CTF
Kattendorf-Struggle des RSC Kattenberg - Auf die nette Tour
Ein gutgelauntes Rekordfeld von 170 Teilnehmern verlebte eine Country-Tour
des RSC Kattenberg mit vielen netten Leuten. Über 20 Guides führten über
zehn Gruppen abseits der Straßen über Feld-, Wald- und Wanderwege. Das
Wetter spielte mit, wenn auch die Wege durch den Regen der letzten Tagen teils
tief matschig waren.
Mein Entschluss zum zweiten an dieser CTF
teilzunehmen, stand seit zwei Jahren fest. Im ersten Jahr hatte es mir
super gefallen, 2006 war ich auf Familienbesuch in Polen, 2007 gab es
erneut kein Halten mehr. Auch der Gedanke daran, dass ich Lilas
Mountainbike vorher für mich und hinterher wieder für sie umrüsten
müsste, konnte mich nicht davon abhalten. Zum Glück lieh mir dann aber
dann aber mein Händler Thomas Wiencke von der Luftpumpe Hamburg sein
edles Bergwerk Faunus Endurance, an dem
ich nur meine Pedale anschrauben musste.
Obwohl
frühzeitig in Kattendorf angekommen, bleibt mir nur wenig Zeit für ein
kurzes Schwätzchen mit Forumsmitglied Fülle und Arbeitskollege Detlef
Schmeelke. Detlef und Henning Koller sind in vollem
Team-Haspa-Winter-Wichs aufgelaufen. Ihre Einladung, eine gemeinsame
Runde zu fahren, schlage ich lieber aus. Die beiden sind mehr oder
minder fitter als ich. Außerdem will ich mir Zeit für Fotopausen
nehmen.
Unter der ebenso souveränen, wie lockeren
Aufsicht von Stephan Habeck sortiert sich das Feld selbst dadurch, dass
man sich am Start zum passenden Schild stellt. Die verschieden schnellen
Gruppen für die Lang- (68 km) und Kurzstrecke (35 km) sind jeweils mit
A, B und C ausgeschildert. Die 48 Kilometer lange Mittelstrecke wird in
vier Tempi angeboten.
Detlef
und Henning entscheiden sich für die zweite, ich für die vierte. Heike
und Stephan Sturm kannte ich als Aktivisten der BSG Jungheinrich und des
BSV Hamburg. Zu meiner Überraschung kann ich sie nun auch als
Mitglieder und Helfer des RSC Kattenberg erleben. Mit Sven Vogt grüßt
ein weiterer Jungheini.
Als es mit unserer losgehen soll, erweist sich
diese als zu groß. Kein Problem. Von den zahlreich bereitstehenden
Guides werden einfach zwei weitere eingeteilt, um die Gruppe teilen zu
können. Es warten so viele Guides darauf eine Gruppe übernehmen zu
können, dass der RSC Kattenberg gar einige Mitglieder als normale
Teilnehmer mitfahren lassen kann.
Lutz
schanghait mich und meinen Gesprächspartner und Forumsmitglied Thali
gleich mit für seine neue Gruppe. "Komm, wir waren fahren eine
gemütliche Runde." ruft er. Mein Nebenmann stellt sich mir als
Forumsmitglied Olli vor. Lutz weist uns auf die wichtigsten
Gefahrenstellen hin. Jörg hängt sich als zweiter Führer hinten dran
und los geht's.
Gleich im ersten Waldstück stehen zwei Radler
ihre Reifen flickend. Das erfordert Nerven und Geschick, damit bei dem
Matsch kein Sandkorn in den Mantel eindringt und man gleich wieder
flicken muss. Lutz bietet seine Hilfe an. Wir fahren langsam weiter bis
wir wieder komplett sind. Wenig später kommt uns ein Crossradfahrer
sein Rad vorne hochhebend entgegen. Das Vorderrad ist eingeknickt. Er
warnt uns vor der nächsten Holzbrücke, auf der es extrem glitschig
sein soll.
Anfangs
ist die Strecke scheinbar voller Radler. Durch die Pannen fahren wir auf
andere auf, werden ob unseres langsamen Tempos von der 34 Kilometer
fahrenden U14-Jugendgruppe
überholt, die wir später noch öfter trafen. Wir fahren durch den
Staatsforst Segeberg Endern und näher uns zunehmend dem Alsterlauf, dem
wir immer wieder für ein kurzes Stück folgen. Leider gibt es so weit
oben an der Alster keinen durchgehenden Wanderweg, dem man folgen
könnte.
Die Waldstücke sind gut befahrbar, aber je näher
man der Alster kommt, um so matschiger wird es. An einigen Stellen ist
der Matsch dünnflüssig und man könnte meinen, dass er von den vielen
ihn durchwühlenden Räder bald Blasen schlagen wird. Die wenigen
Menschen, die uns auf den teils sehr schmalen Wegen entgegen kommen,
grüßen wir freundlich und umkurven sie vorsichtig.
Ich
sorge mich, dass ich mich mit dem Fotoapparat bei geöffneten Objektiv
in der Hand samt Thomas Rad in den Matsch legen könnte. Während der
Fahrt bei einer CTF zu fotografieren ist erheblich schwieriger als bei
RTF. Am Ende dieses Berichts findest Du Links auf 65 Bilder und das
GPS-Protokoll der Tour.
Immer wieder hält der Untergrund Überraschungen
bereit. Thomas Rad verhält sich souverän dabei. Von der ersten Minute
an fühle ich mich wohl darauf. Mit seiner Vorder- und
Hinterrad-Luftfederung trägt es mich wie auf einer Sänfte über alle
Unebenheiten, lässt sich stets sicher beherrschen, nur mit der
Schaltung hadere ich.
Es
ist eine Shimano XT mit Dual-Control-Griffen für die XT-Scheibenbremsen.
Wie man die bedient, lies ich mir erst am Start von einem freundlichen
Mitradler erklären. Die XT reagiert schnell und exakt, aber wenn wie
jetzt Kette und Kassette in Matsch eingehüllt sind, ist eine
Kettenschaltung nur zweite Wahl. Ich trauere der Rohloff-Schaltung
meines Trekking-Bikes hinterher. Der ist der Matsch egal und sie lässt
sich logisch immer nur Gänge auf- oder runter schalten.
Bis dahin waren wir in der Tat gemütlich
unterwegs, warteten immer wieder bis auch der letzte wieder Anschluss an
unsere Gruppe gefunden hatten. Lutz und Jörg achteten fürsorglich
darauf, dass es allen gut ging und niemand abgehängt wurde. Wer wollte,
konnte sich zurückfallen lassen, um der mit der folgenden Gruppe zu
fahren. So Schloss sich dann ein Mädel, dem unsere Vordergruppe zu
schnell war uns an.
Wer
mochte, konnte ab und zu eine Abkürzung durch den Wald nehmen. Olli
ließ keine Gelegenheit dazu aus, hatte andererseits aber auch die Ruhe
angeregt mit mir über Gott und die Radwelt zu plaudern. Thali erzählte
mir von seinen Radmarathons in Skandinavien, von der die Vätternrundan
für ihn der mit Abstand schönste ist, lädt mich und mein Mädel
spontan ein, ihn und seine Kumpels und Gefährtinnen zu begleiten.
Wen wir sonst unterwegs zu Fuß mit oder ohne Hund
oder Nordic-Walking-Stöcker antrafen, der wurde von uns freundlich
gegrüßt. Eine Familie war einigen Teilnehmern persönlich bekannt.
Nach einem kurzen Plausch entließ uns der mit Abstand jüngste Spross
der Familie mit den Worten "Viel Spaß. Und nicht lahmarschig
sein."
Das
waren wir denn ja auch nicht. Auf dem weichen Belag kostet jeder
Kilometer mehrfach Kraft. Wir treffen auf den nächsten Unglücksraben
mit einer Panne, der keine Luftpumpe dabei hat. Lutz kann helfen. Dabei
fällt mir ein, dass ich ebenfalls auf die Solidarität der anderen
angewiesen wäre. Die Autoventile meines Reserveschlauches hätten nicht
durch die auf Sclaverand-Ventile ausgearbeiteten Felgen an Thomas Rad
gepasst.
An der Verpflegungsstation vorm Duvenstedter Brook
gibt es Erikas heißen Fliederbeer-Punsch. Ich hoffe, dass er wieder so
lecker ist, wie vor zwei Jahren. Erika hofft es auch und behält Recht.
Dazu gibt es Tee, Bananenstücke, Rosinen- und Schwarzbrot mit Wurst und
Käse sowie Fruchtschnitten von Schneekoppe.
Zu
den Helfern dieser RTF gehören auch einige Fotografen, die hunderte
Bilder am nächsten Tag auf der Homepage des RSC veröffentlichten.
Einer hält mir seinen Apparat direkt vor 's Gesicht, so als gelte es zu
beweisen, dass der Yeti auch dabei war.
Lutz bläst wieder zum Angriff und als wir wenige
Meter weiter vor einer querenden Strasse halten müssen, trägt eine
Frau den neben mir stehenden Jugendlichen ein Platte selbstgemachten
Apfelkuchen hinterher. Mit meinen 49 Lenzen lässt sie mich als
Jugendlichen durchgehen und ein Stück nehmen. Mit dem leckeren
Beutestück auf dem Rad in der Hand werde ich dann erneut abgelichtet.
Einige
meiner Mitfahrer und die XT leisten sich nun die ersten Schwächen. Erst
vorn, dann hinten sprint die Kette beim Schalten ab. Einmal sehe ich,
wie sich die Kette ums Kettenblatt verknoten will, höre gerade noch
rechtzeitig auf zu pedalieren. An den leichten und kurzen Steigungen
steigen nun die ersten ab um zu Schieben. Unerschütterlich und
freundlich achtet Jörg darauf, dass uns niemand abhanden kommt.
Meine Oberschenkel signalisieren mir, dass 48
Kilometer heute völlig ausreichen, um meinen Bewegungsdrang zu stillen.
Um die Extra-Runde durch den Wohldorfer Wald und den Duvenstedter Forst
mit den Langstrecklern zu fahren, hätte ich nicht nur weiter, sondern
auch erheblich schneller fahren müssen.
Mir
wird's langsam zu warm in den dünnen langen Handschuhen und unter der
Windstopper-Helmuntermütze, plünne mich nicht ab, obwohl ich die
Sachen in meinem Trinkrucksack verstauen könnte. Meine wasserdichten,
neuen hochschaftigen MTB-Schuhe spüre ich kaum. Neopren-Überschuhe
sorgen für die nötige Wärme.
Elke Wieland vom RV Endspurt erzählt mir von der
CTF "Bis in die Holmer Berge" der RG Wedel, die ich als
nächstes fahren möchte. Sie berichtet von schöner Natur, einer vom
Schwierigkeitsgrad vergleichbaren Strecke und dem Pech, dass sie mit
zwei weiteren Mädels abgehängt wurde, die drei sich allein zurück
nach Wedel durchfädeln mussten.
Zurück
am Sportplatz angekommen spült jeder sein Rad ab. Ich hätte auch noch
selbst duschen und mich umziehen sollen. Später auf dem Heimweg wollte
ich nur ein paar Brötchen kaufen, hätte mich in der bis
auf die Straße reichenden Warteschlange vorm Cafehaus in Rahlstedt
beinahe erkältet.
Es gibt Gemüsesuppe. Nix für mich, mehr was für
mein Mädel. So wie der selbstgebackene Käsekuchen, von dem ich ihr ein
Stück mit Heim nehme. "Warum hast Du mir nicht zwei mitgebracht? Der
schmeckt wie von meiner Mutti in Polen." muss ich mir dafür daheim
anhören. Der Mandelkuchen war ebenfalls oberlecker.
Ansonsten bin ich ziemlich platt, wiederstehe gar
Beates Charme, mit der ich sonst gern noch geplaudert hätte, z. B.
darüber, dass Kattendorf eines der Epizentren des Radsports in
Norddeutschland ist. Aber dazu findet sich bestimmt eine Gelegenheit beim
nächsten "Kattendorf-Struggle".
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