Allertal
CTF ab Celle - Die Herzblut-CTF
Was treibt vier Männer dazu bis fünf Stunden Hin- und Rückfahrt auf
sich zu nehmen, nur um mit der CTF in einer Gegend zu fahren, die so viel
anders als die daheim nicht sein kann? Nun, uns gemeinsame Motive waren
sicherlich die Vorfreude darauf, das es wenigstens etwas anders ist und
das eine gemeinsame Fahrt fern der Heimat immer besser ist als keine. Um
es vorweg zu nehmen. Wir haben die weite Fahrt nicht bereut. Der Blick auf
das liebliche Allertal und die Fahrten durch die umliegenden Wälder sind
einfach etwas anderes, als zumindest ich zumeist zu sehen bekomme und die
Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Celler Fortunen wird mir lange in
angenehmer Erinnerung bleiben. Weil ich auch auf der Hin- und Rückfahrt
mit Heide-Biker
Karsten, Bagdad-Biker und tierfreund23
Thomas drei meiner Lieblings-Mitbiker um mich hatte, wurde es ein langer
und doch wunderschöner Tag. Olli
hatte mich morgens aus Tremsbüttel
kommend abgeholt. Erste Hürde war mein Paulchen-Heckträger, den ich noch
schnell an der Heckklappe anbringen wollte. Ging nicht, die Autowerkstatt
hatte den Schlüssel dafür für mich auf die Schnelle unauffindbar
verlegt. Mit einem schlecht sitzenden Träger mit nur einem Rad und dem
anderen im Kofferraum fuhren wir mit etwas Verspätung gen Marxen ab.
Dort
erwarteten uns Karsten
und Thomas, aber erst mal fuhren wir dran vorbei.
Ich werde mir demnächst für's Radfahren ein Navi kaufen, nein, nicht für's
Rad, sondern für's Auto. Trotz unserer Verspätung waren die Jungs gut
drauf. Ruckzuck hatten wir die Räder auf Karstens neuen
4-er-Thule-Träger verstaut, fuhren auf Kosten der Firma MDS
Messebau und Service mit Karstens komfortablen Dienstwagen nach Celle. Wir waren so ziemlich die letzten, die dort
eintrafen, weit nach dem Start der ersten Teilnehmer. Das war egal, weil die Strecke komplett
ausgeschildert war. Sie wurde nicht ab einem bestimmten Zeitpunkt in
geführten Gruppen gefahren. Statt dessen gab es ein Startzeitfenster
innerhalb dessen jeder fuhr wann und mit wem er wollte.
Vorteil für die
Teilnehmer ist, dass jeder sein Tempo und sich nicht verfahren kann. Das
bietet bei anderen CTF immer wieder Anlass zu mehr oder minder
berechtigter Kritik. Wer wollte, fand auch so eine Gruppe, vor allem wenn
man mit der Beute zu Beginn startete. Das ist genauso wie bei einer RTF. Dem
Veranstalter bietet es den Vorteil, dass er nicht viele Führer stellen
und vorher einweisen muss. Das ist für kleine Vereine wie den ESV Fortuna
Celle sehr wichtig. Es kann entscheidend dafür sein, dass die überhaupt eine
CTF ausrichten können, vor allem dann, wenn man wie in Celle an die
hundert Teilnehmer führen müsste. Um den Aufwand für die Auf- und
Abschilderung erträglich zu halten, legten die Celler die Route vom
Vereinsheim des ESV hin zu einem 32 km langen Kreis, der auf der Kurzstrecke ein, auf
der Langstrecke zwei Mal durchfahren wurde. Statt wie üblich einem Depot
auf der Kurz- und einem weiteren auf der Langstrecke gab es dafür zwei
Depots im Kreis, die man beide zwei Mal anfahren konnte. Und wer mit
seiner Fahrttechnik auf der ersten Runde nicht zufrieden war, konnte es
auf der zweiten besser machen.
Wir wurden herzlich empfangen. Man war
gespannt darauf, wer sich denn hinter der Boygroup verbergen würde, die man zuvor nur aus dem
langen Forums-Fred zu der Veranstaltung
kannte.
Der wurde vor der Veranstaltung weit über tausend Mal angeklickt. Willkommen
hießen die Teilnehmer am Eingang auch die ausliegenden Pralinen und die
Goldbären an der Anmeldung. Kleine Gesten, die nicht viel Kosten, aber so
viel sagen. Wochenlang stand die Ankündigung der Allertaler CTF im
Forum, zuletzt auch in der Vorschau auf Helmuts-Fahrrad-Seiten. Dass sich
vier Leute aus der weiteren Umgebung weltöffentlich zur gemeinsamen
Teilnahme verabredeten, dürfte den Werbeeffekt gesteigert haben. Es
dürfte mit dazu geführt haben, dass sich die Teilnehmerzahl gegenüber
der Erstauflage in 2008 von 45 auf 93 mehr als verdoppelte.
Die
Anmeldeprozedur ging fix. Das von vier Damen betriebene einladende
Frühstücksbuffet ließen wir - ich schweren Herzens - links liegen, um
endlich auf die Räder zu kommen. Wir ließen die Tour nicht all zu zügig
angehen. Es gab zu viel zu bequatschen, als das wir
hetzen wollten, auch weil uns Manfred
vom ESV begleitete. So ganz nebenbei legten wir
mit dem Mannschaftskapitän der Fortunen die Eckpunkte für seine Idee
einer gemeinsamen Jahresabschluss-Sternfahrt des
ESV Fortuna
Celle mit
Helmuts-Radsport-Forum zum Wilseder Berg fest. Das Wetter war O.K.,
kühl zwar, aber durchgehend trocken von oben. Tags zuvor hatte es
geschneit, aber auf den Wegen war der Schnee leider schon abgetaut. Ich
liebe es auf frischen Schnee zu fahren. Mit etwas mehr Sonne wären über
hundert Leute gefahren. Möge dieser Bericht dazu beitragen, dass es so
oder so weit über 100 in 2010 werden.
Die Wege waren überwiegend
breit, was die mir wichtige Kommunikation erleichterte. Sie waren durchgehend auch für
Tourenräder geeignet. Ich fuhr selbst mit meinem TDH-10,
mit dem ich nach ca. einem Jahr mit 7.000 km harmoniere wie ein altes
Ehepaar, nur der Grip meiner Winter-Stadtbereifung
war auf den Matschpassagen selbstverständlich etwas dürftig. Mit meinem neuen wasserdichten
und stoßfesten Fotoapparat befinde ich mich erst noch in der
Kennenlernphase. Ich hoffe, die Bilder genügen trotzdem Deinen
Ansprüchen. Es gab nur zwei nennenswerte Hügel, aber zum Berge fahren waren
wir nicht gekommen. Wer die in der Nähe sucht muss in den Harz oder das
Weserbergland fahren. Schön fand ich immer wieder den Blick über das
Allertal und Fahrten auf urwüchsigen Waldwegen.
Unterwegs trafen wir
viele Leute mit Pannen. Eine hatte ich selbst. Seit Tagen hatte ich eine
unheimliche Pannenserie mit meinem Hinterreifen erlitten. Manfred
fand die
Ursache, einen im Mantel steckenden Heftklammerdraht. Bei Matsch und
Kälte ist ein Schlauchwechsel kein Vergnügen und meine Minipumpe
versagte kläglich. Mit Thomas seiner noch kleineren Schnellfickerpumpe (Sorry,
aber das Wort drängte sich mir auf) war der Reifen schnell aufgepumpt. Manfred
hatte seine Augen überall, lieh Leuten sein Werkzeug, stellte ein
herausgerissenes Schild provisorisch wieder auf und dirigierte während
der Fahrt die Veranstaltung über's Handy. Er sammelt alte Flickzeugdosen
und RTF-Punkte, ist der amtierende
niedersächsische Meister in der RTF-Wertung mit 382 Punkten und über
14.000 Wertungskilometern. Dass er tatsächlich trotzdem noch verheiratet
ist, bezeugte meine Begegnung mit seiner Frau Sabine, die am Buffet
mithalf. Auf
den vorderen Plätzen der Wertungsliste stehen auch die Fortunen Daniela,
Eckart, Hubertus, Jens, Jürgen, Michael und noch ein Manfred. Der ESV
hat einen Mannschaftsbus und eine gemeinsame Jahresplanung, dank derer
sie im Sommer an nahezu jeden Samstag und Sonntag eine RTF oder
Radmarathon fahren können.
Ich hatte vergessen meine Startnummer anzubringen, aber
an den Verpflegungsstellen erwarteten uns Leute, die ich durch deren
zahlreichen Berichte und Fotos und sie mich aus dem Netz als ihren
"Verleger" kennen. Das beeindruckte die Jungs nicht so sehr
wie das "Hallo Helmut" von der mir leider noch unbekannten schmucken
Endspurtlerin, die mich am Start im Vorbeifahren neckisch grüßte. Am ersten
Depot herrschte reges Treiben. Es gab mit Waffeln, Kekse, Stollen, Riegel,
Schmalzbrote, Äpfel und Bananen weit mehr als man erwarten kann. Das
Glanzlicht war die leckere warme Brühe aus Warmhaltekanistern,
bemerkenswert auch die ausliegenden Einweg-Brillenputztücher. Das
Getränkepulver stammte, na klar, von Uelzena und der Barmixer kannte das
Rezept für den daraus zu gewinnenden Tee. Wir trafen
Klaus und Jens, den
zweiten Mann der Fortunen. Jens fuhr uns voraus, um uns immer wieder auf
der Strecke abzulichten. Jens ist wie Manfred
einer der Celler
Vielschreiber, die uns zusammen in 2008 mit an die 50 (!) Berichten
erfreuten. Nach dem Depot querten wir die Aller über ein großes Stauwerk.
Treppen waren auf- und abzusteigen, aber das war die Einlage, auf die ich
mich dank der Fotos aus 2007 schon seit einem Jahr freute.
Nun begleitet
uns auch Jürgen vom ESV ein Stück. Schon nach gefühlt wenigen
Kilometern erreichten wir das zweite Depot. Dort stand Michael, der
hunderte wunderbarer Bilder für's Album beisteuerte und uns mit seinen
Sprüchen unterhielt. Einer der Helfer war Dirk von der RG
Wedel, den ich
dafür als "Edelhelfer" titulierte. Nun gab es passend zum 1.
Advent zu allem Überfluss auch noch Mandarinen und Lebkuchen, nur die
Butter auf den Rosinenstuten war bei der Kälte etwas hart. Es gibt Dinge,
die bekommen selbst die Fortunen nicht in der Griff. Die lokale
Fahrrad-Händlergruppe Kurbelix hatte ein Fahrzeug und das Zelt gestellt.
Insgesamt waren vier Busse für uns im Einsatz, z. B. um die Sachen von
den Depots und defekte Räder einzusammeln. Am Depot stand auch Rock
"Rocky" Hudson, einem weiteren Celler RTF-Fotografen. Ich
erzählte noch mal die schöne Geschichte, wie ich die erste Mail mit
Bildern von Rocky erst als Spam einstufte. Post mit dem Absender
"Rock Hudson" schmeißt man schnell ungelesen weg. Als ich dem
Engländer erzählte, dass ich seine Mail auf einer Stufe mit den "Enlarge
your Penis"-Mails eingestuft hatte, gefroren ihm kurz die
Gesichtszüge.
Übrigens, die gleiche Mails auf Deutsch ist meine
Lieblings-Spam, über die ich immer herzlich lache. In deren Betreff steht
"Natürliche Penisvergrößerung ist möglich, Herr Niemeier."
Man darf das einfach nicht persönlich nehmen. Mit Rocky fuhren wir bis zur
Abzweigung, die zurück zum Vereinsheim bzw. auf die zweite Runde führte.
Wir zögerten nicht, fuhren die Runde noch einmal. Nun waren wir so
ziemlich die letzten, einer kam glaube ich noch nach uns. Wir wurden
trotzdem anstandslos an beiden Depots beköstigt, obwohl die Helfer schon
seit Stunden in der Kälte standen. Dabei waren sie noch immer freundlich
und fröhlich wie zu Beginn. Den mir ebenfalls aus vielen
Berichten bekannten Eckart hatte ich beim Anmelden leider nicht erkannt. Auf dem letzten Stück trafen wir wieder
auf Rocky und Manfred, die die Schilder einsammelten. Sie steckten sie
sich gegenseitig in große Rucksäcke, die großen hielten sie am Lenker
fest. Am Vereinsheim angekommen sahen wir dann welche Mengen an Schildern
aus- und wieder einzubringen waren.
Manfred
bemerkte beiläufig, dass er drei Tage Urlaub in die Vorbereitung der
Veranstaltung investiert hatte. Irgend jemand schnappte auf, dass die CTF
für den Verein wohl kostendeckend zu Ende gehen wird. Ich fände es
angebracht, wenn der Startpreis für eine CTF sich von dem einer RTF wegen
den erheblich kleineren Teilnehmerfeldern deutlich nach oben absetzen
würde. Mit einem Gartenschlauch spritzten
wir den Dreck von den Rädern. Das Wort "Abspritzen" mag ich
kaum noch benutzen, weil Google es
missversteht, Helmuts-Fahrrad-Seiten
zu dem Begriff recht weit oben in der Trefferliste führt, obwohl die
Leute ganz andere Inhalte suchen. Dann widmeten wir uns der
verdienten Wurst mit Kartoffelsalat. Manfred
stellte uns einen Teller
Kuchen vom üppigen Buffet dazu und Henry beglückte uns im Namen des
Vereins mit Kartoffeln und Honig aus der Region. Ich mag
auch das kaum
schreiben, weil womöglich einer denkt, wir wären für unsere Berichte
bestochen worden. So war's nicht. Die Leute sind einfach nur sehr herzlich
und gastfreundlich, betreiben ihren Sport als Gastgeber mit noch mehr
Herzblut als als Teilnehmer. Mehrfach wurde ich daran erinnert, wie gern man uns am
18. April auf der Celler RTF sehen würde. Ich bin optimistisch, dass das
klappt.
Vom üppigen Buffet wählte ich zwei Stücke aus für mein
Mädel daheim. Es begeisterte mich, dass Jens Frau Waltraud sogar Alufolie zum
Einwickeln für den Heimtransport parat hatte. Mit all den Liebesgaben und
den Kopf voller schöner Erlebnisse ging es heim. Wir sehen uns im
nächsten Jahr wieder. Erst mal im April zur RTF, dann am 29. November
2009 zur nächsten Auflage der CTF. Die Berichte
und Reaktionen der anderen Forumsmitglieder stehen hier.
Ein Bilder sagt bekanntlich mehr als tausend Worte. Ca. 200 Bilder
von der Allertal-CTF ab Celle findest Du hier.
|