Nordic-Walking-Kurs
in der Lüneburger Heide
Ich geb 's ja zu, ich war
sehr skeptisch, ob ich als ambitionierter Radfahrer und
Gelegenheits-Jogger Freude an dieser Sportart empfinden würde. Von allein
hätte ich diesen Nordic-Walking-Kurs in der Lüneburger Heide sicherlich nie
besucht, aber dieser Schnupperkurs gehörte halt mit zum Vergnügungsangebot unseres
Betriebsausfluges der Organisationsabteilung der Haspa und so ließ ich mich darauf ein, wurde positiv
überrascht.
Nordic-Walking hat in Deutschland das Image eine
Sportart für Hausfrauen, Mütter und Rehabilitanten zu sein. Dass das
völliger Quatsch ist, davon bin ich nach dem zweistündigen Kurs restlos
überzeugt. Es ist wie Skilanglauf ohne Skier. Das angenehme an dieser
Form ist,
dass man sie auch ohne Schnee betreiben kann.
Joachim Schwarzer, Ernährungs-
und Bewegungsexperte vom Nordic-Walking Ausbildungszentrum Schneverdingen
erklärte
uns zunächst einige Grundlagen. Sein Ziel ist ein natürlicher
Bewegungsablauf, den man dauerhaft beschwerdefrei betreiben kann. Dabei
taucht der Oberkörper keineswegs so ein, wie es Rosi Mittermaier und
Christian Neureuther ab und zu im Werbe-Fernsehen vorführen.
Joachim erklärte uns auch die Unterschiede zwischen
den verschiedenen Stöcken, bevor wir uns unser Paar aussuchten.
Nordic-Walking-Trainerin Ise Blechschmidt achte mit ihm darauf, dass alles passte,
damit wir später eine perfekte Einheit mit unserem Gerät bilden konnten.
Nach dem Aufwärmen ließen wir die
Stöcke auf den
ersten mehreren hundert Metern nur schleifen, bewegten sie dann beim Gehen
ohne Bodenkontakt mit und begannen erst dann sie zur Unterstützung des
Bewegungsablaufes einzusetzen. Die klassische Fortbewegungsmethode ist der
Diagonalschritt, bei dem jeweils immer ein Bein mit dem Stock der anderen
Körperseite nach von gesetzt werden.
Ich hatte anfangs enorme Probleme mit der
Koordination meiner Arme und Beine, geriet immer wieder in den unsinnigen
Passgang, bei dem immer Arm und Stock der gleichen Seite nach vorn
schnellen. Dagegen hilft nur Stöcke hochnehmen, Arme locker pendeln
lassen und neu einsetzen.
Abgelenkt wurde ich immer wieder durch Gespräche
mit meinen Kollegen und die wunderschöne in voller Blüte stehende
Heide-Landschaft. Es hat fast eine Stunde gedauert, bis ich den Ablauf
verinnerlicht hatte. Immer wenn ich wieder in den Passgang verfallen war,
ließ ich meine Hinterleute überholen, um einigermaßen unbeobachtet
meinen Rhythmus zu suchen. Zuletzt lief ich allein am Ende unserer
20-köpfigen Gruppe.
Dann aber hatte ich es endlich drauf, fand Gefallen
am rhythmischen Ablauf und setzte zur Verfolgung an. Trainer und Kollegen,
die mich anfangs sicherlich zu Recht als schwierigen Fall eingestuft
hatten, staunten nicht schlecht, wie ich das gesamte langgezogene Feld
überholte.
All zu weit konnte ich mich nicht entfernen, weil
wir zwischendurch statische Kräftigungsübungen vollführten. Das gab
auch den letzten die Gelegenheit wieder zur Gruppe aufzuschließen.
Wer schneller gehen oder laufen möchte, dem verriet Joachim einen Trick, wie man ohne ein Mehr an Zeitaufwand mehr trainieren
kann. Die Zeit beim Zähneputzen nutzt man dafür sich immer wieder auf
die Zehenspitzen zu stellen, kräftigt so ganz nebenbei seine
Wadenmuskulatur derart, dass es sich bei einem Zehnkilometerlauf deutlich
messbar auszahlt.
Als
weitere Einlage probten wir den 1-2-Schritt, bei dem immer beide Stöcke
gleichzeitig nach vorn gesetzt werden. Bei dieser Technik geht der Puls um
ca. zehn Schläge nach oben. Wer mochte, konnte auch den Diagonalschritt
hüpfend ausüben. Das erfordert ebenfalls mehr Kraft.
Nachdem wir ein Stück gegangen waren, wurden wir
einzeln von Joachim fachmännisch beäugt, bekamen Hinweise dazu, wie wir
unsere Gehtechnik verbessern könnten. Zum Schluss stellten sich Männer und Frauen je in
einer Reihe auf, fassten die eigenen Stöcke und die Enden der des
Vordermannes bzw. der Vorderfrau. So marschierten wir zum Spaß zurück
zum Ausgangspunkt.
Nach einigen Abkühlübungen war unser Schnupperkurs
nach ca. zwei Stunden schon wieder beendet. Aus eigenem Antrieb erwarben
einige Kolleginnen und Kollegen spontan an Ort und Stelle eigene Stöcke für
weitere Ausgänge durch die Natur. Wenn mein Mädel, von Haus aus Geherin
und wie ich radfahrverrückt, sich ebenfalls darauf einlassen mag, würde
ich gern einige Jogging-Runden, bei denen sie neben mir mit dem Rad
fährt, durch gemeinsames Nordic-Walking mit ihr ersetzen.
Beim Nordic-Walking werden 85% aller Muskeln
trainiert, die Gelenke dabei geschont, Verspannungen im Schulter- und
Nackenbereich werden gelöst und der Kreislauf kommt auf Touren. 400
Kalorien pro Stunde werden dabei verbrannt, neben der Muskulatur und dem
Herz-/Kreislaufsystem werden dabei auch die Abwehrkräfte gestärkt.
Weitere Effekte sind Stressabbau, Gewichtsreduktion, Verzögerung des
Alterungsprozesses und Freisetzen von Glückshormonen.
Dauerhaft trainiert man am besten mit einem
Herzfrequenzmesser. Mit entsprechend hohem Tempo kann jeder locker bis an
seine Leistungsgrenze gehen. Zum Kennenlernen im Rahmen unseres
Betriebsausfluges war dieser Schnupperkurs völlig ausreichend. Ansonsten
wäre ein eintägiger Grundkurs wohl angebrachter. Das
Nordic-Walking-Ausbildungszentrum in Schneverdingen bietet auch Aufbauseminare
und Trainer-Ausbildungen an. Es geht aber auch ohne. Wer die Technik
beherrscht, kann wunderbar allein durch die Heide nordic-walken.
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