Endspurt-CTF
ab Großhansdorf - Nicht jeder bewegt sich so entspannt durch Wald und
Flur
Da war Matthias doch überrascht: Obwohl er als Ahrensburger gleich um die Ecke wohnt und oft mit dem Rad
durch die Gegend fährt, zeigte uns die Endspurt-CTF so manch schönen
neuen Weg. Mit der letzten, also der langsamsten Gruppe auf der geplant 33
Kilometer langen Kurzstrecke haben wir die entspannt abgeradelt.
33 waren uns eigentlich zu wenig,
aber die zweite angebotene Strecke war uns mit 66 Kilometern wiederum zu
lang. Wir wollten etwas über 50, die wir auch zusammenbekamen. Je sieben
fuhren wir von Ahrensburg zur CTF hin und wieder zurück. Weitere fünf
gewannen wir dadurch, dass sich unsere Gruppe verfuhr. Niemand war böse
darüber, am wenigsten wir.
Auf
dem Hinweg hatte ich Pech: Matthias hatte ich grad noch vor dem am Wegrand
liegenden Hundekot warnen können, fuhr aber selbst hindurch. Den
Vorderreifen verunstaltete von da an ein brauner Fleck, der sich aber schon
bald zunehmend verflüchtete. Außerdem
hörte ich ein schrabendes Geräusch am Hinterrad, das nur aus der
Scheibenbremse kommen konnte.
Nervig an Bremsen dieses Typs ist, dass man sie
nur umständlich kontrollieren und einstellen kann. Um mir ein genaues
Bild von der Lage der Beläge machen zu können, ging ich vor dem Start in die Hocke,
stützte mich am Tretlager ab und Griff voll in die Sch... Das brachte uns
Glück. Es wurde eine schöne Tour.
Zu meiner Überraschung lag die
Teilnehmerzahl mit von mir geschätzten ca. 100 deutlich unter meinen Erwartungen.
Das Wetter war nicht schlecht. Regen war erst für den Nachmittag angesagt
worden. Das sollte einen Winterfahrer doch nicht abschrecken. Die
Veranstaltungen des RV Endspurt genießen nicht nur bei mir einen guten
Ruf und diese CTF wurde bereits zum vierten Mal ausgetragen. Woran also
kann es gelegen haben, dass nicht mehr Leute kamen? Vermutlich daran, dass
nach der Umgestaltung der Strecke vor zwei Jahren keine mittlere mehr
angeboten wird.
Wir
rollten zunächst in ein Waldgebiet, in dem sich unsere Führer Kolja
Krohn und Sabine nach kurzer Zeit verfuhren. In einem Bogen fuhren wir
wieder zurück in Richtung Start, bis Kolja dies bemerkte. Er fragte nach
dem Weg und hatte das Pech eine ortskundige, sehr freundliche Autofahrerin
anzusprechen. Pech deshalb, weil sie zwar die Straßen und Radwege genau
kannte, wir aber
doch gar keine Radwege fahren wollten, sie aber ließ sich nicht davon abbringen
ihm helfen zu wollen.
Amüsiert berichtete ich Matthias
davon, dass Kolja in der Klemme saß. Matthias kannte beide, die Rad- und
die Forstwege, konnte Kolja wie gewünscht beraten und so gelangten wir
kurze Zeit später wieder auf die geplante Route. Später fuhren wir Wege,
die selbst er nicht kannte. Burkhard Sielaff und Hermann
Piepereit vom RV Endspurt kennen sich in der Gegend mit dem Rad noch besser aus,
hatten schöne Wald- und Wirtschaftswege für uns kombiniert, die uns kaum
einmal über Asphalt führten.
Über
den Aue-Wanderweg fuhren wir auf das majestätische Ahrensburger Schloss
zu. Eigentlich ist dieser wunderschöne Renaissancebaut ja "nur"
ein Herrenhaus, aber das störte in diesem Moment niemand. Weiter ging 's
am Schloss vorbei auf auf den Promenadenweg, weiter die Aue entlang.
Vor einem wunderschönen Waldhang
lag das Verpflegungsdepot. Wir waren zu einem für eine CTF sehr üppigen
Buffet geladen. Es gab Apfel- und Bananenstück, Corny-Riegel, verschieden
gefüllte Cremewaffeln,
Franzbrötchen, verschiedene Kekse mit und ohne Schokolade,
Haribo-Fruchtgummi, mit Wurst und Käse belegte Brötchen und Croissants,
dazu Warmwasser und Zitronentee. Es gibt Leute, die stören sich an solch
üppigen Essenangeboten,
weil sie nicht zu ihrem ambitionierten Fahrstil passen. Dabei steht es doch jeden frei nur zum Obst
zu greifen und den Rest zu verschmähen. Aber wer will das schon...
Dann
ging es den Hang hinauf. Vor dem Start hatte man uns schon darauf
eingestimmt, dass hier wohl niemand ohne abzusteigen hinauf kommen würde.
So war es denn auch. Den mit quer verlegten Baumstämmen gegen Abrutschen
gesicherten Hangweg hinauf zu fahren schaffen wohl nur Artisten. Es
folgten noch einige kurze Steilstücke, das Gros der Tour bot aber nur
wenige Höhenmeter. Eine willkommene Einlage um zu zeigen, dass man sein
Rad beherrscht, bot deshalb ein Absperrgatter, dass man nur in sehr engen
Bögen durchfahren konnte.
Es
wurde immer wärmer. Gestartet war ich mit Fleecehandschuhen, die ich
kurze Zeit später gegen dünne lange Handschuhe tauschte, bis ich zuletzt
ohne fuhr. Für meine empfindlichen Händen habe ich im Winterhalbjahr
für verschiedene Außen- und Betriebstemperaturen immer zwei verschiedene
Handschuhtypen dabei. Meine Füße hingegen blieben in meinen gefütterten Überschuhen aus
Gore-Tex von Anfang bis Ende angenehm warm und trocken.
Besten bewährt hat sich auch
wieder das Bergwerk Faunus Endurance, welches mir Thomas Wiencke, mein
Fahradhändler (Luftpumpe Hamburg) erneut geliehen hatte. Dank seiner
exzellenten Federgabel fahre ich es noch lieber als Lilas Storck Adrenalin
Race. Man gleitet auf ihm über alle Unebenheiten hinweg, hat dabei
jederzeit volle Kontrolle über das Rad und den einzuschlagenden Weg.
Vermisst habe ich allerdings daran mal wieder die von mir geliebte
Rohloff-Schaltung, denn nach Matschdurchfahrten beginnt selbst die beste
Kettenschaltung zu hakeln.
Matthias
hatte mit seinem Trekkingrad arge Probleme auf den Matschpassagen. Das lag
nicht am Rad, das für eine CTF völlig ausreicht, sondern an den
profilarmen Straßenreifen. Ein ungewöhnliches Allround-Rad fuhr Kolja.
Sein Giant ATX könnte man als Reisecrossrad bezeichnen, mit Rennlenker, hydraulischen Felgenbremsen,
Rohloff-Schaltung und MTB-Bereifung. Damit
fährt Kolja auch zur Arbeit und auf Reisen.
Unterwegs schnackte ich unter
anderem mit Sabine über ihre Brevet-Teilnahmen - vielleicht fahre ich
lieber zunächst einen Marathon - und mit Andy von der RG Uni über Gott
und die Welt. Mit uns fuhren
auch Christian Max, Diana Peskes und Rainer
Behnke von der BSG SV Rapid. Diana berichtete begeistert vom
Rennrad-Training auf Mallorca von und mit Max Hürzeler.
Wir fuhren ein Tempo, dass es mir erlaubte auch mal vorweg
zu sprinten, um alle Gruppenmitglieder von vorn abzulichten. Über das
Fotografieren der anderen vergaß ich zum Leidwesen meines Mädels mal
wieder dafür zu sorgen, dass ich auf einem Bild zu sehen bin. Was mich
mehr fuchste war, dass es kein Bild von dem tollen Leihrad gab, welches
ich gern herzeige. Um das doch noch hin zu bekommen, stellte ich mich später
samt Rad in Matthias Vorgarten vor die Kamera.
Vorm Start traf ich Henning Koller
von der BSG Haspa, Henning wurde vermisst, und Jörg Doose von der BSG
NDR. Ich sprach auch kurz mit Rolf Titel, dem Fachwart RTF für Hamburg
und Schleswig-Holstein. Rolf ist ebenfalls Vorsitzender des RV Endspurt, fiel
in der Masse der Endspurtler nicht auf, weil die Helfer des RV alles im Griff hatten.
Herzerwärmend fand ich den Anblick der Jugendgruppe samt ihren Betreuern
von der RV Germania.
Die
jungen Damen in unserer Runde habe ich erst am Ziel kennen gelernt. Ingrun
Meyer-Wellßow vom Kieler RV und Astrid Heidorn und Stefanie Wasmundt vom
ABC Wesseln waren froh, dass wir mit Sabine eine Führerin dabei hatten,
aber ich meine, geführt von zwei Männern wäre es ihnen auch nicht
schlecht ergangen. Wir wurden zu jeder Zeit, also auch vor und nach
unserer Fahrt von den Helfern des RV Endspurt bestens betreut.
Wir fuhren weiter zurück durch das
Stellmoor, eine archäologische Fundstätte des Spätpaläolithikums
(tolles Wort, hab ich in Wikipedia gefunden) und das Ahrensburger
Tunneltal. Burkhard und Hermann ließen uns zum Schluss
durch einen romantischen Wald mit malerisch umgestürzten Bäume
und ebenso pittoresken Feuchtwiesen ziehen.
Wir
waren gut drauf. Das waren auch die meisten Wanderer, denen wir
begegneten und freundlich grüßten. Bis auf einen, der etwas weidmännisch
aussah und zwei Dackel an der Leine führte. "Vorsicht" rief Matthias
in guter Absicht. "Warum das denn?" erklang es unwirsch
zurück. Wir waren ihm wohl ein Dorn im Auge, dabei haben wir der Natur
mit unserem Besuch ebenso wenig geschadet wie er. Das erlebt man auch in
anderen Naturschutzgebieten, dass Mitglieder einzelner Gruppen der Bevölkerung das
Gebiet am liebsten für sich allein hätten.
Es gibt noch unfreundlichere
Zeitgenossen, auch unter den Radsportlern. Das mussten wir erfahren, als
wir am Vereinsheim unsere Räder abspülten. Jeder aus unsere Gruppe
wartete brav, bis er an der Reihe war. In der Zwischenzeit kamen bereits
einige Radler von der Langstrecke an. Dafür gebührt ihnen Respekt, aber
weder Ehrfurcht, noch Privilegien.
Das
sahen einige von ihnen wohl anders, drängelten sich vor. Als wir sie darauf
hinwiesen, dass sie sich wohl vorgedrängelt hatten, flippte einer aus,
machte uns an, als ob wir etwas böses täten. Er wolle ja nur kurz sein Rad
abspülen, um damit nach Hause zu fahren. Wir sagten ihm, dass wir genau
das auch nur wollten. Er glaubte uns nicht, wurde immer wütender, fand
uns genauso unverschämt wie wir ihn, musterte Matthias verächtlich von
oben bis unten und blaffte ihn an: "Du fährst doch heute bestimmt
nicht mehr!"
Wow! Was für ein Radfahrer und
Menschenkenner. Noch etwas Training und er kann sich mit seinem Talent bei einer Casting-Show
bewerben. Bei der ersten Staffel von "Deutschland sucht den Super-A..."
könnte er unter die letzten zwanzig kommen.
Wir genossen noch die leckeren
belegten Brötchen und einen Latte macchiato bzw. eine Apfelsaftschorle im
Vereinsheim des SV Großhansdorf, bevor wir durch zunehmenden Regen heim
fuhren.
Die Route kannst Du Dir als GPS-Protokoll runterladen. Ein Link darauf
folgt. Du kannst Sie Dir auch auf der nebenstehenden Grafik aus MapSource
anschauen (Ja, ich darf das!). Höchster Punkt war der Bocksberg mit 63
Metern über NN. Gut zu sehen ist, dass wir jedes Waldstück und jeden
Grünzug mitnahmen. Auch die in der Karte weißen Abschnitte führten
überwiegend durch die Natur bzw. nur mäßig bebaute Flächen. Matthias war so angetan von
seiner ersten CTF, dass er künftig das
ganze Jahr lang welche fahren möchte.
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