
ihr hängenden Männern eigentlich auch nicht, waren zu schwach, um aus
ihrem Windschatten zu fahren und zu stolz, sich abfallen zu lassen.
Mein Ärger über meine
falsche Essenwahl verfliegt schon bald ob der Vorfreude auf das ausgelobte Bier daheim.
Es
folgen das Höhenprofil und weitere aufgezeichnete Daten. Die Kontrollstationen sind mit roten Linien
markiert.
Hier findest Du alle Bilder
der RTF Winsen 2005
Und hier die Berichte von der RTF Winsen 2007, RTF Winsen 2006 und RTF Winsen 2004
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