CTF
in Großhansdorf der RV Endspurt
Mir schwante böses, wie ich
plötzlich kurz ins Leere trat. So kam 's dann auch. Der Drehgriff der
Schaltung wirkte nur noch in eine Richtung. Also, runter vom Rad und erst mal
nachgeschaut. Die Drehmomentabstützung der Rohloff-Schaltung hatte sich
gelöst, sich dadurch die Schaltung in den Ausfallenden gedreht und dabei einen
der beiden Seilzüge so auf Spannung gebracht, dass der aus seiner Adapterkappe
gerissen wurde.
Konsequenz:
Ich konnte nur noch im ersten Gang fahren. Meine Gruppe hatte ich schon
vorher ziehen lassen. Vor dem Start der ersten CTF der RV Endspurt im Jahr
2004 teilten wir uns auf dem
Sportplatz des SV Großhansdorf selbst in Gruppen à ca. 25 Teilnehmer ein. Die erste sollte eine schnelle Runde drehen. Zusammen
mit Henning Koller (Rev) und Matthias Langendorf (TR) entschied ich mich
für die zweite, hätte lieber die dritte nehmen sollen.
Das
Gros der Teilnehmer saß auf einem MTB oder ATB. Einige wenige fuhren ein
Crossrad oder Trekkingbike. Mit meinem
schwerem Tourenrad, mit Nabendynamo und absolut pannensicherer Stadtbereifung
war ich gegen die Fraktion der Mountainbiker auf ihren leichten
Rennern mehrfach gehandikapt.
Letztlich
lag es aber nicht an meinem Rad, dass ich der Gruppe nicht folgen konnte,
sondern an einigen Teilnehmern. Diese CTF sollte in Gruppen zu Ende gefahren
werden. Die Ausschilderung war nicht darauf ausgelegt, dass man die
Strecke allein hätte fahren können. Nach jeder Verengung des Wegs, bei
der sich die Gruppe zwangsläufig in die Länge zog, gaben die
Vorausfahrenden wie blöde Gas, taten letztlich ihr bestes dafür, dass es
die Gruppe zerriss. Vor mir hatten schon zwei weitere Fahrer beschlossen,
auf die nachfolgende Gruppe zu warten.
Der Schlussfahrer in
"meiner" Gruppe war sehr um mich bemüht, aber es reichte nicht.
Ich sagte ihm, man solle mich einfach abreißen lassen. Da hatten wir
bereits die Hälfte der 44 Kilometer langen Runde abgefahren. Mitten im
Hahnheider Forst, innerlich schon auf den Hahnheider Berg und die folgende
Verpflegungsstation eingestimmt, verabschiedete sich kurz darauf der
Seilzug aus seiner Verankerung.
Bis
auf die nervigen Tempoverschärfungen war bis dahin alles super gewesen.
Das Wetter war für einen Tag im Februar einfach toll. Die Wege waren
überwiegend trocken, teilweise schien gar die Sonne und die Route hätte
man wohl nicht besser ausarbeiten können.
Wir fuhren über Hoisdorf,
Lütjensee, entlang des Ufers des
zugefrorenen Lütjensees und über Grönwold in den Hahnheider Forst. Bis auf einige wenige, sehr
kurze Abschnitte fuhren wir nur auf Wald- und Wanderwegen, durchquerten
einen Bach, umkurvten rumliegende Äste und balancierten über schmale
Stege. Es bedurfte sicherlich exzellenter Ortskenntnisse, um diese
wunderschöne Strecke zusammenzustellen.
Die dicken Handschuhe hatte ich
schon vor dem Start wieder ins Auto gelegt. Nachdem ich mich warm gefahren
hatte, hätte ich gern ein noch dünneres Paar angezogen. Meine
gefütterte Jacke erwies sich ebenfalls als zu warm für das flotte Tempo.
Auf der langsamen Rückfahrt war sie dann genau richtig.
Was
sollte ich nun mit meinem defekten Rad tun? Hahnheide liegt zwar nicht am
Arsch der Welt, aber vom Hahnheider Berg aus hätte ich ihn bestimmt schon
sehen können. Ich entschied mich für 's Radfahren und dafür, mir den Tag nicht
vermiesen zu lassen. Ich hatte selbst Schuld, wusstee, dass an
Drehmomentabstützung ein Splint fehlte.
Der erste Gang bei einer
Rohloff-Schaltung entspricht dem ersten einer 27-Gang-Kettenschaltung. Mit einer Entfaltung
von ca. 1,80 Meter pro Pedalumdrehung trat ich den Rückweg an. Bei 90
Pedalumdrehungen pro Minute erreichte ich ein Tempo von etwa 10 km/h,
frönte bei jedem kleinen Gefälle tief auf den Lenker gebeugt dem
wohligen Rausch höherer Geschwindigkeiten. Über zwei Stunden war ich so
unterwegs.
"You got to enjoy your
trip."
An diese Worte eines libanesischen Asylbewerbers musste ich immer wieder
denken. Ich traf ihn in den 80ern mehrmals mit dem Rad auf unserem Weg von
Hamburg nach München. Ich auf Urlaubstour, er mit einem geschenkten Rad
auf dem Weg zu seiner neuen vorübergehenden Bleibe bei einem
Bekannten.
Immerhin
hatte ich vom Veranstalter eine Übersichtskarte in der Hand, die mir eine
grobe Orientierung ermöglichte, trotzdem musste ich mehrmals nach dem
kürzesten Weg fragen und verfuhr mich doch. Zuerst führte mich der Rat
eines irritierten Forstarbeiters ("Großhansdorf?") in einer
Schleife über Linau nach Grönwoldt. Gemäß einem Straßenschild
waren es noch vier Kilometer bis nach Lütjensee, das Schild am
Radwanderweg zeigte nur drei Kilometer an. Klar, dass ich mich für den
kürzeren Weg entschied, der mich zum falschen Ende dieses langgezogenen
Ortes führte.
In Lütjensee sah ich viele
Langläufer, fragte einen nach dem Weg und erzählte ihm von meinem
Malheur. Der erwies sich als sehr nett, plauderte während des Laufes mit
mir, schaute gar in seiner Karte für mich nach der Lage seiner nächsten
Verpflegungsstation nach, damit ich dort nach dem Weg fragen könnte.
Martin Lieb vom Speed Team Elbe Hamburg nahm mit vielen anderen am 75
Kilometer langen Marathon von Lübeck nach Hamburg teil.
Aus seiner Sicht trafen wir uns bei
Kilometer 38. Er war morgens bei 15 Zentimetern Neuschnee gestartet, wirkte
immer noch locker, unterhielt sich ganz unaufgeregt mit mir. Kein Wunder,
der Mann ist freiberuflicher Personal-Fitness-Trainer in Hamburg. Sein
Trainingsangebot findest Du in der Rubrik "Laufen/Triathlon" bei
den Links.
Ich
war mir nicht sicher, ob am Ziel noch jemand auf mich wartete. Zu meinem
Erstaunen lagen da noch viele Wertungskarten. "Das sind unsere
Genussradler" wurde mir berichtet. Eigentlich hätte man mir die drei
Wertungspunkte verwehren können, da ich ja die Tour abgebrochen hatte.
Weil ich den zweiten Teil unter verschärften Bedingungen gefahren hatte,
bekam ich die trotzdem, erhielt mündlich einen Extra-Punkt und ein
tagelanges Ziehen in den Oberschenkeln dazu.
Bei einer RTF verkauft üblicher
Weise der gastgebende Verein am Start und Ziel Essen und Getränke. Es gab
wohl bei
dieser CTF anfangs auch kostenlos Kaffee und Brötchen, ansonsten konnte man sich
im Vereinsheim bewirten lassen.
Ca. 70 Teilnehmer hatte man erwartet, über 120 waren gekommen. Die
wollten aber anscheinend nach dieser schönen und auch anstrengenden Tour
lieber gleich nach Hause. Im Vereinsheim saß jedenfalls niemand mehr. Schade,
ich hätte gern noch mit einigen Radlern über dies tolle Tour geplaudert.
Es folgen die Tachoprotokolle. Die rote Fahne zeigt die Panne an.
|