Etappen-CTF Trans-Aschberg - Dem Alltag entflohen
Die Etappen-CTF Trans-Aschberg war eine in
mehrfacher Hinsicht ungewöhnliche CTF: Sie ging über zwei Tage, wodurch
wir mehr Zeit als sonst hatten um die Gegend und die Teilnehmer
kennen zu lernen. Wir fuhren an jedem Tag zwei Etappen, wobei uns die
ersten Routen zurück zur Pause in der Jugendherberge führten. Dies
vereinfachte nicht nur die Bereitstellung der Verpflegung. Man konnte
sich vor Ort erleichtern und das Rad neu richten.
Armin und die Jungs der MTB-Gruppe der RG
Kiel hatten herrliche Routen in und um den Naturpark
Hüttener Berge - westlich von Eckernförde - für uns
ausgearbeitet: Sanfte Hügel, mehr noch als in der Holsteinischen
Schweiz, die Schlei und hügeliege Wälder, die Teils an den Harz
erinnerten. Das Wetter meinte es gut mit uns. Es war meistens sonnig,
wenn auch windig, was bei einer CTF kaum stört, weil einen meistens die
Landschaft vor dem Wind schützt.
Wir
teilten uns in zwei Gruppen auf, die sich nur etwas im Tempo
unterschieden. Die stärksten steckten etwas zurück, sehr
"schwache" waren nicht dabei oder vielen nicht als solche auf,
weil wir wegen zahlreicher Pannen viele Zwischenstopps einlegen mussten.
Pannenkönig wurde Thali. Immer wieder stoppten ihn und uns drei Schleicher in seinem Vorderreifen in
Folge. Niemand konnte die Ursache finden. Mit versagte das
Ventil im Hinterrad den Dienst. Mein alter Reserveschlauch war von der
langen Lagerung eingerissen. Stefan, Mountainbiker mit Emigrationshintergrund
vom RV Blitz Saarbrücken gab mir
seinen gegen eine kleine Spende für die RG Kiel.
Einem ging der Umwerfer kaputt. Am nächsten
Tag baute ihm Sven einen aus seine Lagerbeständen ein. Ich hatte wie üblich
mehr Pech mit der Technik. Mein GPS-Gerät spann mich auf der Hinfahrt
voll, versagte auch in den Wäldern den Dienst. Dadurch hatte ich mich
auf der Hinfahrt mit dem PKW verfahren, hatte es nicht mehr geschafft
einen Geldautomaten anzufahren. Als ich am Sonnabend abends Geld holen
wollte, versagte die Auto-Batterie den Dienst. Dank Herr Schnell vom
ADAC - der Name war Programm - und der Starthilfe am nächsten Tag von Thali
gelangte ich wieder heim.
Jede
Gruppe wurde von einem Kieler geführt. Mindestens ein weiterer achtet
an deren Ende darauf, dass niemand zurück blieb. Untereinander verständigten
sie sich mit Sprechfunkgeräten. Die Routen gaben ihnen zwar GPS-Geräte
vor, aber im Zweifel wussten Armin & Co. es besser als die unzuverlässige
Technik. Unterwegs trafen wir nur wenige Leute, die meisten davon gut
drauf, der einzig unentspannte war ein pöbelnder Radfahrer, der uns auf
einem Radweg entgegen kam. Wir waren ihm nicht schnell genug
ausgewichen.
Wir hatten viel Zeit um miteinander zu
quatschen, wozu auch das meistens moderate Tempo beitrug. So konnte ich
dann unter anderem mehr oder minder ausgiebig mit Thali
vom SC Ottensen über die
kommende Saison, mit Gerald
("Motta")
vom TS Riemann über Brevet im allgemeinen und
Armin
("quasarmin")
über
Paris-Brest-Paris schnacken. Man hatte auch genug Ruhe um den Blick über
die für Norddeutschland ungewöhnliche Landschaft schweifen zu lassen.
Mulmig
wurde mir, als wir in einem Wald durch ein Spalier johlender
Jugendlicher fahren mussten, die mittelalterlich verkleidet und mit
Schwertern bewaffnet waren. Dabei waren es
friedliche Menschen, bestens gelaunt. Die Leute von der Waldjugend
hatten ein großes Camp im Wald aufgeschlagen. Welche Droge muss man
nehmen um so seine Freizeit zu verbringen, fragte einer auf einem MTB.
Ich denke, dass die sich wie wir nur eben etwas anders an der Natur
berauscht hatten.
Die Unterbringung hätte für den geringen
Teilnehmerpreis wohl nicht besser sein können. Die Jugendherberge
Aschberg hatten wir für uns allein, konnten uns nach Belieben auf
die Zimmer aufteilen oder im Wohnmobil oder Zelt davor campieren. Die
Verpflegung reichte nach meinem Empfinden von gutem Standard (Versorgung
in den Pausen), über gut (abendliche Würste vom Grill, Getränkeangebot)
bis sehr gut. Kulinarische Glanzlichter waren die Spaghetti Geflügel-Bolognese
zum Abendbrot, die selbstgemachten Marmeladen und Gelees von Sieglinde Körner
zum Frühstück und mein mitgebrachter Schlauch mit fünf Litern Farnese
Sangiovese von Jacques Wein-Depot.
Das Haus samt der darin befindlichen Großküche wurde von Gustav und
seinen Mitgliedern der RG Kiel liebevoll für uns betrieben, Verpflegung
in den Pausen und nach den Touren bereitgestellt, der Abwasch erledigt und das
Haus für die Nachmieter wieder hergerichtet.
Ich
ärgerte mich wieder über die auf Anstiegen hakelige Kettenschaltung am
MTB meines Mädels, die zu Anfang völlig verstellt war und trotz Arnes
Einstellarbeiten auch später mich oft an meine geliebte Rohloff-Schaltung
denken ließ. Die Qualität des an dem Rad verbauten Dämpfers und
Federgabel ließen mich zweifeln, ob zumindest für diese CTF ein Cross-
oder Cyclocrossrad nicht doch die bessere Wahl gewesen wäre. Letztlich
war es aber unerheblich mit was für einem Rad man unterwegs war.
Dass die Materialwahl zweitrangig sein kann,
wenn man denn nur sein Ziel erreichen möchte, bewies abends Armin mit
seinem Vortrag von seiner erfolgreichen Teilnahme beim Super-Brevet Paris-Brest-Paris.
In maximal 90 Stunden waren dabei 1.200 Kilometer zu bewältigen. Armin
zeigte uns ein Bild von einem Teilnehmer auf einem Oldtimer mit
Zweigang-Schaltung. Tritt man vorwärts, fährt das Rad im ersten Gang,
tritt man rückwärts, im zweiten. Das geht auch... Für weitere
Kurzweil und Erheiterung sorgte Bernd von Tri-Sport-Lübeck mit seinem
launigen Vortrag über MTB-Alpentouren.
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