Bike und Hike mit dem MTB in Lenzerheide, Schweiz
Es berichtet Jörg Pape, Spartenleiter MTB der BSG Haspa
Als Sommerabschluss 2008 fuhren wir drei Tage Alpentouren in Lenzerheide, laut Fachliteratur der beste Bikespot der Schweiz. Von Lenzerheide aus starten MTB-Wege der unterschiedlichsten Schwierigkeitsstufen aber alle eingebettet in eine wundervolle Berglandschaft, die immer wieder neue Panoramen bereit hält. Wir hatten in
1.400 m Höhe eine Ferienwohnung gemietet und damit beste Vorraussetzungen für unsere Touren geschaffen.
Am ersten Tag "surften" wir zuerst auf verschlungenen Wegen talwärts, um dann mit einem Anstieg über
1.000 hm den alten Walenserort, Obermutten, zu erreichen. Wir konnten uns gut vorstellen, wie beschwerlich diese Wege vor 100 Jahren für die Bewohner der Bergdörfer gewesen sein musste. Laut Tourenbeschreibung sollte es nach der Überwindung des Hochsattels in das Rheintal noch mal kräftig abwärts gehen, doch es kam anders.
Auf einem schmalen Pfad im Wald kam unser Spitzenmann an einer Engstelle nicht rechtzeitig aus den Klickpedalen und kippte zur Seite. Eigentlich kein Thema, kann man sich doch abrollen - an dieser Stelle ging es jedoch heftig auf einem alten Geröllfeld abwärts. Ein Wunder, dass als Folge nur ein paar blaue Flecken und eine Schnittwunde aus dem Sturz resultierten. Beim Fahrrad, das
20 m tiefer als sein Fahrer zwei Meter hoch in einem Baum hing, fehlten der hochwertige Tacho, das Schaltauge war verbogen und die Laufräder hatten eine acht. Die Geräusche des Abgangs klingen uns noch heute in den Ohren.
An eine Fortsetzung der geplanten Strecke war jedenfalls nicht mehr zu denken und so machten wir uns auf den Rückweg, um dann in Obermutten
erst einmal den Schrecken mit einer Kaffeepause zu überwinden. Am Ende des erlebnisreichen Tages standen
1.600 hm und 50 km als Tagesleistung bei tollem Wetter auf dem Tacho.
Am Folgetag war zunächst Chur das anvisierte Ziel und das bedeutete 700 hm langgezogen bergab fahren. Das durch den gestrigen Sturz lädierte Fahrrad war von einem Bike-Händler repariert worden und wir konnten wieder früh starten. Eine wirklich nette Strecke, fernab von der Hauptstraße, führte uns zu der ältesten Stadt der Schweiz. In der Mittagspause erkundeten wir die interessante Altstadt, waren aber auch über die Bausünden mit den hohen Betonklötzen erschüttert. Von Chur (600m) ging es direkt auf eine Alm in über
1.800 m Höhe und von dort wieder abwärts in einer berauschenden Abfahrt nach Churwalden
(1.100 m).
So macht das Biken unglaublich viel Spaß, zumal entgegen der Ankündigung das Wetter mitspielte.
Schwer hatte es jedoch unser Pauschalreisende mit seinem gusseisernen Fully
(> 15 kg), das heftig an seinen Kraftreserven zehrte. Gemerkt haben die Tour aber natürlich alle und so waren wir am Tagesende nach dem obligatorischen Pizzeria-Besuch richtig müde und fielen bald in den Schlaf.
Am dritten und letzten Tag stand eine hochalpine Tour auf dem Programm. Direkt von Lenzerheide aus schraubten wir uns direkt unter der Seilbahn schnell über die Baumgrenze hoch. Der dort erwartete Übergang war jedoch nicht zu erkennen. Sollten wir hier wirklich noch höher und über den Berg? Eine Hilfe waren uns andere Biker, die uns in der Ferne tragend und schiebend entgegen kamen. Oha, da sollen wir noch rüber? Irgendwann hatten wir es dann aber auch geschafft, uns und unsere Räder über das Urdenfürggli mit über
2.500 m Höhe zu wuchten.
Von dort ging es durch eine Senke mit Geröllfeldern über einen 40 cm breiten Pfad Richtung Arosa zur Hörnlihütte, dem höchsten Punkt unseres Schweizaufenthaltes.
Sie liegt am Fuße des Matterhorns in einer Höhe von 3.260 m. Ein fantastischer Blick über Arosa und die Ost Schweiz bis hin zur Silvretta war die Belohnung.
Über einen tollen Höhenweg ging die Strecke ohne große Anstiege am gesamten Tal entlang - immer mit schönen Ausblicken auf die Umgebung - unglaublich, von diesen Momenten zehrt man noch Jahre lang. Jetzt hatten wir zum Abschluss nur noch einen einfach zu überwindenden Anstieg zum Churerjoch vor uns, doch der stellte sich als unerwartet schwierig heraus.
Zunächst ging es einen knackigen Wiesen- und Waldpfad schiebend hinauf. Nach einem erholsamen Straßenanstieg wähnten wir uns bei dem Alpengasthof Hühnerschöpf schon am Churerjoch, doch das Joch war nur über einem schmalen Stieg oder durch Überwindung eines Hochtals - mit zusätzlichen 150 hm erreichbar.
Wir entschieden uns nach Diskussion für den Stieg. Dieser Pfad war so schmal und an den Seiten abschüssig, dass die Räder nicht geschoben sondern getragen werden mussten. Aber auch dieses Teilstück brachten wir hinter uns und ab dem Churerjoch Haus ging es bis Lenzerheide nur noch abwärts - ein Traum.
Es waren nur wenige Tage in der Schweiz, doch diese bescherten uns unglaublich schöne Eindrücke. Mal schauen wohin es uns nächstes Jahr verschlägt.
Calimero, Vadder Abraham, der Pauschalreisende und der Felgenbremser
Die Bilder im Großformat findest Du hier:
Bilder
von den MTB-Touren in Lenzerheide, Schweiz
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