CTF
Kattendorf-Struggle des RSC Kattenberg - mit Liebe gemacht
"Willst Du
mit?" Na, klar, deshalb war ich ja gekommen. Wie eigentlich fast
immer hatte ich mich auf der Hinfahrt verfahren, war um Punkt zehn Uhr an
der Anmeldung angekommen, da fuhr allerdings schon die letzte Gruppe ab.
Die nette junge Dame hastet der hinterher und pfiff sie zurück. Brav
warteten alle darauf, dass bis ich mich vollständig angetüdert hatte und es
endlich losgehen konnte.
Pünktliches Erscheinen
ist bei einer CTF angesagt. Ich hatte mich trotz trotz
Internet-Routenplaner mal wieder verfahren. Was helfen einem eine
Anweisungen im Stil von "Biegen sie nach 500m auf der L4711 rechts in
die K4712"? Nichts! Vor dem Start hatten sich die Teilnehmer in
Gruppen nach Routenlänge und gewünschtem Tempo einsortiert. Mir blieb
nur, mich der letzten Gruppe anzuschließen, mit der ich zum Glück gut
harmonierte.
Ich
kannte niemanden in der Gruppe, aber einige kannten mich. "Du bist
Schuld daran, dass wir heute hier sind." Was so vorwurfsvoll klingt,
war ganz freundlich gemeint. Ingo Ludwig erkannte in mir den Menschen, der
für diese CTF auf seiner Homepage getrommelt hatte. Ingo und Axel Loos
sind Mitglieder des TSV Bremervörde, hatten die weite Anreise nicht
bereut. Wir plauderten angeregt über die besten norddeutschen
Radsport-Events, z. B. den Mecklenburger Fahrradtörn. Wir werden uns wohl bei der CTF in Wedel
wiedersehen.
Die meisten Teilnehmer fuhren auf
einem Mountainbike. Einige wenige fuhren ein ATB oder Crossrad. Wohl nur
zwei oder drei waren wie ich mit einem Trekkingbike unterwegs. Auf matschigen Passagen
rutschten dessen Reifen, weil ich Stadtbereifung drauf hatte. Durch meinen täglichen
Arbeitsweg kenne ich sein Fahrverhalten allerdings
sehr gut, weiß in jeder Situation damit umzugehen und musste wohl kaum
öfter absteigen, als die Mountainbiker. Dass es
mit seiner Vollausstattung über 18 Kilo wiegt, empfinde ich nicht als
hinderlich, eher als kalkuliertes Handicap.
Das
beste an meinem Tourenrad ist im Gelände die Rohloff-Schaltung, mit der
ich immer blitzschnell den richtigen Gang drin habe und die auch nach
Schlammschlachten perfekt funktioniert. Nur wenn es am Veranstaltungstag
oder an den Tagen zuvor stark geregnet oder geschneit hätte, hätte ich
Lilas Mountainbike für mich umgerüstet.
Unsere Führer Lutz Lembcke und
Stephan Habeck waren von Anfang bis Ende gut gelaunt und jederzeit Herr
der Lage. Vor jedem Abschnitt wiesen sie auf Gefahren hin und hielten die
Gruppe zusammen. Auf eine Ausschilderung hatte der Veranstalter
vollständig verzichtet. Das macht Sinn, denn bei dem Zick-Zack-Kurs
abseits der Straßen wären sehr viele Schilder nötig gewesen. Eine
Teil-Ausschilderung hätte nichts genutzt.
Für
den Notfall hatte jeder einen Zettel mit der Route und den wichtigsten
Informationen dazu erhalten. Was fehlte, war allerdings eine Telefonnummer
darauf, unter der man Hilfe rufen konnte, andererseits fuhr ein Auto
hinter uns her. Immer wenn wir eine Straße kreuzten, wurde uns somit
Hilfe angeboten, hätte man zur Not auch damit wieder zum Ziel gelangen
können.
Von Kattenberg aus fuhren wir durch
den Staatsforst Segeberg Endem nach Wakendorf II, querten die Alster, die
dort nicht größer ist, als der Bach Rahlau, an dem ich wohne. Weiter
ging es über Kayhude und Ehlersberg, dann durchs wunderschöne Alstertal nach Hamburg-Duvenstedt. Die längere
der beiden Strecke macht von dort eine 20 Kilometer lange Schleife durch
das Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook, leider ohne mich. Dahinter lag dann die
"Depot" genannte Verpflegungsstation.
Am
Depot fütterte man uns mit leckerem Schwarzbrot mit Käse, Mettwurst und
Schmalz, dazu Bananenstücke, Energieriegel und Pralinen. Die Krönung war
für mich und viele andere der heiße alkoholfreie Punsch. Ab Ehlersberg ging es auf dem
gleichen Weg zurück, auf dem wir gekommen waren. Wer mochte, konnte dann
ab Kattenberg noch eine Schleife über den 62 Meter hohen Kattenberg und
Reddersberg abfahren.
Wer den Anschluss an seine Gruppe
nicht halten konnte, musste halt auf die nächste, schwächere warten, um
sich der anzuschließen. In meiner war dies bis zur Verpflegungsstation
nicht möglich, weil wird die letzte waren. So orientierten wir uns an den
Leistungsschwächsten, was kein Problem für uns war. Niemand meckerte,
weil es ihm zu schnell oder zu langsam voran ging. Für versierte Fahrer
boten unsere Führer immer wieder kurze Schlenker durchs Gelände an, die
dann wieder zurück zur Gruppe führten.
Wir
fuhren wohl zu 90 Prozent auf Wald- und Feldwegen und nur selten an
Straßen entlang oder durch Ortschaften. Die Wege waren
überwiegend trocken. Das lag daran, dass am Vortag ein kräftiger Sturm
über Norddeutschland hinweg fegte, der viel Feuchtigkeit aus dem Boden
gezogen hatte. Während unserer Tour blies uns teilweise noch immer ein
kräftiger Wind entgegen, dabei waren einige kleinere Hügel zu
überwinden. Kaum zu glauben, wie anstrengend ein leichter Anstieg sein
kann, wenn man sich auf matschigen Untergrund dem Wind entgegen stemmen
muss.
Die
Kurzstrecke war 48 Kilometer lang mit ca. 250 Höhenmeter. Dafür erhielten wir drei RTF-Punkte, so viel wie sonst erst nach über
110 Straßen-Kilometern. Daß das gerecht ist, merkte ich auf den letzten
Kilometern in meinen Oberschenkeln. Einige Mitfahrer gaben offen zu, dass sie bis
zum Ziel ihre letzten Körner verbrauchen werden.
Die
meisten Teilnehmer hielten sich an die Empfehlung des Veranstalters,
Wanderer mit einem freundlichen Hallo zu begrüßen, was ebenso oft und
freundlich erwidert wurde. Nur einmal waren Spaziergänger von uns
merklich genervt. In einer großen Gruppe von Basset-Besitzern, waren wir
für eine Dame einfach zu viele. Ich wies sie freundlich darauf hin, dass
wir das gleiche für ihre vielen Hunde empfanden, was ihre Gesichtszüge
entspannen ließ.
Unsere Gruppe war mit 25 Teilnehmer
die mit Abstand größte. Eigentlich sollten alle Gruppen kleiner sein,
aber einige als Führer eingeplante Vereinsmitglieder waren krank
ausgefallen. Bis zwei Kilometer vor dem Ziel blieben wir von Pannen
verschont, hatten nur einen leichten Sturz eines Radlers zu beklagen. Als
wir dann um auf einer Landstraße uns um den Pannenfahrer kümmern wollte,
kam ein riesiger offener Straßenkreuzer hinter einer Kurve hervor
geschossen. Der Fahrer bepöbelte uns, fuhr nur haarscharf und ohne zu
bremsen an uns vorbei.
Schade
ist, dass man in solchen Momenten nicht kühl reagiert und sich die
Autonummer merkt. Gern hätte ich diesen Irren bei der nächsten
Polizeiwache angezeigt. Von einer anderen Gruppe hörte ich, dass ein
Radfahrer so schwer gestürzt war, dass sein Helm geplatzt war. Sonst war
ihm nichts passiert. Statt nun dem Helm und dem Herrgott dafür zu danken,
soll auch noch unzufrieden gewesen sein.
Ich hatte mich morgens für eine
lange Radhose und meine mit Fleece gefütterte Windjacke entschieden. Dazu
trug ich einen Gore-Tex-Überzug über dem Helm, je ein Buff am Hals und
unter dem Helm, Stiefel und Neopren-Überschuhe sowie
Windstopper-Handschuhe. Gefroren habe ich damit nicht. Im Gegenteil. Nach
einigen Kilometern hätte ich mir gern ein paar dünnere Handschuhe
übergestreift.
Auf
dem Sportplatz konnte man sein Rad abspülen und im Vereinsheim duschen und von den leckeren, selbstgebackenen
Kuchen naschen. Zuvor lockte eine sensationell aussehende deftige
Erbsensuppe, die ich mir allerdings mit Ausblick auf das Mittagessen mit
meinem Mädel verkniff. Aber von dem Kuchen hab ich noch zwei Stücke
mitgenommen. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass die Kattenberger ihre
CTF mit viel Liebe ausgearbeitet und durchgeführt hatten.
Leider gibt es von dieser Tour
keine Tachoprotokolle. Die Funkübertragung hat mal wieder gestreikt. Wie
sich später zeigte, waren am Signalgeber und am Empfänger neue Batterien
fällig. Immerhin hat der Tacho die Höhenmeter aufgezeichnet. Leider
lässt sich das Protokoll bislang nicht auf den PC auslesen. Sobald 99 Prozent der
Daten übertragen sind, meldet das Programm HACtronic
"Zeitüberschreitung beim Lesen". Auf meine Frage per
Kontaktformular an Ciclosport, was ich dagegen tun müsse, erhielt ich keine
Antwort, telefonisch wurde mir geraten zunächst die Kontakte zu reinigen. Nun
werden 100% übertragen und dann "Übertragungsfehler" gemeldet.
Mein
Fotoapparat streikte ebenfalls oftmals, weil die Batterien zu schwach waren.
Heutzutage sind ja viele Radfahrer mit ihren Digitalkameras unterwegs und
so zieren nun auch sieben Fotos des Vereins diesen Bericht, mit
freundlicher Genehmigung von Nikolaus Bülk, dem zweiten Vorsitzender.
Als ich dann meine Sprachnotizen
vom Diktiergerät abhören wollte, stellte es sich tot. Richtig geraten!
Auch da waren die Batterien leer. Zum Glück hatte ich noch welche, obwohl
ich vorher neue bei der Funk-Maus einsetzen musste. Meine Bilder konnte
ich nicht von der Karte auslesen, weil der PC vermeintlich ein Treiberproblem hat.
Am nächsten Tag bemerkte ich, dass ich die Speicherkarte falsch herum in
den Kartenschacht gesteckt hatte. Ein Arbeitskollege erzählte mir, dass das Volk der
Pygmäen glücklicher leben würde als wir. Am Verzicht auf das
Fahrradfahren kann es nicht liegen, denn die Premiere der CTF in Kattendorf
im Jahr 2005 konnte
einen euphorisch stimmen.
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