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Am Start. Hier geht's zur Großansicht...Hamburg-City-Man Triathlon - Von den Tücken eines Rennen for everyone, but not for every body

Es berichtet Peer Schmidt - Fotos: Dagmar Stielau

Mit den Worten "Komm doch dieses Jahr mal mit... das wird lustig" lud mich mein 65-jährigen Vater im letzten Jahr zum Cityman 2006 ein - vielmehr überredete er mich. Für den Event habe ich dann sogar tapfer drei Monate lang Kraulen trainiert, um beim Schwimmen nicht abzusaufen. Mit geweiteten Pupillen und massenweise Endorphinen im Blut beendete ich damals mit ca. 1:25 Std. meinen ersten Triathlon und war von dem Moment an begeistert von diesem Sport.

Dieses Jahr hatte ich mir vorgenommen mich in der Gesamtzeit zu verbessern und hatte dazu regelmäßig in der Alsterschwimmhalle meine Bahnen gezogen und an den Wochenenden eine Runde mit dem Rennrad gedreht. Die Cyclassics hatte ich dann vor zwei Wochen noch als kleinen Test fürs Radfahren mitgenommen, denn im Gegensatz zum 80er-Jahre Motobecane mit Lederschlaufen, welches mich 2006 über den Kurs brachte, wollte ich dieses Jahr mit Klickpedalen fahren, um so wertvolle Sekunden zum Vorjahr gutzumachen. Aber leider kommt vor dem Radfahren das Schwimmen....

Schwimmen ist meine Angstdisziplin und vom letzten Jahr hatte ich diesen Abschnitt nicht in besonders guter Erinnerung. Um dieses Jahr die Angst davor etwas abzubauen, beschloss ich schon am Freitag mal bei den Junioren vorbeizuschauen und mir vielleicht hier und da ein paar Tricks abzugucken und mir den Kurs noch mal anzusehen. Es regnete in Strömen, aber dafür hatte man viel Platz zum gucken, da außer den Betreuern sehr wenig Zuschauer vor Ort waren.

Vor dem Start. Hier geht's zur Großansicht...Als bei den Juniorinnen eine Schwimmerin bei der Hälfte der Strecke von einem Rettungsboot aus dem Wasser gezogen wurde, spielten sich unweigerlich Szenen in meinem Kopf ab, die mich kurzfristig von einer Teilnahme abhalten wollten. Auf welche Art würde ich wohl morgen im Wasser sterben? Ich habe am Abend dann trotzdem meine Sachen rausgelegt und mir gewünscht, dass ab und zu den Kopf ausschalten zu können.

Dieses Jahr bekam ich den Startblock W und damit eine langschläferfreundliche Startzeit von 11:40 Uhr. Genau richtig... So konnte ich wie immer viel zu spät ins Bett gehen und dennoch lange genug schlafen um am nächsten Tag fit zu sein. Am Morgen sah es noch recht vielversprechend aus mit dem Wetter, doch ab 9:00 Uhr regnete es dann immer heftiger und in dem Moment wo ich in Wandsbek mit Sack und Pack auf dem Rad eiernd losfuhr, fing es auch noch an zu Blitzen und zu Donnern. Meine Regenjacke hielt zwar meinen Oberkörper trocken, doch die Taschen auf dem Rücken waren in dem Moment wo ich ankam schon fast völlig durchnässt. So watschelte ich leicht frierend zum Checkin und baute im Nieselregen meinen Kram auf.

Es gab die abenteuerlichsten Konstruktionen der Teilnehmer um ihr Material vor dem Regen zu schützen. Einige drehten einfach die gelben Post-Boxen um, andere konstruierten mit Hilfe von Regenjacken und Luftpumpen kleine Mini-Zelte um ihre Lauf- und Radkleidung vor dem Regen zu schützen. Ich warf eine Jacke über die Box und hoffte, dass es reichen würde. Wenn nicht, würde ich es wohl eh nicht mitbekommen, denn ich weiß aus Erfahrung, dass ein feuchter Helm oder ein nasser Schuh das geringste Problem ist wenn man mit Maximalpuls durch die Wechselzone rast.

Vor den Alsterarkaden. Hier geht's zur Großansicht...Durch das Wetter war der Startbereich äußerst übersichtlich, denn trotz der WM, waren es subjektiv in diesem Jahr weniger Zuschauer die im Startbereich zugucken wollten. Der Moderator hatte auch seine liebe Mühe das Publikum in Schwung zu bringen. Wie soll man auch klatschen, wenn man in einer Hand einen Regenschirm hält? So beschränkten sich die meisten Zuschauer auf winken und kurze Zurufe um ihre Freunde und Bekannten in das 16,2 Grad kalte Wasser zu treiben.

Mein Vater hatte dieses Jahr seinen Start wegen der kalten Wassertemperaturen zurückgezogen, aber ich musste nicht alleine an den Start. Mit zwei bekannten, die ebenfalls im Startblock W gelandet waren versuchten wir die 10 Minuten Wartezeit bis zum Start irgendwie rum zu bekommen.

Renate (links), belegt später in ihrer Altersklasse einen hervorragenden 1. Platz mit 1:55 und Heide (rechts) nahm hier an ihrem 1. Triathlon teil und war so nervös, dass sie jede Frage nur mit "was?" beantwortete. Alleine für den Mut mit einem Badeanzug in das eiskalte Wasser zu steigen gebührt ihr höchster Respekt.

"Geht schon mal vorher rein" sagte einer der Ordner. "Dann ist der Schock nicht so groß wenn es losgeht". Wir guckten uns an und wussten nicht so recht ob wir lieber den Schock wollten, oder den langsamen Kältetod an der Startleine. Wir entschlossen uns dann doch 3 Minuten vorher ins Wasser zu steigen und durch Bewegung so gut es ging auf Temperatur zu bleiben. Hat man normalerweise für die wenigen "Naturneopren"-Schwimmer einen bewundernden Blick über gehabt, so konnte man diesmal in ihren Gesichtern lesen, dass das Mitleid, welches man heute für sie empfand, durchaus begründet war.

Im letzten Jahr hatte ich mich in der zweiten Reihe beim Start aufgehalten, um dem Gewühl zu entgehen, was dann bis zur ersten Boje dazu führte, dass ich zahlreiche Fußtritte von Brustschwimmern im Gesicht hatte und mir zwischenzeitlich wie Axel Schulz in seinen letzten Kämpfen vorkam. Dieses Jahr wollte ich möglichst schnell angehen, um mich aus dem Hauptpulk herauszuhalten und dann später, wenn sich die Gruppe verläuft, mein eigenes Tempo schwimmen, ohne in den Nahkampf gehen zu müssen.

Nach dem Ausstieg auf dem Rathausmakrt. Hier geht's zur Großansicht...3...2...1.. wooosch... "jetzt Gas geben" dachte ich. Der Plan ging auf. Bei der ersten Boje hatte ich lediglich einen anderen Schwimmer neben mir, der aber nicht drängelte und ein paar andere vor mir, die aber das gleiche Tempo hatten, so dass ich gut hinter ihnen her schwimmen konnte. Im letzten Jahr wurde ich von wilden Brustschwimmern einen Meter unter der Wasseroberfläche praktisch um die Boje herumgepresst und dahinter in einem Strudel wieder herausgedrückt. Dieses Jahr konnte ich sogar noch auf meinen Schwimmstil in der Kurve achten. Es fing gut an.

Bei der zweiten Boje lief ich auf den Vordermann auf und wollte ihn links überholen. Dieses Manöver stellte sich als Fehler heraus, denn anders als im Hallenbad, wo ich mit meinem mangelnden Orientierungssinn einfach stumpf der schwarzen Linie nachschwimme, ließ das Alsterwasser und der Regen mir wenig Möglichkeit mich gut zu orientieren. So steuerte ich ohne es zu merken auf dem Weg zur Brücke immer weiter nach links und wurde stutzig, als ich fast gegen den Bug eines der Rettungsboote anschlug, welche an der Seite zum Ballindamm festgemacht hatten.

"Da lang" hörte ich eine Frau am Rand des Anlegers rufen, welche auf die mit orangefarbenen Plakaten und Pfeilen gekennzeichneten mittleren Tunnel der Reesendammbrücke deutete. Kopf hoch, Ziel anpeilen und los geht's. Komischer Weise schwamm ich aber wieder nicht wirklich auf den Tunneleingang zu, sondern lediglich parallel zum Ballindamm. Noch einmal korrigiert... diesmal hatte ich Glück und steuerte in den Tunnel hinein.

Jetzt wurde es dunkel über mir. Eine dunkle Röhre mit Wasser, ohne Möglichkeit sich am Rand festzuhalten und mit schwindender Puste ist es genau der Teil an diesem Event, den ich schon Monate vorher fürchte. An dieser Stelle begann ich nur noch an den Arm des Helfers zu denken, der mir in ca. 150 Meter weiter die Hand reichen würde, um mich aus dem Wasser zu ziehen. Was ist wenn ich hier ertrinke? Mich wird hier keiner sehen wenn ich untergehe?! Denk an den Arm! Denk an den Arm verdammt! Auf einmal wurde es wieder heller und nun hatte ich mit Saftlosigkeit in den Oberarmen zu kämpfen und mit dem beginnenden Schmerz, den ich so gut aus dem Training kenne, wenn ich die letzten Bahnen zu schnell schwimme.

Anfahrt zur Wechselzone. Hier geht's zur Großansicht...Weit links nahe der Zuschauer, versuche ich weiter den Kopf unten zu halten und saubere Züge zu schwimmen. Fehlanzeige. Die Arme machen jetzt ihr eigenes Ding. Auf einmal spüre ich die Rampe unter meinen Händen und höre einen der Helfer "Hier geht's hoch". Da ist der Arm! Ich greife ihn und höre ihn lachend rufen "Hey zieh mich nicht rein!". Ich hatte unweigerlich alle Muskeln erschlaffen lassen und hatte wohl insgeheim gehofft, ich würde komplett aus dem Wasser gezogen werden. Halb krabbelnd, halb laufend komme ich dann doch noch an Land. Es ist geschafft.

Auf dem Rad fühle ich mich wohl und so genieße ich die 22 Kilometer parallel zur Elbe. Der Regen hat nun zwar aufgehört, aber dennoch ist die Straße verdammt rutschig. Die ersten Kurven sind sehr scharf und da ich noch gut einige sehr böse Stürze von den Cyclassics vor meinem Auge habe, fahre ich hier jetzt besonders vorsichtig. Leider sind auch hier wegen des schlechten Wetters nur sehr wenige Zuschauer zu sehen. Der einzige Vorteil daran ist, dass man jedem der einen anfeuert persönlich zunicken und sich bedanken kann. Hinter mir rauscht es monoton. Das untrügliche Zeichen eines Scheibenrades. Als er an mir vorbeizieht komme ich mir mit meinem Tempo vor, als wenn ich mich gar nicht fortbewegen würde. Die Trinkflasche zwischen seinem Triathlon-Lenker verrät: Dieser Kerl hat heute noch was vor.

Was ich beim Schwimmen herausgearbeitet habe, holen die schnellen Radfahrer nun wieder auf und legen noch einen drauf. Bis zum Ende der 22 km ziehen ein paar vorbei. Ich hoffe den ein oder anderen beim Laufen vielleicht noch einmal wiederzusehen. Ich zwinge mich an der Trinkflasche zu nuckeln auch wenn ich Aufgrund der Kälte gar keinen Durst habe. Vielleicht vergesse ich deswegen richtig zu schlucken und so läuft die Hälfte in mein Trikot. Es ist ja eh alles nass. Vor dem Wendepunkt werde ich von einer Frau überholt die etwas schneller fährt als ich. TRI As Hamm steht auf dem Einteiler. Ich versuche so gut es geht dran zu bleiben, aber nach zwei Kilometern ist sie schon nicht mehr in Sichtweite. Es ist Daniela Keil, die bei den Frauen den dritten Platz belegen wird.

Auf dem letzten Kilometer versuche ich lockerer zu fahren und den Puls ein wenig runter zu bringen. Im Walltortunnel bläst noch mal ein starker Wind entgegen und ich versuche schon mal aus den Radschuhen zu kommen. Da sie keine Klettverschlüsse haben, ist es doch recht fummelig und so komme ich erst kurz vor dem Absteigen aus ihnen heraus.

Im Ziel. Hier geht's zur Großansicht...Jetzt wo es zum Laufen geht, lässt sich sogar die Sonne kurz blicken und auch die Zuschauer werden wieder munterer. Als es an der Wende zum Laufen am Ballindamm geht, kommt langsam Weltmeisterschaftsstimmung auf und die Rasseln und Anfeuerungsrufe setzen noch einmal Adrenalinschübe frei.

Die fünf Kilometer sind ja sehr überschaubar und so war ich recht zuversichtlich auch den letzten Abschnitt gut über die Bühne zu bringen. Fast wäre ich beim Herunterlaufen von der Lombardsbrücke zum Tunnel in die Absperrung am Rand gerauscht, weil meine Laufschuhe auf dem Sand einfach weitergerutscht sind. Glücklicherweise kam ich einige Zentimeter davor doch zum Stehen.

Kurz vor dem Wendepunkt mussten dann viele der Teilnehmer ihre Sauerstoffschuld bezahlen und legten Gehpausen ein. Einer übergab sich pausenlos. Er hatte wohl einfach vorher zu viel gegessen und mit der Anstrengung mag der Magen dann wohl nicht mehr. Etwas weiter an der Verpflegungsstation wollte ich ein Schluck Wasser trinken, doch auch hier landete der Teil, der nicht beim Laufen aus dem Becher schwappte, entweder im Gesicht oder auf dem Trikot. Dann muss es eben ohne gehen.

Als es dann auf den neuen Jungfernstieg zuging und die Sonne anfing den Asphalt zu wärmen, versuchte ich noch mal die letzten Reserven zu mobilisieren und den finalen Kilometer im roten Bereich zu laufen. Im Zielbereich waren jetzt auch die Tribünen gefüllt und neben mir ließ sich ein Läufer überschwänglich von der Menge feiern, während er ins Ziel einlief. Ich versuchte meine Zeit auf der Anzeigetafel zu erkennen, denn eine Uhr hatte ich leider nicht dabei. Die Namen rauschten aber so schnell durch, dass ich gleich weiter zu Familie und Bekannten lief um nicht auszukühlen.

Erst als ich zu Hause war und im Internet die Ergebnislisten durchforstete, konnte ich sehen, dass ich mich um über fünf Minuten zum Vorjahr verbessert hatte und mit 1:19:24 Std. mehr als zufrieden mit meinem Ergebnis sein konnte. Sportlich war 's für mich also ein absolut gelungenes Event. Vom Drumherum muss man leider sagen, dass es das Wetter Athleten wie Zuschauern gleichermaßen schwer gemacht hat so richtig abzufeiern. Erst später als die Elite Damen an den Start gingen und es teilweise sogar warm wurde, konnte man erahnen, was an einem knalligen Sommertag in der Innenstadt zur WM los gewesen wäre. So blieb es aber diesmal eben nordisch kühl und etwas ungemütlich.

Fotos 14 und 17: action photo

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Hier stehen alle Bilder vom Hamburg-City-Man 2007

Hier die Diaschau vom Hamburg-City-Man 2008

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